Dialog

Rückblick auf eine Veranstaltung

1. Juni 2017, 20 Uhr Vortragsabend in Neustadt

Hitlers "Mein Kampf": Die kritische Bearbeitung eines fürchterlichen Pamphlets

mit Dr. Roman Töppel (Historiker)

Adolf Hitlers Buch „Mein Kampf“ ist ein Mythos. Das zeigt sich nicht nur an den hitzigen öffentlichen Debatten, die in Deutschland um die Wiederveröffentlichung nach Ablauf des Urheberrechts geführt wurden, sondern auch am gewaltigen Medieninteresse, das die vom Institut für Zeitgeschichte in München erarbeitete wissenschaftlich-kritische Edition von „Mein Kampf“ hervorgerufen hat.

Hitler schrieb den ersten Band seines ursprünglich zweibändigen Werks nach seinem gescheiterten Putschversuch vom November 1923 in der Festungshaft in Landsberg am Lech. Den zweiten Band verfasste er nach seiner Entlassung und der Neugründung der NSDAP in den Jahren 1925/26. Bis Ende 1944 erschienen fast 12,5 Millionen Exemplare der verschiedenen deutschsprachigen Ausgaben.

Victor Klemperer, der bekannte Dresdner Romanist, der als Jude beinahe selbst dem NS-Rassenwahn zum Opfer gefallen wäre, schrieb über „Mein Kampf“: Nie sei ein Lehrbuch der Propaganda „mit schamloserer Offenheit“ geschrieben worden. „Es wird mir immer das größte Rätsel des Dritten Reichs bleiben“, so Klemperer weiter, „wie dieses Buch in voller Öffentlichkeit verbreitet werden durfte, ja musste, und wie es dennoch zur Herrschaft Hitlers und zu zwölfjähriger Dauer dieser Herrschaft kommen konnte, obwohl die Bibel des Nationalsozialismus schon Jahre vor der Machtübernahme kursierte.

Mit Beginn des Jahres 2016 ist das beim Freistaat Bayern liegende Urheberrecht an „Mein Kampf“ ausgelaufen. Damit ist das Buch „gemeinfrei“ geworden und kann theoretisch von jedem kommentarlos nachgedruckt werden. Um politischem und kommerziellem Missbrauch vorzubeugen, hat das Münchener Institut für Zeitgeschichte die kritische Edition erstellt.

Der Historiker und Mitherausgeber Dr. Roman Töppel wird in seinem Vortrag auf die Entstehung von „Mein Kampf“ und auf den Symbolwert eingehen, den das Buch zu Hitlers Lebzeiten hatte und in anderer Weise auch heute noch hat. Er wird Einblicke in die Arbeitsweise des Herausgeber-Teams der kritischen Edition geben und die Herausforderungen erläutern, vor die sich die Mitarbeiter des Projekts gestellt sahen, als es darum ging, die von Hitler genutzten Quellen transparent zu machen und die in den Text eingewobenen Falschinformationen, Halbwahrheiten und offenen Lügen zu widerlegen.
In Kooperation mit der Evangelischen Akademikerschaft Pfalz-Saar e.V.
Moderation: Dr. Christoph Picker