Bibellese

Sonntag, 26. März, Psalm 84

Nicht versiegende Lebensenergie

„Wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!“ Weisheitlich und bildreich stimmen diese Verse das Lob Gottes an. Angenehm lässt es sich hier sammeln mit den Sprachbildern der Geborgenheit, die der frühlingshaften Natur entlehnt zu sein scheinen. Da haben die Vögel ihr Zuhause gefunden und die Jungen der Schwalben ein behagliches Nest. Wohl denen, die Gott für ihre Stärke halten, die dürfen damit rechnen, die Erfahrung zu machen, dass ihr Gott sie treu begleitet, nicht nur durch finstere Täler, sondern, dass sich ihre Erfahrungen der Entbehrung und der Schmach in Erfahrungen von Fülle und Segen verwandeln werden durch seine Hilfe, seine Stärke, seinen Trost und seine Nähe. Wer die Nähe dieses Gottes sucht, in Vertrauen und im Gebet, der wird diesen Gott als nicht versiegende Lebensenergie und schützenden Schild erleben und erfahren. „Denn ein Tag in seinen Vorhöfen ist besser als sonst 1000.“

Montag, 27. März, Lukas 20, 41–47

Der Davidssohn

Der Evangelist Lukas will hier einen scheinbaren Widerspruch innerhalb der messianischen Hoheitstitel Jesu auflösen. Scheinbar wurden Jesus und seine Nachfolger vonseiten der Schriftgelehrten spitzzüngig daraufhin angegangen. Doch bei und für Lukas kann es keinen Zweifel geben. Der scheinbare Widerspruch im Sinne der Logik und Biologie wird als Geheimnis im Sinne des Glaubens und der messianischen Theologie aufgelöst: Jesus ist der Herr als Sohn Gottes, und als Mensch ist Jesus der Sohn Davids, schon allein aus Gründen seiner irdischen Abstammung über Josef aus dem Hause Davids. Am Ende wird noch einmal vor falschen Lehrern eindringlich gewarnt. Ganz typisch für Lukas wird der schroffe Widerspruch sowohl zwischen Reichtum und Armut als auch zwischen Anspruch in der Rede und Wirklichkeit im Tun polarisiert und gegenübergestellt.

Dienstag, 28. März, Lukas 21, 1–4

Das Schärflein der Witwe

Lukas schließt hier an die „Witwen“ aus Lukas 20, 47 an und fügt eine Perikope, die schon bei Markus 12, 41–44 vorliegt, ein. Auch hier wird deutlich die Radikalität der Wirkung und der Forderung des Evangeliums betont und illustriert. Bei der sogenannten guten Nachricht geht es ums Ganze. Gott will in Jesus den ganzen Menschen ansprechen, und er will den Einsatz des ganzen Menschen, denn es geht um das Heil der ganzen Schöpfung und aller Menschen. In der Begegnung mit Gott, die uns durch die Sendung Jesu ermöglicht wurde, geht es um das ganze Heil. Hier steht alles auf dem Spiel, hier gilt es, sein ganzes Leben einzusetzen und nicht nur pro forma, pflichtgemäß und anteilmäßig mitzuspielen.

Mittwoch, 29. März, Lukas 21, 5–19

Übergänge und Untergänge

Lukas glaubt sich und seine Leser in der Nähe des Endes der Zeiten. Lukas und seine Gemeinde rechnen mit der nahen Wiederkunft des Herrn. Aller Wahrscheinlichkeit nach war der Tempel schon durch die römische Fremdherrschaft zerstört worden, und die Anhänger Jesu machten die ersten Erfahrungen der grausamen politisch und religiös motivierten Verfolgung. Lukas will nun ermahnen und trösten zugleich. Notwendige Übergangsphänomene wurden immer schon gerne als Untergangsszenarien wahrgenommen. Mit solcherart provozierten Ängsten wurden anscheinend schon immer gerne Menschen manipuliert und beeinflusst, aufgestachelt und verführt. Übergänge als Untergänge gezeichnet waren schon immer die Zeiten für „Rattenfänger“ aller Art, die so verführerisch auf ihrer „Flöte“ spielen konnten. Vielen christlich motivierten Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern, gerade auch unter der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten, wurden die Verse 14 und 15 zum Trost und zur Inspiration: „So nehmt euch nun zu Herzen, dass ihr euch nicht sorgt, wie ihr euch verteidigen sollt. Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht widerstehen noch widersprechen können.“

Donnerstag, 30. März, Lukas 21, 20–28

Verunsicherung und Angst

Die politische Weltgeschichte kann man bis heute erfolgreich als eine Abfolge von Großreichen beschreiben. Doch bringt Jesus mit seinem Anspruch und Zuspruch auch einen elementaren Widerspruch zu dieser Welt, ihren Gesetzmäßigkeiten und ihren Großreichen samt ihren Repräsentanten zum Ausdruck. Für die Tatsache, dass der blutige Reigen der irdisch- weltlichen Großreiche Verwerfungen nach sich zieht, gibt es Beispiele genug. Diese Verwerfungen gehen einher mit Verunsicherung und Ängsten, Ängste, die uns buchstäblich den Atem rauben, die Kehle zuschnüren und den Blick verstellen können, weil wir nur noch unter uns schauen vor Angst und Schrecken. Doch dürfen wir „erhobenen Hauptes“ unserer Zukunft und der Zukunft der Welt entgegensehen und entgegengehen. Es gehört zu den tiefsten und existenziellsten biblischen Überzeugungen und Antinomien, dass dort, wo die Angst am größten ist, die Erlösung am nächsten ist. Dass mitten in der Finsternis der Anfang eines neuen Tages steckt. Der Gott, der uns in Jesus Christus so nahekommt, in unserem persönlichen Schicksal wie in der weltgeschichtlichen Konstellation, will zum verlässlichen Garant unserer unverletzlichen Würde werden, die uns wohlgemut unser Haupt erheben lässt.

Freitag, 31. März, Lukas 21, 29–38

Ermahnung zur Wachsamkeit

In dieser abschließenden Ermahnung zur Wachsamkeit bekommen wir eine interessante Perspektive auf unser Leben angeboten. Wie fühlt es sich an, unser Leben als ein Leben in und auf Bewährung anzusehen und zu leben. Welche Konsequenzen folgen daraus für Lukas, für uns? In Bewährung steckt auch Bewahrung. Was sollen wir bewahren, wenn wir uns bewähren wollen, bis der Menschensohn kommt, um alles, auch uns, zu richten und zu Recht zu bringen. Zwei Gefährdungen betont Lukas, beide Male handelt es sich um Ablenkungen – Ablenkungen vom Eigentlichen: Einmal können wir uns mit Rauschmitteln den Blick und die Sinne vernebeln. Dann können wir uns aber auch durch ein falsches Kümmern und Sorgen in falscher Betriebsamkeit unseren Blick verstellen und unsere Zukunft, die auf uns zukommen will und wird, aus den Augen und aus unserem Herzen verlieren. Davor möge Gott uns behüten. Alles ist im Fluss und die Welt im Vergehen, aber Gottes Wort und Zusage werden Bestand haben. Sein Wort gilt, und es gilt uns.

Samstag, 1. April, Lukas 22, 1–6

Der Verrat des Judas

Die Leidensgeschichte Jesu beginnt. Wir sind kurz vor Beginn des wichtigsten jüdischen Festes: des Passafestes. Es erinnert an die zentrale Befreiungstat des sich als geschichtsmächtig erweisenden Gottes Israel mit dem Namen Jahwe. Alle frommen Juden versuchen sich dieser Befreiung durch Gott nacherlebend zu erinnern, indem sie als Pilger die einzelnen Stationen dieser Befreiung sinnlich in Gemeinschaft in ihrer Haupt- und Tempelstadt Jerusalem nacherleben und -gestalten. Auch Jesus ist als frommer Jude mit seinen Jüngern zum Passafest in Jerusalem. Lukas legt, beinahe sachlich kühl, das Hauptaugenmerk bezüglich der Tötungsabsicht auf die Hohenpriester und Schriftgelehrten als Repräsentanten des religiösen jüdischen Establishments. Ebenso sachlich und detailarm schildert er den Verrat Jesu durch einen seiner Jünger mit Namen Judas Iskariot. Nach Lukas hatte bei diesem Verrat Satan seine Macht im Spiel, der regelrecht und sprichwörtlich in Judas gefahren ist. Satan scheint seinen Einfluss bis in den innersten Kreis der ­Gemeinde ausüben zu können. Selbst bei der Einsetzung des Abendmahls wird Judas teilnehmen. Nirgendwo scheinen wir sicher vor den Mächten der Versuchung. Stefan Werdelis

 

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