Pfarrer hofft auf Einsehen des Storchenpaars

In Mackenbach prüft Storch Adam das Ersatznest – Bei Ablehnung und erneutem Brüten auf dem Heizungskamin droht wieder kalte Kirche

Probewohnen im Ersatznest auf dem Pfeiler des Kirchendachs: Storchenvater Adam scheint alles bis ins Detail zu prüfen. Foto: Maue

Im westpfälzischen Mackenbach richten sich die Blicke mancher Einwohner in diesen Tagen gen Himmel zu den Störchen auf dem Dach der protestantischen Kirche. „Wir sind alle gespannt, ob sie das Alternativnest annehmen“, sagte Gemeindepfarrer Oliver Böß dem KIRCHENBOTEN. Er hofft, dass die Tiere das Ersatznest annehmen.

Im Spätjahr 2016 war das Nest des Storchenpaars Adam und Eva auf dem Heizungskamin der Kirche entfernt und einige Meter daneben auf dem Eckpfeiler des Gebäudes auf einer runden Holzplatte postiert worden. Die beiden hatten im Frühjahr 2016 ein eigens errichtetes, gewölbtes Gitter auf dem Heizungskamin nicht als Hindernis – als das es gedacht war – anerkannt und ihr Nest schlichtweg drumherum gebaut. Den einige Meter entfernten Brutplatz auf dem Pfeiler wollten sie nicht annehmen. Im November war auf dem Kamin ein neues Gitter installiert worden, dessen Vertikalabstand 20 Zentimeter beträgt – dadurch kann in der Heizperiode die warme Heizungsluft abziehen.

Um den Jahreswechsel sei jetzt ein erster Storch gesichtet worden, der das Ersatznest auf dem Pfeiler schon interessiert in Augenschein genommen habe, führte der Pfarrer aus. „Unser ehrenamtlicher Helfer, Franz Wild, meint, dass er Adam erkannt hat“, sagte er. Der Storch habe einen dunklen Fleck am Kopf, den nur der Ehemann von Eva aufweise. Der Storch lasse sich immer wieder auf dem Ersatznest nieder, bestätigte Wild.

Er beobachtet die Störche auf dem Kirchendach, fotografiert sie das ganze Jahr über und stellt für die Kirchengemeinde Fotokalender her, die verkauft werden. Der Erlös ist für die Reinigung und Wartung der Heizungsanlage in der Kirche bestimmt. Weil Adam und Eva im vergangenen Jahr das Ersatznest nicht annahmen und darauf beharrten, auf dem Heizungskamin zu brüten, konnte die Kirche nicht geheizt werden.

Manfred Conrad, Fachmann und Beringer für Störche in der Westpfalz, mag sich nicht festlegen, ob und wo es in diesem Sommer in Mackenbach Storchennachwuchs geben wird. Wo Adam und Eva letztendlich brüteten, stelle sich erst bei Beginn ihres Bruttriebs in den kommenden Wochen heraus. Der Experte schließt nicht aus, dass sie trotz des neu installierten Gitters auf dem Kamin, das zudem 20 Zentimeter erhöht angebracht wurde, erneut dort bauen könnten. „Wo ein Storch stehen kann, kann er auch bauen“, gab er zu bedenken.

Es sei nicht ungewöhnlich, zur Jahreswende und im Januar bereits Störche in der Westpfalz zu sehen, erläuterte Conrad. Sogenannte Kurzstreckenstörche – überwiegend ältere Tiere – würden im Herbst nicht tausende Kilometer bis nach Afrika ziehen, sondern höchstens rund 300 Kilometer ins Winterquartier und überwiegend nach Frankreich. Denn die weite Reise sei sehr kräftezehrend, was jüngere Tiere besser bewältigen könnten. „Je älter sie sind, desto weniger weit weg fliegen sie“, erklärte Conrad.

Gute Futterplätze würden sich die Kurzstreckenflieger merken. So komme es vor, dass sie bei passendem Wetter und guten Winden schon nach sechs bis acht Wochen zurückkehrten. Hauptsächlich Exemplare mit viel Erfahrung pendelten zu guten Futterplätzen.

Für die Kirchengemeinde bleibt also abzuwarten, ob Adam und Eva wieder das Ersatznest auf dem Pfeiler ablehnen und erneut das Gitter auf dem Heizungskamin kunstvoll umbauen. Dies würde bedeuten, dass die Gottesdienstbesucher bis in den Frühsommer frieren müssen, weil die Heizung nicht eingeschaltet werden darf. Wenn das Storchenehepaar jedoch ein Einsehen zeigt, wären alle froh. Möglicherweise würden dann auch mehr Besucher in die Gottesdienste gehen. Ein Storchenfest, so wie es in den vergangenen beiden Jahren in Mackenbach gefeiert wurde, ist Ende Mai auch für diesen Sommer wieder vorgesehen. wiu

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