Verschiedene Zielgruppen ansprechen

Pfarrer Götz Geburek sieht Fundraising in der pfälzischen Landeskirche noch am Anfang – Seminar des Instituts für kirchliche Fortbildung

Renovierung in der Dreifaltigkeitskirche: Für einige Holzbildtafeln an den Emporen werden immer noch Paten gesucht. Foto: Landry

Götz Geburek.

„Fundraising betreibe ich dann, wenn ich es systematisch und nachhaltig mache“, sagt Götz Geburek, seit mehr als zehn Jahren Beauftragter für Fundraising der Evangelischen Kirche der Pfalz. Genau das sieht der 52-Jährige in den Gemeinden der evangelischen Landeskirche allerdings noch nicht, auch wenn es viele Beispiele für gelungene Ak­tionen zum Sammeln von Spenden gebe – von Orgelpfeifenpatenschaften über Kon­zerte bis hin zum Verkauf von Wandlichtern aus Kirchenziegeln. In einem Seminar des Instituts für kirchliche Fortbildung Anfang März will er ein Bewusstsein für Fundraising schaffen.

Geburek betont, dass das Sammeln von Spenden für eine Sanierung der Kirche nur ein kleiner Teil einer Kampagne sein kann. Insgesamt sei kirchliches Fundraising mehr. Eine Beziehung zur Gemeinde herzustellen, Interesse an der Kirche zu wecken, über den aktuellen Zweck hinaus. „Es geht auch immer um die Botschaft des Evangeliums, den Verkündigungsauftrag“, sagt Geburek. Ob man die Gemeindearbeit mit Kindern ausbaue oder die Diakonie: Das Ganze müsse mit Leben gefüllt sein.

Genau deshalb funktionierten manche Projekte nicht, erklärt der Maudacher. Es müsse genügend Anknüpfungspunkte geben. „Wenn ich beispielsweise eine Kirche renoviere, fühlen sich die Leute angesprochen, die dort getauft oder konfirmiert wurden.“ Diese emotionale Bindung kann aber nur ein Teil der Kampagne sein, sagt Geburek. Schließlich könnten darüber nur ein Teil der Leute erreicht werden. Die Gemeinde sollte überlegen, welche Projekte in der Kirche künftig geplant seien, welche Zielgruppen erreicht werden sollen. Welche Menschen kann ich mit meinem Potenzial begeistern, und wen erreiche ich im Moment? Das müssten sich Gemeinden viel öfter fragen, sagt der Fundraising-Beauftragte. Das sei gerade vor dem Hintergrund interessant, weil die Kirche – nimmt man etwa die Sinus-Milieus zur Hand – nur einen kleinen Teil der Gesellschaft erreiche.

Wichtig sei deshalb, sich breiter aufzustellen. Volkstümliche Musik etwa belächelten viele. Sie habe aber ihre Anhängerschaft. „Beim Konzert in der Martinskirchengemeinde Maudach kamen zum Konzert der Don Kosaken 100 Leute“, sagt Geburek. Lediglich zehn Prozent davon, schätzt er, waren regelmäßige Kirchgänger. Indem nicht jede Gemeinde exakt das Gleiche anbiete, würden deutlich mehr Menschen erreicht. „Wir müssen vom Kirchturmdenken wegkommen.“ Verbessert habe sich das zumindest durch die Arbeit und den Austausch in den Kooperationsregionen, sagt Geburek.

Bei den Spendenaktionen selbst sollten Gemeinden überlegen, welchen Aspekt sie aufgreifen könnten. „Es geht um eine Story, die erzählt werden will“, sagt Geburek. So habe ihn die Lukaskirchengemeinde in Ludwigshafen-Süd angefragt wegen der mehrere hunderttausend Euro teuren Sanierung der Außenfassade. „Das gibt auf den ersten Blick wenig her“, sagt der Fundraising-Experte. Als aber klar wurde, dass die Fenster die Form von Kelchen haben, war eine erste Idee geboren, mit der man weiterarbeiten konnte. Auch wer Pate für ein zu restaurierendes Bild oder einen Engel in der Dreifaltigkeitskirche Speyer wurde, hatte gleich einen direkten Bezug zur Spende.

Spendenkampagnen im Netz spielen weniger eine Rolle, da die Gemeinden lokal verortet seien, erklärt er. Diese Erfahrung machte unter anderem die Kirchengemeinde Bockenheim, die seit Jahren erfolgreich Spendenaktionen für die Walcker-Orgel durchführt – unter anderem mit dem Verkauf von Dub­begläsern mit Kirchenmotiv. „Unser Crowdfunding-Ziel von 500 Euro wurde nicht erreicht, diese Aktion ist gescheitert“, sagt Organist Timo Benß. Dafür sei ein Video zur Orgel in sozialen Netzwerken häufig geteilt worden.

Doch gerade in dieser lokalen Verortung von Kirche sieht Geburek eine Chance. Gemeinden besäßen mit ihren Adressdaten einen Schatz, von dem andere nur träumen könnten. Aber er werde nicht genug genutzt, nicht gut genug gepflegt. Das räche sich spätestens bei der nächsten Renovierung, wenn man von Neuem anfange, nach potenziellen Spendern zu suchen.

Vielmehr könnte der Draht zu diesen Menschen die ganze Zeit über gehalten werden. Ein Gemeindebrief im Internet sei eine Möglichkeit. Die andere sind Briefe. „Wenn Leute angesprochen werden per Post, ist das etwas ganz anderes“, sagt Geburek, der Einladungen an Kinder und Jugendliche in seiner Martinskirchengemeinde auch schon selbst eingeworfen hat. Mit gutem Rücklauf. Was ebenfalls funktioniere, sei, ehemaligen Gemeindemitgliedern weiterhin den Gemeindebrief zu schicken. In diese könnten Spendenbriefe gelegt werden. „Darüber kommen auch Spenden rein, weil sich die Leute der Gemeinde verbunden fühlen, Identität gestiftet wird.“

Um an neue Adressen zu kommen, seien Verkaufsaktionen der falsche Weg. Diese hätten kurzfristigen Nutzen. „Viele versuchen aber erst gar nicht, nach Adressen zu fragen, aus Angst vor den Reaktionen“, sagt Geburek, der ein Defizit in der Kommunikation sieht. „Eine Webseite zu haben, allein reicht nicht.“ Die Frage sei, wie bringe man sich ins Gespräch. Hier seien auch Presbyter als Kommunikatoren gefragt. Eigentlich sei Fundraising ja der falsche Begriff. „Friend­raising müsste es eher heißen“, sagt Geburek. Der englische Begriff für die langfristige Kommunikation mit Spendern, „philantrophy“, sei deutlich näher am Kern der Sache.

Es gehe nicht darum, nur die Hand aufzuhalten, sondern Beziehungen zu pflegen. Die könnten alle in irgendeiner Form irgendwann Frucht tragen. Etwa, dass jemand ein Ehrenamt übernimmt, Kopierpapier vorbeibringt oder sich handwerklich bei der Sanierung beteiligt. „Im Grunde ist das nichts anderes, als was die Pfarrer früher auf dem Dorf gemacht haben: die Leute angesprochen, wie es geht.“ Trotzdem komme Fundraising in der normalen Pfarrerausbildung nicht vor, sagt Geburek. Lediglich eineinhalb Tage im Predigerseminar seien dafür vorgesehen. Auf der anderen Seite sinken die Kirchensteuereinnahmen, Sparprogramme werden aufgelegt. Die rheinische Kirche habe kürzlich reagiert und parallel zu geplanten Einsparungen die Stellen für Fundraising verdoppelt. Ein gutes Signal, sagt Geburek. Florian Riesterer

Fundraising-Seminar

„Fundraising – Mitgliederbindung – Gemeindeaufbau: Einführung in das systematische Fundraising“ heißt das Seminar unter der Leitung von Götz Geburek, das das Institut für kirchliche Fortbildung am Montag und Dienstag, 6. und 7. März, im Priesterseminar St. German, Am Germansberg in Speyer, veranstaltet.

Eingeladen sind Akteure in der kirchlichen Gemeindearbeit, die noch keine oder wenig Erfahrung mit systematischem Fundraising haben. Im Mittelpunkt stehen praktische Beispiele und Analysen zu der Frage, wie eine Gemeinde für Fundraising fit gemacht werden kann. Dabei werden grundlegende Schritte systematischen Vorgehens sowie geeignete Instrumente und Denkansätze vorgestellt. Angesprochen werden auch theologische Fragen, so der Begriff der „Gabe“, aber auch ethische Aspekte zum Datenschutz. Das Seminar kostet 40 Euro, Anmeldung über www.institut-kirchliche-fortbildung.de. flor

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