Viel Kraft und neue Ideen im Gepäck

Tschechische Gastpfarrerin Alžbeta Matejovská hilft in der Apostelkirchengemeinde Kaiserslautern mit

Fühlt sich in der Apostelkirchengemeinde wohl: Alžbeta Matejovská. Foto: Jung

Kaiserslautern. Den Menschen etwas zurückzugeben. Das hat Alžbeta Matejovská dazu bewogen, Theologie zu studieren. Nach ihrem Vikariat ist die Tschechin nach Kaiserslautern gekommen, um für ein Jahr als Gastpfarrerin in der Apostelkirchengemeinde mitzuwirken, neue Erfahrungen zu sammeln und nebenbei ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen. Die sind erstaunlich gut, nur der Akzent verrät ihre Herkunft. „Ich hatte seit der Grundschule Deutschunterricht. Aber Theorie und Praxis sind doch zwei verschiedene Dinge. Eine Sprache lernt sich am besten, wenn man sie täglich im Ohr hat“, sagt die 28-Jährige. Dazu hatte sie bereits Gelegenheit, als sie für ein Studienjahr von Prag nach Leipzig wechselte.

Ihr Vater sei Pfarrer, dadurch sei sie von klein auf in die Gemeinde eingebunden gewesen und habe viel Schönes und Gutes erlebt, meint Alžbeta Matejovská und lächelt. Dass sie in die väterlichen Fußstapfen tritt, war allerdings nicht von Anfang an klar. Zunächst wollte sie eher in die diakonische Richtung gehen. Deshalb habe sie als zweites Fach Seelsorge und soziale Arbeit studiert. „Aber dann habe ich mir gedacht, dass ich nicht für mich allein gläubig sein möchte, sondern etwas für die Kirche tun will. Deshalb habe ich beschlossen, auf jeden Fall das Vikariat zu machen.“ Es sollte zeigen, ob der Pfarrerberuf das Richtige für sie ist.

In den ersten drei Monaten habe sie noch gezweifelt, räumt Matejovská ein, vor allem wegen der Predigten. „Wer bin ich schon, dass ich anderen etwas zu sagen habe, habe ich mich gefragt. Doch die Leute haben gut auf mich reagiert, dadurch bin ich sicherer geworden.“ Das bestärkte sie darin, auf dem richtigen Weg zu sein. Das Vikariat dauere in Tschechien nur ein Jahr. Deshalb habe sie vor Antritt einer festen Pfarrstelle noch mehr lernen wollen, am liebsten in Deutschland. „Aber ob das möglich ist, wusste ich erst, als ich beim Runden Tisch in Prag mit dem pfälzischen Oberkirchenrat Manfred Sutter ins Gespräch kam.“ Seine Empfehlung, am besten eine große Gemeinde zu erleben, wurde in der Apostelkirche Kaiserslautern Wirklichkeit.

Seit September 2016 ergänzt Alžbeta Matejovská das Team von Pfarrerin Susanne Wildberger. Sie begleitet sie in Kindergärten und zum Religionsunterricht in Schulen, ist bei Beerdigungen und Taufen dabei. „Die Liturgie im Gottesdienst ist in Deutschland ähnlich wie in meiner Heimat. Ansonsten sehe ich viele Unterschiede und kann ständig Neues lernen, in der Katechese und in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Hier gibt es wesentlich mehr Angebote. Die Kirche ist offener, hat sich stärker entwickelt.“ In Tschechien habe die Kirche immer noch keinen leichten Stand. In den Zeiten des Kommunismus, in denen Religion als verpönt galt, hätten sich viele Menschen von der Kirche entfremdet. Religionsunterricht sei an den Schulen kein reguläres, sondern ein freiwilliges, kaum beachtetes, Fach.

Das Jahr in Kaiserslautern werde sie in bester Erinnerung behalten, sagt die Gastpfarrerin. Von Anfang an habe sie sich nicht fremd gefühlt. „Die Leute sind offen und freundlich. Ich habe viele Kontakte, singe im Chor der Apostelkirche mit und spiele Trompete im Kolping-Blasorchester Kaiserslautern.“

Die Menschen wieder an Glaube und Kirche heranzuführen, sie mit dem Christentum vertraut zu machen, das hat sich Alžbeta Matejovská auf die Fahne geschrieben, wenn sie im August nach Tschechien zurückkehrt. Mit viel Kraft und neuen Ideen im Gepäck. Sie hoffe, die eine oder andere in ihrer künftigen Gemeinde umsetzen zu können und das kirchliche Leben nach außen zu öffnen, um mehr Menschen zu erreichen. „Aber ich möchte auch das Ehrenamt ausbauen, das ist in Tschechien noch Mangelware.“ Unterstützung findet sie bei ihrem Freund, der bald ihr Ehemann sein wird. Er arbeitet bei der Diakonie und bringt sich nebenher ehrenamtlich ein. Zu zweit, hofft sie einiges bewegen zu können. Auch im Hinblick auf die Zukunft. „Noch werden die Pfarrer in Tschechien vom Staat bezahlt, doch in zehn bis 15 Jahren soll Schluss damit sein. Dann wären starke Gemeinden wünschenswert.“ fdj

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