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Losung

Losung für Donnerstag, 13. Dezember 2018
Ich tilge deine Missetat wie eine Wolke und deine Sünden wie den Nebel. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich!
Jesaja 44,22

Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.
Johannes 3,17

© Evangelische Brüder-Unität

Geschichte der Protestantischen Maudacher Kirchengemeinde

Das Christentum in Maudach hat eine sehr lange Tradition. Sie beginnt in der Zeit der Christianisierung durch den Frankenkönig Chlodwig I. um das Jahr 500, der auf seinem Eroberungsfeldzug auch in die Pfalz das Christentum brachte. Einer Urkunde vom 5. Juli 770 zu folge vermachte ein Maudacher Ehepaar seinen ganzen Besitz dem Kloster Lorsch. Dies ist zugleich die erste urkundliche Erwähung Maudachs, in den nächsten Jahrhunderten immer wieder erwähnt als Mudach, Mudahen oder Mutaha trug.


In dieser Zeit war Maudach ein Dorf, welches zum größten Teil dem Kloster Lorsch, zum kleineren Teil dem Kloster Weißenburg gehörte. Die Klöster gabe ihre Ländereien weltlichen Füsten zum "Lehen", die dann von der Bevölkerung den „Zehenten" einforderten, d.h. die damaligen Steueren eintrieben, sich darüber hinaus aber wenig um die Belange ihrer Untertanen kümmerten. Sie verpflichteten sich zwar, auch auf das kirchlichen Leben ihrer Bürger Einfluss zu nehmen, insbesondere für die Erhaltung der Kirchen und die Besoldung der geistlichen zu sorgen, aber oftmals geschah sehr wenig.


Maudach hatte in dieser Epoche verschiedene Ortsherren: das Fürstbistum Speyer, die Herren von Erbach und die Herren von Hirschhorn. So wurde Maudach 1353 vom Fürstbischof von Speyer den Junkern von Hirschhorn zum Lehen gegeben. Das Wappen des Fürsten Albrecht von Hirschorn ist noch heute an der Tür der Sakristei der katholischen Kirche St. Michael zu sehen. Es war dies für die Maudacher eine wichtige Zeit, die Höhen und Tiefen im Glaubensleben brachte, zumal in diese Zeit schicksalsträchtige Ereignisse fielen: die Reformation und der Dreißigjährige Krieg.


Die Reform als Beginn des Protestantismus hat natürlich ihren eigentlichen Ausgangspunkt im Jahr 1517, als der Augustinermönch Dr. Martin Luther am 31. Oktober an der Schlosskirche zu Wittenberg seine 95 Thesen anschlug. Auch die Einflüsse anderer Reformatoren wie Johannes Calvin, Urlich Zwingli und vor allem aber Martin Butzer (Bucer) spielten für unseren "oberdeutsch" genannten Raum eine wichtige Rolle. Gerade die im Straßburger Einfluss stehenden Gebiete wurden theologisch in der Reformation durch die Theologie Butzers geprägt.


Protestanten nannten sich die Evangelischen seit dem 2. Reichtstag zu Speyer im Jahr 1529, als der Kaiser von den sechs evangelischen Fürsten und de 14 Reichsstädten verlangte, das "Wormser Edikt" in seiner ganzen Strenge durchzuführen. Dies hätte das endgültige Verbot des evangelischen Glaubens bedeutet. Die evangelischen Fürsten und Reichsstädte verließen unter Protest den Reichstag - seitdem wurden sie von den Katholiken die "Protestanten" genannt.


Die Spannung zwischen dem katholischen Kaiser und den evangelischen Fürsten führte nach dem Tode Martin Luthers 1546 zum offenen Krieg, der erst 1555 mit dem "Augsburger Religionsfrieden" endete. Dieser Friedensschluss brachte zwar den Reichsfürsten und Reichsstädten die freie Wahl des Bekenntnisses, doch die Konfession der Untertanen bestimmte die Obrigkeit. Es galt von da an der Grundsatz: "cuius regio - eius religio", d.h. wessen das Land - dessen der Glaube! - So kam es , dass praktisch über Nacht aus Katholiken Protestanten wurden - und umgekehrt, je nachdem welches Bekenntnis der Landesherr angenommen hatte. Da die auch über Maudach herrschenden Junker von Hirschhorn 1550 den evangelischen Glauben angenommen hatten, wurde auch das Bauerndorf evangelisch.


Der Gegensatz zwischen Katholiken und Protestanten war jedoch nicht überwunden. Er steigerte sich soweit, dass im Jahr 1618 durch den Prager Fenstersturz der Dreißigjährige Krieg ausbrach, der ganz Mitteleuropa erfasste. Für Maudach hatte dies die Auswirkung, dass "kein Stein mehr auf dem anderen blieb". Als die kaiserlichen (katholischen) Truppen die Oberhand über Maudach bekamen, mussten alle Maudacher wieder katholisch werden.


Das blieb so bis 1632, als der letzte Sproß des Geschlechtes Hirschhorn, Friedrich von Hirschhorn, starb und damit das Hirschhorn'Sche Geschlecht ausstarb. Dadurch fielen die Besitzungen, u.a. auch Maudach, an den Fürstbischof von Speyer zurück.

Als dann der Kurfürst Carl von der Pfalz die Landeshoheit ausübte, gab es neben den Katholiken auch Protestanten im Dorf. Er genehmigte 1681 die Erreichtung einer eigenen evangelisch-lutherischen Pfarrei und setzte den lutherischen Pfarrer Johann Helmhold in dieses Amt ein.


Schon 1699 wurde die Maudacher Pfarrei der Pfarrei in Rheingönheim eingegliedert.
Mit dem Tauschvertrag von Düsseldorf erwarb der Kurfürst 1709 das volle Eigentum an Maudach. Die Kirche blieb dabei den Maudacher Katholiken vorbehalten. Da es in der damaligen Zeit nur wenige Protestanten in Maudach gab, erhoben diese anfänglich keine Widerspruch. Die katholischen Geistlichen tauften die protestantischen Kinder, segneten die Ehen der Protestanten und beerdigten die protetantsichen Verstorbenen. Aber bereits 1724 begehrten die Protestanten von ihrem Landesherren, dass der lutherische Pfarrer von Rheingönheim "ihre Kindlein taufe, die Paare traue und die Toten beerdige". Das Gesuch wurde abgelehnt. Diese Ablehnung schuf große Spannungen in Maudach, die sogar dazu führten, dass es am 25. Mai 1763, dem dritten Pfingstfeiertag, zwischen den Protestanten und Katholiken zu einer schweren Schlägerei kam. Dabei gingen die Kontrahenten mit Mistgabel, Dreschflegeln und Prügeln aufeinander los. Die Lutheranter suchten bei ihren Glaubensbrüdern in Mutterstadt und Rheingönheim Hilfe. Die Akten zeigen, dass es bei dieser handfesten Prügellei zu vielen Verletzten kam und sprechen davon , dass es "wie in einer kleinen Schlacht" war.


Am 1. März 1765 brachten die Maudacher Protestanten ihr Anliegen erneut vor den Kurfürsten, diesmal als gedruckte Denkschrift. Aber wiederum wurde von diesem ein "freies Religionsexerzitium" (Religionsausübung) verwehrt, jedoch mit Hinweis auf die "landesfürstliche Milde" erlaubt, dass ein protestantischer Pfarrer, "ohne äußere Zeichen eines verrichtenden Pfarraktus" die kranken Maudacher Einwohner besuchen dürfe udn dass begüterte Einwohner sich "ohne Zuziehung anderer Benachbarter" einen Hauslehrer halten durften.


Die Protestanten ließen sich trotz aller Enttäuschungen nicht entmutigen, suchten nach neuen Argumenten und reichten am 7. Februar 1786 erneut ein Gesuch an den Kurfürsten ein, welches aber mit dem Hinweis auf die Entscheidung vom 1. März 1765 abgewiesen wurde.


Erst als sich der Oberschultheiß von Oggersheim, ein Herr von Maubuisson, in einem langen Bericht vom 2. Februar 1788 an das Oberamt in Neustadt der Sache der Protestanten annahm, kam es am 5. Mai 1789 zu einer positiven Entscheidung durch den Kurfürsten. Reformierte und Lutheraner durften auf ihre Kosten nun einen Schulmeister einstellen und ihre Kinder in Rheingönheim taufen zu lassen. Der rheingönheimer Pfarrer erhielt das Recht Brautpaare zu trauen. Die Verstorbenen mussten in aller Stille an die Gemarkungsgrenze bebracht werden, wo sie dann der lutherische Pfarrer in Empfang nahm und beerdigen durfte. Allerdings mussten die bei Taufe, Hochzeit und Begräbnis anfallenden Gebühren auch an den katholischen Pfarrer abgeführt werden. Durch die kurfürstliche Entscheidung wurde aber auch bewirkt, dass keinem Maudacher mehr wegen seiner Religionszugehörigkeit die Aufnahme in die Bürgerschaft verwehrt werden durfte.
So hatten die Maudacher Protestanten, Lutheraner wie Reformierte, endlich erreicht, dass sie ihren Glauben leben durften. Sie waren jedoch von der Kirchengemeinde Rheingönheim abhängig, deren Geistliche Maudach "mit versorgten". Die Reformierten wurden nach Mutterstadt eingepfarrt.


Die Französische Revolution von 1789 brachte auch Unruhen für Maudacher Gemeinden mit sich: die Kirchen wurden säkularisiert, d.h. verweltlicht und die Kirchengüter verkauft oder versteigert. Das kirchliche Leben wurde behindert. Dies bewirkte, dass die Gläubigen sich enger zusammen schlossen. Als nach den Freiheitskriegen 1813 <img="..></img="..>Napoleon endgültig geschlagen war, schlossen sich die protestantischen Christen der Pfalz auf der Generalsynode in Kaiserslautern im Jahr 1818 zur "Vereinigten Protestantisch-Evangelisch-Christlichen Kirche der Pfalz" zusammen, der heutigen <img="..></img="..>Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche). Die Lutheraner und Reformierten in Maudach nannten sich nunmehr nur noch Protestanten und kamen insgesamt zur Pfarrei Mutterstadt.


Wie nun aus dem Bericht des Mutterstadter Pfarrers Johann Philipp Lipps vom Februar 1844 hervorgeht, entschlossen sich die damaligen Maudacher Protestanten, eine Kirche zu bauen, zumal man ihnen die vor dem 1. Januar 1624 besessenen geistlichen Güter wieder zusicherte, wie das auch anderen Gemeinden im „Westfälischen Frieden 1648“ nach dem Dreißigjährigen Krieg zugestanden wurde.


Man erwarb am 7. Juni 1843 von einem Herrn Simon Zimmern aus Mannheim einen Bauplatz zu 112 Gulden. Zwei Mutterstadter Juden spendeten dazu 70 Gulden, die Gemeinde steuerte 300 Gulden bei, und die Protestanten brachten 996 Gulden und 30 Kreuzer auf. Der Rest bis zu den vollen Erstehungskosten von 3732 Gulden und 57 Kreuzer wurde durch eine Hauskollekte in Speyer, Frankenthal, Neustadt, Landau, Germersheim und Bergzabern erbracht. So baute man im Jahre 1845 für die 156 Gläubigen eine Kirche mit 200 Sitzplätzen.


Auf dem Dach über dem Eingang saß ein bescheidenes Türmchen als Dachreiter, auf seiner Spitze ein Kreuz mit Kugel. Im Türmchen befand sich eine Glocke, die, von der Empore aus geläutet, die Gläubigen zum sonntäglichen Gottesdienst rief. Auf einem Podest vor der Ostwand stand ein einfacher Altar, über dem an der Wand die Kanzel mit einem „Deckel“ angebracht war. In der rechten Ecke stand ein hölzerner Verschlag, von dem aus der Pfarrer entweder zum Altar oder zur Kanzel ging, zu der eine schmale Treppe führte. An der linken Seite war das Gestühl für das Presbyterium. Es war ein schlichtes Kirchlein, das die reformatorische Vergangenheit nicht verbergen konnte, denn auf dem Altar lag lediglich die Bibel, aber kein Blumenschmuck, keine Kerzen und kein Kreuz. Der einzige Schmuck waren zwei Sprüche neben der Kanzel: „Jesus spricht: Ich bin das Licht der Welt...; Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben...“.


Im Jahre 1905 wurde von der Firma Link aus Giengen a.d. Brenz eine Orgel gebaut und im Juni dieses Jahres auf der Empore aufgestellt. Mit ihren 6 Registern und mit ihren vielen Zinkpfeifen war sie eine typische pneumatische Orgel der damaligen Zeit. Der Subbaß war aus Holzpfeifen zusammengestellt.


Zwar hatten die Maudacher Protestanten durch den Kirchenbau 1845 ein eigenes Gotteshaus, aber eine selbständige Gemeinde waren sie noch lange nicht. Immer noch waren sie ein „Annexe“ (Anhägsel) zur Pfarrei Mutterstadt. Von dort wurden sie kirchlich verwaltet, und die Konfirmanden mussten zeitweise nach Mutterstadt zum Konfimandenunterricht. Der sonntägliche Gottesdienst aber wurde im Ort gehalten, zu dem der Geistliche aus Mutterstadt kam. Gegen Ende des 19.Jahrhunderts planten die Maudacher Protestanten den Bau eines neuen Gotteshauses und sammelten fleißig für einen Baufond; denn mittlerweile war die Bevölkerung auf 1700 Einwohner angewachsen. Es war dies sicherlich die Auswirkung der Industrialisierung und des starken Wachstums der Stadt Ludwigshafen. 60000 RM waren schon angespart, als der 1.Weltkrieg zu Ende war. Aber die Inflation zehrte 1922/23 alle Ersparnisse auf. So blieb es beim Wollen, und das Vorhaben konnte nicht mehr verwirklicht werden. Trotz der Nähe der sich entwickelnden Großstadt blieben die Maudacher Protestanten von 1818 bis 1933 bei Mutterstadt.


Mit dem Jahr 1933 kam Maudach als Filiale zur Pfarrei Gartenstadt, die damals Pfarrer Kreiselmaier innehatte. Der ihm damals zugeordnete Vikar Paul Werron, später Pfarrer in Rheingönheim, war seit vielen Jahrzehnten wieder ein Geistlicher, der in Maudach wohnte. 1938 wurde Maudach in die Stadt Ludwigshafen am Rhein eingemeindet. Es begann der zweite Weltkrieg. Und beinahe genau 100 Jahre nach ihrer Erbauung fiel noch in den letzten Kriegstagen, bei den massiven Angriffen der Alliierten auf deutsche Städte, am 1. (oder 11.) Februar 1945 die protestantische Kirche in Maudach einem Bombenangriff zum Opfer. Das Gotteshaus wurde bis auf die Grundmauern zerstört. Die Orgel verbrannte. Auch das letzte Glöcklein, das den Krieg fast überstand, schmolz dahin. Einzig das alte Harmonium hat diese Zeit überstanden.


Unter Leitung von Pfarrer Kreiselmaier hat die Gemeinde in vorbildlicher Weise durch Selbsthilfe ihre schwer beschädigte Kirche noch im gleichen Jahr wieder aufgebaut, so dass am 1.Advent wieder Gottesdienst gehalten werden konnte. Die Not der Zeit und der herrschende Materialmangel ließen nur eine behelfsmäßige Ausbesserung zu und Kompromisse waren notwendig. So konnte das Türmchen nicht erneuert werden und man setzte das Kugelkreuz direkt auf das Dach auf. Auch der Innenraum musste stark vereinfacht werden, die hohe Kanzel und die Sakristei sind nicht wieder hergestellt worden. Das alte Harmonium war zunächst das einzige Musikinstrument in der wieder aufgebauten Kirche.


Nachdem die protestantische Kirchengemeinde nacheinander zu Mutterstadt, Rheingönheim und Gartenstadt gehörte, wurde der Pfarrdienst ab November 1951 von dem damaligen Vikar Rudi Weber von der Niederfeldsiedlung verrichtetet.
1953 konnte es dann endlich durch eine neue Orgel von der Firma Oberlinger abgelöst und in den wohlverdienten Ruhestand entlassen werden.
Erst im Jahr 1956 wurde Maudach ein eigenständiges Vikariat und am 1.12.1956 Herrn Pfarrer Heinrich Rödel übertragen. Endlich konnte über den sonntäglichen Gottesdienst hinaus auch ein lebendigeres Gemeindeleben aufgebaut werden. Ihm folgte dann vom 1.7.57 bis 31.1.61 Pfarrer Dieter Dauber. Von ihm wird im Zusammenhang mit dem Neubau zu berichten sein.


Überschaut man rückblickend den Weg der Protestanten in Maudach bis in die jüngere Gegenwart, so muss man feststellen, dass es ein dorniger Weg war. Geboren aus der Reformation, hin- und hergerissen durch die politischen Ereignisse, gebeutelt und geschunden durch zahlreiche Kriege, oft verkannt und angefeindet durch Andersgläubige, die oft nur das Trennende suchten und nicht das Gemeinsame, lange Jahrhunderte immer nur Anhängsel in der „Diaspora“, von Nachbargemeinden „mitversorgt“, aber am Schluss doch zu einem guten Ende geführt.