Sie sind hier: Home  » Aktuelles

Veranstaltungen

Losung

Losung für Mittwoch, 15. Juli 2020
In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des HERRN.
Sprüche 19,21

So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen habt untereinander beharrliche Liebe.
1.Petrus 4,7-8

© Evangelische Brüder-Unität

Interessante Links


Evangelische Kirche der Pfalz

Evang. Arbeitsstelle Bildung + Gesellschaft

Diakonische Einrichtungen im Kirchenbezirk:



Kirche in den Medien:
Evang. Kirchenbote
kreuz+querTV
Protcast Pfalz


Medienkompetenz:

(Medienkompetenz im Internet)

Aktuelles

Predigt am 5. Sonntag nach Trinitatis

Predigt über Matthäus 4, 1 - 11

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser,

„Mal doch den Teufel nicht an die Wand!“ Das sagen wir, wenn jemand die Zukunft in düsteren Farben ausmalt und nur den schlechten Ausgang einer Sache im Blick hat. „Mal doch den Teufel nicht an die Wand“, das heißt: Sieh doch auch das Gute, sei optimistisch, lass dich von deinen negativen Gedanken nicht gefangen nehmen. Im Gegensatz zum Mittelalter, in dem man den Teufel tatsächlich noch in vielen Bildern an die Wand gemalt hat – in der Regel als mahnende Erinnerung an die Menschen, sich an Gott zu halten – im Gegensatz dazu sprechen wir heute vom Teufel meist nur noch in Sprichwörtern, so, als hätten wir mit ihm nichts mehr zu tun.

Der heutige Predigttext erzählt eine andere Geschichte.

Nach seiner Taufe in Jordan geht Jesus für 40 Tage in die Wüste und fastet. Und in dieser Situation wird er dreimal vom Teufel auf die Probe gestellt. Und dreimal widersteht Jesus der Versuchung. Fast gerät man in Versuchung zu sagen: ein Teufelskerl dieser Sohn Gottes.

Man kann sehen: Der schafft offensichtlich alles! Der fastet 40 Tage ganz konsequent. Der weiß, was er will – und am Ende vor allem, was er nicht will. Und er sagt der größten Versuchung: „Hau ab! Geh weg von mir!“ Da zeigt sich, was für ein toller Mensch dieser Jesus gewesen ist. Brauchen wir nur seinem Vorbild zu folgen, um uns vom Bösen fern zu halten?

Nun beten wir ja Sonntag für Sonntag in unseren Gottesdiensten im Vater Unser diesen Satz: „Und führe uns nicht in Versuchung!“ Das zeigt: So einfach ist das offensichtlich nicht. Immer wieder rücken uns die verschiedensten Versuchungen, unsere eigenen Begehrlichkeiten auf den Leib. Immer wieder müssen wir uns damit auseinandersetzen, was in einer bestimmten Situation gut oder schlecht, richtig oder falsch ist.

An den drei Versuchungen, von denen Matthäus spricht, wird das deutlich.

Da bereitet sich Jesus auf die vor ihm liegende Aufgabe vor, den Menschen von der Liebe Gottes zu erzählen und sie durch sein Handeln auch sichtbar werden zu lassen. Er prüft sich selbst. Ist das die Konsequenz aus seiner Taufe und aus der Berufung, die er danach zu hören glaubte? Er fastet. Und gerade dann als der Hunger am größten ist, flüstert ihm der Teufel zu: „Was quälst du dich eigentlich so? Still doch zuerst einmal deine Bedürfnisse. Kümmere dich doch zuerst einmal um dich selbst.“

Und genau diese Versuchung kennen wir doch auch. Da stellt sich uns eine Aufgabe, es sind Entscheidungen zu treffen – in Familie, Beruf – die auch andere betreffen, oder ein Freund/ eine Freundin bräuchte über einen längeren Zeitraum unsere Hilfe. Dinge eben, die unsere ganze Kraft fordern würden. Wie groß ist da die Versuchung, zu sagen: „Mach es dir doch nicht so schwer. Suche die einfachste, die schnellste Lösung. Oder schieb die Sache doch einfach auf.“ Wie leicht geben wir diesem Impuls nach, der sagt: „Ich gehe vor! Ich bin doch schließlich auch noch da!“ Doch: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das vom Munde Gottes ausgeht.“ Das heißt: Ich lebe nicht in erster Linie von der Befriedigung meiner momentanen Bedürfnisse, so sehr ich das auch brauche und so berechtigt sie sein mögen. In mancher Situation, in der meine Kraft, mein Ausharren, meine verantwortliche Entscheidung gefragt ist, bin ich gefordert, eben nicht den leichtesten Weg zu gehen. Da brauche ich die Stärke und die innere Freiheit, von mir selbst einmal abzusehen und mich leiten zu lassen. Und sei es auf einen steinigen Weg.

Kommen wir zur zweiten Versuchung. Was wäre das für ein Beweis von Gottvertrauen gewesen, wenn Jesus wirklich in die Tiefe gesprungen wäre! Da hätte er dem Teufel doch nun wirklich mal zeigen können, wie sicher er ist, dass Gott ihn nicht fallen lässt.  Doch Jesus entgegnet dem Versucher: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“ Jesus trennt das Gottvertrauen vom Gott – versuchen. Wenn wir uns risikofreudig und ohne Verantwortungsbewusstsein ins Leben werfen und es dabei unter Umständen sogar leichtfertig aufs Spiel setzen, dann ist das kein Beweis von Gottvertrauen. Dann versuchen wir Gott. Und es gibt die Bereiche in unserem Leben in denen wir versuchen uns unserer Verantwortung zu entledigen – und zwar nicht nur bei riskanten Sportarten. Ich denke da eher an den Hang, sich ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit oder die Familie in die Arbeit zu stürzen. Die eigene Müdigkeit wird geleugnet. Signale aus Familie oder Freundeskreis werden ignoriert. Die Arbeit wird zum alleinigen Lebenszweck. „Da bin ich wer, da bin ich unersetzlich!“ Und dem hat sich alles andere unterzuordnen. Oder aber – auch das erlebt man ja häufig genug – Menschen stürzen sich in alle möglichen Aktivitäten – um bloß nichts zu verpassen, bloß alles mitzunehmen, was geht. Nicht zu viel nachdenken. Lieber was erleben und Spaß haben. Da begegnen wir der Versuchung, die uns sagt: „Sorge dich nicht – lebe! Tu, was du willst und vertraue darauf: Es wird schon irgendwie gut gehen.“

Dem steht entgegen, dass wir gefordert sind, die Verantwortung für unser Leben und das Leben anderer wahrzunehmen. In unserem kleinen Lebensbereich, in unserem Alltag. Wo rebelliert mein Körper, ohne dass ich das wahrhaben will. Wo fordern meine Mitmenschen Beachtung ein, die ich verweigere, weil mein Blick so einseitig auf meine Interessen gerichtet ist? Fragen, denen wir uns immer wieder stellen müssen, wollen wir hier nicht der Versuchung unterliegen. Bei der dritten Versuchung schließlich lässt der Teufel seine Maske fallen. Kein vorgetäuschtes Mitleid mehr mit einem hungrigen Menschen wie in der ersten Versuchung, keine Maske des Bibelkenners mit einem frommen Spruch auf den Lippen mehr, wie in der zweiten. Jetzt, wo es um die reine Macht geht, zeigt auch der Mächtige, der Versucher sein wahres Gesicht. Er zeigt Jesus die schillernde Seite der Macht. Aber er zeigt ihm wohlweislich nicht die Vielzahl der Aufgaben, die Regierungen wahrzunehmen haben, er zeigt nicht die Last der Verantwortung, die sie für so viele Menschen tragen. Und eben diese Einseitigkeit ist der Kern der dritten Versuchung. „Genieße die Sonnenseite der Macht.“ Doch recht verstandener Umgang mit Macht bedenkt, dass, wenn es um die Besetzung von Positionen geht, sei es in der Gemeinde, im Beruf, im öffentlichen Leben, es nicht um das Bestimmenkönnen gehen soll. Wir sollen Aufgaben, Verantwortung nicht übernehmen, um unser Selbstwertgefühl zu steigern, um gut da zu stehen. Solchen Aufgaben sollen wir uns als Christen im Bewusstsein stellen, unserer Verantwortung für andere im Sinne Gottes gerecht zu werden – Gottesdienst im Alltag, so zu sagen.

Wenn wir den verschiedenen Versuchungen in unserem Leben widerstehen wollen, denen, die ich genannt habe ebenso wie den vielen anderen, dann müssen wir den Zeitpunkt nutzen, an dem es gilt sich von diesen Versuchungen zu verabschieden. Und dazu braucht es manchmal mutige Entscheidungen. Denn manchmal steht man dann recht einsam da und scheint gegen den Strom der Zeit zu schwimmen. Vor allem braucht es auch klare Worte. Jesus macht es uns vor: „Hau ab, Satan! – Fort mit dir Versuchung! Du bringst mich nicht weg von Gott. Meine Seele bekommst du nicht!“ Denn die gehört seit der Taufe ihm. Das ist die Folge der Taufe. Taufe hat zur Konsequenz, sich immer wieder neu für den Weg mit Gott zu entscheiden, gegen alle Versuchungen.

Was sich Jesus dadurch erhält ist nicht wenig. Er erhält sich seine persönliche und innere Freiheit. Die Freiheit von sich selbst einmal abzusehen und die Bedürfnisse anderer in den Blick zu nehmen. Die Freiheit sein Handeln am Nächsten und nicht an den Normen und Regeln der Gesellschaft auszurichten. Eine Freiheit, die ihn nicht unbedingt bei allen beliebt gemacht hat, ja, die ihn letzten Endes ans Kreuz gebracht hat. Aber eine Freiheit, die ihm seine Menschlichkeit bewahrt und seinem Leben einen tiefen Sinn gegeben hat.

Wenn wir uns jetzt fragen: Wie sollen wir das eigentlich schaffen? Wie sollen wir an dieses Vorbild herankommen? Wenn uns Zweifel plagen weil wir wissen, dass unsere Willenskraft nicht so stark ist, weil wir wissen, dass wir es nicht schaffen, uns von der Fixierung auf unsere Bedürfnisse zu lösen, weil wir wissen, dass wir nicht immer zuerst die Verantwortung für andere sehen, dann wage ich zu sagen: Jesus hätte das auch nicht alleine geschafft. Er hätte es nicht geschafft ohne den Geist Gottes, der bei seiner Taufe auf ihn herabgekommen ist. Dieser kraftvolle Geist hat in ihm die Kräfte zum Widerstand gegen die Versuchung geweckt. Und dieser Geist ist es auch, der unsere Widerstandskräfte stärkt. Er kann mehr, als wir denken oder fühlen. Die Gegenwart der Engel am Ende des Predigttextes bedeutet: Gottes Geist ist auch bei uns und dient uns.

So lassen sie uns lieber einen Engel an die Wand malen statt des Teufels und sagen: Mit Gottes Kraft fangen wir an, gegen die Versuchungen unseres Lebens anzugehen.

Seien Sie behütet!

Ihr Pfarrer Andreas Gutting


Wochenspruch: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben; und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ (Epheser 2,8)

Zum Nachlesen in der Bibel zum 5. Sonntag nach Trinitatis: 1. Mose 12, 1-4, 1. Kor. 1, 18-25 und Lukas 5. 1-11; hierzu passende Lieder im Gesangbuch Nr. 245 oder Lied 241 sowie Psalm 73 (EG 742)

Für das persönliche Gebet finden Sie im Gesangbuch ab Seite140 Gebete und Andachten. Nutzen Sie die Zeit um sich wieder mit der Bibel und dem Gesangbuch vertraut zu machen, Sie werden hier die nötige Kraft und Trost finden die Zeit der Unsicherheit und Angst zu überwinden.


Terminkalender

So 26.07.2020 10:15 Uhr Gottesdienst
  7. So. n. Trinitatis
Prot. Kirchengemeinde Zeiskam
Prot. Kirche Zeiskam
So 09.08.2020 10:15 Uhr Gottesdienst
  9. So. n. Trinitatis
Prot. Kirchengemeinde Zeiskam
Prot. Kirche Zeiskam
So 23.08.2020 10:15 Uhr Gottesdienst
  11. So. n. Trinitatis
Prot. Kirchengemeinde Zeiskam
Prot. Kirche Zeiskam

Rahmenbedingungen zum Besuch von Gottesdiensten

Unter strengen Auflagen wird es wieder möglich sein, Gottesdienste in unserer Kirche zu feiern. Um das geforderte Abstandsgebot einhalten zu können, haben wir nur 28 Sitzplätze zur Verfügung, Name und Adresse der Gottesdienstbesucher/innen müssen erfasst werden, es besteht grundsätzlich Maskenpflicht in der Kirche, auch Familienangehörige müssen getrennt sitzen. Darum bitten wir Sie:

  • Melden Sie Ihren Gottesdienstbesuch im Pfarrbüro telefonisch an, dies ist ab sofort montags und donnerstags von 9-12 Uhr möglich oder jederzeit über den AB. Sollten Sie auf den AB sprechen, nennen Sie bitte Ihren Namen, Adresse, Tel.-Nr. und das Datum des gewünschten Gottesdienstbesuchs.
  • Bitte bringen Sie Ihre eigene Maske mit
  • Bitte folgen sie den Anweisungen unserer Ordnungshelfer/innen.

Die staatliche Erlaubnis Gottesdienste feiern zu dürfen wird unter der Voraussetzung erteilt, dass sämtliche Vorgaben, was Sicherheit und Hygiene betreffen, eingehalten werden. Wir bitten Sie daher um Verständnis, wenn wir darauf achten, dass sich alle Gottesdienstbesucher an die Auflagen halten. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.


Gruppentreffen und sonstige Veranstaltungen

Gruppentreffen und sonstige Veranstaltungen unserer Kirchengemeinden entfallen bis auf weiteres. Auch Geburtstagsbesuche dürfen bis auf weiteres nicht mehr stattfinden. Stattdessen werden Geburtstagshefte mit einem persönlichen Gruß eingeworfen.

Beerdigungen werden in geänderter Form weiter durchgeführt. Bitte achten Sie auch als Angehörige darauf, dass diese im möglichst kleinen Kreis durchgeführt werden können.

In seelsorgerlichen Fällen oder bei Fragen und sonstigen Anliegen erreichen Sie Pfarrer Gutting telefonisch unter 06344 56 49 

Das Büro des Pfarramts ist weiterhin montags und donnerstags von 9.00 h – 12.00 h besetzt.


Predigt über die Freiheit – 1. Sonntag nach Trinitatis 2020

Liebe Gemeinde,

eines der wichtigsten Themen seiner Amtszeit war für den Altbundespräsidenten Gauck die Freiheit. Hatte er als Pfarrer und kritischer Geist in der damaligen DDR am eigenen Leib erfahren wie es ist, wenn grundlegende Freiheitsrechte von einem diktatorischen Staat eingeschränkt, ja verweigert werden.

Für so manchen, der das Glück hatte, in dieser Zeit auf der westlichen Seite des Eisernen Vorhangs leben zu dürfen, war es sogar schon zu viele des Guten. Vielleicht kam das daher, dass es für uns einfach selbstverständlich geworden war, in Freiheit zu leben und viele Freiheitsrechte genießen zu dürfen.

Wie wichtig Freiheit für ein gutes Leben ist, erkennt man eben oft erst, wenn sie nicht oder nicht mehr da ist. Das haben wir in den vergangenen Wochen – wenn auch, wie ich meine nur in Ansätzen – erlebt. Unsere Bewegungsfreiheit war eingeschränkt, die Versammlungsfreiheit auch, nicht zuletzt auch das Recht auf freie Religionsausübung. Eingeschränkt waren diese Freiheitsrechte wohlgemerkt, nicht aufgehoben. Andere Freiheitsrechte wie die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit etwa, waren überhaupt nicht berührt. Worum es also in keiner Weise ging war, unter dem Deckmantel der Seuchenbekämpfung die Demokratie abzuschaffen, wie manche nicht müde wurden zu behaupten und uns schon auf direktem Weg in die Diktatur sahen. Man kann eigentlich nur den Kopf schütteln vor so viel Ignoranz.

Immerhin, wir konnten ein Gefühl dafür entwickeln, wie wichtig Freiheit für unser Leben ist und was das heißt, wenn sie plötzlich fehlt.

Und so werden alle Lockerungen, die die Politik jetzt erlaubt, regelrecht als Rückkehr der Freiheit gefeiert. So zuletzt auch in der Rheinpfalz zu lesen. Und nicht wenige verhalten sich dann auch gleich so, als wäre das Wichtigste jetzt nachzuholen, was man persönlich versäumt zu haben glaubt oder tatsächlich verpasst hat. Gar nicht so selten ohne Rücksicht auf immer noch geltende Regeln und die eigene wie die Gesundheit anderer.

Grund genug einmal darüber nachzudenken, was wir als Kirche der Freiheit, so nennen wir uns als Evangelische seit einigen Jahren ja, meinen und verstehen, wenn wir von Freiheit reden.

Alle verantwortlichen Politiker haben stets betont, dass es nicht selbstverständlich ist, wenn grundlegende Freiheitsrechte eingeschränkt werden müssen. Und dass dies kein Dauerzustand werden darf. Zu Recht. Denn immerhin wurden diese Rechte lange genug und zum Teil unter großen Opfern im Lauf der Geschichte erkämpft. Und oft genug hat sich Kirche dabei eher als Bremser erwiesen, denn als Speerspitze der Bewegung. Und das, obwohl unsere Bibel an vielen Stellen davon berichtet, wie wichtig Gott die Freiheit, ja, dass er ganz wesentlich ein Gott der Freiheit ist.

Der Sabbat, der Ruhetag, den Gott seiner Schöpfung sozusagen als Krone aufsetzt, er ist ein geschenktes Stück Freiheit jede Woche. Hier soll ich frei sein von Pflichten und den Mühen der Woche. Und das gilt sogar für die Tiere. Auch sie sollen ausruhen und diesen kleinen Vorgeschmack aufs Paradies genießen dürfen!

In der Einleitung zu den 10 Geboten hören wir, dass Gott selbst sein Volk aus der Sklaverei in die Freiheit geführt hat. Eine der Grunderfahrungen des jüdischen Volkes, die half durchzuhalten in den vielen dunklen Zeiten, die dieses Volk erleiden musste. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum!“ heißt es im 31. Psalm. So fühlt sich Freiheit an. „Unsere Seele ist entronnen wie ein Vogel dem Netz des Vogelfängers; das Netz ist zerrissen und wir sind frei.!“ In solch poetische Worte kleidet der 124. Psalm Freiheitssehnsucht und Freiheitserfahrung der damaligen Zeit.

Viele andere Stellen ließen sich dazu noch anführen. Ganz wichtig ist mir persönlich die Szene, in der Mose die 10 Gebote erhält und die eben mit der Erinnerung an die Befreiung durch Gott beginnen. Hier wird unmissverständlich klar: Freiheit ist nicht Freiheit nur für mich alleine, wie man die heutigen individuellen Freiheitsrechte missverstehen könnte. Freiheit heißt immer auch Verantwortung zu übernehmen. Den Mitmenschen und seine Freiheit, seine Rechte mit in den Blick zu nehmen und zu respektieren. Freiheit braucht Regeln, ja und auch Grenzen. Sonst wird sie zu nichts anderem, als bloßem Egoismus, führt zu Rücksichtslosigkeit, Ellenbogenmentalität und zerstört am Ende jede wirkliche Gemeinschaft. Ohne solch gute Regeln kann ein Leben in Freiheit nicht gelingen.

Aber auch im Neuen Testament spielt der Freiheitsgedanke eine wichtige Rolle. So sagt Jesus von sich selbst: „Der Geist des Herrn ist auf mir, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen.“ (Lk 4, 18) Und wenn er mit Zöllnern, Prostituierten, Sündern an einem Tisch saß, aß und trank, feierte, befreite er sie aus ihrer gesellschaftlichen Gefangenschaft, in die die Mehrheitsgesellschaft sie abgeschoben hatte. Weil auch sie Kinder Gottes sind!

Paulus schließlich weist uns immer wieder darauf hin, dass wir als Christen zur Freiheit berufen sind. Zu einer Freiheit jedoch, die nicht spaltet, weil jeder meint nun tun zu dürfen, was er will, sondern einer Freiheit, die der Einheit, die der Gemeinschaft, die allen dient. (1. Kor. 8,9)

Der Kern unseres Glaubens, dass Gott uns in Jesus Christus, durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferweckung, Anteil am ewigen Leben geschenkt hat, der macht frei. Weil ich der Sorge um mich selbst enthoben bin - denn Gott hat für mich gesorgt - werde ich frei davon, mich nur um mich selbst und meine Interessen zu kümmern. Ich werde frei, mich meinem Nächsten zuzuwenden und seine Not zu lindern. „Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das höchste Gebot für uns Christen, das Jesus uns gibt, es ist dann Ausdruck dieser Freiheit, die wir im Glauben gewinnen. „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gebot Christi erfüllen.“ So formuliert es Paulus im Galaterbrief.

Als Kirche Jesu Christi können wir genau in unseren Tagen einen wichtigen Beitrag leisten, indem wir immer wieder darauf hinweisen und es vorleben, dass Freiheit viel mehr ist, als nur die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen. Dass Freiheit erst im Bezug zum Mitmenschen wirklich entsteht, wächst und dem Leben einen tiefen Sinn gibt. Freiheit, die aus dem Glauben kommt und lebt, dass ich in Gott geborgen und gehalten bin für alle Ewigkeit.

Und wer schließlich denen, die immer noch meinen, es wäre so hart heute zu leben, einmal etwas entgegnen möchte kann das mit folgendem kleinen Beispiel tun:

Stellen wir uns einfach einmal einen Menschen vor, der im Jahr 1900 geboren wurde.

Er war 14 Jahre alt, als der erste Weltkrieg ausbrach. 18 als er zu Ende ging und über 20 Millionen Tote zu beklagen waren. Von den dauerhaft Kriegsgeschädigten gar nicht zu reden.

Gleich danach brach die spanische Grippe aus, die 50 Millionen Tote forderte. Da war er 20.

Mit 29 Jahren erlebte er die Weltwirtschaftskrise, mit 33 die Machtübernahme der Nazis in Deutschland.

39 Jahre war er alt, als der 2. Weltkrieg ausbrach und sechs Jahre später mit mindestens 55 Millionen Toten als Opfern endete.

1950 brach der Koreakrieg aus, 1955 der Vietnamkrieg, der bis ins Jahr 1975 dauerte, Dazu kam der kalte Krieg, mit seinen Gefahren, in einen heißen, vermutlich atomar geführten Krieg umzuschlagen.

Das alles hatte so ein Mensch in seinen 75 Lebensjahren erlebt, erlitten und überlebt.

Und da sollten wir es nicht aushalten mal eine Zeit lang kürzer zu treten, auf etwas individuelle, persönliche Freiheit zu verzichten, den Nächsten zuliebe?

Christliche Freiheit sieht anders aus. Und auch wenn ich mir persönlich das Feiern eines Gottesdienstes anders vorstelle und wünsche, auch wenn ich gerne gerade auch die besonderen Gottesdienste mit Konfirmandinnen und Konfirmanden, Jubelkonfirmanden und anderen wieder unbeschwert und wie gewohnt feiern würde: Die Freiheit, zu der Christus uns befreit, lässt mich hoffen und vor allem aushalten, was jetzt zu tragen ist.

Einer trage des anderen Last, so werden wir das Gesetz Christi erfüllen Und ein Beispiel gelebter christlicher Freiheit sein, an dem andere sich aufrichten können. Amen.

Andachten im Internet

Hier auf unserer Homepage finden Sie Andachten von Pfarrer Gutting, die auch gerne geteilt, ausgedruckt und verteilt werden dürfen.

Natürlich können Sie auch die vielfältigen Angebote von Gottesdiensten und Andachten im Fernsehen und auf den Internetseiten https://www.evkirchepfalz.de/ und https://dekanat-germersheim.de/kirche-digital nutzen.