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Muttertag

Muttertag. Fast hätten wir ihn in diesem Jahr vergessen. Also schnell noch zum Blumenladen. Ich reihe mich in die Schlange ein. Vorbildlich halten alle 2 Meter Abstand und sind mit einer Mund-Nasen-Bedeckung ausgestattet. Geduldig rücken alle nach und nach ein Stück weiter, wird für die Entgegenkommenden Platz gemacht. Manche sind mit dem Handy beschäftigt, andere blicken durch die Gegend oder hängen ihren Gedanken nach  – so wie ich.

Was soll ich nehmen? Einen Blumenstrauß? Sieht schön aus, hält aber nicht so lange.
Etwas für draußen? Da hat meine Mutter in den letzten Wochen bereits Unmengen gepflanzt.
Also dann etwas für drinnen. Etwas, das hält - und blüht. Schließlich liebt sie Blumen.
Ich schiebe mich etwas weiter nach vorne. Jetzt kann ich sogar einen Blick ins Innere erhaschen. Und dabei entdecke ich sie – die Calla. Das ist es. Noch ein Übertopf dazu. Das passt.

Im Inneren angekommen gebe ich meinen Wunsch weiter. Noch ein bisschen umsehen – das liebe ich hier. Und wie meistens bleibt es nicht bei der einen Bestellung. In der Zeit, in der alles liebevoll für mich gerichtet wird, finde ich eine Ecke, in der ich niemandem im Wege bin.

Und dann kitzelt es in meiner Nase – was bei mir in Blumenläden öfters passieren kann. „Nur nicht niesen“, denke ich, „das könnte eine leichte Panik auslösen.“ Leichtes Reiben an der Nase – natürlich über der Mund-Nasen-Bedeckung - führt zum erwünschten Erfolg. Ich bin erleichtert.

Es tut mir gut, meine Augen über die blühende Pracht schweifen zu lassen. Ich genieße die (wenigen) Menschen um mich, lausche den Gesprächen der Floristen. Es wird viel gelacht, die Stimmung ist gut. Ich spüre wie hier in diesen Minuten auch in mir etwas aufblüht und mein Herz sich weitet. Erfüllt gehe ich nach draußen.

Für die einen sind solche kleinen Erlebnisse Zufall – für mich sind sie ein Geschenk Gottes an diesem Tag. Und dafür danke ich ihm - und meinem Blumenladen!

„Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2)

Pfarrerin Angela Fabian

 

 

Navigation

„Touren, die dich zu den schönsten Orten in der Natur bringen“, verspricht eine Navigations-App. „Die punktgenaue Sprachnavigation sorgt dafür, dass du immer in die richtige Richtung unterwegs bist – ohne dich von der schönen Landschaft abzulenken.“ Das klingt gut und wir probieren es aus.

Tatsächlich werden wir auf einen schönen Pfad durch den Wald geführt. Eine freundliche Frauenstimme erklärt uns, wann wir wo abbiegen sollen. Zusätzlich werfen wir einen Blick auf die Wegführung, die auf dem Handy angezeigt wird. Ganz entspannt verlassen wir uns auf die Richtungsansagen.

Doch dann auf einmal werden wir aus unserer Entspanntheit gerissen.  „Bitte wenden Sie“, ertönt es unvermittelt.
Was ist jetzt los? Ein Blick aufs Handy zeigt uns, dass unser eigentlicher Weg ein ganzes Stück weiter links von uns verläuft. Seltsam. Es schien doch alles so einfach und klar. Waren wir zu vertrauensselig? Es bleibt uns nichts anderes übrig. Wir kehren um und gehen bis zur letzten Wegkreuzung zurück.

Dann also der andere Weg. Jetzt schauen wir aber öfters auf das Handy und stellen an der nächsten Wegkreuzung fest, dass es doch nicht immer so ganz eindeutig ist, welcher Weg nun der richtige ist. Es ist doch besser, dass wir uns selbst einen Überblick verschaffen und zumindest eine Ahnung haben, wohin wir unterwegs sind. Dennoch passiert es noch einmal, dass wir nach einer Weile merken, dass unser gewählter Weg uns in eine falsche Richtung führt. Doch dieses Mal kehren wir nicht um. Wir gehen weiter und biegen bei nächster Gelegenheit auf einen kleinen Pfad ab, der uns wieder auf die ursprüngliche Strecke zurückführt. Das war zwar so nicht geplant, aber es ist ein schöner Weg und wir kommen auch an unserem Ziel an.

In Zeiten von Corona empfinde ich es ganz ähnlich. Wir suchen einen Weg aus dieser Krise heraus. Aber dieser Weg ist eben nicht so klar und eindeutig wie wir uns das wünschen. Wir schlagen eine Richtung ein und merken nach einer Weile, dass wir nochmal nachsteuern oder vielleicht sogar eine Kehrtwende machen müssen. Wir spüren auch, dass wir uns selbst einen Überblick verschaffen müssen, um mitzukommen und uns nicht in einem Dickicht von Informationen und Meinungen zu verlieren. Das ist mühsam und anstrengend bei all dem, was sonst noch im Alltag an Ungewohntem auf uns lastet.

Mir ist deshalb in diesen Tagen so wichtig, Halt zu finden. Ich greife nach alten Worten, die Menschen schon viele Generationen vor mir gesprochen haben. In Psalm 23 finde ich solche Worte: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Viele Menschen vor mir haben die Erfahrung gemacht, dass sie auf ihrer Wanderung durchs Leben nicht alleine unterwegs sind. Das hat ihnen die Kraft gegeben, mit Hindernissen auf ihrem Weg umzugehen und ihre Lebensrichtung immer wieder zu überdenken. Es ist nicht immer einfach, die richtige Entscheidung im Leben zu treffen. Und manchmal gibt es Situationen, da gibt es auch nicht die richtige Entscheidung. Da bringt jeder Weg nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile mit sich und wir müssen abwägen, wo es hingehen soll.
Bitten wir Gott darum, weise Entscheidungen zu treffen, die uns auf unserem Weg durch die Krise weiterhelfen und Menschen nicht auf dem Weg zurücklassen.

Angela Fabian, Pfarrerin

27.April 2020

Kann sein, was nicht gemeldet wurde?

Wir sitzen auf der Terrasse. „Ich habe einen Tropfen abbekommen.“ -  „Kann nicht sein. Das haben sie nicht gemeldet.“  -  „Ich habe noch einen Tropfen abbekommen.“ - „Das haben sie aber nicht gemeldet!“

Kann sein, was nicht gemeldet wurde?

Die Corona-Krise wurde nicht gemeldet und doch stecken wir mittendrin. Ich sehe ihre Auswirkungen beim Einkaufen im Supermarkt, wo mir Markierungen auf dem Boden den einzuhaltenden Abstand anzeigen oder bei einem Gang durch die Stadt, wo alle Läden und Cafés geschlossen sind. Im Kurpark spüre ich bei einigen Fußgängern, die mir begegnen, Verunsicherung, denn sie machen einen weiten Bogen um mich. Und vor wie vielen Jahren habe ich das letzte Mal für 1,06 € Benzin getankt?
Bis in die Haarspitzen merke ich die Veränderungen und bereue beim morgendlichen Blick in den Spiegel bereits, dass ich mir gestern in einem Anflug von Selbstüberschätzung das Pony geschnitten habe. Meine Friseurin wird ein Einsehen mit mir haben, wenn sie das wieder korrigieren muss. Aber das ist jetzt wohl das kleinste aller Probleme. Sie bangt wahrscheinlich um ihren Salon und sorgt sich um ihre Mitarbeiterinnen. Ich hoffe, dass sie und alle anderen Betriebe und Selbständigen die notwendige Unterstützung erhalten und Wege finden, durch diese Krise zu kommen.

Kann sein, was nicht gemeldet wurde?

Vor etwa 2000 Jahren fanden die Frauen am Ostermorgen das Grab Jesu leer vor. Das erschütterte sie zutiefst. Die Nachricht des Engels, dass Jesus lebt, konnten sie zunächst überhaupt nicht begreifen. Damit hatten sie nicht gerechnet. Das passte nicht in ihr Weltbild. Tot ist tot – oder!? Aber bald machten sie mit anderen die Erfahrung, dass Jesus lebt, dass er ihnen weiterhin nahe war und sie begleitete.

Ja, es kann sein, was nicht gemeldet wurde.
Diese Krise erschüttert uns. Menschen kämpfen um ihr Leben. Viele bangen um ihre Existenz. Andere kommen mit der häuslichen Situation nicht zu Recht. Das ist schlimm. Und dennoch ist nicht alles schlimm. Menschen kaufen füreinander ein, rufen andere an, nähen Mundschutz, unterstützen durch lokale Initiativen, ….
Ich erfahre um mich herum: Das Leben ist stärker und setzt sich durch. Wir erleben Ostern! Gott zeigt uns Möglichkeiten, wo wir zunächst keine sehen. Er ist an unserer Seite, schenkt uns Fantasie und Kraft, dass wir uns für das Leben stark machen.

Pfarrerin Angela Fabian
14. April 2020

Gedanken zum Gründonnerstag

„Was essen wir morgen?“ Diese Frage taucht bei uns meistens bald nach dem Mittagessen auf. Und dann geht es los: Vorschläge werden gemacht und wieder verworfen: Nudeln hatten wir die letzten drei Tage, Kartoffel-Gratin dauert zu lange, Fisch will der Sohnemann nicht. Das kann manchmal ganz schön nerven. Als ob das Leben hauptsächlich aus Essen bestehen würde. Doch seltsamerweise knurrt auch mir am nächsten Mittag der Magen wieder.

Was uns in den letzten Jahren nie gelungen ist, haben die Einschränkungen der letzten Wochen nun geschafft: Wir machen einen richtigen Essens-Plan: Montag, Dienstag, Mittwoch, …  Fehlt nur noch die Deklaration von Zusatzstoffen und Allergenen: 1 mit Farbstoff, 2 mit Konservierungsstoff, 3 mit Antioxidationsmittel …

Mein Mann ist im Essen-Planen ein wahrer Meister geworden. Er geht unsere Gerichte durch, schaut in den Kühlschrank und die Gefriertruhe, schreibt Einkaufslisten. Wir probieren jetzt auch mal wieder etwas Neues aus und kramen alte Rezepte raus. Das Gericht, das unsere Tochter als Kind so geliebt hat, steht wieder auf dem Speisezettel. Und damit kommen auch wieder Erinnerungen an diese Zeit.

Überhaupt: Essen hat für mich viel mit Menschen zu tun, mit Gefühlen und Erinnerungen, mit Zuhause. Der Sauerbraten schmeckt nirgends so gut wie bei meiner Mutter. Und mit dem Käsekuchen meiner Schwiegermutter kann sonst niemand mithalten.

Jesus saß auch gerne mit den Menschen zusammen beim Essen. Und er hat uns ein besonderes Mahl hinterlassen – das Abendmahl. Daran erinnern wir uns am Gründonnerstag. Viele vermissen es schmerzlich in diesen Tagen. Gerade jetzt, wo wir so viel Unsicherheit und Ungewissheit verspüren, wo uns das Herz manchmal so schwer ist, da würde es uns so guttun, in der Gemeinschaft beisammen zu sein und uns in Brot und Kelch stärken zu lassen.

Auch wenn wir uns nicht um den Altar versammeln können, so können wir doch miteinander verbunden sein. Nehmen Sie heute Abend, wenn die Glocken um 19:30 Uhr läuten, ein Stück Brot. Teilen Sie es mit Ihrer Familie oder essen Sie es für sich alleine. In diesem Stück Brot sind wir – über die räumliche Distanz hinweg - einander nahe. In diesem Bissen Brot schmecken wir die Liebe Gottes, die uns Kraft geben will, diese schwierige Zeit durchzustehen.

Ich freue mich, wenn wir wieder gemeinsam Abendmahlfeiern können. Bis dahin bleiben Sie behütet!

Pfarrerin Angela Fabian

09. April 2020

Gedanken von Pfarrerin Fabian

Ich sehe auf den riesigen Stapel Wäsche, der sich vor mir auftürmt. In den letzten beiden Wochen ist ganz schön was zusammengekommen. Manches Kleidungsstück liegt hier schon zum dritten Mal. Es ging auch so. Aber jetzt hat mein Mann fast keine Hemden mehr im Schrank.

In den letzten 14 Tagen war einfach anderes dran. Es gab so Vieles zu verarbeiten: die eingeschränkte Ausgangssperre, keine Gottesdienste mehr, Alternativ-Angebote erarbeiten, eine Flut an Informationen, die es umzusetzen galt, … Wer fragt da schon, ob mein Shirt gebügelt ist?

Doch heute ist es an der Zeit, dass ich mich diesem Wäscheberg stelle. „Bügel doch vor dem Fernseher“, schlägt mir mein Mann vor. Aber ich spüre, ich will jetzt einfach Ruhe. Kein Radio, kein Fernsehen, keine Musik, keine Nachrichten – nur mein Bügeleisen und ich.

Bügeln gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Aber ich bin erstaunt, wie gut es mir heute tut. Das regelmäßige Zischen des Dampfes, die gleichbleibenden Bewegungen. Es ist fast wie eine Meditation.

Erstmal denke ich gar nichts. „Kalenner gugge“ sagen wir Pfälzer und meinen damit einen Moment, wo der Kopf angenehm leer ist und der Blick Richtung Unendlichkeit geht.

Allmählich kommen Gedanken und gehen wieder, ich lasse ihnen ihren Lauf. Gesichter tauchen vor mir auf. Einige von ihnen sind ganz alleine in ihren Wohnungen und Häusern. Ich denke an sie.

„Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.“ Ein Bibelwort aus Psalm 62,2 kommt mir in den Sinn. Diese Stille empfinde ich gerade und sie breitet sich wohltuend in mir aus. Ich hätte nicht gedacht, dass ich sie hier finde, beim Bügeln. Ich ertappe mich dabei wie ich sogar die Henkel der Baumwolltasche glatt streiche und mit dem heißen Eisen darüber fahre.

Die nächste Ladung Wäsche ist schon wieder in der Maschine. Spätestens übermorgen könnte ich wieder hier stehen. Ich freue mich fast darauf.

31. März 2020 - Pfarrerin Angela Fabian

Gedanken zum Sonntag Judika

Hebräer 13, 12-14:12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. 13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.Draußen sein, nicht dazu gehören, außen vor sein – ein Gefühl, das wir nicht mögen. Draußen sind die Außenseiter, die Ausgesonderten, die, mit denen man nichts zu tun haben will, die belächelt oder auch gemobbt werden.

Drinnen sein in der Gemeinschaft, in der Clique, im Kollegium, das streben wir an. Denn wir brauchen andere Menschen, wir brauchen die sozialen Kontakte. Wir wollen dabei sein. Deshalb fällt es uns ja so schwer, für uns zu sein in unseren vier Wänden, so wie wir das in diesen Tagen erleben. Wir sind „drinnen“ in unseren Wohnungen und Häusern – allein, zu zweit, mit der Familie. Und es fühlt sich fast an als ob wir „draußen“ wären, abgesondert, abgeriegelt.

Auf einmal ist alles anders. Selbst „draußen“ und „drinnen" verschwimmen. Diese drastischen Veränderungen beunruhigen uns, machen auch Angst. Uns wird bewusst, dass wir keine bleibende Sicherheit haben.

Mir hilft in dieser Situation der Blick auf Jesus Christus. Er war selbst einer, der „draußen“ war: draußen geboren in einem zugigen Stall; mit seinen Anhängern draußen auf den Straßen und in den Dörfern und Städten unterwegs. Er gab sich mit denen ab, die gesellschaftlich „draußen“ standen. In Liebe wandte er sich allen Menschen zu und hielt auch dann an diesem Weg fest als dieser ihn „draußen“ vor dem Tor in den Tod führte. Jesus machte deutlich, dass unsere Unterscheidung von „draußen“ und „drinnen“ im Grunde krank ist. Denn wir alle sind Gottes geliebte Kinder – ohne Unterschied.

Wenn ich höre und sehe wie sich viele auf den Weg nach „draußen“ machen, um denen, die „drinnen“ sind Lebensmittel oder Medikamente zu bringen, dann spüre ich etwas von dieser Gemeinschaft der Kinder Gottes, in der Solidarität und Nächstenliebe gelebt werden. So sind wir gut unterwegs mit Christus in Richtung Zukunft. 

Gebet:

Barmherziger Gott, Du bist dort, wo Menschen leiden. Du selbst bist Mensch geworden und hast erlebt, was wir erleben müssen: Krankheit, Ohnmacht, Schmerz, Angst.

Wir bitten Dich: Sei allen nahe, die sich „drinnen“ einsam fühlen. Schenke Trost und Hoffnung denen, die verzweifelt sind, die um einen Angehörigen bangen. Ermögliche den Erkrankten baldige Genesung und sei besonders bei den Sterbenden und ihren Angehörigen.

Wir denken an die Helferinnen und Helfer, die „draußen“ unterwegs sind, an die Ärztinnen und Ärzte, die Pflegenden in Krankenhäusern und Seniorenheimen und an alle, die sich für andere einsetzen.

Wir denken auch an die Menschen, die „draußen“ sind in den Flüchtlingslagern, wo sie unter katastrophalen Bedingungen ausharren in der Hoffnung auf ein Leben „drinnen“ in der Europäischen Gemeinschaft.

Sei uns allen ein Licht der Hoffnung auf unserem Weg. Alles, was unsere Herzen bewegt, legen wir in das Gebet Jesu: Vater unser im Himmel …

29.März 2020 - Pfarrerin Angela Fabian

My home is my castle

My home is my castle. Diesen Spruch würde meine Mutter zurzeit wohl unterschreiben. Mit ihren 83 Jahren hat sie sich zu Hause eingeigelt. Und das finde ich sehr vernünftig. Sie empfindet ihr Haus wie eine sichere Burg, eine starke Festung, durch die kein unsichtbarer Feind, keine Viren eindringen können.
Und wenn wir sie über die Terrasse mit dem Notwendigen versorgen und durch die Glastür miteinander sprechen, dann komme ich mir fast vor wie bei „Rapunzel, lass dein Haar herunter“.

Für unseren Sohn dagegen ist dieses Zu-Hause-Sein schon eher eine Herausforderung. Ohne Schule ist ja noch nicht einmal das Problem (Es kommen ja auch fast täglich Aufgaben via Internet ins Haus). Aber ohne Fitnessstudio, ohne Abhängen mit den Freunden, ohne Sich-Frei-Bewegen-Können – für ihn fühlt sich das an wie Eingesperrtsein. Wie gut, dass er zumindest zum Joggen rausgehen oder draußen fotografieren kann.

Die Burg als Schutzraum oder eher als Verlies? Ich weiß nicht wie Sie das empfinden.

Mir fallen Psalmworte ein. In diesen sehr alten Gebeten begegnen mir Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben.

So heißt es in Psalm 18,2f.: Herzlich lieb habe ich dich, HERR, meine Stärke!  HERR, mein Fels, meine Burg, mein Erretter; mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz!

Gott - wie eine Burg. Dieses Bild hat Menschen über Jahrhunderte hinweg ein Gefühl der Geborgenheit und des Schutzes vermittelt. Gott gibt uns Halt, auf ihn können wir uns felsenfest verlassen.

Und was mich besonders beeindruckt: Dieser starke Gott macht sich in Jesus klein und schwach und kommt uns Menschen so ganz nahe. Er lässt sich auf unser Menschsein ein und weiß deshalb wie wir uns fühlen. Manchmal stark und dann wieder schwach, jetzt noch zuversichtlich und im nächsten Moment wieder ängstlich. Besonders in diesen Tagen sind wir einem Gefühls-Chaos ausgesetzt. Wie gut, dass da Einer ist, der verlässlich ist, der fest steht, in dem ich mich bergen kann.

Ein schönes Lied, das ich tröstlich und Mut machend finde, steht im Liederbuch „Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder“, Nummer 123:

„Du bist mein Zufluchtsort. Ich berge mich in deiner Hand, denn du schützt mich, Herr. Wann immer mich Angst befällt, traue ich auf dich. Ja, ich trau auf dich, und ich sage: Ich bin stark in der Kraft meines Herrn.“

Auch das Läuten unserer Glocken empfinde ich in diesen Tagen als besonders verbindend und Trost spendend.

So läuten wir in unserer Landeskirche und dem Bistum Speyer täglich um 19:30 Uhr die Glocken als Zeichen der Solidarität und der Verbundenheit. Wir sind eingeladen, innezuhalten, ein Gebet zu sprechen oder/und eine Kerze ins Fenster zu stellen. Damit wollen wir ein hörbares Zeichen der christlichen Gemeinschaft, des gegenseitigen Trostes und der Ermutigung setzen.

25. März 2020 - Pfarrerin Angela Fabian

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