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Letzte Aktualisierung: 21.11.2017
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Die BMZ im Calvinjahr 2009


19. Februar 2009

Prof. Strohm während seiner Lesung

Vortrag von Prof. Dr. Christoph Strohm, Heidelberg: "Johannes Calvin - Leben und Werk des Reformators"

Dr. Christoph Strohm im Interview zu Leben und Werk Calvins

Dr. Christoph Strohm, Kirchenhistoriker und Professor für Reformationsgeschichte und Neuere Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg, stellte im Rahmen einer Lesung am Donnerstag, 19. Februar, 18 Uhr, im Lesesaal der Bibliothek und Medienzentrale der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer sein neues Calvin-Buch vor, das unter dem Titel „Johannes Calvin. Leben und Werk des Reformators“ Mitte Februar 2009 im Beck-Verlag erschien. Bei einer Tagung zum Calvin-Jahr des Vereins für Pfälzische Kirchengeschichte im Januar hatte Prof. Dr. Christoph Strohm in einem viel beachteten Vortrag ein Gesamtportrait des Reformators skizziert und den Stand der wissenschaftlichen Erforschung präsentiert. Bei der musikalisch umrahmten Lesung sprach Kirchenpräsident Christian Schad ein Grußwort. Die Speyerer Buchhandlung Oelbermann bot einen Büchertisch zum Thema an.

Frage: Herr Professor Strohm, Sie haben kürzlich beim Verein für Pfälzische Kirchengeschichte einen viel beachteten Vortrag über Johannes Calvin gehalten. Was hat Sie bewogen, sich so ausführlich mit Leben und Werk des Reformators zu beschäftigen?

Antwort: Am Anfang meiner Beschäftigung mit Calvin stand die Frage, ob es Unterschiede der Soziallehren bzw. der ethischen Stellungnahmen des calvinistisch-reformierten und des lutherischen Protestantismus gibt. Ist die früher vielfach – zum Beispiel von großen Gelehrten wie Ernst Troeltsch und Max Weber – geäußerte Auffassung richtig, dass der calvinistisch-reformierte Protestantismus mehr zur Entstehung der modernen westlichen Zivilisation beigetragen hat als das vermeintlich „obrigkeitshörige“, auf die „innere Rechtfertigungsseligkeit“ ausgerichtete Luthertum?

Frage: Welche Bedeutung hat der nicht unumstrittene protestantische Theologe und Begründer des „Calvinismus“, dessen Geburtsjahr sich 2009 zum 500. Mal jährt, für die Pfalz und für den Protestantismus in der Pfalz?

Antwort: Die Kurpfalz mit der Universität und Residenzstadt Heidelberg war am Ende des 16. und am Beginn des 17. Jahrhunderts das geistige Zentrum des reformierten Protestantismus in Europa und seine wichtigste Bastion im Reich. Junge Intellektuelle wie der Dichter Martin Opitz fühlten sich durch die Pflege von Humanismus und reformiertem Protestantismus an der Universität angezogen. Man sah sich in der Verantwortung dafür, gegen alle Tendenzen von Aberglauben und Autoritätshörigkeit für eine schlichte, biblisch orientierte Frömmigkeit, die mit der intellektuellen Durchdringung der Welt verbunden war, zu kämpfen. Das sind auch heute noch lohnende Ziele. Der Protestantismus, in der Pfalz und darüber hinaus, sollte Frömmigkeit, die dem Menschen Demut einüben hilft, mit intellektueller Schärfe und Zugewandtheit in der Weltgestaltung verbinden.

Frage: Geben Sie uns bitte - als kleinen Vorgeschmack - eine kurze Inhaltsangabe Ihres neuen Buches „Johannes Calvin. Leben und Werk des Reformators“, das Mitte Februar im Beck-Verlag erscheinen wird und aus dem Sie am 19. Februar in der Bibliothek und Medienzentrale der Evangelischen Kirche der Pfalz lesen werden?

Antwort: Das Buch versucht, Calvins Weg vom Glaubensflüchtling zum Weltgestalter plausibel und anschaulich zu machen. Jenseits von Calvin-Verehrung und Calvin-Verdammung sollen seine Prägungen und Erfahrungen sichtbar werden, die seine ungewöhnliche Wirkungskraft verstehen lassen. So ist Calvin zum Beispiel an den besten juristischen Fakultäten seiner Zeit hervorragend ausgebildet worden. Die Existenz als Glaubensflüchtling und Fremder in Genf ist ein wichtiger Hintergrund für sein vielfach unnachgiebiges und kompromissloses Auftreten. Es ging ums Überleben der Reformation angesichts einer eminenten Bedrohung. Ohne Unterbrechung erhielt er die Schreckensnachrichten von den verfolgten Glaubensbrüdern aus der französischen Heimat. Das erschwert, schlicht gesagt, die Entwicklung von Toleranzgedanken.

Frage: Johannes Calvin galt zeitlebens als „strenger“ Reformator. Können Sie in Ihrem Buch seinem Leben und Wirken auch heitere Seiten abgewinnen?

Antwort: Humor gehörte bestimmt nicht zu Calvins Stärken. Besonders in den letzten Lebensjahren hat er einem kranken Körper eine gewaltige Arbeitsleistung abgerungen. Da war es dann wohl noch schwerer, ihn lachen zu sehen. Aber Calvin hat durchaus Emotionen gezeigt. So hat er eine Frau gefunden, mit der er sehr glücklich war. In seinen Briefen spricht er nicht über seine Liebe zu ihr. Erst als sie nach acht Jahren Ehe starb, hat er in ergreifenden Worten seine ganze Verzweiflung einem Freund gegenüber zum Ausdruck gebracht: „So furchtbar schwer mir auch der Tod meiner Frau war, so suche ich doch, so gut ich kann, meine Traurigkeit zu überwinden. ... Du kennst die Empfindlichkeit oder besser Weichheit meines Herzens. Deshalb, hätte ich mir nicht gewaltsam Mäßigung auferlegt, ich stünde nicht mehr aufrecht bis jetzt. Genommen ist mir die beste Lebensgefährtin.“

Die Fragen stellte Christine Keßler-Papin.


5. Februar bis 3. März 2009

Doppelausstellung: Calvin. Wanderausstellung des Reformierten Bundes/der EKD und Buchausstellung der BMZ

Eröffnung der Calvin-Ausstellung