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Losung

Losung für Donnerstag, 14. Dezember 2017
Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt.
1.Mose 3,9-10

Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!
Galater 4,6

© Evangelische Brüder-Unität

 

 

GD-Pred.Nr. 1469// 3.XII.2017 Erlb.; 1. Advent
Text: Offb 5, 1-14

Liebe Gemeinde,
die Hl. Schrift ist gespickt mit Redewendungen, die bei uns zu bekannten Sprichwörtern geworden sind. Dazu gehört auch dieses: Wenn wir etwas nicht verstehen, wenn uns etwas rätselhaft bleibt, dann sagen wir gern: Das ist für mich ein Buch mit 7 Siegeln. Damit gestehen wir uns ein, die Lösung des Problems oder des Rätsels nicht allein zu finden.
Nun ist eigentlich dieses letzte Buch der Bibel, die Offenbarung des Johannes, selbst so etwas wie ein Buch mit 7 Siegeln. Ganz schwer oder überhaupt nicht zu verstehen. Dabei heißt doch Offenbarung eigentlich, Licht ins Dunkel zu bringen. Etwas aufzudecken, was vorher verborgen gewesen ist.
Freilich lässt sich vieles nicht so einfach aufdecken und verstehen, wie wir das in unserer Informationsgesellschaft gewohnt sind. Nämlich einfach in das Internet zu gehen, in die Suchmaschine unsere Frage eingeben und dann in Sekundenschnelle eine oder viele mögliche Antworten zu erhalten.
Es gibt Dinge und Ereignisse im Leben, die lassen sich nicht einfach so schnell beantworten. Da können wir auch nicht einfach Experten bei einem Radiosender anrufen und uns eine Lösung geben lassen.
Unser heutiger Predigttext, am Anfang eines neuen Kirchenjahres, ist auch so ein Buch mit 7 Siegeln. Und diese Siegel verschließen die Schrift, also das, was offenbar werden soll, so fest, dass niemand sie aufbrechen kann. Der Seher Johannes beschreibt das so: „Und ich sah einen starken Engel, der rief mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen? Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun und hineinsehen.“
Wem etwas verborgen bleibt, der tappt im Dunkeln. Der wird orientierungslos und gerät leicht dorthin, wo er eigentlich gar nicht hin wollte.
Wissen wir eigentlich immer, wo wir hinwollen? Sehen wir einen klaren Weg vor uns liegen? Oder haben wir nicht manchmal selbst das Gefühl, wir tappen im Dunkeln! Wie viele Menschen stochern da im Dunkeln, auch wenn sie von grellem, gleißendem Licht umgeben sind!Wie viele Menschen tappen da im Dunkeln und das grelle Licht um sie herum ist nur Ablenkung, ist nur Flucht in eine Scheinwelt!
Weil das Dunkel nicht erhellt werden kann, weil die Siegel nicht aufgebrochen werden können, wird unser Seher Johannes ganz traurig. Noch schlimmer, er fängt an zu weinen: „Und ich weinte sehr, weil niemand würdig befunden wurde, das Buch aufzutun und hineinzusehen.“
Wie vielen Menschen ist zum Weinen zumute, weil sie ihre Orientierungslosigkeit spüren, weil sie ihren Weg in die Zukunft verbaut sehen! Wie viele Menschen gehen durch einen dunklen Tunnel und sehen kein Licht an seinem Ende!
Damit endet die Vision des Johannes jedoch nicht. Und damit kann auch unser Blick in die Zukunft und auf unser Leben nicht enden.
Einer von den Ältesten spricht zu ihm: Weine nicht! Was nur wie eine unbedeutende Aufforderung klingt, beinhaltet doch eine ganze Lebenseinstellung. Das können wir an diesem Ältesten lernen. Ihm ist die Trauer, das Leid unseres Sehers nicht gleichgültig. Er stellt sich ihm zur Seite. Er teilt das Leid mit ihm. Er geht also nicht einfach vorüber und sagt, er soll halt sehen, wie er mit seiner Not zurecht kommt. Schließlich sei doch jeder seines eigenen Glückes Schmied und für sich selbst verantwortlich. Nein, das sagt er gerade nicht. Er malt vor ihm ein eigenartiges Bild, auf dem der Löwe aus dem Stamm Juda zu sehen ist, aus der Wurzel David, also aus Israel. Der soll die 7 Siegel des verschlossenen Buches öffnen können. Der soll Licht in das Dunkel bringen können.
Irgendwie braucht es schon viel Phantasie, um das hier beschriebene Bild verstehen zu können. Denn der Löwe entpuppt sich auf einmal als ein Lamm. Ein Lamm wie geschlachtet, heißt es in unserem Text – also anderen hilflos ausgeliefert. Wie passt das zusammen? Aus dem Löwen, dem König der Tiere, weil allen anderen überlegen, wird ein unschuldiges Lamm, das sich nicht einmal vor seinen Schlächtern wehren kann.
Allmählich lüftet sich der Schleier vor unseren Augen. Hinter dem Löwen verbirgt sich der allmächtige Gott, der sich seinem Volk Israel anvertraut hat. In dieses sein Volk kommt er herein, wird er sichtbar, greifbar, aber eben nicht als furchterregendes Raubtier, das allen, die ihm in den Weg kommen, Angst und Zittern einjagt, sondern da steht das unschuldige Lamm, das sich nicht einmal wehrt, als es zur Schlachtbank geführt wird. Da kommen uns unwillkürlich Worte des Propheten Jesaja in den Sinn, wo er eben dieses Bild gebrauchend schreibt: „Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat es seinen Mund nicht auf.“
Wer sieht da nicht schon das hilflose Kind in der Krippe vor seinen Augen!
Von diesem wehrlosen unschuldigen Lamm heißt es hier: „Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß.“
Das will nun schon gar nicht in unsere Auffassung von Welt passen: Wo alle anderen Mächte gescheitert waren, die 7 Siegel des Lebensbuches aufzubrechen, da soll dieses unscheinbare Lamm genau dazu in der Lage sein!
So jedenfalls sieht es der Seher Johannes. Und er sieht noch mehr: wie die 24 Ältesten vor ihm niederknien, ihm in Gebet und Liedern und Opfergaben huldigen, wie da auf einmal noch viel mehr – vieltausend mal tausend – hinzutreten und in einer großen Stimme im Chor vereint sprechen: „Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.“
Was ist da geschehen? Wie sollen wir das verstehen? Können wir da vielleicht etwas von den 7 Siegeln an dem Buch aufbrechen?
Wir nicht, aber eben das Lamm. „Du bist würdig zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel“, heißt es da. Dann die eigenartige Begründung: „Denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen.“
Dieses Lamm kann nun die 7 Siegel lösen und das Buch des Lebens lesen und die darin steckende Botschaft weitergeben. Der, der selbst den schweren Weg durch Schwachheit und Leid und Unrecht und Schmach gegangen ist, der kann uns mitteilen, was denn Leben ausmacht. Leben, das nicht im Dunkeln tappt. Leben, das nicht nur immer mehr für sich selbst will. Leben, das nicht im grellen Licht stehen muss und das nicht in eine Scheinwelt zu fliehen versucht.
Der zeigt uns Leben, das sich tragen lässt. Das sich angenommen und geliebt weiß. Das für andere da ist und das spürt, dass andere für es selbst da sind. Leben, das von Liebe getragen ist. Leben, das im Dunkel schon die anbrechende Dämmerung sieht. Das Licht, das die Dunkelheit erhellen wird.
Wie wunderschön hat das der Liederdichter Jochen Klepper, der selbst in einen finsteren Abgrund blicken musste, wie wunderschön hat er das in seinem Adventslied gedichtet und verdichtet und vorausgesehen.
Die Nacht ist vorgedrungen, deshalb ist der Tag nicht mehr fern. Der Morgenstern wird da sichtbar – und der scheint auch in unsere Nacht und Pein.
Dieses Lied werden wir jetzt Ende singen, wo es da heißt: Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt. Das ist die Botschaft des Lammes. Die ist so außergewöhnlich, dass wir sie uns nicht selbst sagen können, die Botschaft, die für uns ein Buch mit 7 Siegeln bleibt, so dass sich viele schon gar nicht mehr darauf einlassen wollen, weil sie nach schnellen Antworten suchen.
Aber der Seher Johannes sieht Gott in Gestalt dieses Lammes in die Welt kommen und er kann das Dunkel erhellen, indem er sich selbst hingibt in der Liebe. Deshalb kann zwar noch manche Nacht fallen auf unser Menschenleid und unsere Menschenschuld. Doch dürfen wir wissen: es wandert nun mit uns allen der Stern der Gotteshuld.
Dass uns etwas von diesem Licht des Advent in unsere Herzen scheinen möge, auch wenn nur so klein wie diese Adventskerze, das wünsche ich uns allen.
Dann kann wirklich Weihnachten werden. Amen.
Fürbittengebet:
Ewiger, barmherziger Gott,
wenn es uns schwerfällt, all die Bilder und Beschreibungen zu verstehen, wenn wir nicht mehr weiter wissen, über dich zu sprechen,
dann können wir doch zu dir sprechen.
Wenn uns manche Botschaft der Hl. Schrift ein Buch mit 7 Siegeln bleibt, dann dürfen wir doch direkt zu dir reden.
Wenn uns das Wissen, aber auch die Phantasie ausgeht und wir uns haltlos fühlen, dann dürfen wir doch in dir ein Gegenüber erkennen.
Ein Gegenüber, an das wir uns wenden können.
Auch und gerade wenn alles um uns herum dunkel geworden ist.
Wenn unser Leben nicht mehr so funktioniert, wie wir uns das wünschen!
Wenn wir nicht mehr so im Mittelpunkt stehen, wie wir das gewohnt waren.
Wenn wir nur noch Gleichgültigkeit und Not und Krieg und Streit um die Güter dieser Erde sehen!
Wenn wir uns nach Gerechtigkeit und Frieden sehnen – in uns, aber auch um uns herum und auf dem ganzen Erdkreis,
dann lass uns auf dich blicken,
der du all das Leid und der Not und dem Unrecht, ja dem Tod nicht ausgewichen bist,
weil du in diese Welt gekommen bist und dich uns zur Seite gestellt hast.
Weil du uns im Leben und auch im Tod nicht allein lassen willst.
Das lass uns spüren, erst recht, wenn wir zusammen kommen und auf deine Botschaft hören.
Das lass uns spüren, erst recht, wenn wir als deine Gemeinde zusammen kommen und selbst etwas von deiner geschenkten Liebe einander weitergeben.
Das lass uns spüren, erst recht, wenn wir auch die fernen Nächsten, denen das nötigste zum Leben fehlt, mit in unsere Sorgen mit einschließen.
Herr, bringe du Licht in unser dunkles Herz und sei es auch nur so hell wie eine Adventskerze ...