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Losung

Losung für Samstag, 21. Oktober 2017
Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich.
Psalm 39,8

Jesus sprach zu der kranken Frau:  Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden!
Lukas 8,48

© Evangelische Brüder-Unität

 

 

 

 

 

GD-Pred.Nr. 1462// 8.X.2017 Rzb + Erlb.; 17. S. nach Trin.
Text: Mk 9, 14-29

Liebe Gemeinde,
es gibt biblische Abschnitte, die fordern uns unmittelbar zu kritischen Fragen heraus. Wir mögen vielleicht gleich wieder den gesamten Inhalt der Geschichten vergessen, aber die betreffende Frage, die bleibt uns im Gedächtnis. Ich bin ziemlich sicher, eine Frage wird bei den meisten gleich aufkommen beim Lesen unseres Bibelabschnittes, bei dieser Heilungsgeschichte. Gibt es denn wirklich so etwas wie Heilungswunder und gibt es Menschen, die wirklich solche Heilkraft besitzen?
Nach unserer heutigen Weltanschauung ist die Antwort ganz einfach – und wir begegnen ja unserer Geschichte als Kinder unserer Zeit und unserer Weltansicht. Biblische Texte wollen zu uns in ein ganz anderes Zeitalter sprechen – eben 2000 Jahre später. Sie haben ein ganz anderes Verständnis von Welt. So vieles war für sie einfach unentdeckt und blieb für sie ein Rätsel, was wir heute alles erklären können. Deshalb ist da erst einmal ein breiter Graben, den wir nicht leicht überspringen können, weil wir 2000 Jahre nicht einfach beiseite schieben können.
Aber versuchen wir unserer Heilungsgeschichte einmal so nachzugehen, dass wir uns als Menschen des 21. Jahrhunderts versuchen, in diesen Text hineinzudenken.
Der erwähnte Junge in unserer Geschichte leider offensichtlich an Epilepsie: Wahrscheinlich war er damit schon geboren oder hatte sie sich durch irgendeinen Unfall, etwa einen Schlag gegen den Kopf, erworben. Was auch immer geschehen sein mag – nach heutigem Verständnis würden wir ein Kind mit epileptischen Anfällen umgehend zu einem Arzt bringen, wenn möglich gleich zu einem Facharzt. Dann steigt die Hoffnung auf eine Genesung oder wenigstens auf eine deutliche Besserung. Durch entsprechende Medikamente kann man heute epileptische Anfälle weitgehend eindämmen, wenn nicht sogar ganz unterdrücken.
Mit anderen Worten: ein Wunder – wie es hier beschrieben ist -, hätte heute kaum noch eine Chance. Da würden wir längst vorher eingreifen und etwas unternehmen. Ärzte folgen den Erkenntnissen der modernen Medizin – da haben Wunderheilungen keinen Platz.
Sind Wunderheilungen dann nur Erscheinungen einer dunklen Vergangenheit, als die Menschen noch keinen Durchblick hatten, was da medizinisch geschah und es eben dann als Mirakel angesehen hatten?
Eines ist auf jeden Fall klar: Wenn denn Wunder geschehen sollen, dann hängt das von einer Reihe von Faktoren ab. Die werden jedoch von den meisten Sensationsberichten in der Presse nicht erfüllt.
Bereits die erste Christengeneration hatte sich schon kritisch gefragt, ob und wie es Wunder geben könne. Sie waren sich sehr wohl bewusst, dass nicht jeder gerade Wunder vollbringe könne – das gilt auch für die Jünger Jesu. Einst waren sie ja ausgesandt worden mit der Vollmacht zu predigen und böse Geister auszutreiben – aber hier versagen sie offensichtlich in ihrem Auftrag.
Und ihr Scheitern hat offensichtlich die Menschenmenge in Unruhe versetzt – die Menschenmenge stritt mit ihnen, heißt es in unserem Text. Auch die Schriftgelehrten hatten sich eingemischt und ich kann mir vorstellen, dass sie den Jüngern Vorwürfe gemacht haben, warum sie nicht heilend helfen konnten. Vielleicht hatten die Jünger es ja versucht, vielleicht gar ihre Hände auf den kranken Jungen gelegt und für ihn gebetet, dass der böse Geist aus ihm herausfahre. Offensichtlich aber ohne sichtbaren und greifbaren Erfolg.
Ich kann mir vorstellen, dass die bedrängten Jünger erleichtert waren, als ihr Herr und Meister nun auftaucht. Sofort wendet sich die Menschenmenge an ihn und er fragt zunächst einmal, was hier vor sich geht.
Da taucht nun der Vater des kranken Jungen auf mit natürlich dem gleichen Anliegen. Zunächst schildert er die Krankheit im Detail: „Mein Sohn hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird ganz starr.“ Dann kommt der Vater zum Eigentlichen: „Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten's nicht.“
Sie konnten's nicht! Warum konnten die Jünger die Heilung nicht vollbringen, obwohl ihnen mit ihrer Aussendung doch diese Autorität gegeben worden war? Warum scheitern sie hier? Natürlich möchten wir eine Erklärung haben. Dann würden wir ja auch eine Antwort darauf haben, ob Menschen überhaupt Heilungswunder vollbringen können.
Es ist nun interessant zu sehen, dass Jesus nicht mit einer Nachforschung darüber beginnt , warum die Jünger gescheitert sind. Für Jesus ist die Not jenes Vaters mit seinem epileptischen Sohn wichtiger. Er geht auf dessen Anliegen ein. Er zeigt dem Vater seine Zuneigung. Der ist nicht irgendein anonymer Fall für ihn, wie man das heutzutage in den Krankenhäusern häufig als Patient zu spüren bekommt. Wenn man nur noch als ein 'Fall' behandelt wird.
Als sich Jesus nun dem Vater zuwendet, erleidet der Sohn wiederum einen heftigen Anfall, der in all seinen Auswirkungen beschrieben wird.
Und Jesus gibt dem Vater die Gelegenheit, über seine schmerzliche Erfahrung zu berichten. Eine weitere wichtige Beobachtung. Wenn jemand zu uns kommt und uns seine Nöte und Sorgen schildern will, haben wir noch die Zeit zuzuhören? Geben wir unserem Gegenüber die Chance, seine Not auszubreiten, so dass wir sie ein Stück weit mit ihm oder ihr teilen können? Des Vaters Darstellung endet mit dem dringenden Wunsch, dass ihm geholfen wird: „Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“
Mit diesem Hilfeschrei wechselt der Vater auf eine andere Ebene – auf die Ebene des Glaubens. Jetzt geht es um die Beziehung zu Gott. Wenn du kannst! Das ist nun nicht mehr nur eine medizinische Angelegenheit, das hat nun mit Glauben zu tun. „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt“, antwortet Jesus.
Jetzt sind wir an der entscheidenden Stelle unserer Geschichte angekommen. Natürlich würden wir sagen, wir wollen glauben, damit dann die Heilung vonstatten gehen kann. Aber hören wir einmal auf des Vaters vorsichtige Antwort: „Ich glaube“, sagt er. „Hilf meinem Unglauben!“ Der Vater gesteht also ein, dass er selbst über seinen Glauben nicht eigenhändig verfügen kann. Selbst der Glaube ist ein Geschenk Gottes. So hörten wir es ja auch in der Epistellesung von dem Apostel Paulus: Der Glaube kommt aus dem Hören. Und das Hören ist ja ein Empfangen. Auf Gottes Wort hören, heißt also zum Glauben zu kommen oder auch im Glauben zu wachsen.
Ma.W.: Der Vater gibt sich selbst ganz in Gottes Hand. Er ist bereit, Gottes Willen anzunehmen. Er ist bereit, seinen eigenen Willen ganz mit dem Willen Gottes in Übereinstimmung zu bringen. Er wird annehmen, was immer er aus Gottes Hand empfängt. Oder ich kann es auch so sagen: was immer er empfängt, er will es aus Gottes Hand entgegen nehmen.
Ich habe es ja schon erwähnt – wir sind hier an der entscheidenden Stelle der Botschaft. Die, die sich ganz in Gottes Hand geben können, für die ist alles, was sie empfangen, etwas besonderes, da wird alles zu einem Wunder.
Ich will jetzt versuchen, unser traditionelles Wunderverständnis umzudrehen: gewöhnlich erwarten wir doch von Gott, dass er Wunder geschehen macht. Müssen wir es aber nicht von einer anderen Seite sehen: Dass Gott von uns erwartet, dass wir seine Wunder in der Welt erkennen! Und es gibt da viele Wunder in unserer Welt, wenn wir sie denn mit den Augen des Glaubens sehen lernen.
Dass Gott gegenwärtig sein will in seinem hoffnungs- und trostvollen Wort – ist das nicht schon ein Wunder! Dass er präsent sein will in den Elementen von Brot und Wein! Dass wir ihm begegnen dürfen in der Gemeinschaft der Heiligen, zu der wir gehören, obwohl wir es nicht verdient haben! Können wir diese Wunder noch sehen mit den Augen des Glaubens!
Das Ende der Geschichte ist schnell erzählt: Dem Vater wird Glaube geschenkt und er sieht das Wunder geschehen – sein Sohn steht auf und ist geheilt.
Anders bei den Jüngern, die müssen noch eine Lektion lernen. Als sie später mit ihrem Meister allein sind, fragen sie ihn denn auch neugierig: „Warum konnten wir den bösen Geist nicht austreiben?“ Jesu Antwort bestätigt, das wir vorhin gelernt haben; „Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten“.
Beten in seinem ursprünglichen Sinn – als sich ganz in die Hand Gottes zu befehlen. Sicherlich dürfen wir da auch eigene Wünsche äußern, aber bedeutender ist es zu beten: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe, auch hier unten auf Erden.“
Wenn wir fähig werden, so zu beten, dann werden eigentlich alle Dinge zum Wunder, weil wir da Gott am Werk sehen, dann werden wir auch Heilungswunder sehen. Aber dann wird uns auch klar: das können wir nicht aus eigener Kraft und Fähigkeit tun, das wird uns von außen geschenkt wie uns das Leben als solches geschenkt ist und in Gottes Hand gehalten wird – nicht nur hier auf Erden, sondern auch darüber hinaus. Amen.


Fürbittengebet:


Barmherziger Gott,
als Kinder unserer Zeit meinen wir die Welt und was die Welt zusammen hält, erklären zu kennen.
Als Kinder unserer Zeit meinen wir, die ganze Wirklichkeit erkennen und erklären zu können.
Da fällt es uns so schwer, dich in dieser rational Welt erkennen und dir darin begegnen zu können.
Sollen wir dich in außerordentlichen Ereignissen finden? In Naturwundern, wenn die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt werden?
Lass uns das eigentliche Wunder erkennen: dass du dich uns gnädig zuwendest.
Dass du uns das Leben geschenkt hast, es erhältst durch gute und durch schwere Zeiten hinweg und dass es du es wieder zu dir zurück nimmst.
Dass unser Leben bei dir gehalten und geborgen ist – im Leben wie im Sterben.
Dass du uns diese Botschaft immer wieder neu schenkst.
Dass du uns durch deine Weisung den Weg zu wirklichem, erfülltem Leben schenken willst.
Dass du uns in deine Gemeinde gerufen hast, in die Gemeinschaft der Heiligen, in der deine Liebe in besonderer Weise offenbar werden soll,
wenn wir einander in deinem Geiste begegnen.

Wir bitten dich: stärke uns in diesem Glauben, ja, schenke uns Glauben, Vertrauen und Zuversicht in dich.
Aus uns selbst sind wir zu kleingläubig, sehen wir nur das, was vor Augen ist.
Wir bitten dich für deine Kirche überall in der Welt und unsere eigene Gemeinde: lass sie tiefer und weiter sehen, lass sie engagierter auf dein Wort hören und so das Wunder deiner Liebe immer mehr begreifen.
Was uns selbst bewegt ...