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Losung

Losung für Donnerstag, 22. Februar 2018
Sollte Gott etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten?
4.Mose 23,19

Jesus sprach zu Petrus: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
Matthäus 14,31

© Evangelische Brüder-Unität

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Gemeinde,

„Ich bin mit Leib und Seele bei der Sache.“ Vielleicht haben Sie das auch schon mal gesagt, wenn sie von einer Sache ganz und gar eingenommen, überzeugt waren und waren dann auch bereit, dafür Anstrengungen oder Nachteile in Kauf zu nehmen.

„Ich bin mit Leib und Seele dabei!“ Um diese Haltung geht es Paulus in seinem zweiten Brief an die Christen in Korinth.

Diese Leidenschaft für das Evangelium von Jesus Christus, für den „neuen Weg“ wünscht er sich von den Menschen in Korinth, die gerade erst Christen geworden sind.

Mit einem Bild beschreibt Paulus zunächst die gnädige Zuwendung Gottes zu allen, die an ihn glauben: Ein neues Haus, in dem wir wohnen werden, malt er den Korinthern vor Augen.

Dann redet er voller Überschwang davon, dass alles neu werde und das Alte endgültig vergangen sei.

Ja und dann ermahnt Paulus die Gemeinde, eindringlich dies auch wirklich anzunehmen, „mit Leib und Seele“.

Die Menschen in Korinth sollen diese Gnadenzusage, diese Heilszusage in ihrem Leben ohne Wenn und Aber Wirklichkeit werden lassen. Seine Ermahnung, unser Predigttext, liest sich so:

Als Gottes Mitarbeiter rufe ich euch also auf: Gebt Acht, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt! 

2 Gott sagt: »Wenn die Zeit kommt, dass ich mich über euch erbarme, erhöre ich euch; wenn der Tag eurer Rettung da ist, helfe ich euch.« Jetzt ist die Zeit der Gnade! Jetzt ist der Tag der Rettung!

3 Weil mir diese Botschaft anvertraut ist, sehe ich darauf, dass mein Verhalten in jeder Hinsicht einwandfrei ist; denn ich möchte nicht, dass der Dienst, der mir aufgetragen ist, in Verruf kommt. 

4 Meine »Empfehlung« ist es, dass ich mich in allem als Diener Gottes erweise: Mit großer Geduld ertrage ich Sorgen, Nöte und Schwierigkeiten. 

5 Ich werde geschlagen, ich werde eingesperrt, sie hetzen das Volk gegen mich auf. Ich arbeite mich ab, ich verzichte auf Schlaf und Nahrung. 

6 Ich empfehle mich weiter durch ein einwandfreies Leben, durch Erkenntnis, durch Geduld und durch Freundlichkeit, durch Wirkungen des Heiligen Geistes und durch aufrichtige Liebe, 

7 durch das Verkünden der Wahrheit und durch die Kraft, die von Gott kommt. Meine Waffe für Angriff und Verteidigung ist, dass ich tue, was vor Gott und vor Menschen recht ist. 

8 Es macht mir nichts aus, ob ich geehrt oder beleidigt werde, ob man Gutes über mich redet oder Schlechtes. Ich werde als Betrüger verdächtigt und bin doch ehrlich. 

9 Ich werde verkannt und bin doch anerkannt. Ich bin ein Sterbender und doch lebe ich. Ich werde misshandelt und doch komme ich nicht um. 

10 Ich erlebe Kummer und bin doch immer fröhlich. Ich bin arm wie ein Bettler und mache doch viele reich. Ich besitze nichts und habe doch alles.

Das sind keine werbenden Worte, die Paulus hier schreibt.

Hier fordert Paulus.

Er schlägt den Korinthern nicht etwas vor.

Er bittet sie nicht.

Er wünscht nicht.

Nein, Paulus ermahnt und fordert.

Zunächst erinnert Paulus die Korinther an das riesengroße Geschenk, das Gott ihnen gegeben hat, nämlich seine Gnade.

Dann fordert er sie auf, dieses Gnadengeschenk auch wirklich ernst zu nehmen – nämlich „mit Leib und Seele“.

„Gebt Acht, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt!“ (2 Kor 6, 1), schreibt Paulus.

Eindringlich sagt er ihnen: „Jetzt ist die Zeit der Gnade! Jetzt ist der Tag der Rettung!“

Schnell meldet sich da ein Widerspruch in uns. „Davon merke ich aber nichts, dass jetzt die Zeit der Gnade ist – so dreckig, wie es mir in letzter Zeit ging.“

Oder:

„In unserer Gesellschaft gibt’s keine Gnade, entweder du hältst mit im Wettbewerb, oder du kippst runter.“

Wir reden gern von Gnade,

- wenn es uns gut geht,

- wenn wir Spielraum haben,

- wenn das Leben gelingt.

Wir sagen gern, jemand ist begnadet, wenn ihm etwas exzellent gelungen ist.

Wir sagen, wir sind gnädig verschont worden, wenn wir einem Unglück knapp entronnen sind. Es war eine Gnade, sagen wir sogar, wenn ein langer Leidensweg zu Ende gegangen ist.

Paulus sagt es anders!

Gnade ist nicht erst dann, wenn es uns einmal besonders gut geht.

Gottes Gnade erweist sich nicht einfach im persönlichen Glück und Wohlergehen.

Nein, die Zeit der Gnade ist jetzt! Der Tag der Rettung ist heute!

Ganz gleich, wie gut oder schlecht es uns geht. Gnade ist,

dass Gott uns sieht,

dass er uns sucht, uns nachgeht,

dass er bei uns ist, was immer uns auch geschieht.

Wenige Zeilen zuvor hat Paulus den Korinthern, ich habe es eingangs schon gesagt, in vollmundiger Rede davon geschrieben:

Wenn also ein Mensch zu Christus gehört, ist er schon „neue Schöpfung“. Oder:

Wer an Christus glaubt,

der ist selbst neu geworden,

der ist eine neue Kreatur,

der ist eine Neuschöpfung Gottes.

Gott hat sich durch Christus mit der Welt versöhnt.

Jedem einzelnen Menschen, der an ihn glaubt, schenkt er seine Gnade und sein Heil.

Und das gilt für uns alle, genauso wie er es geschrieben hat.

Das aber soll angesichts der oft so gnadenlosen, heillosen Welt nicht verpuffen oder gar unglaubhaft werden.

Darum beendet Paulus das Thema Gnade nicht einfach mit der Beschreibung der gnädigen Zuwendung Gottes.

Denn: Schöne Worte tragen nicht.

Tragfähig werden sie erst,

wenn sie in den Alltag integriert werden.

Wenn man sie wirklich angenommen hat.

Dazu mahnt Paulus.

Dazu fordert er auf.

Und dazu nimmt er sich selbst als Beispiel.

Er zeigt, dass er kein Enthusiast, kein Spinner, kein Wohltatenversprecher ist.

Er weiß sehr wohl von der Brüchigkeit des Lebens.

Und trotzdem steht er mit Leib und Seele für die Botschaft von einem gnädigen und heilbringenden Gott.

Paulus redet von seinem eigenen Leben.

Es ist geprägt von vielen Bedrohungen: Trübsal, Not, Angst, Schläge, Gefängnis, Verfolgung, mühsames Wachen und Fasten.

Aber es gibt auch die andere Seite: die glaubende Erkenntnis, Geduld und Freundlichkeit, die ihm entgegengebracht wird

und die er anderen entgegenbringen kann.

Es gibt ehrliche Liebe und Wahrheit, Kraft des Glaubens, Freude und inneren Reichtum, den er an andere weitergeben kann.

Paulus redet von seinem eigenen Leben.

Und er sieht es so, wie es ist: traurig und fröhlich, arm und reich, vom Tod bedroht und voller Lebendigkeit.

Paulus redet von seinem Leben und hat keinen Grund wegzusehen – aber er hat einen Grund, auf dem er stehen kann.

Einen Grund, durch den er aushalten kann.

Einen Grund, durch den er sein Leben gestalten und es genießen kann.

Ja, einen Grund, wodurch er ganz einfach in seiner Wirklichkeit leben kann, so brüchig diese auch ist.

Paulus redet von seinem Leben und sagt:

„Jetzt ist die Zeit der Gnade! Jetzt ist der Tag der Rettung!“

Denn er weiß, dass Gnade und Heil mit seinem Leben untrennbar verbunden sind.

Paulus redet von seinem Leben und vertröstet nicht auf ein irgendwann kommendes besseres Jenseits.

Denn er weiß: „Jetzt ist die Zeit der Gnade! Jetzt ist der Tag der Rettung!“

Und darum ermahnt Paulus die Korinther und mit ihnen auch uns.

Das sollen alle, die an Christus glauben, tun: Mit Leib und Seele auf die Gnade und das Heil Gottes vertrauen.

Selbstbewusst.

Sich der eigenen Wirklichkeit bewusst.

Und vor allem „gottesbewusst“.

Die mit dem heutigen Sonntag beginnende Passionszeit nimmt das Leiden und Sterben Jesu Christi in den Blick.

Wir machen uns in dieser Zeit in besonderer Weise bewusst, dass der Tod des Gottessohnes für uns Gnade und Heil bedeutet.

Durch seinen Tod hat Gott sich mit uns versöhnt und er hat uns mit sich versöhnt.

Könnte man von Gott wie von einem Menschen reden, könnte ich auch sagen:

Gott hat sich mit Leib und Seele auf unsere Seite gestellt.

Daran kann ihn nichts hindern, davon kann ihn nichts abhalten.

Hätte er sonst seinen eigenen Sohn in den Tod gehen lassen?

Gott kann nichts davon abhalten, auch nicht unsere Endlichkeit oder unsere Sündhaftigkeit. Ja, auch nicht unsere Gottvergessenheit.

Gott weicht uns nicht aus.

Er geht mit, wie Paulus es aufzählt,

mit uns in Ehre und Schande,

mit uns in bösen Gerüchten und guten Gerüchten.

Auch dann, wenn Paulus oder wir als Verführer auftreten,

wenn wir andere zum Leben aus dieser Gnade „verführen“ und natürlich auch dann, wenn wir unser Leben aus der Gnade Gottes heraus leben.

Gott geht mit in Traurigkeit und in Fröhlichkeit,

er geht mit in Armut und Reichtum.

Gott geht überall mit hin,

Gott steht an unserer Seite und

Gott schenkt uns seine Gnade und sein Heil.

Deshalb: „Jetzt ist die Zeit der Gnade! Jetzt ist der Tag der Rettung!“

Deshalb ermahnt Paulus die Korinther und uns, diese Gnade im Glauben anzunehmen, mit Leib und Seele.

Auch wenn wir, wie Paulus, an Leib und Seele immer wieder erfahren: Die Zeit der Gnade, der Tag des Heils ist nicht einfach persönliches Glück und Wohlergehen.

Im Alltag geht es uns gut,

wenn wir gesund sind,

wenn wir Frieden haben in der Familie, in der Nachbarschaft.

Aber ist es nicht gut zu wissen, dass „Zeit der Gnade“ und „Tag der Rettung“ auch – und vielleicht gerade – dann ist, wenn es bergab geht mit uns, wenn wir am Leben schwer zu tragen haben.

Ja, es ist ein großer Trost zu wissen, dass gerade in diesen Zeiten und Gott beisteht.

In der Seele können wir jederzeit Freude und Lebensglück empfinden.

Aber vielleicht ist uns die Gnade viel näher, wenn wir verwundet und geknickt sind.

Wie gut, ist es zu wissen und zu spüren, dass gerade dann, wenn wir nicht mehr weiter wissen und scheitern selbst und gerade dann noch

„Zeit der Gnade“ ist.

Deshalb nicht Friede – Freude – Eierkuchen, sondern Friede – Freude – Glauben an das Heil und an die Gnade Gottes.

Sie sind höher als alle unsere menschliche Vernunft.

So bewahre Gott unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN