Anschrift und Kontaktformular

Evangelische Kirche der Pfalz 
Bibliothek und Medienzentrale
Hausanschrift:
Roßmarktstr. 4, 67346 Speyer
Postanschrift:
Domplatz 5, 67346 Speyer
Telefon: 06232/667-415
Fax: 06232/667-478
Email: bibliothek(at)evkirchepfalz.de
Kontaktformular

Montag – Donnerstag:
09:00 – 12:00 Uhr
Montag, Dienstag, Donnerstag:
14:00 – 16:00 Uhr

Neben den Print-Ausgaben der abonnierten Zeitschriften werden auch Online-Versionen im Volltext angeboten.

Impressum

Zum Impressum
Letzte Aktualisierung: 21.11.2017
Zur Startseite

August 2015




Treysa 1945: 70 Jahre "Evangelische Kirche in Deutschland"

Die sieben Sprecher des neu berufenen Rates der EKD bei der Kirchenkonferenz in Treysa: Der stellvertretende Ratsvorsitzende Martin Niemöller, Wilhelm Niesel, der Ratsvorsitzende Theophil Wurm, Hans Meiser, Heinrich Held, Hanns Lilje, Otto Dibelius (v.l.n.r).

Mitten im zertrümmerten Deutschland wagten 120 Männer aus 28 Landeskirchen am 31. August 1945 in der diakonischen Behinderteneinrichtung "Hephata" im nordhessischen Treysa einen Neuanfang. Die EKD trat an die Stelle der 1933 gegründeten, staatsfixierten "Deutschen Evangelischen Kirche". Der neue Protestantismus sollte ein anderer sein - darin waren sich alle einig. Doch sie brachten Konzepte mit, die unterschiedlicher kaum sein konnten. So strebte Bischof Hans Meiser (1881-1956) aus München eine Konfessionskirche der Lutheraner an, in der die reformierten und unierten Protestanten nur am Rande vorkommen sollten. Martin Niemöller (1892-1984) dagegen plädierte für eine "Kirche von unten": Von den Gemeinden her sollte sie sich aufbauen und ihre Schuld am Nazi-Unheil bekennen. Immer wieder gerieten Niemöller und Meiser aneinander, so dass die Konferenz zeitweilig zu platzen drohte.

Dass es nicht dazu kam, ist zum großen Teil dem Stuttgarter Bischof Theophil Wurm (1868-1953) zu verdanken. Wurm galt wegen seines Protests gegen das Euthanasie-Programm der Nazis zur Tötung geistig behinderter Menschen als moralische Autorität. Seit 1941 verfolgte er ein Kirchliches Einigungswerk: Er wollte die zerstrittenen Gruppen der kirchlichen Opposition zusammenführen. Dann einigten sich die Kirchenvertreter in Treysa auf einen Kompromiss: die Vorläufige Ordnung für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Darin wird die Eigenständigkeit der Landeskirchen betont. Auch auf ein eigenes Bekenntnis verzichtet die neue EKD. Sie soll in erster Linie die Interessen der Kirche nach außen vertreten und ihre politische und soziale Verantwortung wahrnehmen.

Eine Lektion aus den Erfahrungen des "Dritten Reiches" war die neue Führungsstruktur mit einem zwölf Personen umfassenden Rat an der Spitze. Erster EKD-Ratsvorsitzender wurde Wurm, sein Stellvertreter Niemöller. Im Oktober 1945 bekannten die Protestanten in der Stuttgarter Erklärung ihre Mitschuld am Nazi-Unheil: «Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.» Dieses Bekenntnis ebnete dem deutschen Protestantismus die Rückkehr in die Ökumene. 1948 bekräftigte die neue EKD in Eisenach ihre Grundordnung. (Quelle: EKD)


Organigramm der Evangelischen Kirche in Deutschland

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, gebildet durch die Gemeinschaft von 20 lutherischen, unierten und reformierten Kirchen in Deutschland. Die selbstständigen Gliedkirchen haben ungeachtet ihres unterschiedlichen Bekenntnisstandes uneingeschränkte Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Das Kirchenamt der EKD befindet sich in Hannover-Herrenhausen.

Die EKD unterstützt die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), der sie mit anderen protestantischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen aus nahezu allen Ländern Europas angehört. Die EKD ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). Außerdem gehören alle Gliedkirchen der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa und dem Ökumenischen Rat der Kirchen an.

In der EKD findet sich ein breites Spektrum theologischer Bewegungen mit liberalen und konservativen Anschauungen. Je nach Gliedkirche sind die Bekenntnisse lutherisch, reformiert oder uniert. Gemeinsam ist den Kirchen das Apostolische und das Nicänische Glaubensbekenntnis.

Die Frauenordination und die Ordination homosexueller Pfarrer sind in allen Landeskirchen der EKD zugelassen. Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist gegenwärtig in elf von 20 Landeskirchen der EKD möglich, soweit der Ortspfarrer und die Kirchengemeindeleitung einverstanden sind. Das Kirchenamt der EKD hat in einer für die Landeskirchen nicht verbindlichen Orientierungshilfe erklärt, dass in einer eingetragenen Partnerschaft lebende Pfarrer mit ihrem Partner gemeinsam im Pfarrhaus leben können, falls dies kirchenrechtlich in der jeweiligen Landeskirche zulässig ist und die jeweilige Gemeinde zugestimmt hat. Dem Kreationismus erteilte die EKD in einer Studie vom April 2008 eine Absage, betonte aber auch den Stellenwert des Schöpfungsglaubens im Schulunterricht.

In der im Frühjahr 2013 herausgegebenen Orientierungshilfe Zwischen Autonomie und Angewiesenheit fordert die EKD, alle Formen von Familie anzuerkennen und zu stärken.

Bitte beachten Sie auch:

Wikipedia-Seite der Evangelischen Kirche in Deutschland
Website der EKD  
Kirchenmitgliederzahlen zum 31.12.2013  

In der BMZ Speyer sind sämtliche Denkschriften, Orientierungshilfen und Texte der EKD entleihbar. Die wöchentlich erscheinende Dokumentation des Evangelischen Pressedienstes (epd-Dokumentation) wird mit sämtlichen Artikeln sofort im Online-Katalog der BMZ verzeichnet.


Ausgewählte Neuerwerbungen im August 2015

Entleihbar unter Sign.: 11 TT 14

Willi will helfen
im LKW an die syrische Grenze

Max Kronawitter / Willi Weitzel, Ikarus-Film, Dokumentarfilm, Deutschland 2015
2 DVD-Video (29 + 89 Min.) : farb.

In über 180 Folgen von “Willi wills wissen” hat Willi Weitzel Kindern die Welt erklärt. Mit seinem Projekt “Willi will helfen” hat er sich auf unsicheres Terrain begeben. Sein Versuch, Hilfsgüter zu Flüchtlingskindern an die syrische Grenze zu bringen, wurde zunächst zum Alptraum. Doch Willi hat nicht kapituliert. Schließlich gelingt es ihm doch, den Kindern an der syrischen Grenze zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind.

Alles beginnt mit einer Zeitungsreportage über die katastrophale Lage der Flüchtlinge des Syrienkrieges. Willi ist so betroffen, dass er spontan beschließt: ich werde etwas tun! Gemeinsam mit seiner Frau Magdalena und seinem Bruder Manuel plant er einen Hilfstransport. In einem Rundbrief wendet er sich an Freunde und Bekannte, ihn zu unterstützen. Dabei will er vor allem die mit ins Boot nehmen, zu denen er eine ganz besondere Beziehung hat: Kinder. Willi besucht Schulen, erzählt den Mädchen und Buben wie es den Altersgenossen ergeht, die alles verloren haben. Für die deutschen Schüler gibt es kein Zögern. Sie wollen ihrem Willi helfen, wollen den syrischen Flüchtlingskindern zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Denn eines ist Willi von Anfang an klar. Es geht nicht in erster Linie um die Hilfsgüter, die er in ein Flüchtlingscamp bringen will. Es geht darum, eine Brücke zwischen den deutschen und syrischen Kindern zu bauen.

Dass der Brückenschlag so anstrengend sein würde, ahnt auch er zunächst nicht. Unterstützt von über 1000 deutschen Kindern, ihren Eltern und vielen weiteren Spendern füllt sich bald eine Scheue in Willis Marburger Heimat. Eine Fahrschule stellt kostenlos einen LKW zur Verfügung. Willi ist zwar noch nie mit einem LKW gefahren, will das Gefährt aber selbst die 4000 km lange Route über den Balkan steuern. Als die Brüder Willi und Manuel starten, zeigt sich, wie sehr ihre Reise vom Wohlwollen anderer begleitet wird. An der österreichischen Grenze bei Passau überrascht sie eine Abordnung, übergibt weitere Spenden und einen Brotzeitkorb für unterwegs. Neben den Bürgermeistern schickt auch der neu ernannte Passauer Bischof Segenswünsche. Was sollte da noch schiefgehen? Doch bald tauchen Probleme auf: Die bürokratischen Hürden an den Grenzen zermürben.

Dann die Katastrophe. Die Ladung darf nicht in die Türkei eingeführt werden. Willi will sich nicht geschlagen geben, kämpft bis zuletzt um jeden Legostein seiner Fracht. Als Alternative organisiert die deutsche Botschaft ein Treffen mit syrischen Flüchtlingsfamilien in einem Camp in Bulgarien. Doch nicht leuchtende Kinderaugen erwarten den Hilfstransport, sondern Eltern, die sich auf die Hilfsgüter stürzen. Willi und sein Team sind frustriert. Mit einem fast leeren LKW landen sie schließlich in Istanbul. Im Basar der Stadt fühlen sich Willi und Manuel an ihre Kindheit erinnert. Im elterlichen EDEKA Geschäft haben sie gelernt, günstig einzukaufen. Und so füllt sich der Laster bald erneut mit Malsachen, Spielen und Bastelutensilien. Alles scheint nun gut zu werden, doch dann passiert ein Unfall.

Nach 14 Tagen erreicht der Hilfstransport schließlich die türkische Grenzstadt Antakya. Ein Abstecher an den Grenzübergang schockiert alle. Panzer kontrollieren einen Zaun, der Freiheit und Todesgefahr trennt. Den Familien, die eben dem Krieg entflohen sind, ist anzusehen, was sie erlebt haben. Bei diesem Anblick gibt es für Willi keinen Zweifel mehr. Die Mühe hat sich gelohnt. Diese Kinder brauchen ein Hoffnungszeichen. Ein Haus für syrische Flüchtlingskinder ist das Ziel der Reise. Das von den Jesuiten initiierte Projekt will traumatisierten Mädchen und Buben eine neue Perspektiven geben. Als Willi den Kindern dort von den 1000 deutschen Altersgenossen erzählt, die an sie denken, sind sie gerührt. “Der Brückenschlag”, so drückt es der Jesuit Stephan Hengst aus, “hat funktioniert.” Willi und Bruder Manuel fallen sich erschöpft in die Arme. Und dann wartet der Barbier. Denn noch einen anderen Beschluss hat Willi vor Monaten gefällt: “Ich werde mich erst dann wieder rasieren, wenn es mir gelungen ist, syrischen Flüchtlingskindern Hoffnung zu bringen.” Auf der DVD sind zwei Filme enthalten: 1 Willi auf dem Weg nach Syrien / 2 Willis Grenzerfahrung.


Entleihbar mit Sign.: 11 ZW 22

Who am I
kein System ist sicher

Baran bo Odar, Sony Pictures Home Entertainment, Spielfilm, Deutschland 2014
1 DVD-Video (102 Min.) : farb.

Benjamin (Tom Schilling) ist unsichtbar, ein Niemand. Dies ändert sich schlagartig, als er plötzlich den charismatischen Max (Elyas M'Barek) kennenlernt. Auch wenn beide nach außen nicht unterschiedlicher sein können, so eint sie doch dasselbe Interesse: Hacken. Gemeinsam mit Max Freunden, dem impulsiven Stephan (Wotan Wilke Möhring) und dem paranoiden Paul (Antoine Monot) gründen sie die subversive Hackergruppe CLAY. Clay provoziert mit Spaßaktionen und trifft den Nerv einer gesamten Generation. Zum ersten Mal in seinem Leben ist Benjamin ein Teil von etwas und sogar die attraktive Marie (Hannah Herzsprung) wird auf ihn aufmerksam. Doch aus Spaß wird plötzlich Ernst, als die Gruppe auf das Fahndungsraster von BKA und Europol gerät.


Entleihbar unter Sign.: 11 ZF 13

Frau Müller muss weg!
Sönke Wortmann, Constantin Film, Spielfilm, Deutschland 2014
1 DVD-Video (87 + 21 Min.) : farb.

An der Juri-Gagarin-Grundschule hat eine Gruppe von Eltern die Klassenlehrerin ihrer Kinder um ein Gespräch gebeten. Anlass sind neben dem schlechten Klassenklima vor allem die unzureichenden Noten der Kinder. Denn die Eltern sehen die Gymnasialempfehlungen ihrer Liebsten gefährdet und sind sich einig: Die Gefahr eines schlechten Übergangszeugnisses muss mit allen Mitteln aus dem Weg geräumt werden. Frau Müller muss weg!

Doch die liebenswerte Lehrerin lässt sich nicht so einfach aus ihrem Amt befördern. Und schon gar nicht von Eltern, die sich mehr für die Noten ihrer Kinder als für die Kinder selbst zu interessieren scheinen. Als die Argumentation der fünf Erwachsenen immer mehr zu einer Drohung wird und auch die letzte Note Sachlichkeit verliert, erzählt Frau Müller, wie es wirklich um die Grundschüler steht. Und plötzlich muss nicht mehr Frau Müller ihr pädagogisches Konzept verteidigen, sondern die Elternschaft Antworten für ihr eigenes Erziehungsverhalten liefern (nach Vision Kino).


Entleihbar unter Sign.: 62 K 02

Dieter Sturma (Hrsg.):
Handbuch Bioethik

Stuttgart : Metzler 2015, VI, 487 Seiten
ISBN 978-3-476-02370-4

Zu den Grenzfragen des Lebens. Bioethik – Feld intensiver Auseinandersetzung im fachwissenschaftlichen Diskurs und kontroverser Diskussionen in der breiten Öffentlichkeit. Das Handbuch erläutert die Grundlagen und gibt einen Überblick über Bereiche, in denen bioethische Fragen relevant sind, wie Menschenwürde, Leben, Tod und Krankheit. Daneben widmet es sich den speziellen bioethischen Problemen wie etwa Zulässigkeit von Sterbehilfe, Präimplantationsdiagnostik oder embryonaler Stammzellenforschung und zeigt die Schnittstellen der Bioethik zu anderen Disziplinen und gesellschaftlichen Bereichen auf (Bioethik in der Lehre, Biopolitik, Biorecht und Ethikkommissionen).

Inhaltsverzeichnis des Buches  


Entleihbar unter Sign.: H 2962

Michael Opoczynski:
Krieg der Generationen - und warum unsere Jugend ihn bald verloren hat
Gütersloh : Gütersloher Verlagshaus 2015, 158 Seiten
ISBN 978-3-579-06618-9

Hat unsere Jugend eine Zukunft? Nur wenn wir Älteren unseren Teil dazu beitragen! »Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Wir aber säen Sturm! Sehenden Auges beschwören wir die größten Katastrophen in der Geschichte dieses Planeten herauf. Mit aller Konsequenz vernichten wir das Werk, das Generationen vor uns erschaffen haben, um unseren Kindern eine Wirklichkeit zu hinterlassen, wie wir sie selbst nicht bewältigen mussten.«

Michael Opoczynski erhebt mit »Krieg der Generationen« seine Stimme zu einem flammenden und eindringlichen Appell für mehr Fairness unter den Generationen, zu mehr Rücksicht gegenüber den Jungen. Er räumt auf mit der selbstgerechten »Das haben wir uns verdient«-Mentalität, die in weiten Kreisen der Bevölkerung vorhanden ist. Und er sagt den jungen Menschen die bitteren Wahrheiten.

Inhaltsverzeichnis des Buches  


Entleihbar unter Sign.: 80 M 69

Annebärbel Claussen / Bernd Schlüter:
Werkbuch Heilen - oder: Heilung als spiritueller Weg - eine praktische Ermutigung
Gütersloh : Gütersloher Verlagshaus 2015, 255 Seiten
ISBN 978-3-579-07420-7

Heilung als spiritueller Weg - eine praktische Ermutigung: Das Werkbuch Heilen bietet einen Einblick in die Grundlagen und praktischen Schritte zum Themenkomplex Meditation und Heilen.

Die Autoren befassen sich mit den seit Jahrhunderten verschütteten jüdisch-christlichen Heil- und Heilungs-Traditionen auf der Basis eines christlichen Welt-, Menschen- und Gottesverständnisses. Dabei beziehen sie sich immer wieder auf Erfahrungen aus jahrelanger Seminarpraxis, regen zum Nach- und Weiterdenken an und laden zu verschiedenen Übungen ein, die vom Lesenden ausprobiert werden können, um eigene Erfahrungen zum jeweiligen Thema zu machen. In diesem Grundlagenwerk reflektieren sie die Möglichkeiten einer christlichen Existenz und Gemeinde heute, Meditations- und Heilimpulse in eine Welt zu bringen, die beides dringend braucht.

Grundlagen, Methoden und Beispiele gelebter Meditations- und Heilpraxis im Alltag / Heilen als »Kernkompetenz« der Kirche und des Glaubens wieder entdecken.

Inhaltsverzeichnis des Buches  


Sie interessieren sich für unsere weiteren Neuerwerbungen?
Unsere Neuwerbungslisten finden Sie in der Rubrik "Neuerwerbungen".


25. Todestag von Norbert Elias

In Kürze entleihbar

Norbert Elias (* 22. Juni 1897 in Breslau; † 1. August 1990 in Amsterdam) war ein Soziologe deutscher Herkunft, der seit seiner Emigration 1933 hauptsächlich in England und den Niederlanden lebte.

Lange Zeit unbeachtet, wird sein Werk seit den 1970er Jahren breit rezipiert. Mit seinem Namen sind die Begriffe "Figuration" sowie "Prozess- und Figurationssoziologie" verbunden, die eine methodologische Neuprägung der Soziologie in Anknüpfung an Karl Mannheim bezeichnen. Sein bedeutendstes Werk ist die Studie "Über den Prozeß der Zivilisation" aus dem Jahre 1939 (Neuauflage: 1969/1976), das zu den bedeutendsten Werken der Soziologie im 20. Jahrhundert gezählt wird.

Elias bricht durch seine Theorie mit der langen Denktradition, in der "die Gesellschaft" dem "als selbständig gedachten Individuum" gegenübergestellt wurde. Seine Gedanken über das Verhältnis von "Gesellschaft" und "Individuum", die sich in nahezu allen seinen Werken finden, führen in letzter Konsequenz zu einer Neudefinition von Begriffen wie "Identität" und "Selbstwert" und zu einer in der Geschichte der Soziologie relativ neuartigen Sichtweise auf die Menschen als Akteure mit einem gewissen Freiheitsspielraum im Rahmen der Figurationen, die sie in sozialen Prozessen miteinander bilden. Zudem überwindet Elias damit auch die traditionelle wissenschaftliche Trennung zwischen Psychologie, Soziologie und Geschichtswissenschaft.

Insbesondere der Geschichtswissenschaft hat Elias in seinen Untersuchungen neue Perspektiven eröffnet: Die Entwicklung vom Feudalismus zur Territorialisierung in Deutschland, die Herausbildung des Königsmechanismus, die Erforschung von Mentalitäten, die die französische Historikerschule um Georges Duby und die Zeitschrift Annales ausgebaut hat, und viele weitere Erkenntnisse sind ihm zu verdanken.

Bitte beachten Sie auch:

Wikipedia-Seite von Norbert Elias  
Hyper Elias World Catalogue 
Norbert Elias-Stiftung Amsterdam  


Thema Todesstrafe: 125 Jahre "Elektrischer Stuhl"

Entleihbar unter Sign.: 11 RT 03

Zufällig wurde der Zahnarzt Albert Southwick 1881 Zeuge eines Unfalls, bei dem ein betrunkener alter Mann einen Stromgenerator berührte und sofort starb. Er erzählte dieses Ereignis seinem Freund, Senator David McMillan, der es wiederum Gouverneur David B. Hill mit dem Gedanken weitererzählte, das Erhängen als grausame Hinrichtungsmethode zu ersetzen. 1886 rief das Parlament des Staates New York eine Kommission ins Leben, die eine "menschliche und bequeme" Art der Hinrichtung finden sollte. Man beauftragte Thomas Edison mit der Untersuchung einer Hinrichtungsmethode per Elektrizität.

Der elektrische Stuhl wurde von Edisons Mitarbeiter Harold P. Brown entwickelt. Da Edison sich stark für Browns Arbeit einsetzte, gilt er als Erfinder des elektrischen Stuhls. Edison und George Westinghouse, der den Wechselstrom propagierte, lieferten sich damals einen erbitterten Streit darüber, welche Stromart sicherer in der Anwendung sei. Edison versuchte, durch mehrere Tests mit Katzen und Pferden die Gefährlichkeit des Wechselstroms seines Widersachers zu belegen.

Die meisten Experimente durch Edison und Brown fanden 1888 in Edisons West Orange Laboratorium in New Jersey statt. Die elektrische Hinrichtung wurde am 1. Januar 1889 eingeführt. Im Staat New York trat ein Gesetz in Kraft, das die Hinrichtung von zum Tode verurteilten Verbrechern durch Benutzung des elektrischen Stuhls vorsah. Diese zuvor an Tieren erprobte, gegenüber dem Erhängen als "menschlicher" empfundene Todesart kam am 6. August 1890 im Auburn-Staatsgefängnis im Bundesstaat New York erstmals zum Einsatz.

Der erste auf einem elektrischen Stuhl hingerichtete Mensch war William Kemmler, der wegen eines Axtmordes an einer Frau zum Tode verurteilt wurde. Die Hinrichtung im Auburn Prison wurde durch den State Electrician Edwin Davis durchgeführt. Kemmler wurde auf dem präparierten Stuhl festgezurrt und mit jeweils einer Elektrode am Rücken und einer am Kopf verbunden (die Beinelektrode wurde erst später eingeführt). Zunächst wurde eine Spannung von 1000 Volt eingestellt. Nachdem der Strom eingeschaltet war, krampfte Kemmler unter starkem Zucken und wand sich vor Schmerzen. Nach 17 Sekunden wurde der Strom erstmals abgeschaltet. Zum Entsetzen der anwesenden Ärzte und Zeugen lebte Kemmler jedoch noch. Der Verurteilte röchelte, keuchte und erbrach sich. Man entschloss sich daher, die Spannung zu verdoppeln und somit auf 2000 Volt zu erhöhen. Erst als der Strom nach weiteren 70 Sekunden abgeschaltet wurde, war der Verurteilte tot. Ein der Hinrichtung als Zeuge beiwohnender Reporter der New Yorker Presse bezeichnete anschließend diese neue Hinrichtungsmethode als eine äußerst grausame und qualvolle Art, jemanden zu töten: "Ein entsetzliches Schauspiel - weit schlimmer als Erhängen."

Bitte beachten Sie auch:

Wikipedia-Seite des "Elektrischen Stuhls"  
Amnesty International: Die Geschichte der Todesstrafe  
Thomas Hieke: Das Alte Testament und die Todesstrafe  


70 Jahre Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki

Entleihbar unter Sign.: H 1644

Die US-amerikanischen Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vom 6. und 9. August 1945 waren der erste und bislang einzige Einsatz von Atomwaffen in einem Krieg. Die Abwürfe trugen erheblich dazu bei, dass kurz darauf Kaiser Hirohito mit der Rede vom 15. August die Beendigung des "Großostasiatischen Krieges" bekanntgab. Mit der Kapitulation Japans endete am 2. September der Zweite Weltkrieg auch in Asien, nachdem er in Europa mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht bereits seit dem 8. Mai 1945 beendet war.

Den Befehl zum Einsatz der neuen Waffe gab US-Präsident Harry S. Truman, Nachfolger des am 12. April 1945 verstorbenen Franklin D. Roosevelt, im Haus Erlenkamp in Potsdam, wo die amerikanische Delegation während der Potsdamer Konferenz Quartier bezogen hatte. Truman, früher Roosevelts Vizepräsident, hatte bis zum Amtsantritt keine Kenntnis vom "Manhattan-Projekt", der Entwicklung der Atombombe. Das Motiv für den Einsatz der Bomben war, Japan möglichst schnell zur Kapitulation zu bewegen und so den Krieg zu beenden. Einerseits befürchtete Truman, dass die Sowjetunion Forderungen auf japanisches Gebiet stellen würde, andererseits, dass die geplante amerikanische Landung auf den japanischen Hauptinseln viele Opfer unter den US-Soldaten fordern würde. Zum damaligen Zeitpunkt waren noch große Gebiete Asiens von Japan besetzt. Trumans Entscheidung wird noch immer stark und emotional diskutiert.

Die Atombombenexplosionen töteten insgesamt etwa 92.000 Menschen sofort - fast ausschließlich Zivilisten und von der japanischen Armee verschleppte Zwangsarbeiter. An Folgeschäden starben bis Jahresende 1945 weitere 130.000 Menschen. In den weiteren Jahren kamen etliche hinzu.

Das Gedenken an die Opfer spielt in Japan eine große Rolle in der nationalen Kultur und im nationalen Selbstverständnis. Weltweit wurden Hiroshima und Nagasaki zu Symbolen für die Schrecken des Krieges und vor allem eines möglichen Atomkrieges zu Zeiten des Kalten Krieges.

Bitte beachten Sie auch:

Wikipedia-Seite der beiden Atombombenabwürfe  
Ausstellung im New Yorker International Center of Photography
Hiroshima & Nagasaki Remembered  


50 Jahre Medienzentrale Speyer 1965 - 2015

Unsere Medienzentrale als eines von acht Arbeitsfeldern der Bibliothek und Medienzentrale der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer feiert im Jahr 2015 ihr 50jähriges Jubiläum. Die Zentralbibliothek der Landeskirche kann bereits auf eine knapp 200jährige Historie zurückblicken und wurde ca. 1820 gegründet.

Mit fortschreitender Technisierung wird 1965 die damals so genannte „Film-, Bild- und Tonstelle“ ins Leben gerufen. Man startet mit gerade mal 162 Medien. Ein Vierteljahrhundert später hat sich die Zahl bereits verzehnfacht. In den 1980er Jahren werden alle Schallplatten, Tonbänder und Super-8-Filme ausgesondert und stattdessen Videokassetten zum Verleih angeboten. Mit der zunehmenden Vielfalt der AV-Medien wächst nicht nur der Bestand, sondern auch die Zahl der Entleihungen. Die „Film-, Bild- und Tonstelle“ wird in „Medienzentrale“ umbenannt und 1998 der Bibliothek eingegliedert. Die Erwerbung muss mit dem technischen Wandel der Datenträger schritthalten. Das Angebot wird um CDs, CDROMs und DVDs erweitert. 2011 werden die 16 mm-Filme aus dem Verleih genommen. 2013 schließt sich unsere Medienzentrale dem Medienportal der Landeskirchen und Bistümer an. Hier können nach Registrierung kostenfrei Online-Videos auf den Rechner des Kunden heruntergeladen werden. Aktuell sind etwa 13.000 im Online-Katalog verzeichnete, audiovisuelle Medien entleihbar bzw. per Download anzusteuern.


EKD-Themenjahr 2015 "Reformation - Bild und Bibel"

Bild und Bibel, den beiden zentralen Kommunikationsmedien der Reformation, gilt die Aufmerksamkeit des neuen Themen-Magazins der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Magazine sind ein Beitrag zur Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017. Im Jahr 2015 kommt die Reformation als Medienereignis in den Blick.

In mehr als 50 Beiträgen beleuchtet das Magazin grundsätzliche Aspekte und praktische Fragen: das Bilderverbot aus dem 2. Buch Mose; die Bildsprache der Reformation; die Frage, wie die Bibel zu verstehen ist; den Umstand, dass Bilder politisch missbraucht werden; die Frage, wie man Bilder lesen lernen kann; die Bedeutung der digitalen Revolution für unser Leben; die (Wunsch-)Bilder von Kirche und vieles andere mehr.

EKD-Themenheft "Reformation - Bild und Bibel" zum Download  
Offizielle EKD-Seite zum Themenjahr "Reformation - Bild und Bibel" 
Offizielle Seite von Luther 2017 zum Themenjahr "Reformation - Bild und Bibel" 
Veranstaltungen zum Themenjahr  
Startet einen DownloadThemenheft der BMZ zu "Reformation: Bild und Bibel" mit Büchern, Medien und Aufsätzen  

Bitte beachten Sie auch:

EKD-Themenheft "Reformation und Politik" zum Download  
EKD-Themenheft "Reformation und Toleranz" zum Download  
EKD-Themenheft "Reformation und Musik" zum Download  

Alle EKD-Themenhefte sind auch in gedruckter Form in der BMZ entleihbar.