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Losung

Losung für Samstag, 19. Oktober 2019
HERR, steh auf, dass nicht Menschen die Oberhand gewinnen.
Psalm 9,20

Jesus betet:  Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.
Johannes 17,15

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Lutherjahr 2017

Interview mit Michael Landgraf, Autor des Romans „Der Protestant“

1) Worum geht es im Roman "DER PROTESTANT"

Der Roman lässt die Leserinnen und Leser eintauchen in die Zeit der Reformation aus der Perspektive der Menschen des einfachen Bürgertums. Mein Romanheld ist Sohn eines Neustadter Weinhändlers, der es schafft, die Lateinschule zu besuchen und in Heidelberg Jura zu studieren. Er kommt in den Dienst des pfälzischen Kurfürsten, muss Luthers Schriften analysieren und wird ausgesandt, um die reformatorischen Bewegungen auszuspionieren. Dabei begegnet er historischen Persönlichkeiten der Zeit und natürlich einigen Reformatoren. Aus der zweiten Reihe bekommt man so wichtige Ereignisse mit, denn er ist als Student 1518 bei der Heidelberger Disputation sowie als Protocollarius 1521 in Worms, als Luther vor dem Reichstag auftritt. Seine Sympathie für die Ideen des Humanismus und der Reformation sowie eine nicht standesgemäße Liebe bringen ihn jedoch dazu, andere Wege zu gehen.

2) Was reizt dich an dem Thema: Reformation in der Pfalz

Die Pfalz war damals ein Gebiet, das sich von den Oberämtern Simmern im Norden nach Bretten und Germersheim in Süden, von Amberg an der böhmischen Grenze im Osten bis nach Kaiserslautern im Westen erstreckte. Der pfälzische Kurfürst war einer der sieben, die den König wählen durften - daher war die Pfalz ein wichtiges Zentrum Europas. Die Rolle, die sie damals einnahm, war vermittelnd. So machten die Kurpfälzer aus juristischen Gründen den Hexenwahn nicht mit. Doch die Vermittlungshaltung führte auch dazu, dass man sich erst um 1556 der Reformation angeschlossen hat, auch wenn der Kurfürst es ab 1526 in Heidelberg erlaubte, lutherisch zu predigen. Wie vielschichtig das Ganze war zeigt, dass in Landau durch Johannes Bader bereits Mitte der 1520er Jahre die Reformation Einzug hielt. Zuvor ließ Franz von Sickingen auf der Ebernburg erste Gottesdienste feiern und setzte in Landstuhl Martin Butzer als ersten evangelischen Pfarrer ein. Ein Glückfall für unsere Region ist das Ereignis, mit dem mein Roman endet: Auch wenn Speyer damals noch nicht evangelisch war, fand hier 1529 der Reichstag der Protestation statt. Der Name "Protestanten" wurzelt also in unserer Region.

3) Was war die Initialzündung zur Idee des Buches

Zum einen war es 2013 beim Jubiläum des Heidelberger Katechismus meine Auseinandersetzung mit dem Reformator Zacharias Ursinus, der die Reformation ab 1560 wesentlich prägte. Für mich galt es im Blick auf das Reformationsjubiläum nun die erste Phase der Reformation in der Pfalz aufzuarbeiten und möglichst viele Leute für das Geschehen zu interessieren. „Der Protestant“ ist nun bereits mein vierter Roman, doch es ist der erste, der mit rund 420 Seiten recht lang wurde. Das hängt damit zusammen, dass die Zeitspanne zwischen 1500 und 1529 so spannend ist und ich möglichst vielschichtig erzählen wollte. 

4) Das Buch ist eine Erzählung und bietet gleichzeitig einen großen Fundus an historischem Material. Wie lange haben die Recherche und das Einarbeiten in den Roman gebraucht?

Insgesamt waren es drei Jahre, in denen ich an dem Buch gearbeitet habe. Hier kam viel zusammen. Da war die Recherche in Archiven, in Chroniken und in der Literatur. Dann fuhr ich die Wege ab, die mein Romanheld damals ging - schließlich kam er über alte Handelsrouten bis nach Innsbruck oder den Rhein hinab und die Lahn entlang nach Marburg, und natürlich zu Fuß den Weg von Germersheim nach Landau, wo er auch an Lustadt vorbeikam.  

 

5) Was möchtest du gerne mit deinem Buch erreichen?

Dass die Leserinnen und Leser sich am Ende selbst ein Bild über die Zeit und die Anliegen der Reformation machen können. Und sie sollen den großen Umbruch spüren, der in der Zeit damals geschah. Daher haben wir auch das Thema "Buchdruck" viele Bilder aufgenommen, die damals verbreitet waren. Durch das visuelle Erlebnis wird es für viele leichter, in die Zeit einzutauchen.

 

6) Du bist derzeit auf Lesungstour. Welchen Aspekt aus deinem Werk greifst du dabei besonders hervor?

Je nachdem, wo ich bin, spielen die Romanorte eine besondere Rolle - ob in Neustadt, Landstuhl, Speyer, Worms, Heidelberg, Mainz, Marburg, Straßburg, Zürich oder Germersheim und Landau. Gerne trage ich auch Szenen vor, die mit Franz von Sickingen oder mit dem Bauernkrieg zu tun haben, weil diese Passagen sehr spannungsgeladen sind. Mein Romanheld ist mittendrin, als in Nußdorf der Pfälzer Bauernkrieg begann. Dann ist es ja auch abhängig vom jeweiligen Jubiläum, von denen es die nächsten Jahre einige gibt: die Heidelberger Disputation 2018, der Wormser Reichstag 1521, Luthers Bibelübersetzung und der Beginn der Schweizer Reformation 2022, die Verfolgung der Täufer und der Bauernkrieg 2025 und schließlich der Speyerer Protestationsreichstag 2029. 

 

7) Was wäre dein Wunsch für die Zukunft?

Wenn das Jahr mit rund 60 Veranstaltungen rund um das Thema Reformation vorbei ist, will ich mich sammeln und ein neues Projekt in Ruhe angehen. Ob es wieder ein historischer Roman ist, ist noch nicht klar, obwohl ich vielfach bereits zu einer Fortsetzung motiviert wurde. Mein 16jähriger Sohn ist Science-Fiction-Fan und möchte mich lange schon überreden, einmal in dieser Richtung mal etwas zuschreiben. Wir werden sehen ...

Buchhinweis:

Michael Landgraf, Der Protestant. Wellhöfer Verlag, Mannheim & Speyer 2016. ISBN 978-3-95428-193-0, 422 Seiten, 14,95 €. 

 

Das Interview führte Jürgen Schaaf

 

Veranstaltungshinweis:

Michael Landgraf liest aus seinem Buch „DER PROTESTANT“  im Lustadter Rathaus.

Die Lesung findet statt in Kooperation mit dem GPD Germersheim, der Protestantischen Kirchengemeinde Lustadt, der Bücherei Lustadt sowie der Buchhandlung Bücherherz.

 

Termin:                                    Mittwoch, 15.03.2017, 19:00 Uhr

Ort:                                     Rathaus Lustadt, Obere Hauptstr. 140