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Unsere Martinskirche

Die Grünstadter Martinskirche ist das dritte (oder vierte) Kirchengebäude auf dieser Stelle. Sie ist damit derjenige Bau, der auf die geschichtliche Identität der Stadt am tiefsten zurückverweist, letztlich bis zur Gründungszeit in der merowingischen Epoche. Der Kirchturm, als Landmarke auf der Fläche zwischen den Einschnitten des Eck- und Eisbachtales weithin sichtbar, ist so etwas wie das Emblem des Städtchens.Die Grünstadter Gemeinde feiert hier ihre Sonntagsgottesdienste; große Konzerte finden hier statt. Der lichtdurchflutete Raum, seine heiteren Rokokofarben und das helle Holz des Gestühls und der umlaufenden Wandvertäfelung lassen die Kirche festlich und zugleich einladend wirken: Auch heute noch vermittelt die Martinskirche beim ersten Betreten den Eindruck einer repräsentativen protestantischen Predigtkirche des 18. Jahrhunderts.

Ihren Gründungsimpuls verdankt die Martinskirche dem Kloster Glandern in Lothringen, das bis ins 18. Jahrhundert Grundherr blieb. Die Benediktinermönche brachten aus dem Westen auch das Martinspatrozinium mit, denn Martin von Tours war seit der Christianisierung des germanischen Stammes der Franken sozusagen deren Nationalheiliger geworden. Die erste Martinskirche ist bereits 875 urkundlich erwähnt.

Eine zweite, spätgotische Martinskirche wurde 1494 vollendet.

1705 wurde Grünstadt Doppelresidenz der beiden gräflichen Linien Altleiningen und Neuleiningen. Der Wunsch nach einer größeren und zugleich repräsentativen Kirche wurde nach einer mehrjährigen Bauzeit mit der Einweihung der barocken Martinskirche am Kantatesonntag 1736 erfüllt.  Der Charakter einer Residenzkirche für zwei Grafenhäuser fand ihre architektonische Entsprechung in der Dopplung der Eingangsportale, der Sakristeianbauten, der damit verbundenen Grafenstühle (die sich an die Emporen anschlossen) und der Grüfte mit den gräflichen Grablegen unter den Grafenstühlen. Das lutherische Bekenntnis der Leininger fand seinen Ausdruck in einem hölzernen Kanzelaltar, der die reformatorische Verbindung von Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung deutlich sichtbar machte. Dass der von gewundenen Säulen getragene Baldachin über der Kanzel ein ‚Zitat’ der Cathedra Petri im Petersdom war, verriet ein souveränen Witz. Die barocke Martinskirche verfügte über die zweitgrößte Orgel der berühmten Orgelbaufamilie Stumm, ein kostbares Instrument, das Ende des 19. Jahrhunderts abgebrochen und durch ein dem romantischen Zeitgeschmack entsprechendes ausgetauscht wurde.  1817 wurde zum dritten Reformationsjubiläum ein Lutherbild des Grünstadter Malers Schlesinger (theologisch bedenklich) in den Kanzelaltar eingefügt.

Von britischen Phosphorbomben in der Nikolausnacht 1942 getroffen, brannte die Kirche bis auf die Umfassungsmauern völlig aus. Das einzige Ausstattungsstück, das der damalige Dekan Jakob Ernst aus den Flammen retten konnte, war das Lutherbild von Schlesinger.

1949 begann die Gemeinde unverzüglich mit dem Wiederaufbau, der 1954 abgeschlossen werden konnte (die Wiedererrichtung des barocken Turmhelms konnte erst 1963 erfolgen).

Beim Wiederaufbau versuchte man, dem untergegangenen Barockbau treu zu bleiben, ohne ihn historisierend wiederherstellen zu wollen. Die seit der französischen Revolution überflüssigen Grafenstühle ließ man weg. Der hölzerne Kanzelaltar wurde in der Formensprache der Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts umgewandelt in die axiale Anordnung einer Kanzel und eines Altars aus Stein. So entsteht wiederum sofort der Eindruck einer protestantischen Predigtkirche; allerdings wirken nun beide Ausstattungsstücke wuchtig und bilden sowohl die Theologie des Wortes Gottes der Nachkriegszeit ab als auch das Empfinden, von der Naziherrschaft nicht bezwungen worden zu sein.

Erst mit einer zweiten Renovierung der Martinskirche 1984/86 unter dem damaligen Dekan Theodor Herzer gewann der Kirchenraum sein heutiges Aussehen. Nun wurde die Decke in typischen Farben der Rokokozeit gestrichen, die Wandvertäfelung wurde in den Kirchenraum weitergeführt. Hinter der Kanzel wurde eine Vertäfelung angebracht, in der das gerettete Lutherbild seinen Platz fand. Der Taufstein wurde nach vorhandenen Fotografien und Maßangaben original rekonstruiert. Über den Türen der Sakristeien sind die Figuren des Gekreuzigten und des Auferstandenen zu sehen. Das Siegel der pfälzischen Kirchenunion und die Lutherrose sind über den Ausgängen angebracht worden, ebenso wie das wappne der Leininger und des Klosters Glandern (dessen namengebendes Emblem, die Eichel, an verschiedenen Punkten im Kirchenraum liebevoll zitiert wird.)

Außerdem richtete Dekan Herzer in der nördlichen Sakristei ein kleines Dekanatsmuseum ein, in dem Ausstellungsstücke zur Leininger Kirchengeschichte zu sehen sind.)

Die Orgel der Martinskirche ist ein Werk der Firma Steinmeyer aus Oettingen.