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Unsere Friedenskirche

Die Friedenskirche (im Volksmund auch „kleine Kirche“) liegt etwas versteckt der Neugasse. Sie wurde 1740 vollendet als Gotteshaus der reformierten Minderheit im damals lutherischen Grünstadt. In der Friedenskirche finden die Vorabendgottesdienste der Grünstadter Gemeinde statt; in den Monaten Januar und Februar werden auch die Sonntagsgottesdienste hier gefeiert, um Energie und Kosten zu sparen. Außerdem wird das Gotteshaus gerne für Konzerte des Kulturvereins und anderer Veranstalter genutzt.

Das Innere der Kirche bewahrt bis heute unverändert den Typus einer Kirche aus dem Geist des Genfer Reformators Johannes Calvin:

Die Kanzel dominiert den querrechteckigen Raum. Kanzel und Abendmahlstisch als zentrale Orte des Gottesdienstes sind auf einer Achse hinter, bzw. übereinander angeordnet. Auf dem Abendmahlstisch liegt  für alle sichtbar die offene Bibel. Der Abendmahlstisch und das Taufgeschirr (Kanne und Schale) ersetzen Altar und Taufstein, wie sie in lutherischen oder katholischen Kirchengebäuden zu den Hauptstücken der Ausstattung gehören. Calvins Abwehr gegen heilige Gegenstände kommt darin zum Tragen: „Heilig“ sind nicht bestimmte Objekte, sondern das Leben der Gemeinde, die – gleichberechtigt - als Familie Gottes um den Abendmahlstisch herum sitzt. Das hölzerne „Paradiesgitter“ um den Tisch dient der Ordnung bei der Austeilung des Mahles.

Der Bau wurde ermöglicht durch weite Kollektenreisen bis ins reformierte Holland und in die Schweiz, auf denen die kleine und finanzschwache Gemeinde genügend Spenden einwerben konnte; Kollektenbriefe in rührendem Barockstil sind noch erhalten. Nach Bestimmung der lutherischen Leininger Grafen musste der Bau des reformierten Kirchengebäudes möglichst unauffällig sein: er wurde deshalb in die Häuserflucht der Neugasse eingerückt. Auch ein Kirchturm war in Grünstadt dem lutherischen „öffentlichen Gottesdienst“ (cultus publicus) vorbehalten, er wird durch einen Dachreiter ersetzt.

Nach der pfälzischen Kirchenunion von 1817 (Vereinigung der Lutheraner und Reformierten in der damals bayrischen Pfalz) wurde für die reformierte Kirche der Name „Friedenskirche“ gebräuchlich. Später wurden deshalb auch in den hohen Fenstern Medaillons mit Porträts der jeweils bedeutendsten zwei Reformatoren der mitteldeutschen und der Schweizer Reformation eingelassen: Luther und Melanchthon in den östlichen, Calvin und Zwingli in den südlichen Fenstern.

Das reformierte Bildnisverbot war bereits damit durchbrochen. Seit 2007 ist außerdem eine „Kreuzigung“ der Berliner Künstlerin Angelika von Schwedes an der Südwand zu sehen, ein Kunstwerk, das sich mit dem schmucklosen Kirchenraum gut verträgt, will es doch nicht eingefahrene Sehgewohnheiten verfestigen, sondern aufbrechen und innovieren.

Auf der Nordempore steht eine Sauer-Orgel von 1896. Als im zweiten Weltkrieg die Grünstadter Martinskirche zerbombt war, wurde die kleine Kirche zum einzigen Gotteshaus der protestantischen Gemeinde, die tiefe emotionale Bindung an dieses Gotteshaus ist noch heute spürbar. Eine letzte Renovierung erfolgte 1996/97 und wurde komplett aus Spenden und Eigenmitteln der Gemeinde finanziert.