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18.07.2013

Er zählt zu den letzten großen alten Männern der Landeskirche

Gustav-Adolf Bähr ist 75 Jahre alt – 18 Jahre lang war er Präsident der pfälzischen Landessynode – Zwei Mal als Kirchenpräsident angefragt


Gustav-Adolf Bähr. Foto: Linzmeier-Mehn

Gustav-Adolf Bähr. Foto: Linzmeier-Mehn

Es gibt nicht mehr viele seines Kalibers: Männer und Frauen, in den Vorkriegsjahren geboren, die sich als Pfälzer Protestanten verstehen und diese Identität in und außerhalb der Kirche auf eine eigene, sehr überzeugende Art und Weise leben. Für sie gibt es keinen Feierabend. Jedenfalls nicht solange sie oder er noch gebraucht wird. Gustav-Adolf Bähr ist am 9. Juli 75 Jahre alt geworden. Er zählt zu den letzten großen alten Männern dieser Landeskirche.

Im Presbyterium in Neustadt-Mußbach ist Bähr seit 1966 engagiert – mit einer kleinen Pause in den Jahren 1996 bis 2002. Das war damals, 1996, als er nach 30 Jahren den Vorsitz der Bezirkssynode Neustadt und nach 18 Jahren das Präsidentenamt der Landessynode aufgegeben hat. Der Landessynode gehörte er insgesamt 24 Jahre an.

Zwei Mal sollte er – seit 1972 als Prädikant zur Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung beauftragt, aber kein Pfarrer! – als Laie und Protestant in das Amt des Kirchenpräsidenten gewählt werden. Die Wahl eines Nichtgeistlichen in das höchste Leitungsamt ist eine Sache, die EKD-weit nur in der pfälzischen Landeskirche möglich ist. Beim ersten Mal, 1995, kam es zu einem kleinen Zwergenaufstand bei der Wiederwahl von Kirchenpräsident Werner Schramm. Damals sagte er den „interessierten Kreisen“ ab. Obwohl er sich mit Schramm bisweilen heftige Auseinandersetzungen lieferte, sagt Bähr heute: „Wir haben uns gemocht, aber nicht verständigt.“ Vielleicht ist das bei großen Persönlichkeiten notgedrungen so. Beim zweiten Mal trat Bähr tatsächlich an. Aber damals, gab es neben ihm und Klaus Bümlein einen Wunschkandidaten der Synode: Eberhard Cherdron, von 1998 bis 2009 Kirchenpräsident.

Als überzeugter Protestant meint Bähr: „Ich brauche kein Klerusamt in einer Hierarchie.“ In einer recht verstandenen Kirche gehe es nicht um die Macht, sondern darum, dass jeder dem anderen als Christ nahe sein könne. Als Prädikant habe er schon Schwierig­keiten den Talar anzuziehen: „Eine Schutzkleidung: Ich bin die Kirche; das bin ich aber nur, wenn ich Kirche für andere bin.“

Gustav-Adolf Bähr ist als eines von neun Geschwistern in einem Pfälzer Pfarrhaus aufgewachsen, geprägt von einem Vater, der auch in Zeiten des sogenannten Drittes Reiches ein frommer und unerschrockener Prediger war. Und so ist er überzeugt davon, dass die pfälzische Landeskirche „mit ihren wunderbaren Menschen, die sich ohne Auftrag und Legitimation im Geist der Nächstenliebe engagieren“, auch mit weniger Machtentfaltung gut durch die nächsten Jahrzehnte kommt. mez