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22.11.2013

Nach Fusion zweier Gemeinden ist ein Pfarrer zu viel

Kirchengemeinde in Schweigen-Rechtenbach kämpft um Ulrich Hauck – Kirchenregierung entscheidet einstimmig für Margarete Lingenfelder


Plakativer Protest: Die Protestanten in Schweigen-Rechtenbach befürchten, dass sie ihr missionarisches Profil verlieren. Foto: VAN

Plakativer Protest: Die Protestanten in Schweigen-Rechtenbach befürchten, dass sie ihr missionarisches Profil verlieren. Foto: VAN

Pfarrer Ulrich Hauck versteht die Welt nicht mehr: 13 Jahre lang baute er eine „Gemeinde mit missionarischem Profil“ in Schweigen-Rechtenbach im Dekanat Bad Bergzabern auf, zuletzt weihte er dort die restaurierte Christuskirche ein. Und nun soll der bei seiner Kirchengemeinde beliebte 49-jährige Seelsorger seine Sachen packen – wenn es nach der Kirchenregierung geht. „Die Entscheidung ist unverständlich, hier wird ein blühendes Gemeindeleben zerschlagen“, ärgert er sich über ein klares Votum aus Speyer.

„15:0“ hatte sich das Gremium bei der Besetzung der neu geschaffenen Pfarrstelle Dörrenbach-Schweigen-Rechtenbach gegen ihn und für Pfarrerin Margarete Lingenfelder (49) ausgesprochen. Am 1. Januar 2014 will seine Amtskollegin für die fusionierten südpfälzischen Kirchengemeinden Schweigen-Rechtenbach und Dörrenbach-Oberotterbach mit insgesamt etwas mehr als 2000 Mitgliedern ihren Dienst beginnen.

Dagegen regt sich unter den bibeltreuen Protestanten in Schweigen-Rechtenbach erbitterter Widerstand. Mit Protestschreiben an die Kirchenregierung, Mahnwachen und Unterschriftensammlungen kämpft die rund 1000 Seelen zählende Gemeinde nach der „Zwangsfusion“ um ihren Pfarrer. „Wir wollen, dass Pfarrer Hauck bleibt“, sagt Julia Hauck, die stellvertretende Presbyteriumsvorsitzende, und kündigt auch juristische Schritte an. Eine Zusammenarbeit mit Pfarrerin Lingenfelder, die in einem „völlig anderen theologischen Geist“ arbeite, sei nicht möglich, betont Hauck, die mit Pfarrer Hauck weder verwandt noch verschwägert ist.

Schwere Vorwürfe kommen aus der Kirchengemeinde, die dem theologisch konservativen „Netzwerk bekennender Christen“ angehört: Der Kirchenregierung seien der vierfache Familienvater, der auch Vorstandsmitglied des Netzwerks ist, und seine Gemeindearbeit mit gut besuchten Gottesdiensten und einer florierenden Jugendarbeit seit Langem ein Dorn im Auge. Auf den Punkt gebracht: Ein evangelikaler Pfarrer mit Familienanhang wird kaltgestellt und muss einer nicht evangelikalen kinderlosen Pfarrerin Platz machen.

„Schockiert, dass es so gelaufen ist“, zeigt sich Pfarrer Hauck. Ein Anwalt überprüfe nun, ob die Personalentscheidung sachlich richtig gewesen sei. Besonders schmerzlich sei es, dass die Kirchenleitung die Gemeindearbeit in Schweigen-Rechtenbach – anders als bei der Ludwigshafener Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde – offenbar nicht wertschätze. In der Landeskirche gibt es derzeit zwei missionarische Profilgemeinden. Mit neuen Gottesdienstformen, einer lebendigen Gemeindearbeit mit Hauskreisen und Bibelstunden wollen sie mehr Menschen mit der christlichen Botschaft erreichen.

Böser Wille sei bei der strittigen Stellenbesetzung nicht im Spiel gewesen, wehrt sich die Kirchenregierung. „Es ist alles mit rechten Dingen zugegangen“, versichert Oberkirchenrat Gottfried Müller als zuständiger Personaldezernent. „Die Kirchenregierung wird ihren Beschluss nicht zurücknehmen.“

Ausschließlich sachliche Gründe wie die Eignung der Stellenbewerber hätten dabei eine Rolle gespielt. „Wir sind eine offene Volkskirche, in der alle Frömmigkeitsstile ihren Platz haben“, sagt Müller. Eine Fusion beider Kirchengemeinden sei wegen der geringen Mitgliederstärke von jeweils rund 1000 Mitgliedern unabdingbar gewesen, ergänzt der Pressesprecher der Landeskirche, Wolfgang Schumacher.

Pfarrerin Lingenfelder will die Teilgemeinden über alle Differenzen hinweg vereinen: „Jetzt ist es unsere Aufgabe, uns gegenseitig kennenzulernen.“ Um zusammenwachsen zu können, seien aber Offenheit, positives Denken und Zeit nötig.

Einer etwaigen juristischen Auseinandersetzung vor dem kirchlichen Verwaltungs- und Verfassungsgericht in Speyer sieht Personaldezernent Müller „mit Gelassenheit“ entgegen. Wie der Kampf der Schweigen-Rechtenbacher Protestanten für ihren Pfarrer auch ausgeht: Ulrich Hauck wird als Kirchenbeamter nicht arbeitslos – auch wenn er sich möglicherweise auf eine andere Stelle bewerben muss. Alexander Lang