Social Web

Facebook

Folgen Sie unseren Beiträgen:

Hinweis

In eigener Sache: Seit Oktober 2016 hat der Evangelische Kirchenbote eine neue Homepage. Falls Sie durch einen veralteten Link auf diese Seite gekommen sind: Hier befinden sich nur alte Artikel - sozusagen als Archiv. Die aktuellen Leseproben finden Sie auf unserer Homepage:

www.evangelischer-kirchenbote.de

17.04.2014

Ein Glück, dass es die Frommen gibt


Hartmut Metzger

Hartmut Metzger

von Hartmut Metzger

„Wir wünschen uns nichts sehnlicher als eine geistliche Erneuerung unserer Gemeinden und Kirchen“, schreibt Pfarrer Michael Diener in „Idea Spektrum“, in dem er einen „Impuls für die Zukunft der Kirche“ ankündigt. Diener ist Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz. Bis 2009 war er Dekan in Pirmasens. Unter der Überschrift „Zeit zum Aufstehen“ wollen zwölf führende Vertreter des theologisch konservativen Protestantismus zur Besinnung auf die evangelischen Glaubensgrundlagen aufrufen (www.zeit-zum-aufstehen.de). Nicht nur kurz vor Ostern ist das sicherlich ein begrüßenswertes Anliegen.

Angekündigt werden „sieben zeitlose Grundsätze unseres christlichen Glaubens“, die nach den Gesetzen der Logik weder inhaltlich noch nach dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung zeitlos sind. Schließlich ist es aber nicht verwerflich, wenn mit diesen sieben Thesen auch für den erstmals bundesweit veranstalteten „Christustag“ am 19. Juni in Stuttgart geworben werden soll, zu dem die pietistisch geprägten Gemeinschaften rund 25 000 Besucher erwarten (www.christustag.de).

Inhaltlich wird deutlich, dass sich selbst die Vertreter der zwölf frommen Organisationen schwertun mit dem gemeinsamen Verständnis von Bibelwort und Zeitgeist. So findet sich in These 4 der Satz: „Die Bibel ist immer aktueller als der Zeitgeist.“ Jedoch lebt der Mensch, der die Bibel verstehen will, in dieser unerlösten Welt noch immer in der Zeit; in bestimmten historischen, sozialen und kulturellen Situationen. Und so wird der Zeitgeist der Thesen dort besonders deutlich, wo sie sich „gegen Lehren, Ideologien und Kräfte in unseren Kirchen und in unserer Gesellschaft“ richten.

Zum Beispiel in These 5: „Der Mensch ist als Mann und Frau geschaffen; dieses Gegenüber ist Gottes gute Schöpfungsgabe.“ Dort heißt es: „Wir stehen auf für die Stärkung der Ehe und gegen ihre Entwertung.“ Das kann nur vor dem Hintergrund des unglücklichen Familienpapiers der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verstanden werden, das eine gute Wertschätzung der Gemeinschaft von Mann und Frau tatsächlich vermissen lässt. Es ist schade, dass die Erklärung mit ihrem Ruf zur Mitte des Glaubens nicht grundsätzlicher und konkreter wird.

Gefordert ist angesichts der um sich greifenden Beliebigkeitstheologie in der EKD und ihrer Landeskirchen eine neue Konzentration auf These 1 der Erklärung: „Jesus Christus ist der Sohn Gottes. Er ist für uns am Kreuz gestorben und auferstanden.“ Schließlich könnten Mann und Frau vor Ostern 2014 den Eindruck gewinnen, dass in der EKD Geschlechter- und Genderfragen sowie „moderne Lebensentwürfe“ das Evangelium ersetzen. Hier ist tatsächlich ein deutlicher Ruf zur Buße und zur Umkehr gefragt. Woher sollte er kommen? Ein Glück, dass es die Frommen gibt.