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16.05.2014

Vom Einzelkämpfer zum Netzwerker

Landessynode berät in Homburg über Wandel im Pfarramt – Neue Organisationsformen werden erprobt


Konzentration aufs Wesentliche: Pfarrer sollen in Zukunft stärker von Verwaltungsarbeit entlastet werden. Foto: view

Konzentration aufs Wesentliche: Pfarrer sollen in Zukunft stärker von Verwaltungsarbeit entlastet werden. Foto: view

„Treu und gewissenhaft“: Dieses Zitat aus der Kirchenverfassung hat der Arbeitskreis Zukunft der Landeskirche seiner Vorlage an die pfälzische Landessynode zum Thema Pfarramt im Wandel vorangestellt. Der Arbeitskreis macht Vorschläge, wie die Kirche mit den geänderten Ansprüchen an ihren Pfarrer umgehen soll.

Gerade der Gemeindepfarrer sei vielfach noch Einzelkämpfer, sagt Oberkirchenrat Gottfried Müller. Es müssten mehr Netzwerke entstehen, um bei zurückgehenden Mitgliederzahlen, zurückgehender Finanzkraft und geringerem Personal eine flächendeckende Versorgung mit Pfarrern sicherzustellen. Er könne sich vorstellen, dass zum Beispiel die 100 Pfarrer an Schulen bei der Bildungsarbeit in den Gemeinden mithelfen und die etwa 25 Klinikseelsorger ihre Kompetenzen bei der Seelsorge vor Ort einbringen, sagte Müller.

Das Papier beschreibt zwei historische Phasen, die zur derzeitigen Form der Pfarrämter geführt haben. Zunächst seien vor allem in den Städten Pfarrämter in Vierteln und Ortsteilen entstanden, die weitgehend unabhängig voneinander arbeiten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe sich die Gesellschaft ausdifferenziert. Die Kirche reagierte mit Spezialpfarrämtern etwa für Jugend, Senioren, Männer oder Frauen und mit Experten für Themen wie Bildung, Frieden, Landwirtschaft oder Kunst. Das Papier konstatiert eine Versäulung dieser Arbeitsbereiche, das heißt, sie arbeiten nebeneinander her. Nun sollen sie vernetzt werden.

Der Arbeitskreis schlägt vor, mehrere Projekte auszuschreiben, um organisatorische Änderungen in den Gemeinden zu erproben. Wenn die Synode zustimmt, wird das Papier nach Müllers Worten 2015 auch der neuen Synode vorgelegt. Unverzüglich begonnen werden solle jedoch mit dem Projekt Standardassistenz. Damit will die Landeskirche erproben, ob jeweils fünf Gemeinden sich eine Sekretärin teilen können, um die Pfarrer von Verwaltungsarbeit zu entlasten. Dafür seien etwa 30 Vollzeitstellen nötig, sagt Müller.

Die Kosten würden sich auf etwa 1,4 Millionen Euro belaufen, wovon die Gemeinden die Hälfte aufbringen müssen. Die Finanzierung sei langfristig gesichert, da zwischen 2020 und 2030 rund 350 der derzeit 600 Pfälzer Pfarrer in den Ruhestand gehen. Diese könnten und sollten nicht alle ersetzt werden, sodass Geld für Personal frei werde. koc

Schad ruft zur Europawahl auf

Kirchenpräsident Christian Schad hat die Pfälzer Protestanten zur Teilnahme an den Europawahlen am 25. Mai aufgerufen. Bei den Wahlen dürfe nicht den rechtspopulistischen Kräften das Feld überlassen werden, sagte Schad. Gestärkt werden müssten die demo­kratischen Parteien, die für ein fried­liches Europa eintreten. Gerade der ­gegenwärtige Konflikt in der Ukraine zeige, dass friedliches Zusammenleben in Europa keine Selbstverständlichkeit sei. Bei der pfälzischen Landessynode vom 21. bis 24. Mai im saarpfälzischen Homburg wird Schad seinen Bericht unter das Jahresthema der EKD-Reformationsdekade „Reformation und Po­litik“ stellen.

Derzeit sei die finanzielle Situation der Landeskirche erfreulich, sagte Oberkirchenrätin Karin Kessel. Mit 113,5 Millionen Euro habe die Landeskirche so viel Kirchensteuer eingenommen wie noch nie. 2014 rechne sie mit einem nur geringfügig schlechteren Ergebnis. Auch der im November zu beschließende Doppelhaushalt für 2015 und 2016 könne ausgeglichen werden. Dennoch müssten in der mittelfristigen Finanzplanung bis 2020 die Sparbemühungen fortgesetzt werden. Wegen steigender Personalkosten und sinkender Einnahmen sei für 2020 ein Fehlbetrag von drei Millionen Euro zu erwarten.

Ebenfalls auf der Tagesordnung der Synode in Homburg steht das Internat des Trifelsgymnasiums. Die Synode hatte beschlossen, Schule und Internat weiterzuführen, das Internat aber nach drei Jahren zu überprüfen. Nun sei bereits jetzt abzusehen, dass für das Internat kein schlüssiges Konzept gefunden werde, sagte der zuständige Oberkirchenrat Michael Gärtner. Deshalb schlage der Landeskirchenrat vor, das Internat baldmöglichst zu schließen. epd

Die Kirche in der Stadt braucht ein neues Selbstverständnis

Landessynode beschäftigt sich mit den Herausforderungen in städtischen Gebieten – Strukturen und Identitäten verändern sich zunehmend

Dass sich die Landessynode mit dem Schwerpunktthema Kirche in der Stadt beschäftigt, geht auf einen Antrag von Oberkirchenrat Michael Gärtner zurück, den dieser noch als Landessynodaler und Dekan von Ludwigshafen gestellt hat. Kirche mache in der Stadt Erfahrungen, die sich etwa 20 Jahre später auch auf dem Land wiederholten, sagt Gärtner. Eine Arbeitsgruppe habe fünf Thesen zum Thema zusammengestellt, die die Synode beraten werde. Aus der Diskussion sollen Konsequenzen für die zukünftige Arbeit gezogen werden.

Die erste These stellt fest, dass sich in den Innenstädten alte Strukturen auflösen und sich neue entwickeln. Innenstädte sind durch hohe Fluktuation gekennzeichnet. Bis zu einem Viertel der Gemeindemitglieder zieht jährlich weg und zu. Hinzu kommt hohe tägliche Mobilität. Dadurch nehmen die parochialen Bindungen ab, zentrale Aktionen und personelle Repräsentanz auf Stadtebene etwa durch Citykirchenarbeit und Öffentlichkeitsarbeit werden wichtiger.

Als Folge dieser Entwicklungen stellt These zwei fest, dass sich auch Identitäten auflösen und neu entwickeln. Die biografische Mobilität reduziert heimatliche Bindungen, die Identifikation mit der Wohnsitzkirche wird geringer. Durch Schwerpunkte in den Kooperationsregionen und die Profilbildung durch Jugendkirchen, Kulturkirchen oder Citykirchen muss Kirche neue Integrationskraft selbst entwickeln.

Mit dem gesellschaftlichen Wandel löst sich auch das Rollenverständnis der kirchlichen Mitarbeiter auf, und ein neues muss sich entwickeln, heißt es in These drei. Ähnlich wie andere gesellschaftliche Institutionen wird die Kirche von der Öffentlichkeit immer stärker als Dienstleister betrachtet. Sie bezieht aus Sicht vieler Menschen ihre Legitimität daraus, dass sie bestimmte Aufgaben für den Einzelnen oder für die Gesellschaft erfüllt. Auch wenn dies dem Selbstverständnis vieler kirchlicher Akteure widerspricht, müssen sie darauf reagieren. Hauptamtliche und Presbyterien sollen den Dienstleistungsaspekt in ihr Selbstverständnis integrieren.

These vier widmet sich der Verdichtung sozialer Probleme in den Städten. Eine hohe Arbeitslosenzahl, viele Bezieher von Transferleistungen, viele Alleinerziehende und geringe Nachbarschaftshilfe verlangen Reaktion. Gemeinden können Weihnachtsfeiern für Alleinstehende, Suppenküchen oder Kindervesperkirchen anbieten. In bestimmten Gebieten ist die Schwerpunktsetzung als diakonische Gemeinde wichtig.

Die fünfte These geht darauf ein, dass der Anteil von Migranten und von Menschen ohne oder mit nicht christlicher Religionszugehörigkeit in Städten hoch ist und die christlichen Kirchen ihren Mehrheitsstatus verlieren. Deshalb sollen Gemeinden den interreligiösen Dialog pflegen, mit Auslandsgemeinden kooperieren und ausländische Christen ins Gemeindeleben integrieren. koc