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21.08.2015

Nachhilfe in Sachen Nächstenliebe benötigt


Charlotte Lisador

Charlotte Lisador

von Charlotte Lisador

Romantische Heiratsanträge und herzerwärmende Katzenbabyvideos: Die sozialen Medien sind wunderbare Plattformen, um die schönen Dinge des Lebens zu präsentieren. Leider bilden solche Netzwerke auch die Ignoranz vieler Menschen ab. Aktuell stehen Hetzkampagnen gegen Asylbewerber bei einer viel zu großen Gruppe deutscher Facebook-Nutzer hoch im Kurs. Es sind Aufrufe zum Kampf gegen all diese gefährlichen und noch dazu kriminellen Asylanten, die sich auf Kosten des deutschen Staats in diesem Land breitmachen. Wie es scheint, hat sich nun wieder einmal ein triftiger Beweis für die Schlechtigkeit aller Asylsuchenden gefunden.

Diesmal im Visier der selbst ernannten Moralapostel: Ein Asylbewerber im saarländischen Dirmingen. Dieser hatte in stark alkoholisiertem Zustand zuerst ein 14-jähriges Mädchen angegriffen und später einen 60-Jährigen krankenhausreif geprügelt. Eine Tat, die auch nicht mit der Ausrede „zu viel Alkohol“ zu entschuldigen ist. Selbstverständlich sollte sie strafrechtliche Konsequenzen haben. Allerdings sollten dabei weder sein Aufenthaltsstatus noch seine Nationalität eine Rolle spielen.

Unfassbar ist, dass sich diverse Facebook-Nutzer nun dazu berufen fühlen, selbst Hand anzulegen: „Es wird Zeit das wir wieder in Unseren Dorf aufräumen .... Dreckspack.... Lass mir das Schwein mal unter die Augen kommen ! Jeder sollte ihm eine geben jeder wo ihn sieht bis dieser pack von selber verschwindet !!!!“, heißt es in einem besonders geistreichen Kommentar eines besorgten Bürgers. Dabei wird natürlich völlig außer Acht gelassen, dass ein Aufruf zur Selbstjustiz Menschenrechte genauso verletzt wie jener Asylbewerber, der in der saarländischen Ortschaft um sich geschlagen hat.

Typisch! Wieder wird der Fehltritt eines Einzelnen auf die Ganzheit der Asylsuchenden projiziert; Menschen, von denen sich die meisten nichts sehnlicher wünschen, als abseits von Terror, Krieg und ständiger Angst friedlich leben zu können. Idioten gibt es überall, unabhängig von Herkunft, Kultur und Glauben. Aber von einem Einzelnen gleich auf alle zu schließen, ist nicht nur kurzsichtig und ignorant, sondern schlicht und ergreifend verleumderisch.

Glücklicherweise sind die meisten, die sich an dieser eigentlich sinnlosen Debatte beteiligen, vernünftige Menschen, die sich gegen solche hirnlosen Parolen auflehnen. Doch sollten sich vor allem auch die Kirchen, die sich auf die Fahnen schreiben, für Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit einzutreten, am öffentlichen Diskurs der sozialen Medien stärker beteiligen. Vielleicht wäre das eine passende Aufgabe für die evangelische Jugend, die mit Facebook, Twitter und Co. ­vertraut ist und sich solchen Themen unmittelbar nähern kann. Nachhilfe in Sachen Toleranz und Nächstenliebe würde einigen Facebook-Nutzern ­sicher nicht schaden.