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29.09.2011

Auf der Suche nach dem besten Preis-Genuss-Verhältnis

Die Weinkellerei der BASF treibt mit über 50 Ländern Handel


Zwölf Meter tief unter der Erde lagern in der Ludwigshafener Anilinstraße ­etwa eine Million Flaschen Wein aus über 80 Ländern. Fotos: Kuntz

Zwölf Meter tief unter der Erde lagern in der Ludwigshafener Anilinstraße ­etwa eine Million Flaschen Wein aus über 80 Ländern. Fotos: Kuntz

Darunter befinden sich Bordeaux-Weine von rund 250 Châteaus. Damit ist die BASF-Wein­kellerei einer der größten Händler dieser Weine in Deutschland.

Darunter befinden sich Bordeaux-Weine von rund 250 Châteaus. Damit ist die BASF-Wein­kellerei einer der größten Händler dieser Weine in Deutschland.

Eine große ­Rolle spielen für die Kellerei aber auch die Kunden aus der Umgebung. Bis zu 200 finden täglich den Raum in der Verkaufsstelle in der Anilinstraße.

Eine große ­Rolle spielen für die Kellerei aber auch die Kunden aus der Umgebung. Bis zu 200 finden täglich den Raum in der Verkaufsstelle in der Anilinstraße.

von Klaus Koch

Wer an die Pfalz denkt, denkt meist auch an Wein und an die BASF. Doch er denkt die beiden Begriffe getrennt. Was, außer Pflanzenschutz- und Düngemittel, sollte „The Chemical Companie“, wie sich der nach Umsatz und Marktkapitalisierung größte Chemiekonzern der Welt auch nennt, mit dem Rebensaft schon zu tun haben? Die Antwort findet, wer in die Anilinstraße nach Ludwigshafen fährt. Dort ruhen etwa eine Million Weinflaschen zwölf Meter tief in den Gewölben der BASF-Weinkellerei.

In dieser Kellerei arbeiten 20 der weltweit rund 110 000 Mitarbeiter des Unternehmens. Und auch der Verkauf von bis zu 900 000 Flaschen Wein im Jahr dürfte nur sehr wenig zum Konzernumsatz von nahezu 64 Milliarden Euro beitragen. Dennoch hat dieses vergleichsweise kleine Geschäftsfeld für die BASF offensichtlich einige Bedeutung. Immerhin teilte die Pressestelle auf die Anfrage wegen eines Termins in der Kellerei mit, dass neben dem Kellereichef Joachim Spies auch der Personalchef der BASF, Hans-Carsten Hansen, gerne für Auskünfte zur Verfügung stehe.

Das Kulturgut Wein besitze international ein sehr hohes Renommee und schaffe es, das rationale Chemiegeschäft ein Stück weit persönlicher zu machen und auch zu emotionalisieren, sagt Hansen. Wein stehe für die Region rund um das Stammwerk in Ludwigshafen und gelte als erste Identifikation für die Menschen, die hier lebten. Der Erfolg und der gute Ruf der Kellerei jedenfalls zeigten, dass Wein und das Chemiegeschäft sehr gut zusammenpassten.

Mit einigem Stolz führt Kellereichef Spies denn auch durch den traditionell dekorierten Verkaufsraum, den bis zu 200 Kunden vor allem aus der Region täglich besuchen. Der 56-jährige Getränkeingenieur arbeitet hier seit 22 Jahren. Die Kellerei ist in dieser Zeit immer professioneller geworden. „Der Weinhandel ist keineswegs irgendein Hobby der Vorstände.“ Auch in der Kellerei werde die Vision der BASF gelebt: „Wir wollen das beste Team mit den stärksten Leuten sein.“

Die Mitarbeiter kommen denn auch aus den unterschiedlichsten Bereichen. Entscheidend, so Spies, sei ihre Kompetenz und ihr Weinsachverstand. Es gibt Tage, an denen Spies und seine Leute bis zu 40 Weine probieren, um zu entscheiden, was ins Sortiment aufgenommen wird. Doch die Gesundheit der Weintester nimmt dabei keinen Schaden, denn die Proben werden allesamt brav ausgespuckt: „Es mag merkwürdig klingen, aber bei uns herrscht wie in der gesamten BASF striktes Alkoholverbot.“

Um den regionalen und internationalen Weintrends auf der Spur zu bleiben, besuchen die Mitarbeiter Weinmessen im In- und Ausland. „Wir sind dabei ständig auf der Suche nach dem besten Preis-Genuss-Verhältnis“, sagt Spies. So manchen Tipp erhalten die Weinprofis durch die weitverzweigten internationalen Beziehungen des Konzerns. „Weltweit gibt es findige Leute, die uns auf Nischen und kleine Winzer aufmerksam machen.“ Etwa 3000 Weine aus mindestens 80 Ländern und über 100 Weinanbaugebieten sind in der Kellerei versammelt, darunter einige Raritäten. Mal betrage die Stückzahl sechs, mal 13 000 Flaschen, sagt der Kellereichef. Je nachdem, wie das Kundeninteresse eingeschätzt werde. Die Weinliste umfasst 700 Weine.

Eingelagert sind Weine aus eher exotischen Weinländern wie Moldawien, Uruguay, Libanon oder China. Doch die Schwerpunkte liegen auf Pfälzer Weißweinen und Rotweinen aus Bordeaux. Es sei durchaus die Absicht der Kellerei, weltweit für die Weinregion Pfalz Werbung zu machen, sagt Spies. Rund 100 verschiedene Pfälzer Weine sind daher im Angebot, jährlich werden in der Pfalz etwa 300 000 Flaschen eingekauft. Verstärkt setze die BASF Weine aus der Region auch als Präsentmittel des Unternehmens ein, ergänzt Personalchef Hansen. Dadurch sei die BASF weltweit einer der wichtigsten Botschafter der Region. Die Bordeauxweine seien für viele Kunden einfach Kult, begründet Spies den zweiten Schwerpunkt. Die Kellerei ist inzwischen einer der größten deutschen Bordeaux-Händler. Weine aus rund 250 Châteaus lagern in der Anilinstraße.

Noch internationaler als der Einkauf ist der Vertrieb der Weine. Die BASF-Weinkellerei liefere in über 50 Länder, sagt Spies: „Vor allem der asiatische Markt boomt.“ Beim weltweiten Verkauf helfe oft die Logistik des Konzerns, die fast jede Region der Erde erreichen könne. Davon profitieren auch die in der ganzen Welt verstreuten BASF-Mitarbeiter, die regelmäßig mit Weinen versorgt werden, bevorzugt aus der heimischen Pfalz. Von großem Vorteil im internationalen Handel sei auch der Name BASF, der in vielen Ländern Vertrauen wecke.

Für die BASF ist der Weinhandel weit mehr als nur geschäftliches Interesse. „Wir wollen Emotion transportieren“, sagt Spies. So sind seine Mitarbeiter bei pro Jahr rund 500 Veranstaltungen rund um den Wein engagiert. Das reicht von der kulinarischen Weinprobe für ein paar Gäste bis hin zum Kellereifest, das im August 13 000 Besucher anlockte. Doch bei allem Einsatz der Kellerei für die Marke BASF nimmt sie beim Einkauf keine Rücksicht auf internationale Interessen des Konzerns. „Selbstverständlich spielt die Qualität der Weine die entscheidende Rolle. Bei der Auswahl der Weine unterliegt die Kellerei keinerlei Vorgaben oder Restriktionen aus dem Unternehmen heraus“, stellt die BASF klar. Dieser Grundsatz und die Beratungskompetenz der Mitarbeiter hat der Kellerei sogar einen Titel beschert. 2009 wurde sie vom Meininger-Verlag als „Facheinzelhändler der Jahres“ ausgezeichnet. Als Gründe nannte der Weinfachverlag Konzept und Sortiment der Kellerei sowie die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter.

Kein Wunder also, dass die Arbeit der Kellerei Anerkennung bis in die höchsten Etagen des Konzerns genießt. „Bis zum heutigen Tag sind und waren alle Vorstandsvorsitzenden stolz auf unsere Kellerei“, sagt Personalchef Hansen. Auch die anderen Vorstandsmitglieder und natürlich er selbst unterstützten die Kellerei in jeder Hinsicht. Gerade als Personalverantwortlicher weiß Hansen um die integrative Wirkung des Weins. Viele Veranstaltungen rund um das Thema Wein führten Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Abteilungen der BASF zusammen. „Und wie kann man Zusammenhalt besser demonstrieren als mit einem Glas Wein?“

Damit verweist Hansen indirekt auf die Ursprünge der Kellerei vor jetzt immerhin 110 Jahren. Das Jahr 1901 war für die 1865 gegründete BASF ein durchaus wichtiges. Das Unternehmen präsentierte damals mit den licht- und waschechten Indanthren-Farben eine Weltneuheit. Die mit diesen Farben gefärbten Fasern genügen bis heute höchsten Ansprüchen. Bereits ein Jahr zuvor wollte das Unternehmen auch höchsten Ansprüchen bei der Gästebewirtung genügen und gründete sein Gesellschaftshaus.

Dabei sei eine große Nachfrage nach den angebotenen Weinen entstanden, erzählt Hansen. Daher sei ein Jahr später unterhalb des Gesellschaftshauses ein kleiner Verkaufsraum eröffnet worden. Damals sei es deutlich schwieriger gewesen als heute, an Wein zu kommen. „Wein war ein sehr elitäres und teures Getränk. Gerade edle Weine aus der Pfalz und von der Mosel reichten an das ­Preisniveau der teuersten Weine aus Bordeaux heran.“ Durch den Verkauf über die BASF sollte deshalb der Belegschaft Wein zu erschwinglichen Preisen zugänglich gemacht werden.

Doch nicht nur den einfachen Mitarbeitern kommt die Kellerei zugute, sie erleichtert auch den harten Manageralltag. Zu den unterschiedlichsten Anlässen, so Personalchef Hansen, sitze der BASF-Vorstand gelegentlich bei einem Glas Wein aus der konzerneigenen Kellerei zusammen. Privat und beruflich.

Öffnungszeiten

Das Weinfachgeschäft der Kellerei in der Anilinstraße 12 in Ludwigshafen hat montags bis freitags von 10 bis 18.30 Uhr und an jedem ersten Samstag im Monat von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Die Weingalerie in der Rhein-Galerie Ludwigshafen ist von montags bis samstags, 10 bis 20 Uhr, offen.