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08.12.2011

Eine Chance für junge Menschen mit Handicap

Zulliger-Schule in Grünstadt unterstützt Rehabilitations-Zentrum für geistig behinderte Kinder in Ruanda – Erster Partner in Rheinland-Pfalz


Übergibt die Partnerschaftsurkunde an Rektorin Dorothee Braun-Stickel von der Förderschule: Anton Geiser (links). Foto: abf

Übergibt die Partnerschaftsurkunde an Rektorin Dorothee Braun-Stickel von der Förderschule: Anton Geiser (links). Foto: abf

Wer in dem armen afrikanischen Land Ruanda mit einer geistigen Behinderung geboren wird, hat schlechte Karten. Für die Betroffenen gibt es keine Unterstützung, im Gegenteil: Sie werden versteckt, verstoßen, ermordet. Vor wenigen Monaten wurde mit deutscher Hilfe ein Rehabilitations-Zentrum für diese Kinder eröffnet. Die Hans-Zulliger-Schule in Grünstadt ist jetzt die erste offizielle Partnerschule der Einrichtung in Rheinland-Pfalz.

Gegenwärtig werden in dem Zent­rum „AmizeroY’Ubuzima“, das auf einem ehemaligen Sportplatz in der Gemeinde Kibilizi, nahe der Universitätsstadt Huye, liegt, 24 junge Menschen mit ganzheitlichem Förderbedarf betreut. „Jährlich sollen etwa 25 Kinder dazukommen“, erklärt Anton Geiser. Der Dozent im Landauer Erziehungswissenschaftlichen Fort- und Weiterbildungsinstitut der Evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz hat vor einiger Zeit das Projekt „Lebenshoffnung“ initiiert. Es ist verankert in dem Hilfswerk „Wir für Ruanda – ACA“, das von dem deutschen Arzt Bernd Bierbaum gegründet wurde.

Dessen Mitarbeiter hatten vor einigen Jahren bei Huye eine Auffangstation für Kinder mit geistigen Beeinträchtigungen entdeckt. Nach dem traditionellen Glauben der gut elf Millionen Ruandeser sind Handicaps die Quittung für Verfehlungen in der Familie. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hingegen schätzt, dass rund 50 Prozent der Behinderungen Folgen von Schädigungen sind, die durch Armut entstanden sind.

Die Mädchen und Jungen in dem Heim wurden bisher versorgt, aber nicht gefördert. Die Ehrenamtlichen von „Lebenshoffnung“ wollen ihnen eine Chance geben. „Wir möchten sie so weit praktisch bilden, dass sie in die Gesellschaft integriert werden können“, sagt Geiser. Ziel sei, die Kinder jeweils nach zwei, drei Jahren in ihre Heimatschulen zu entlassen.

Im Reha-Zentrum lernen sie unter anderem sich selbst zu waschen und anzukleiden sowie einfache handwerkliche Fähigkeiten, mit denen sie sich in der landwirtschaftlichen Region nützlich machen können. Da es in Ruanda kein soziales Sicherungssystem gibt, sind betagte, nicht mehr arbeitsfähige Eltern auf ihren Nachwuchs angewiesen. Dieser zieht allerdings oft zum Geldverdienen in die Städte. Praktisch gebildete Menschen mit Handicap können den Alten auf dem Land zur Hand gehen und ihnen eine wichtige Stütze sein. Ruandeser mit Mehrfachbehinderungen, die sich nur schwer schulen ließen, gibt es laut Geiser aufgrund der schlechten medizinischen Versorgung kaum.

Auch pädagogisches Fachpersonal wird im Reha-Zentrum ausgebildet. Über Misereor hat Geiser einen Mann aus Sambia gewonnen, der in den ersten drei Jahren die Betreuer im Zentrum einarbeitet. Daneben werden Gemeindevertreter, Lehrer und die Bevölkerung über die Integration von Menschen mit Behinderungen und ihren ganzheitlichen Förderbedarf aufgeklärt.

Das „AmizeroY’Ubuzima“ braucht nicht nur freiwillige Kräfte, sondern auch Geld. Deshalb sucht Anton Geiser Partnerschulen. Er hat sämtliche 136 Förderschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten in Rheinland-Pfalz angeschrieben. Fünf haben sich bisher bereit erklärt, das Projekt in Ruanda dauerhaft zu unterstützen. Die Hans-Zulliger-Schule erhielt jetzt als erste die Partnerschaftsurkunde.

Zu diesem Anlass gab es in dem mit goldenen Girlanden und Sternchen dekorierten Gymnastikraum der Schule eine Adventsfeier. Auf einem Weihnachtsbasar wurden selbst gemachte Kerzen, Plätzchen, Fruchtgelees, Dosen und Laternen für das Projekt „Lebenshoffnung“ verkauft. „Ich finde es ganz toll, dass ihr euch für uns einsetzt“, lobte Geiser. „Unsere Schüler wollten sich unbedingt engagieren“, sagte Rektorin Dorothee Braun-Stickel und erklärte: „Anderen zu helfen, passt auch zu unserem diesjährigen Thema ,Superhelden‘.“ Bei einem Gottesdienst in der Martinskirche hatten sich die Kinder überlegt, was einen Superhelden auszeichnet. Er sei lieb, fair und teile mit anderen. Auch Jesus sei ein Superheld gewesen, weil er Menschen vor dem Hungertod bewahrt habe. abf

Für das Projekt „Lebenshoffnung“ kann man spenden auf das Konto 2 311 900 bei der Kreissparkasse Heinsberg (BLZ 312 512 20).