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03.05.2012

Warum Christus nur für viele gestorben ist


Martin Schuck

Martin Schuck

von Martin Schuck

Ist Christus für viele oder für alle gestorben? Ein Schreiben von Papst Benedikt XVI. an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, fordert in dieser Frage Klarheit. Unter Berufung auf Markus 14, 24 und Matthäus 26, 28 wird angeordnet, dass in der deutschen Ausgabe des Messbuchs das Kelchwort Jesu bei der Eucharistie nicht mehr lauten soll „Mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird“, sondern „für euch und für viele“.

Die Anordnung läuft auf eine wört­liche Übersetzung des alten lateinischen Messritus aus der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) hinaus. Erst 1970 wurde, mit der Umsetzung der durch das Konzil angeordneten Liturgiereform, das lateinische „pro multis“, was übersetzt „für viele“ bedeutet, mit „für alle“ wiedergegeben. Begründet wurde diese Übersetzung damit, dass nach der neueren katholischen Theologie, die für die anderen Konzilstexte wie etwa das Ökumenismusdekret grundlegend war, Jesus für alle Menschen gestorben sei. Viele nationale Übersetzungskommissionen erkannten in der Wendung „für alle“ eine schriftgemäße Theologie, denn auch die Exegeten betonten, dass der Sinn des griechischen Urtextes darin bestand, niemanden auszuschließen.

Obwohl Benedikt sich in seinem Brief außerordentlich bemüht zeigt, die Änderung als einen Akt der Treue gegenüber dem biblischen Urtext darzustellen, wird bei genauerer Betrachtung des gesamten Vorgangs eine theologische Absicht erkennbar. Bereits im März 2001, noch unter Papst Johannes Paul II., wurde in der Instruktion „Liturgiam authenticam“ der vatikanischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung vorgeschrieben, bei einer Revision der volkssprachlichen Messbuchausgaben auf genaue Übersetzungen des lateinischen Textes zu achten. Im Oktober 2006 nannte der Vorsitzende der Kongregation, Kardinal Francis Arinze, in einem Brief an die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen die Begründung, warum es um mehr gehe als nur um eine Frage der Übersetzung. Der Ausdruck „für viele“ bringe „deutlicher die Tatsache zum Ausdruck, dass das Heil nicht automatisch geschenkt wird, quasi ohne Einbeziehung des eigenen Willens oder Anteilnahme am Heil“.

Damit verweist Kardinal Arinze auf die Gnadenlehre des Konzils von Trient (1545 bis 1563), in der gegen die Lehre Martin Luthers die menschliche Willensfreiheit gegenüber der Gnade Gottes betont wird. Nach der Lehre des damaligen Konzils ist Christus eben nicht für alle gestorben, sondern nur für diejenigen, die sein Heilsangebot annehmen. Die Übersetzung „für alle“ widerspricht dieser Theologie; Konzilsentscheidungen sind jedoch Teil der offiziellen Lehre, der nicht widersprochen werden darf. Diesen Makel will der Papst beseitigen und geht deshalb einen Schritt zurück zum Trienter Konzil.