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21.06.2012

1200 Chorstimmen begeistern die Festtagsgemeinde

Hauptfeier des 36. Landeskirchenmusiktags in der Gedächtniskirche – Allein sieben Favoritchöre im Kirchenschiff und auf den Emporen verteilt


Unter der Leitung von Jochen Steuerwald: Die kirchenmusikalische Feier ist der Höhepunkt der Landeskirchenmusiktage. Foto: Landry

Unter der Leitung von Jochen Steuerwald: Die kirchenmusikalische Feier ist der Höhepunkt der Landeskirchenmusiktage. Foto: Landry

Wie schön es evangelisch klingt, haben die Besucher der Speyerer Gedächtniskirche am vergangenen Sonntag eindrucksvoll hören können. Rund 1200 Chorstimmen aus den 20 Bezirken der Evangelischen Kirche der Pfalz erhoben sich am Nachmittag zum Gotteslob. Zur musikalischen Hauptfeier der 36. Landeskirchenmusiktage war die Gedächtniskirche der Protestation bis auf den letzten Platz besetzt.

Unter der Gesamtleitung von Landeskirchenmusikdirektor Jochen Steuerwald hatten sich sieben Favoritchöre mit ihren Dirigenten im Kirchenschiff und auf den Emporen verteilt, der pfälzische Posaunendienst unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Traugott Baur sowie „Corona Palatina“, das Kammerorchester der Landeskirche, hatten im Altarraum Platz genommen. Ein fulminanter Auftakt der kirchenmusikalischen Feier gelang dem Posaunendienst gemeinsam mit Stiftskantor Stefan Viegelahn an der Orgel.

Ein Fest für alle Sinne bereiteten Sänger und Musiker den Zuhörern. Perfekt waren Licht, Akustik und Chorgesänge aufeinander abgestimmt. Mit seiner Programmauswahl traf Jochen Steuerwald Herzen und Seelen der begeisterten Gemeinde. Voller Wehmut verabschiedete sich Friedhelm Jakob von dem Großereignis der Pfälzer Protestanten. Allenfalls als Gast werde er an den 37. Landeskirchenmusiktagen 2014 teilnehmen können, sagte der 2013 aus dem Amt scheidende Dekan.

Zuvor tauchten die Besucher in „Immortal Bach“ für fünf Chöre von Knut Nystedt ein, hörten die Evangelische Jugendkantorei der Pfalz mit Giovanni Gab­rielis Motette zu acht Stimmen „In te Domine speravi“ und Wolfgang Amadeus Mozarts „Laudate Dominum“, interpretiert von der Pfälzischen Singgemeinde. Als wären ihm Flügel verliehen, erfüllte das von allen Chören gemeinsam angestimmte „Alleluja“ das Gotteshaus. Als Antidepressivum, altes Rezept mit großer Wirksamkeit bis heute, Seelsorge, Melodie der Hoffnung und Liebe, großes Dankgebet oder Glaubensermunterung der besonderen Art bezeichnete Oberkirchenrat Manfred Sutter die Kirchenmusik in seiner Ansprache an die Gemeinde. Weder ihm noch dem Landeskirchenmusikdirektor – wie auch Jochen Steuerwald gegenüber dem „Kirchenboten“ betonte – ist bange um die Zukunft der Kirchenmusik. Steuerwald sei es mit zehn Veranstaltungen im Rahmen der Landeskirchenmusiktage wieder gelungen, Vielfalt und Schönheit der Kirchenmusik zu komponieren, zusammenzustellen und zu präsentieren.

Solisten und Chöre trugen die Frohe Botschaft der Christenheit mit Friedrich Silchers „Nun aufwärts froh den Blick gewandt“ nach der Uraufführung von Torsten Willes Orchestervorspiel in die Gedächtniskirche, bevor die Fürbitten zur Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy gesprochen wurden.

Erstmals wurde der mit 500 Euro dotierte Förderpreis der Kirchenmusik für einen Notendurchschnitt besser als 1,5 in der C-Prüfung für Orgel an Georg Theiss und für Chorleitung an Thomas Kaiser, beide im kirchenmusikalischen Seminar Neustadt, verliehen. Mit großem Applaus dankten die Besucher den Mitwirkenden für einen wahrhaft nachhaltig auf Geist, Seele und Körper wirkenden Gottesdienst, den jeder bis zum letzten Orgelton genoss.

Chöre seien der einzige Bereich, in dem die Landeskirche zurzeit Wachstum verzeichnen könne, stellte der Landes­­kir­chen­mu­sik­di­rek­tor fest. Noch voller „Energie und Euphorie“ freue er sich über die Begeisterung der Aktiven und Besucher der kirchenmusikalischen Feier, fasste Jochen Steuerwald die gelungene Veranstaltung zusammen, die er gemeinsam mit Sängern, Musikern, Dirigenten, Organisten und Helfern zwei Jahre lang vorbereitet hat.

Die Landeskirchenmusiktage 2014 blieben im Ablauf ähnlich, blickte Steuerwald bereits auf die 37. Landeskirchenmusiktage voraus. Eine Änderung betreffe den Kinderkirchenmusiktag, der nicht wie üblich in Speyer, sondern auf dem Gelände der Landesgartenschau in Landau veranstaltet werde. Zudem verabschiede sich Landesposaunenwart Traugott Baur in zwei Jahren in den Ruhestand. Ellen Bruder