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Leserforum 27/2012
Der Vatikan – wie aus der Zeit gefallen
(Nr. 24, Leitartikel Seite 1) und
20 Ministerien und kein Kabinett
(Nr. 25, Leitartikel Seite 1)
Nein, ich war „not amused“, vielmehr peinlich berührt, als ich in zwei aufeinanderfolgenden Ausgaben des „Kirchenboten“ … einen wohl als Leitartikel gedachten Beitrag über den Vatikan fand! In den Beiträgen verbreitet sich der Autor – man meint beim Lesen fast genüsslich – ausführlich über die in der Presse „Vatileaks“ genannten internen Probleme der römischen Kurie.
Ich sehe die unter diesem Begriff bekannt gewordenen Missstände durchaus auch mit kritischem Blick. Aber muss sich unsere Kirchenzeitung dermaßen über dieses Thema auslassen, sich sogar zu Ratschlägen an die Kurie versteigen? Ist das wirklich unser „Bier“?
Haben wir in unserer Kirche nicht genug Probleme, mit denen wir uns auseinanderzusetzen hätten? … Daher müssten Selbstgefälligkeiten oder gar (versteckte) Schadenfreude sich von selbst verbieten. Und wo bleibt die Ökumene? Auf diesem schwierigen Terrain sollten Takt, Rücksichtnahme und Zurückhaltung vorherrschen, insbesondere an den „anderen“ … Ulrich Belger, Speyer
Wie war doch das Sprichwort vom Fisch, wenn er faul wird? Er fängt vom Kopf an zu riechen (höflich ausgedrückt). Ich stelle mir immer mal gerne vor, wie Jesus, Paulus und Petrus ins Flugzeug steigen würden, um nach Rom zu fliegen. Jesus, der die Botschaft der Liebe, des Vertrauens, der Barmherzigkeit verkündigt hat, Paulus, der sie verbreitete und Petrus, der Fels, auf den er seine Kirche gegründet hatte. Sie wären entsetzt, was sich in 2000 Jahren daraus entwickelt hat. Ein ständig wechselndes Führungsteam, das seit etwa 1500 Jahren bis heute alle Verbrechen begangen hat, zu denen Menschen fähig sein können. Man denke an in Blut watende Kreuzritter, das gestohlene Geld der ermordeten Inka, an die Ketzer- und Hexenverbrennungen, an Unterdrückung und Ausbeutung mithilfe der Höllenkeule, einer Erfindung des Mittelalters zu Machtmissbrauch und um die Gläubigen in Angst und Schrecken zu halten und sie besser manipulieren zu können, dazu Pracht- und Verschwendungssucht. Diese Führung hat bis heute nicht begriffen, dass sie die Botschaft Jesu genau ins Gegenteil verkehrt hat – auch noch unter Missbrauch seines Namens.
Denn was da heute wieder an Korruption, Misstrauen, Verrat, übelsten finanziellen Machenschaften, Hass, Verfolgung und Kindesmissbrauch ans Tageslicht kommt – weil es nicht mehr vertuscht werden kann, wie man es so gerne täte und versucht hatte –, das dreht jedem überzeugten Christen den Magen um. Und wenn endlich einmal ein vernünftiger Papst am Werk ist, vor dem man Achtung und Anerkennung haben kann, dann haben sie nichts Eiligeres zu tun, als seine so bitter notwendigen Reformen zurückzudrehen.
Die genannten drei würden erschüttert wieder abreisen, wenn man sie nicht einsperren oder sonstwie „mundtot“ machen würde. Denn darin hat der Vatikan Übung. Man denke nur an Küng, Drewermann oder Hasenhüttl. Wie freue ich mich darüber, dass ich protestantisch bin. Karlheinz Nestle, Neustadt
Wenn Politik zum absurden Theater wird
(Nr. 25, Kommentar S. 4)
Es wird immer unerträglicher, wie sich selbst der „Kirchenbote“ zum Sprachrohr unverschämter Hetze gegen Eltern macht, die ihre Kinder selbst betreuen wollen. Herr Weißgerber bringt es fertig, den Nichtbesuch von Oper und Theater auf eine Stufe zu stellen mit der Erziehung von Kindern durch ihre Eltern. Ihm ist offensichtlich die darin enthaltene Diffamierung von Eltern überhaupt nicht bewusst. Schließlich ist der Nichtbesuch von Oper und Theater keine Leistung, die elterliche Kindererziehung, die oft unter großen Opfern erbracht wird, dagegen schon.
Wenn das Betreuungsgeld als „Prämie“ für Nichtinanspruchnahme eines Krippenplatzes bezeichnet wird, ist es doch noch viel berechtigter, die etwa siebenmal so hohen Kosten für einen Krippenplatz als „Prämie“ für die Abgabe eines Kindes in der Krippe zu bezeichnen. Der Kommentar von Wolfgang Weissgerber zeigt anschaulich, zu welchen Kapriolen es führen kann, wenn dem von der Wirtschaftslobby finanziell gut geschmierten Medienhype zugunsten der Krippen unkritisch gefolgt wird. Dabei geht es dem internationalen Kapital nur um möglichst viele billige Arbeitskräfte zur Profitmaximierung …
Wie sollen kirchliche Medien Vorbild sein, wenn sie selbst den Propagandisten vordergründiger Wirtschaftinteressen auf den Leim gehen? Oder verstehen sie sich selbst als Interessenvertreter von Sozialkonzernen wie der Diakonie, die bestrebt sind, sich auf Kosten von Eltern und Kindern zu bereichern? Johannes Resch, Winden
Manche Thesen werden auch durch stetige Wiederholung nicht besser. So auch der Vergleich von Theater und Kindertagesstätte. Als Steuerzahler freue ich mich über jeden, der die teuren Eintrittskarten fürs Schauspiel bezahlt und so das Defizit dieser Kultureinrichtung mindert. Noch größer ist aber meine Freude über die Eltern, die die Betreuung ihrer Kleinstkinder selbst schaffen, die unwiederbringlichen, frühkindlichen Jahre genießen können und der Öffentlichen Hand dabei monatlich circa 1000 Euro Betreuungskosten ersparen. Dass sie dafür jetzt mit gerade einmal 100 bis 150 Euro abgespeist werden, liegt an unserer Finanzmisere. Sie hätten ja eigentlich 1000 Euro verdient.
Ich bin meiner Mutter von Herzen dankbar, dass sie damals in der DDR ihren Lehrerberuf für ein paar Jahre aufgegeben hat und uns Kinder nicht der gut organisierten, flächendeckenden Kinderbetreuung übergeben hat. Unser Leben war bescheiden, heute würde man sagen knapp an der Armutsgrenze. Fernseher, Auto und schöne Reisen gab es bei den Nachbarn. Aber wir hatten eine wunderbare Kindheit. Ernst Buschmann, Ludwigshafen
Schad nennt staatliche Finanzierung der NPD unerträglich
(Nr. 24, Seite 3) und
Keine Ämter für Rechtsextreme
(Nr. 24, Seite 5)
Unser Kirchenpräsident nennt die staatliche Finanzierung der NPD unerträglich. Da hat er recht. Mit der staatlichen Finanzierung der SED-Nachfolgepartei Die Linke hat er aber offensichtlich keine Probleme, denn darüber verliert er kein Wort.
Nur zur Erinnerung: Die Linke gilt als extremistisch, weigert sich, sich von linksextremistischen gewaltbereiten Gruppierungen zu distanzieren, unterhält eine kommunistische Plattform, die offen einen anderen Staat fordert, weil sie mit unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung nichts anfangen kann. Mitglieder dieser Partei sind auf der Suche nach neuen Wegen zum Kommunismus und werden vom Verfassungsschutz beobachtet. Alles kein Wunder, denn Honeckers Erben haben nach der Wiedervereinigung die Gedankenwelt der SED … in den Westen unserer Republik gekübelt. Daran ändert auch der Wurmfortsatz WASG nichts, den man sich angeheftet hat.
Das alles kommt in Herrn Schads Aussagen nicht vor und auch nicht bei unserer Landessynode, die zwar „Keine Ämter für Rechtsextreme“ fordert, aber offensichtlich keine Probleme mit ehemaligen SED-Mitgliedern, Linksextremen oder Kommunisten hat.
Als Ehemann eines DDR-Flüchtlings habe ich mit solch einer einseitigen Sicht der Dinge ziemliche Probleme. Zum Glück hatte die Familie meiner Frau ihre Flucht aus der SED-Diktatur unbeschadet überstanden, im Gegensatz zu anderen Flüchtlingen, die von der Mauer geschossen wurden oder die man im Stacheldrahtverhau sterben ließ. Klaus Schagerer, Grünstadt

