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28.06.2012

Ehemals reformierte Kirche mit ungewisser Zukunft

Landeskirche will die Heiliggeistkirche in Speyer verkaufen oder vermieten – Oberkirchenrätin Kessel: Nach würdevoller Nutzung wird gesucht


Viel Raum in der traditionsreichen Speyerer Saalkirche: Eine Spielhalle sei hier nicht denkbar, ein Restaurant vielleicht. Foto: Landry

Viel Raum in der traditionsreichen Speyerer Saalkirche: Eine Spielhalle sei hier nicht denkbar, ein Restaurant vielleicht. Foto: Landry

Sie liegt etwas versteckt an einer Seitenstraße zur großen „Touristenrennstrecke“ der Speyerer Fußgängerzone. Ein schmaler Gang führt hinein in das architektonische Kleinod, eine der ältesten Kirchen in der Domstadt. Nun steht die protestantische Heiliggeistkirche, die am 10. September 1702 als Kirche der reformierten Speyerer Gemeinde eingeweiht wurde, auf dem Prüfstand.

Die nicht mehr für Gottesdienste genutzte barocke Kirche soll verkauft oder vermietet werden, informiert Oberkirchenrätin Karin Kessel. Der Grund: Die Synode der Evangelischen Kirche der Pfalz befand kürzlich, dass das schlichte Gotteshaus zu den „wenig wichtigen und wenig profilbildenden“ kirchlichen Arbeitsbereichen zähle. Hintergrund sind die Ergebnisse der „Portfolioanalyse“ vom März, in deren Folge die Landeskirche einige Arbeitsfelder auf der Suche nach Einsparpotenzial durchforstet.

Rund 27 000 Euro ohne Personalkosten könnte die Landeskirche jährlich einsparen, wenn sie von der Last des Haushaltspostens Heiliggeistkirche befreit wäre, rechnet Finanzdezernentin Kessel vor. Seit ihrer umfangreichen Sanierung 1978/79 wird die sogenannte Saalkirche nur noch zu besonderen Anlässen für Gottesdienste genutzt – sie dient als Raum für Kunstausstellungen, Konzerte, Vorträge und Empfänge. Auch Privatpersonen können den Kirchenraum mieten, etwa für Feste zur Taufe oder Konfirmation.

Leicht sei es nicht, einen Käufer für die großflächige Immobilie zu finden, sagt Kessel. „Das ist die Hauptschwierigkeit.“ Zum baulichen Ensemble der Kirche gehören ein Gewölbekeller, eine Teeküche und eine WC-Anlage im Souterrain. „Wir loten alle Möglichkeiten aus, die zu einer deutlichen Reduzierung der finanziellen Belastung führen können“, kündigt Kessel an. Neben einem Verkauf sei auch eine Vermietung oder Erbpacht möglich. Zunächst müsse ein Gutachten den Verkaufswert der Kirche als Grundlage für Verhandlungen ermitteln. In den kommenden Jahren stehe zudem eine Dachsanierung an. Für den Sprecher der Landeskirche, Kirchenrat Wolfgang Schumacher, liegt ein Problem für einen zügigen Verkauf darin, dass die Kirche mit der nur wenige Meter auf der anderen Straßenseite entfernten früheren lutherischen Dreifaltigkeitskirche architektonisch verbunden sei: Über den Innenhof der Heiliggeistkirche gelangt man zu deren Gemeindehaus.

„Bedauerlich“ fände es Klaus Bümlein, Vorsitzender des Vereins für pfälzische Kirchengeschichte, wenn es zu einem Verlust der traditionsreichen Kirche kommen sollte. Die Heiliggeistkirche sei ein Zeugnis der reformierten Glaubensrichtung des Protestantismus in Speyer und der Pfalz, sagt der frühere Bildungsdezernent.

In der Tat hat die Heiliggeistkirche eine große und wechselvolle Geschichte: Mit Unterstützung von Glaubensbrüdern aus Deutschland und der Schweiz stellte die reformierte Gemeinde von Speyer nach zweijähriger Bauzeit die Kirche fertig, die Orgel wurde erst 1751 angeschafft. Bereits seit dem 16. Jahrhundert gab es in Speyer eine kleine reformierte Gemeinde. Nach der Zerstörung der Stadt 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg flüchteten die reformierten Christen mit den anderen Bewohnern über den Rhein. Erst ein Jahrzehnt später kehrten sie zurück. Der Grundstein für ein eigenes Gotteshaus wurde 1700 in der heutigen Johannesstraße 6 gelegt. Während der Französischen Revolution tagten die Jakobiner in der Kirche, zehn Jahre später kehrten die Reformierten unter Napoleon in die Kirche zurück. Auch verkörpert sie ein Stück Toleranzgeschichte zwischen Reformierten und Lutheranern: Bereits 1817, ein Jahr vor der pfälzischen Kirchenunion von 1818, diente die „Kirche zum Heiligen Geist“ der vereinigten protestantischen Gemeinde als Kirchenraum.

Auch aufgrund ihrer Historie komme für die Heiliggeistkirche künftig nur eine würdevolle Nutzung infrage, betont Oberkirchenrätin Kessel: „Es wird dort keine Spielhalle oder Ähnliches geben.“ Die Frage, ob etwa ein Restaurant seinen Platz in den Kirchenmauern finden könne, sei zu prüfen. Alexander Lang