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Olympia im Hochsicherheitstrakt
von Klaus Koch
Die Riege überwiegend älterer Männer des Internationalen Olympischen Komitees beharrt darauf, dass die Olympischen Spiele unpolitisch sind. Auch deshalb wurde trotz vieler internationaler Forderungen bei der Eröffnung der Spiele in London nicht der Opfer von 1972 gedacht, als bei den Olympischen Spielen in München zwölf Menschen von palästinensischen Terroristen ermordet wurden. IOC-Präsident Jacques Rogge sagte, die Eröffnungsfeier in London solle ein von Fröhlichkeit und Feierlichkeit, nicht von Trauer geprägtes Fest sein.
Dabei haben gerade die Olympischen Spiele 1972 in Deutschland dazu beigetragen, dass die Spiele heute so sind, wie sie sind: gigantisch und von irrwitzigem Sicherheitswahn geprägt. 12 000 Polizisten, 17 000 Soldaten und 17 000 private Wachleute schützen die Spiele in London. Zusammen mit Kriegsschiffen, Boden-Luft-Raketen und Kampfjets beträgt der Sicherheitsetat rund 700 Millionen Euro. Das fröhliche Fest der Jugend der Welt findet in einem martialischen Hochsicherheitstrakt statt.
Dabei wollten die Macher von 1972 die Olympischen Spiele in eine ganz andere Richtung lenken. Weltoffen, heiter und vor allem zivil sollten die Spiele werden. Ein Gegenentwurf zu den Spielen unter nationalsozialistischer Regie im Jahr 1936. Der Terror machte diese Vision zunichte. Aber, wie erst jetzt allmählich bekannt wird, auch die Unfähigkeit der Sicherheitsorgane. Es soll 1972 zahlreiche Hinweise auf terroristische Aktivitäten gegeben haben, die niemand ernst nahm. Offensichtlich arbeiteten Polizei und Verfassungsschutz damals so wie heute: Was nicht ins politische Weltbild der vorgeblichen Staatsschützer passt, wird ignoriert. Geht dann etwas schief, wird hurtig vertuscht.


