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Als Teamplayer für ein gemeinsames Haus Europa
Der frühere Landauer Dekan Rudolf Ehrmantraut ist seit August neuer Generalsekretär der Konferenz der Kirchen am Rhein in Straßburg

Grenzgänger: Rudolf Ehrmantraut tauscht seinen Schreibtisch in Landau mit einem Schreibtisch in Straßburg. Foto: Iversen
Rudolf Ehrmantraut weiß, dass in Straßburg nicht nur rosige Tage auf ihn warten. „Europa steht bei den Kirchen nicht an oberster Stelle der Tagesordnung“, sagt der frühere Dekan von Landau. Der 56-jährige Theologe stellt sich seit Anfang August einer komplexen Aufgabe: Als neuer Generalsekretär der Konferenz der Kirchen am Rhein will er für die protestantischen Kirchen Lobbyarbeit bei den europäischen Institutionen in der Elsass-Metropole leisten. Und vor allem sieht er sich als Mittelsmann der Protestanten in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein.
Seine guten Kontakte und seine fließenden Französischkenntnisse kommen Ehrmantraut, der schon immer ein Grenzgänger war, zugute. Der gebürtige Saarländer, der Mitglied der pfälzischen Landessynode und sechs Jahre lang ihr Vizepräsident war, studierte unter anderem in Montpellier. Als Pfarrer wirkte er bei der französischen reformierten Kirche in den Cevennen. Und gemeinsam mit seiner französischen Ehefrau Dominique übernahm er in den 1990er Jahren die Seelsorge der Deutschen Evangelischen Christuskirchengemeinde in Paris.
Ehrmantraut ist ein überzeugter Europäer, der den Kirchen an der Gestaltung des gemeinsamen Hauses Europa eine wichtige Rolle beimisst. Gerade weil alle Welt skeptisch über Euro-Rettungsschirme und Rückfälle in nationalstaatliches Denken spreche, müssten die Kirchen für ein europäisches Miteinander eintreten. Auch die Kirchen hätten sich nach 1945 für den Frieden und die deutsch-französische Aussöhnung stark gemacht.
Durch engere grenzüberschreitende Kooperationen, etwa in der Jugendarbeit, müssten die Kirchen wieder ihre Vorreiterrolle in Sachen Europa übernehmen, skizziert der Theologe seine europäische Vision. Für sein neues Amt ist der Nachfolger des badischen Pfarrers Rüdiger Scholz auf einer halben Stelle im Dienst der elsässischen Kirche. Mit der anderen Hälfte seiner Arbeitszeit kümmert er sich beim Diakonischen Werk Pfalz in Speyer um die religionspädagogische Arbeit in den Kindertagesstätten.
Sein Job in Straßburg, dem Sitz des Europäischen Parlaments und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, ist zeitlich unbefristet. Einen Schwerpunkt setze er in der Menschenrechtsarbeit, sagt Ehrmantraut. Für die Konferenz der Kirchen am Rhein, die der größeren Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (Geke) angehört, wolle er ein Moderator sein, der die Meinungen zusammenführe. Die Vielstimmigkeit des Protestantismus in Europa mit seinen unterschiedlichen Ausprägungen stellt für ihn weniger ein Problem als eine Chance dar. Natürlich verfolge jede Einzelkirche auch ihre eigenen Interessen.
Angesichts knapper Finanzen und unterschiedlicher kultureller Prägungen betrieben die Kirchengemeinden auf beiden Seiten des Rheins oft eine intensive Nabelschau. Dennoch seien die protestantischen Kirchen auf einem guten Weg zu einer engeren europäischen und auch regionalen Zusammenarbeit.
„Sie haben erkannt, dass man über den nationalen Tellerrand hinausschauen muss“, lautet Ehrmantrauts Erfahrung. In den Kirchen setze sich immer mehr die Überzeugung durch, dass nationale Egoismen überwunden und gemeinsame Formen des Glaubenszeugnisses gefunden werden müssten. „Jede Kirche kann von den Glaubenserfahrungen der anderen profitieren“, wirbt Ehrmantraut für mehr Mut für Europa.
In die Lösung drängender gesamteuropäischer Probleme, beispielsweise die Integration von Zuwanderern, könnten die verschiedenen protestantischen Kirchen ihre Kompetenzen einbringen. „Sie müssen sich bewusster machen, dass von ihnen ein Wächteramt für Versöhnung und Frieden in Europa ausgeht.“ Zuspruch für den Blick über Grenzen will Ehrmantraut den pfälzischen Kirchengemeinden regelmäßig mit einem „Brief aus Straßburg“ geben. Am 21. Oktober führt ihn der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad dort am Sitz der elsässischen Kirchenleitung offiziell in sein Amt ein. Alexander Lang

