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03.01.2013

Solidarität mit den Armen an der Haustür praktiziert

1959 erste Aktion Dreikönigssingen in Deutschland – In Hambach ökumenisch organisiert – Kinder als missionarische Botschafter unterwegs


Im Januar 2012 Empfang bei der Bundeskanzlerin: 500 000 Mädchen und Jungen waren an der 54. Aktion beteiligt. Foto: epd

Im Januar 2012 Empfang bei der Bundeskanzlerin: 500 000 Mädchen und Jungen waren an der 54. Aktion beteiligt. Foto: epd

In diesen Tagen ist es wieder so weit: Kinder und Jugendliche verkleiden sich als Könige und ziehen von Haus zu Haus. Die Tradition geht bis auf das Mittelalter zurück, geriet in Vergessenheit und lebt seit 1959 wieder auf – eine kirchliche Erfolgsgeschichte.

Der alte Brauch hat ein festes Ritual: Nach dem Lied folgen Segenssprüche, die „Könige“ erhalten Gaben für ihr Kommen, der Segen wird mit Kreide an die Haustür geschrieben. Früher sammelten meist Kinder aus ärmeren Familien etwas für sich, Sternsingen war ein Heischebrauch. Heute wird um Geld für Kinder in armen Ländern geworben. Mit den Spenden werden Projekte im Bildungs- oder Gesundheitsbereich unterstützt. Das katholische Kinderhilfswerk in Aachen sammelt die Spenden zentral und leitet sie an die Projektstellen in aller Welt weiter.

Die Sternsingerbewegung ist eine einmalige Erfolgsgeschichte. 1959 gab es die Aktion Dreikönigssingen erstmals in Deutschland. Damals beteiligten sich etwa 100 Pfarrgemeinden und sammelten umgerechnet 45 000 Euro. Die Aktion 2012 erbrachte 42,4 Millionen Euro, die aus 11 529 Gemeinden flossen. Im Bistum Speyer kamen 1,3 Millionen Euro aus 366 Gemeinden zusammen. Das pfälzische Weindorf Hambach ist eine der immer noch wenigen Gemeinden, in denen das Sternsingen ökumenisch stattfindet. Die Sternsinger sind hier seit 1962 eine feste Einrichtung geworden und werden oft schon ungeduldig erwartet. Gottesdienste mit dem Besuch der Könige schließen die Aktion in den Kirchen beider Konfessionen ab. 2012 sammelten die Sternsinger in Hambach rund 22 000 Euro. Traditionell wird auch das Senegal-Projekt der ehemaligen Synodalen Doris Racké aus Trippstadt unterstützt.

„Kinder helfen Kindern“ – dadurch lassen sich Kinder und Jugendliche für das Sternsingen gewinnen. Sie opfern Freizeit, gehen durch die Kälte und haben dabei das Gefühl, dass sie genau damit die Welt etwas besser machen können. Es ist keineswegs mehr selbstverständlich, dass Kinder und Jugendliche sich in diesem Maße sozial engagieren, außerhalb von Schulprojekten. Die katholische Kirche nimmt das Sternsingen so wichtig, dass Klaus Kießling und Michael Mähr ihm eine empirische Studie widmeten, die in diesem Jahr unter dem Titel „Die Sternsinger, wenn’s die nicht gäbe!“ erschienen ist.

Sternsingen hat eine nicht zu unterschätzende Bedeutung, die durch eine fachgerechte religionspädagogische Begleitung bewusst gemacht werden kann. Wer für arme Kinder unterwegs ist, dazu noch verkleidet, ist nicht etwa völlig „uncool“, sondern erfüllt das Grundgebot christlichen Glaubens.

Nächstenliebe, diakonisches Handeln, Solidarität mit Armen bleiben dann nicht bloße Begriffe aus dem Religionsunterricht. Sie werden durch verantwortliches christliches Handeln mit Leben erfüllt. Kinder und Jugendliche erweisen sich überdies als missionarische Botschafter, ihr Tun wirkt auf die Gemeinden zurück. Wenn Sternsinger ein Haus verlassen, trägt die Tür einen Segen: „20 + C + M + B + 13“. Volkstümlich wird die Abkürzung als „Caspar, Melchior und Balthasar“ aufgelöst. Tatsächlich ist es die lateinische Formulierung „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus).

Sternsinger geben also zum Auftakt eines neuen Jahres Gottes Segen weiter. In ihren fantasievollen und farbenfrohen Gewändern laden sie alle Menschen einer Dorfgemeinschaft oder eines Stadtteils zum Mitmachen ein. „Deine Spende hilft!“ Damit kommen in nur wenigen Tagen in dichter Folge sehr viele Menschen in Kontakt mit Kirche. Das kann kein Besuchsdienst leisten. Am Ende spannt sich der Segen der Sternsinger wie ein Netz über die Häuser und vereint sie in aller ihrer Unterschiedlichkeit. Gabriele Stüber