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03.01.2013

Windkraft soll die Kirchenkassen klingeln lassen

In hessen-nassauischer Landeskirche verhandeln 22 Gemeinden mit Unternehmen – Das Verpachten von Kirchenland stößt auch auf Kritik


Neue Energie- und Geldquelle: Bis zu 50 000 Euro im Jahr schütten Betreiber einer Windanlage als Pacht für ein Rad aus. Foto: epd

Neue Energie- und Geldquelle: Bis zu 50 000 Euro im Jahr schütten Betreiber einer Windanlage als Pacht für ein Rad aus. Foto: epd

Von den etwas höher am Hang gelegenen Häusern im rheinhessischen Guntersblum aus sind sie gut zu sehen – die Kuppeln des Atomkraftwerks Biblis. Wer den mittlerweile abgeschalteten Reaktoren den Rücken zukehrt, könnte schon bald auf Bauten blicken, die die Energieversorgung der Zukunft symbolisieren: Oberhalb der Weinbauortschaft soll an der Abbruchkante des Rheinterrassenplateaus ein Windpark entstehen – teilweise auch auf Flächen der evangelischen Kirchengemeinde. Der Boom der Windkraft könnte bald nicht nur in Guntersblum, sondern vielerorts die Kirchenkassen klingeln lassen.

Um die Nutzung der Guntersblumer Windenergie-Vorrangzone hatten sich gleich mehrere Firmen beworben, den Zuschlag bekam letztlich ein Unternehmen aus der Pfalz, berichtet Gemeindepfarrer Johannes Hoffmann. Zwar sollen nur ein bis zwei Windkraftanlagen des geplanten Guntersblumer Windparks auf Kirchengrund liegen, aber pro 130-Meter-Windrad kann die Gemeinde auf eine jährliche Pacht von 50 000 Euro hoffen – und den Großteil der Ackerfläche nach dem Aufbau der Anlage zudem erneut an einen Landwirt verpachten.

Mit dem Geldsegen, der bald auf Guntersblum niederprasseln könnte, würde Hoffmann gerne die Anstellung einer Gemeindepädagogin bezahlen. Die Akzeptanz der Anlage vor Ort sei kein Problem, sagt er. So wie in Guntersblum stehen derzeit allein auf dem Gebiet der hessen-nassauischen Landeskirche 22 Gemeinden in Verhandlungen mit Windkraftunternehmen. Nicht überall ist die Verpachtung von Kirchenland allerdings so unumstritten. Im hessischen Wöllstadt wird noch diskutiert, ob der Vorvertrag mit einem Windanlagenunternehmen wirklich unterschrieben werden soll.

Der Ausgang der Diskussion sei offen, sagt Pfarrer Peter Meier-Röhm. Seine Kirche gehörte schon einmal zu den Vorreitern bei der Erschließung neuer Einnahmequellen: Der Kirchturm war einer der ersten, die auch als Sendemast für den Mobilfunk genutzt werden. Große Windräder hätten vor Ort nicht nur Freunde, sagt Meier-Röhm. Manche Menschen aus der Naturschutzbewegung würden in den Anlagen große „Vogelschreddermaschinen“ sehen. Es gebe auch noch offene wirtschaftliche Fragen zu klären. Andererseits werde der Windpark wohl so oder so kommen. Wenn die Kirche ablehne, würden eben ausschließlich Landwirte mit eigenem Boden an den Anlagen verdienen.

Hubert Meisinger, Umweltpfarrer der Landeskirche, arbeitet zurzeit gemeinsam mit Kollegen aus der Pfalz noch an einem Konzept zum Umgang von Kirchengemeinden mit Windkraftanbietern. Dabei geht es auch um die Frage, ob bei den Gemeinden die Verpachtung ihrer Flächen an externe Produzenten tatsächlich im Vordergrund stehen sollte – oder eher die Beteiligung von Kirchen an Energiegenossenschaften.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hatte sich bereits in den 1990er Jahren als Pionier auf dieses Gebiet vorgewagt. Ein Trägerverein wurde gegründet, der damalige kirchliche Umwelt­beauftragte sammelte mehrere hunderttausend Euro an Eigenkapital. Bis zum Bau der ersten „Kirchenwind“-Anlage vergingen jedoch mehrere Jahre, da am ursprünglich geplanten Standort ein heftiger Streit die Bevölkerung spaltete. Statt in Bayern entstand die Anlage schließlich in Thüringen.

Inzwischen haben die bayerischen Protestanten ein zweites Projekt mit drei Anlagen gestartet. Die Kosten dafür wurden nicht durch Spenden getragen, sondern durch Bürger, die in Windkraft investieren, aber auf ein Drittel ihrer Rendite verzichten. Ein Teil der Erlöse fließt in kirchliche Umweltarbeit und an ein Schulprojekt in Tansania. Das erste Kirchenwindrad hingegen erwirtschaftet nicht die erhofften Erlöse. „Das Windaufkommen war geringer als damals geschätzt“, sagt „Kirchenwind“-Geschäftsführer Josef Gold. Die Hoffnung, mit den Einnahmen zwei kirchliche Umweltberater zu finanzieren, ging nur zur Hälfte auf. Das Geld reicht nur für Teilzeitstellen. Karsten Packeiser

Pfälzische Landeskirche hat geeignete Grundstücke für Windräder

Oberkirchenrätin Kessel sieht keine Gefahr für Vögel und Fledermäuse durch Rotoren – Pfründestiftung verhandelt mit Energieunternehmen

Die Evangelische Kirche der Pfalz bemüht sich darum, ins Geschäft mit der Windenergie zu kommen. Derzeit werde geprüft, ob die Kirche nur Grundstücke ihrer Pfründestiftung für Windräder verpachten solle oder ob sie sich auch an Windkraftunternehmen beteilige, sagte Oberkirchenrätin Karin Kessel. Auf ihrer Herbsttagung hatte die Landessynode ein Klimaschutzkonzept verabschiedet, das den stärkeren Einsatz erneuerbarer Energie vorsieht.

Es gebe bereits Nachfragen von Windkraftunternehmen nach kirchlichen Grundstücken, sagte Kessel. Noch sei jedoch nichts entschieden. Sie sei sich durchaus bewusst, dass es auch Kritiker von Windrädern gebe. Allerdings gebe es inzwischen anerkannte Maßnahmen, um Vögel und Fledermäuse vor den Rotoren zu schützen. Auch die Optik sei kein Argument gegen Windräder. Wer auf dem Rheindamm spazieren gehe, sei mit der Silhouette des Atomkraftwerks Philippsburg konfrontiert. Da sei ihr ein Windrad deutlich lieber. Vor allem, weil ein solches Rad ohne Probleme zurückgebaut werden könne.

Sollte es eine Beteiligung der Landeskirche an einem Unternehmen geben oder ein Grundstück der Pfründestiftung, die die Liegenschaften der Landeskirche verwaltet, für ein Windrad verpachtet werden, kämen die Einnahmen der Kirche zugute. Aus den Erlösen der Pfründestiftung wird nach Kessels Worten die Pfarrbesoldung derzeit mit 1,8 Millionen Euro im Jahr unterstützt. Die Pfründestiftung sei seit über zehn Jahren mit der Frage beschäftigt, Grundstücke für Windräder zu verpachten, sagte Renaldo Dieterich, der die Hauptverwaltung des Verbands leitet. Es gebe sechs Grundstücke der Pfründestiftung, die laut Windplan des Landes Rheinland-Pfalz als Standorte geeignet wären. Mit dem Plan sei ermittelt worden, wie oft und wie heftig an bestimmten Orten der Wind blase. Zu einem Vertrag über den Standort eines Windrads sei es noch nicht gekommen. Letztlich liege die Standortentscheidung bei den Kommunen. Und diese achteten durchaus darauf, ihre Interessen zu verfolgen und selbst Pachterträge zu kassieren.

Bis zu 60 000 Euro Pacht zahle ein Unternehmen für ein Windrad, sagte Dieterich. Ein Drittel der Summe gehe an die zuständige Kommune. Dann werden die Grundstückseigentümer bedacht. Am meisten erhält der, auf dessen Gelände der Sockel des Rads steht. Auch die Eigentümer, deren Grundstücke im Schatten des Windrads liegen oder an diese Grundstücke angrenzen, erhalten einen geringen Betrag.

Insgesamt hat die Stiftung nach Dieterichs Worten in der Pfalz etwa 20 ­Verträge oder Vorverträge mit Energieunternehmen geschlossen. Dabei gehe es meist um geringe Pachtzahlungen, da kirchliches Gelände nur angrenze. Seit dem ersten Vertrag im Jahr 2002 bis heute hat die Pfründestiftung nach Dieterichs Worten insgesamt 5300 Euro eingenommen. koc