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29.08.2013

Leserforum 35/2013


Ein dramatisches Dilemma

 

Johanneskirche wird vorerst nicht abgerissen

(Nr. 25, Seite 3 und Nr. 27/28, Seite 3)

Mit großem Erstaunen habe ich feststellen müssen, dass der Verkauf der Johanneskirche in Ludwigshafen-Niederfeld an eine sich christlich nennende Gruppierung deshalb nicht stattfand, weil diese nicht der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) angehört.

Da frage ich mich, wo bleibt die ablehnende Haltung der pfälzischen Landeskirche gegenüber den Aussagen eines Kollegen im Dekanat Zweibrücken, der sich am 14. Mai 2008 vor versammelter Kollegenschaft sozusagen outet, er sei ein Anhänger der nordamerikanischen Pfingstkirche Willow Creek, einer Art Megachurch, die ebenfalls nicht den Mainstream-Kirchen angehört und damit auch ebenfalls nicht der deutschen ACK. Später erfahren wir …, dass der allseits beachtete Jugendevent Jesus inside seiner Kirchengemeinde Hornbach ebenfalls Willow Creek sei.

Wo bleibt da die Stellungnahme unserer Landeskirche, denn Willow Creek hat rein gar nichts mit den Presbyterianern, Baptisten und weiteren gemein, mit denen man sich eine Zusammenarbeit durchaus noch vorstellen könnte. Vielmehr ist Willow Creek vorwiegend unter Zugrundelegung ihres Ansatzes vergleichbar der New Economy und neoliberalen Wirtschaftsdenkens am reinen Mitgliederwachstum orientiert.

Ein Pfarrer in der Vorderpfalz sagt, er und seine Kirchengemeinde seien im Netzwerk der Willow Creek-Gemeinden Deutschland angemeldet und erzählt mit Stolz, dass die Schulungen und Fortbildungen dort zu einem Rabatt von mindestens zehn Prozent führen würden … Auch hier keine offizielle Reaktion und Stellungnahme der betreffenden kirchenleitenden Stellen.

Was ist überhaupt Willow Creek? Die Amerikanerin Barbara Ehrenreich beschreibt in ihrem Buch „Smile or die“ treffend die Unternehmerkultur, die sich fast ausschließlich der Schule des positiven Denkens … verschrieben hat. Denn „Gott will, dass du reich bist!“ Dabei gleichen „… die Predigten oft Motivationstrainings und befassen sich in der Regel mit der Frage, wie man ein erfolgreiches Leben führt“, was zu der vermessenen Aussage führt: „Jesus und die Kraft des positiven Denkens sind eins“ (siehe Seite 144)!

Dabei spielt selbst der Glaube an den einen Gott nur eine untergeordnete Rolle … Traditionelle Glaubensinhalte, sogar das apostolische Glaubensbekenntnis, geben „… diese Unternehmenspfarrer hingegen bereitwillig … auf, wenn sie ihnen zu anspruchsvoll und zu verstörend erscheinen“ (Seite 162). „Dabei verwundert es überhaupt nicht, dass sie ihre Lehren hauptsächlich am schnöden Mammon ausrichten und ein ,Zuckerwatte‘-Evangelium predigen …“ Pfarrer Reinhard Scheller, Zweibrücken

Eine Kirche nahe an der Staatsmacht

(Nr. 33, Seite 6)

Natürlich ist es höchst erfreulich, dass im derzeitigen Russland sowohl die russisch-orthodoxe Kirche als auch andere Religionsgemeinschaften ihre Religion wieder öffentlich leben können. Die jüngste Verschärfung des Anti-Blasphemie-Gesetzes jedoch dient nicht in erster Linie den Glaubensgemeinschaften, sondern vor allem dem De-facto-Diktator Putin, der sich damit eine elegante Möglichkeit geschaffen hat, Proteste gegen seine Herrschaft zu kriminalisieren.

Der Artikel von Karsten Packeiser ist da doch etwas blauäugig. Schließlich wollten die jungen Frauen von Pussy Riot mit ihrer Aktion vor allem darauf hinweisen, dass die Kirche in Russland zusieht, wie Menschenrechte mit Füßen getreten werden. „Der Patriarch glaubt an Putin“, heißt es in ihrem Song, und „Virgin, virgin, put Putin away!“ Diese Aktion war nicht kirchenfeindlich – wenn sie auch für viele Gläubige eine Provokation darstellte –, sondern sie war Putin-feindlich gemeint! … Christof Roos, Mosbach