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Folge 10

 

 

Historische Schlaglichter

Eine Suche nach innerer Heimat in der Gemeinde

Historisches Schlaglicht – Folge 10: Pfälzischer Kirchentag führt 30 000 Menschen nach Kaiserslautern 

Drei Tage Protestantentreffen: Die Fruchthalle in Kaiserslautern gehörte zu den Veranstaltungsorten. (Foto: Zentralarchiv)

Für die Protestanten in der Pfalz gehörte er zu den Großereignissen: Der zweite pfälzische Kirchentag, der im Jahr 1962 in Kaiserslautern gefeiert wurde. In seiner Ausgabe zum 16. September vor 45 Jahren berichtet der „Kirchenbote“ ausführlich über die drei Tage dauernde Großveranstaltung in der Fruchthalle (unser Foto) sowie in den Kirchen und Gemeindehäusern der Stadt. Sie stand ganz im Zeichen der Suche nach einer inneren Heimat. Über 30 000 Menschen kommen in die Stadt der pfälzischen Kirchenunion.

„Alles, was in Kaiserslautern geschieht, soll uns helfen, die Gemeinde als unsere Heimat zu erkennen“, schreibt Kirchenpräsident Hans Stempel in der Einladung zu dem Tag, der unter einem Motto aus der Apostelgeschichte stand: „Alle, die gläubig geworden, waren beieinander … Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft.“

Beim Eröffnungsgottesdienst bekommen nicht alle Besucher einen Platz in der Stiftskirche, wie der „Kirchenbote“ berichtet. Danach beginnen die Begrüßungsabende mit Sketchen, die Jugendgruppen zum Besten geben. Diese Beiträge sollen „in heiterer Form unser landläufiges Gemeindeleben gewissermaßen abklopfen, um zu einer Diagnose und vielleicht auch zu Wegen der Besserung und Heilung zu finden.“

Die „Pointen hagelte es geradezu“, heißt es im Bericht, als die „Moritat von der guten alten Zeit“ aufgeführt wird. Sie streicht vor allem das Recht der Jugend auf Neuerungen hervor. In voller Länge zitiert der Chronist den letzten Vers eines Songs, der den Verfall des Gemeindelebens zum Thema hat. „Von der Kirche reden alle: Sie ist unser aller Mutter. Und man preist von Fall zu Falle unsern Kirchenvater Luther. Hat man ihn wohl recht verstanden hier in unsern deutschen Landen? Ob dies seinem Geist entspricht: Stört mir meine Kreise nicht!?“

Neben Bibelarbeiten und Gottesdiensten stehen Sonderveranstaltungen für Frauen und Männer auf dem Programm: Die Landesleiterin der evangelischen Frauenarbeit, Olly Wien, führt durch den Abend „in der überfüllten Messehalle“. In ihrer Eröffnungsrede beschreibt sie die Lebenssituation der Frauen wie folgt: „Während den Frauen früher das Heim die Welt bedeutete, ist der jungen Frau heute die Welt die Heimat geworden. Aber in dieser Welt fehlt die Geborgenheit.“

Kritische Töne sind auf der Sonderveranstaltung der Männer zu hören, die Landesobmann Kurt Cappler führt: Die Geschichte des Mannes im 20. Jahrhundert habe das Schweigen und die Flucht vor der Verantwortung geprägt. „Wir waren eine männerarme Gesellschaft.“ Capplers Vortrag in der gut besuchten Fruchthalle stößt auf gemischte Reaktionen: „Einige behaupten, Prominenz hätte fast von der evangelischen Freiheit Gebrauch gemacht, den Saal zu verlassen, andere sind begeistert.“ dz

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