Historische Schlaglichter
Suppe lindert Nachkriegsnot
Historisches Schlaglicht – Folge 9: Das Evangelische Hilfswerk Pfalz

Eine warme Mahlzeit im Sommer 1947: Die beiden Geschwister aus Maxdorf haben ihr Essgeschirr mitgebracht zur Kinderspeisung des Evangelischen Hilfswerks. Es gibt Eintopf oder Grießbrei, sättigende Kost je nachdem, was die Küche bietet. Die eingegangenen Lebensmittel- und Geldspenden bestimmen den Speiseplan.
Die Not der Nachkriegszeit hat viele Gesichter. Hunger, Wohnungsnot, Flüchtlingselend. Es herrscht der Mangel in allen Lebensbereichen. Die Kirche reagiert schnell. Ende August 1945 wird im hessischen Treysa das Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland gegründet. Seine Aufgabe ist es, der Bevölkerung in der Nachkriegsnot zu helfen.
Zunächst geht es darum, tragfähige Strukturen zu schaffen. Von Stuttgart aus koordiniert die Hauptgeschäftsstelle des Hilfswerks den Aufbau von Hauptbüros in allen Landeskirchen, die die Arbeit vor Ort in den Kirchengemeinden verankern sollen. Ein weiteres Büro für die französische Besatzungszone entsteht in Baden-Baden.
Am 22. Januar 1946 übernimmt in Speyer das „Sozialamt der Pfälzischen Landeskirche“ die Koordinierungsarbeit unter Leitung von Pfarrer Eugen Herrmann aus Neuhofen. Dieser ordnet an, dass bis zum 30. April 1946 im gesamten Gebiet der Landeskirche Dekanatsgeschäftsstellen des Evangelischen Hilfswerks errichtet werden sollen. Zudem sind Gemeinden mit mehr als 3000 Mitgliedern dazu aufgerufen, einen eigenen Gemeindedienst aufzubauen. Bald gibt es 18 Dekanatsdienststellen und 20 Gemeindedienste, die die diakonischen Hilfen vor Ort bündeln sollen.
Wenige hauptamtliche und zahlreiche ehrenamtliche Kräfte organisieren Speisungen und Sammlungen. Sie sorgen für die Krankenpflege und unterstützen die Bevölkerung in ihrer Suche nach vermissten Angehörigen. Darüber hinaus bieten sie Beratung in Erziehungs- und Berufsfragen an. Da nur wenig Kirchensteuermittel zur Verfügung stehen, wird diese Arbeit zu großen Teilen durch Sach- und Geldspenden finanziert. Verbessert wird die Situation ab April 1946 durch Auslandsspenden, vor allem aus Amerika, aber auch aus der Schweiz, aus Schweden, Norwegen oder Brasilien.
Vom 23. bis 27. April 1946 führte das Evangelische Hilfswerk Pfalz eine Haussammlung durch. Eine Vielzahl ehrenamtlicher Helfer hat die Aktion gründlich vorbereitet. Das Ergebnis ist überwältigend: 1,46 Millionen Reichsmark kommen zusammen. Drei Viertel des Erlöses bleiben in der Pfalz, 25 Prozent sind für die Arbeit der Stuttgarter Zentrale. Im gleichen Jahr folgen zwei große Lebensmittelsammlungen, die den Suppenküchen und Erholungsmaßnahmen für Kinder zugute kommen. Zwischen 1946 und 1949 werden auf diesem Weg 1,5 Millionen Kilogramm landwirtschaftliche Erzeugnisse verteilt. In jedem Dekanat können auf diese Weise 60 Kinder für sechs Wochen in ein Erholungslager geschickt werden.
In den 1950er Jahren verändert sich die Arbeit. Die Hilfe für die breite Bevölkerung hat durch das einsetzende deutsche Wirtschaftswunder ihre Dringlichkeit verloren. Nun rücken bestimmte Zielgruppen in den Mittelpunkt, Kriegsgefangene und Flüchtlinge und die Deutschen in der Ostzone. 1968 geht das Hilfswerk zusammen mit dem Landesverband Pfalz der Inneren Mission im neu gegründeten Diakonischen Werk auf. dz
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