Historische Schlaglichter
Pfalzweites Großereignis für evangelische Jugend
Historisches Schlaglicht – Folge 8: Erstes großes Treffen in Bad Dürkheim soll Zukunftsangst nehmen

Kurze Hosen für die Jungen, Talar für den Kirchenpräsidenten: Hans Stempel bei
der Festpredigt unter freiem Himmel vor dem neuen Martin-Butzer-Haus, das im
März des Jahres 1956 in Bad Dürkheim in Dienst gestellt worden war.
(Foto: Zentralarchiv)
Aus der ganzen Pfalz sind die Jugendlichen mit Bussen angereist zum ersten Jugendtag der Evangelischen Gemeindejugend der pfälzischen Landeskirche. Über 1200 junge Protestanten sind am 20. Juni 1957 ins Martin-Butzer-Haus nach Bad Dürkheim gekommen. Kirchenpräsident Hans Stempel hält die Festpredigt im Gottesdienst bei diesem Großereignis. Auch Landesjugendpfarrer Hermann Lübbe begrüßt die Jugendlichen. Der Tag steht unter dem Motto der Jahreslosung „Was heißt Ihr mich aber Herr und Herr und tut nicht, was ich Euch sage“ (Lukas 6, 46). Kirchenpräsident Hans Stempel greift die Ängste der Zeit auf, in der sich die Lebensbedingungen für junge Menschen zunehmend verschlechterten. Die Atomversuche in Ost und West lösen Ängste aus.
Nach dem gemeinsamen Singen und dem Gottesdienst im Freien stellen sich die Jugendgruppen aus 40 Gemeinden vor. Sie kommen aus Alsenborn und Alsenz, aus Elmstein und Erfenbach, aus Homburg und Haßloch, aus Mannweiler und Maikammer, aus Rodalben und Rhodt, aus Siegelbach und Speyer. Nach der Mittagspause beginnen die Arbeitsgruppen. „Jugend im Gottesdienst“, „Jugend im Beruf“ und die Frage „Was fange ich mit meiner Freizeit an“ heißen die Themen. Das Treffen endet mit einem Theaterstück über „die traurige Geschichte von den zwei verlorenen Brüdern“. Es thematisiert, wie der „Kirchenbote“ vom 14. Juli 1957 berichtet, die Spannungen zwischen der jungen und der älteren Generation. Und es geht auch um den „Eisernen Vorhang“ zwischen den Menschen in West- und Ostdeutschland.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildete sich eine vielseitige Jugendarbeit. Es begann mit Jungscharen und Jugendgruppen in den Kirchengemeinden. Daneben leisteten Jugendverbände Aufbauarbeit in der Pfalz, darunter die Christliche Pfadfinderschaft, der Christliche Verband junger Männer (CVJM), der Evangelische Pfadfindermädchenbund und die Mädchenbibelkreise. Um die zahlreichen Aktivitäten mithilfe einer hauptamtlichen Kraft zu bündeln, berief die Landeskirche im Jahr 1949 Hermann Lübbe in das Landesjugendpfarramt nach Kaiserslautern. Er hob 1955 den Landesjugendkonvent aus der Taufe. Das Gremium diente als gemeinsame Klammer um die vielgestaltige Jugendarbeit im Gebiet der Landeskirche. In diesem „Parlament“ kamen 60 ehrenamtliche Delegierte der Gemeindejugendgruppen aus 20 Dekanaten sowie die Vertreter der Jugendverbände zusammen. dz
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