Historische Schlaglichter
Provisorium für die Zeit des Wiederaufbaus
Historisches Schlaglicht – Folge 7: Die Einweihung der Johann-Schwebel-Notkirche in Zweibrücken

Ein Symbol der Hoffnung im bombardierten Zweibrücken: Ende 1946 weihten die Protestanten in einem umgebauten Fabrikgebäude ihre Johann-Schwebel-Notkirche ein. Bei der Bombardierung Zweibrückens am 14. März 1945 wurden 85 Prozent der Stadt zerstört. Auch die Alexanders- und die Karlskirche lagen in Trümmern. Das umgebaute Fabrikgebäude in der Innenstadt diente der Gemeinde bis zum Wiederaufbau der Alexanderskirche im Jahr 1955 als Gottesdienstraum.
Der „Kirchenbote“ berichtete im Frühjahr 1947 über die Einweihung der Notkirche in der Johann-Schwebel-Straße: In die Euphorie über den „ersten Friedensbau“ der Kirchengemeinde mischt sich die Trauer über die zerstörte Stadt: „Unvergessen sind Karls- und Alexanderskirche und unvergesslich dem Zweibrücker wie seine Jugend, seine Toten.“
Die provisorische Notkirche mit 500 Sitzplätzen passt in die Jahre nach dem Ende des Krieges: „Es schien uns natürlich, nur eine Notkirche haben zu können, denn die Armut hasst den Prunk.“ Der schlichte Gottesdienstraum, der nach dem Zweibrücker Reformator Johann Schwebel benannt ist, wird als kleiner Teil eines umfassenden Erneuerungswerkes interpretiert: „Erneuerung, die sich zur Aufgabe gesetzt hat, den verhärmten, gehetzten, hungernden Geschöpfen Gottes, die heute Menschen heißen, wieder den Kranz freier Menschenwürde um die Stirn und das Leuchten wahrer Menschlichkeit in die Augen zu legen (…) Befremdend mag es manchem klingen, unser zerstampftes, durchwühltes, kaum das nackte Dasein fristende Vaterland in eine aktive Beziehung zur Welt setzen zu wollen.“
Angebaut an die Notkirche wird 1947 noch ein Gemeindesaal, in der auch die „Kinderschule“ untergebracht ist. Dieser Anbau wird heute als Werkstatt des Bauhofs der Herzog-Wolfgang-Stiftung genutzt.
An der Stelle, an der früher die Johann-Schwebel-Kirche stand, befindet sich heute das Gebäude des Evangelischen Verwaltungsamtes Zweibrücken und der Herzog-Wolfgang-Stiftung Zweibrücken. dz
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