Historische Schlaglichter
Rund um die Uhr im Einsatz
Historisches Schlaglicht – Folge13: Gemeindeschwestern in der Pfalz

Ein Geschenk für die Gemeindeschwester: Das im Oktober 1971 aufgenommene Foto zeigt den Ludwigshafener Pfarrer Ernest Dawe bei den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen des Diakonissenvereins.
1877 wird in der Chemiestadt der erste Krankenpflegeverein gegründet. Ab 1878 sind die Diakonissen in den Stadtteilen aktiv. Sie pflegen kranke und alte Menschen, kümmern sich in der „Kinderschule“ um den Nachwuchs der Arbeiterfamilien und kommen in die Häuser, um die Toten zu waschen. Nah am Menschen und rund um die Uhr sind die Schwestern im Einsatz.
Bis in die 1950er Jahre decken die Krankenversicherungen viele pflegerische und medizinische Leistungen noch nicht ab, auch nicht bei Berufstätigen und deren Familien. Die Gemeindeschwestern arbeiten fast für „Gotteslohn“ und ermöglichen damit eine Versorgung, die von den Bedürftigen nicht bezahlt werden könnte. Die Mitgliedschaft im Krankenpflegeverein ist zu der damaligen Zeit eine Selbstverständlichkeit in den evangelischen Kirchengemeinden.
Aber das traditionsreiche System ist längst nicht mehr im Lot. Seit den 1960er Jahren ist bereits klar, dass das Diakonissenmutterhaus in Speyer kaum noch Nachfolgerinnen für ausscheidende Schwestern entsenden kann. Immer weniger Frauen entscheiden sich für den Lebensweg der Diakonissen. Für angestellte Pflegekräfte reicht das Budget der Krankenpflegevereine aber oft nicht aus.
Es ist die Zeit des Umbruchs, die ab 1974 in die flächendeckende Einrichtung der ökumenischen Sozialstationen mündet. Allerdings arbeiten Diakonissen und katholische Gemeindeschwestern in einigen Sozialstationen weiterhin mit, so zum Beispiel in Ludwigshafen-Nord bis Anfang der 1980er Jahre. Auch die Krankenpflegevereine unterstützen den „neuen“ kirchlichen Pflegedienst. Sie müssen jedoch verstärkt um Mitglieder werben und die Sozialstation als einen wichtigen Bestandteil kirchengemeindlichen Handelns bekannt machen.
Die Geschichte der Gemeindeschwestern und Krankenpflegevereine beginnt 1859 mit der Gründung des Diakonissenmutterhauses in Speyer. Bald entstehen in der Pfalz auswärtige Stationen als Zentren für die Pflege der Armen, Alten und Kranken, so 1860 in Zweibrücken und vier Jahre später in Pirmasens und Frankenthal. In den 1930er Jahren erreicht die Zahl der Diakonissen ihren Höchststand: 635 Schwestern arbeiten in 200 Krankenpflegestationen, 100 Kindergärten sowie in Krankenhäusern und Einrichtungen der Inneren Mission. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnen sich für Frauen neue berufliche Perspektiven. Sie erlernen pflegerische Berufe zunehmend in staatlichen Schulen. dz
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