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Folge 2

 

 

Historische Schlaglichter

Fahrt zu den Pfälzern an der Front

Historische Schlaglichter – Folge 2: Seelsorge in „Etappe des Westens“ 

Im Ersten Weltkrieg: Zerbombter Kirchturm in Nordfrankreich. (Foto: Zentralarchiv)

Mitten im Ersten Weltkrieg in einem nordfranzösischen Ort: Das Foto, das um die Jahreswende 1916/1917 aufgenommen wurde, zeigt den pfälzischen Konsistorialpräsidenten Karl Heinrich Fleischmann (Zweiter von links), der der Landeskirche von 1921 bis 1931 als Kirchenpräsident vorstand. In Begleitung von Oberkonsistorialrat Heinrich Trost (Zweiter von rechts) brach Fleischmann am 25. Dezember 1916 über Straßburg nach Lothringen Richtung nordfranzösische Grenze auf. Die beiden Kirchenmänner besuchten die pfälzischen Regimenter in den besetzten Gebieten Frankreichs und Belgiens, um ihnen „teilnehmenden und stärkenden Zuspruch“ zukommen zu lassen. Oberkirchenrat Trost hat seine Eindrücke von der zwölftägigen Reise niedergeschrieben:

Die Zugfahrt führt über das nordfranzösische Grenzgebiet bis nach Brüssel. Fleischmann, der von seiner Ausbildung her Jurist ist, und Trost führen viele Gespräche mit den Soldaten an der Front und „in der Etappe des Westens“. Der Theologe Trost hält Gottesdienste, beide Kirchenmänner besuchen die Verwundeten in den Lazaretten und treffen dort die Speyerer Diakonissen, die im Roubaix nahe der belgischen Grenze eingesetzt sind.

Erste Kriegsspuren entdecken die pfälzischen Kirchenmänner hinter Straßburg in Lothringen, wo sie „Soldatengräber dicht neben der Kirche und bald auch zerschossene Häuser“ sehen. Schlimmere Kriegsfolgen beschreibt Trost von der nordfranzösischen Stadt Lille, die „unmittelbar hinter der Front liegt“. Der Oberkirchenrat macht ausschließlich die „Geschütze der Engländer (und Franzosen)“ für das Leiden der Zivilbevölkerung verantwortlich und hat keinerlei Zweifel an der Berechtigung einer deutschen Besatzung: „Ist es in Nordfrankreich die Schuld der feindlichen Heeresleitung, unter der die Glieder ihres eigenen oder doch eines verbündeten Volkes litten und leiden, so ist es in Belgien meist die Schuld der Einwohner selbst, dass viele Häuser Schutthaufen wurden.“

Trost führt am Beispiel der flämischen Stadt Löwen aus: „Man hat Brandbomben in Häuser gelegt, aus denen die Bewohner meuchelmörderisch auf unsere Truppen schossen“, rechtfertigt der Oberkirchenrat den deutschen Militäreinsatz.

Tiefen Eindruck auf den Oberkircherat hinterlässt der Silvester-Gottesdienst, den er in der Kirche zu Lomme hält. Nach einem Einzugsmarsch der Militärkapelle setzt „kräftig, überwältigend der Männergesang ein“, wie Trost bewegt seinen Zuhörern erzählt: „Was ich in dieser Stunde empfunden habe, kann ich nicht beschreiben.“ Dazu geben „die schweren Geschütze der Engländer … ihre bös gemeinten Wünsche zum Jahreswechsel kund“. dz

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