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Nr. 30, 25. Juli 2010

 

 

Leitartikel

Von Rücktritten und Verantwortung

von Hartmut Metzger

Wir leben in einer Zeit der Rücktritte. Wer keine Lust mehr hat oder sich zu ­Unrecht kritisiert fühlt, tritt zurück – mit besten Versorgungsansprüchen versteht sich. Jetzt waren es Bischöfin Maria Jepsen und Bürgermeister Ole von Beust in Hamburg. Zuvor waren es Bundespräsident Horst Köhler und Ministerpräsident Roland Koch, die dem staunenden Publikum ihren Rückzug von der politischen Bühne erklärten. Im Vergleich zu dieser Reihe flüchtender Amtspersonen trägt der Rücktritt Margot Käßmanns schon wieder vorbildhafte Züge. Er war unvermeidbar, und sie übernahm die Verantwortung für ein persönliches Fehlverhalten. Im Vergleich zu ihr warf Maria Jepsen jetzt doch eher das Handtuch.

Sicherlich kam Bischöfin Jepsen in eine schwierige Situation. Immerhin wurde ihr vorgeworfen, sie habe bereits 1999 von den Missbrauchsfällen eines Pastors aus den 1970er und 1980er Jahren erfahren und sei der Sache nicht entschieden genug nachgegangen. Wenn sie damals aber tatsächlich meinte, der Pastor steige nur den Frauen nach, und nicht wusste, dass es sich um den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen handelte, hätte sie heute nicht zurücktreten dürfen. Gerade Jepsen, die vor 18 Jahren zur ersten lutherischen Bischöfin weltweit gewählt wurde, ist dafür bekannt, dass sie sich stets für die Schwachen eingesetzt hat. Wenn sie nun beschuldigt wird, Täter bewusst gedeckt zu haben, ist das eine Unterstellung, aber kein Grund zum Rücktritt. Auch die Begründung „Meine Glaubwürdigkeit wird angezweifelt“ reicht dafür nicht aus. Verantwortung ist kein Kleidungsstück, das je nach Belieben gewechselt werden kann.

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