Leitartikel
Gutes Beispiel mit Nachgeschmack
von Hartmut Metzger
„Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme“, sagt Jesus bei Markus 10, 25. Mehr als 40 superreiche Amerikaner wollen nun die Hälfte ihres Vermögens spenden und so rund 100 Milliarden Dollar für wohltätige Einrichtungen zur Verfügung stellen, sagt Microsoft-Gründer Bill Gates. Gemeinsam mit dem zweitreichsten US-Amerikaner Warren Buffet hat er seine Milliardärskollegen zu diesem Versprechen angestiftet – und einige Fragen aufgeworfen. Geben diese US-Milliardäre nun wirklich das gute Beispiel für andere Superreiche ab, während Millionen ihrer Mitbürger auf Armenküchen angewiesen bleiben?
Natürlich sind sie ein gutes Beispiel, das auch in anderen Ländern Schule machen kann, weil sie Gutes tun und darüber reden. Wer – wie in Deutschland noch immer weitverbreitet – das Gute, das er tut, ängstlich oder verschämt verschweigt, stiftet potentielle Spender, aber auch ehrenamtlich Ansprechbare jedenfalls nicht zum Mitmachen an. Und bürgerschaftliches Engagement beginnt nicht mit der großen Überweisung, sondern im Sportverein und in der Nachbarschaft. Dennoch bleibt bei diesem guten Beispiel ein fader Nachgeschmack. Zu groß – nicht nur in den USA – ist inzwischen die Kluft zwischen Arm und Reich. Wenn sich ein Staat darauf verlässt, dass freiwillige Initiativen seine sozialen und kulturellen Aufgaben übernehmen und damit auch darüber entscheiden, was notwendig ist, macht er den Armen zum Almosenempfänger und den Reichen zu seinem Herrn. Ein demokratischer Staat basiert aber nicht auf Mildtätigkeit. In ihm haben auch die Schwachen Rechte.
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