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Nr. 5, 4. Februar 2007

 

 

Gastkommentar

Kirchenreformen gelingen nur im Konsens

von Hartmut Metzger

„Ein feste Burg ist unser Gott“ steht in großen Lettern am Turm der Wittenberger Schlosskirche. Unten, vor der abgesperrten Kirche, liegen Teile einer Säule und viele Ziegeln – als wollten die Naturgewalten der Orkannacht deutlich machen, wie groß der Unterschied zwischen protestantischer Glaubensgewissheit und der äußeren Gestalt der evangelischen Kirche ist.

490 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers kann die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ihren Zukunftskongress nicht am Tatort der Reformation eröffnen. Ihr Ratsvorsitzender, Bischof Wolfgang Huber, muss an der Predigtstätte Luthers in der benachbarten Stadtkirche beginnen, die eigentlich nur für den Abschlussgottesdienst vorgesehen war. Eins vorweg: Bischof Huber hat auch in Wittenberg keine Kirchentüren beschädigt, sondern gekonnt vorgetragen und agiert. Was auch immer, keiner sagt es so schön wie er.

Nun steht zweifellos außer Frage, dass die derzeit 23 evangelischen Landeskirchen Reformen brauchen. In der pfälzischen Landeskirche wurden die Reformprozesse für Kirchengemeinden, Kirchenbezirke und Landeskirche bereits durch die Perspektivarbeit der 1990er Jahre angestoßen. Da wird längst über die Grenzen der Gemeinden und Kirchenbezirke hinweg kooperiert und geplant. Längst gibt es ehrenamtliche Prädikanten, die sonntags auf der Kanzel stehen, die – wie andere ehrenamtliche Mitarbeiter auch – ernst genommen werden und ernst zu nehmen sind.

Das ist nicht überall so, aber das ist in vielen Gemeinden auch anderer Landeskirchen bereits so. Und diese reformwilligen Kirchen können in vielen Bereichen vieles voneinander lernen. Das hat der Zukunftskongress deutlich gemacht, und das ist gut so – aber dieser bekannte Berliner Spruch gilt leider nicht für alles.

Das große Problem auf dem Weg zum Reformprozess ist das beschädigte Vertrauen, das vor allem das Impulspapier „Kirche der Freiheit“ des Rates der EKD hinterlassen hat. Es ist eben keine Einzelmeinung, wenn der nordelbische Bischof Knuth unprotestantischen Zentralismus und Hierarchisierung als eigentliches Ziel der EKD öffentlich in Worte fasst. Diese Befürchtung ist vor allem bei den kleineren bis mittleren Landeskirchen verbreitet und konnte auch in Wittenberg nicht entkräftet werden.

Was hatte die Verfasser des EKD-Impulspapiers geritten, die Zahl der heute 23 Landeskirchen bis 2030 auf höchstens zehn mehr als halbieren zu wollen? Die in Wittenberg empfohlenen Reformen nehmen diesen Streitpunkt in zwei Vorschlägen auf: Jede Landeskirche soll selbst überlegen, ob sie weiterbestehen will; bereits bis zur EKD-Synode im November 2007 sollen Kriterien für den Fortbestand von Landeskirchen erarbeitet werden.

Ein solches Vorgehen ist riskant. Als Dachorganisation ist die EKD von den großen Landeskirchen finanziell abhängig und auf das Dabeibleiben der kleineren politisch angewiesen. Weitreichende Reformen gelingen daher nur im Konsens, zu verordnen sind sie nicht.

Berichte im Kirchenboten zum Zukunftskongreß in Wittenberg

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