Leseprobe 2
Die Zwei-Minuten-Terrine für die Seele
Pfarrer Ludwig Burgdörfer betreibt seit zwölf Jahren als Autor des Südwestrundfunks „Credotainment“

Härter als das Predigen auf der Kanzel: Ludwig Burgdörfer am Mikrofon des Südwestrundfunks in Mainz. (Foto: view)
Nicht die Kanzel, sondern das Mikrofon ist der „absolute Härtetest für Prediger“. Pfarrer Ludwig Burgdörfer, der Leiter des Missionarisch-Ökumenischen Dienstes der Evangelischen Kirche der Pfalz, weiß, wovon er spricht. Seit zwölf Jahren ist er Rundfunkautor des Südwestrundfunks (SWR). Regelmäßig gibt er morgens „Anstöße“ und sendet „Morgengrüße“ – so heißen die ökumenischen Morgenandachten des Senders.
Der Rundfunk sei eine faszinierende Herausforderung, betont der 48-jährige Theologe. Über das Radio erreiche die Kirche mit ihren Morgensendungen im SWR rund 300 000 Zuhörer allen Alters und aus allen gesellschaftlichen Gruppen. „Hier bekommst du zwei Minuten und entweder, es ist gesagt oder es war umsonst“, erzählt Burgdörfer, der mit anderen evangelischen und katholischen Autoren am Dienstag vergangener Woche einen Tag lang Hörerfragen auf SWR1 Rheinland-Pfalz beantwortete.
Abschalten oder Zuhören: Am Mikrofon erweist sich ganz ungefiltert und ohne rettendes Netz, ob die Kirche mit ihrer Botschaft bei den „ganz normalen Leuten“ ankommt. Rund 30 Sendungen produziert Burgdörfer im Jahresdurchschnitt. Aufgeteilt sind sie in vier bis fünf vorproduzierte Reihen von jeweils drei bis vier Sendungen am Stück. Gesendet werden die Beiträge als „Anstöße“ auf SWR 1 und auf SWR 4 als „Morgengruß“ kurz vor sechs und kurz vor sieben Uhr.
Die Zuhörer erwarteten von den kirchlichen Autoren kein Entertainment, sondern ein klares, christliches Bekenntnis, berichtet Burgdörfer. So habe er kürzlich im Radio einen
„Ü-30-Gebetskurs“ veranstaltet und dabei jeden Morgen eine andere Form von Gebet eingeübt, vom Stoßgebet bis zum Vaterunser. „Credotainment“ nennt Burgdörfer diese Form christlicher Verkündigung. Die Rede vom Glauben im Radio habe eine unterhaltsame und spannende Seite, ohne dass der Glaubensinhalt, das „Credo“, an Bedeutung einbüße. Jesus Christus habe mit seinen Gleichniserzählungen exemplarisch gezeigt, dass Unterhaltung und theologischer Gehalt sehr gut zusammengingen.
Wenn die Kirche die Sprache der Menschen spricht, stößt sie nicht auf taube Ohren, lautet die Erfahrung von Burgdörfer. Die kirchlichen Morgensendungen erfreuten sich einer hohen Akzeptanz. Viele Menschen würden erreicht, die nur selten oder nie in einen Gottesdienst kämen oder sich schon lange von ihren Kirchen verabschiedet hätten. Die Sendetermine seien ein Jahr im Voraus vereinbart, sagt Burgdörfer. Verkündigungssendungen im Radio gäben der Kirche die große Chance, mit den Menschen auf einer Wellenlänge zu bleiben bei der Suche nach Glaube, Liebe und Hoffnung. „Es ist die Zwei-Minuten-Terrine für die Seele.“ Alexander Lang
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