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Nr. 25-26, 22. Juni 2008

 

 

Leseprobe 1

Auf den Spuren der Römer unterwegs

Ausflüge ins alte Kulturland der Nordpfalz erfordern Forschergeist – Alte Steine im Luftbild entdeckt 

Ein verwunschener Ort mit Hügelblick: Mauerreste der Römersiedlung Falkensaß bei Katzenbach. (Fotos: Gilcher)
Ein verwunschener Ort mit Hügelblick: Mauerreste der Römersiedlung Falkensaß bei Katzenbach. (Fotos: Gilcher)
Die Hinweisschilder im Ort lesen sich eindeutig: Eine schmale Straße entlang, zuerst an den heimelig hergerichteten Häusern und Gärten von Katzenbach vorbei, dann aus dem Ort heraus. Hier muss die Römersiedlung Falkensaß liegen. Und der neue Führer „Archäologie zwischen Donnersberg und Worms“ verspricht: „Die Anlage ist jederzeit frei zu besichtigen.“ Das klingt doch alles prima. Doch wo ist die Villa rustica? Sie ist Teil des größten bisher ausgegrabenen Villenkomplexes in der Nordpfalz.

Ein steiler Feldweg mit Blick auf Katzenbach, Donnersberg und Rockenhausen. Rechts und links des Abhangs liegen Äcker und Grasland, dazwischen ein paar Baumgruppen. Ist das Monument vielleicht dort versteckt? Lerchen schwingen sich auf. Vermutlich haben die Vögel einen besseren Überblick. Dann entdecke ich das schiefe Metallrohr in einer Wiese mit hüfthohem Gras. Es trägt ein dunkles Holzschild, Römersiedlung Falkensaß steht drauf, in altertümlicher Goldschrift.

Ins frühe zweite Jahrhundert datieren die Archäologen die Ursprünge des Gutshofs, der anfangs ein bescheidener Bauernhof war. Später wurde das Gut neu gebaut, dieses Mal luxuriöser mit zehn Räumen um einen Lichthof. Dazu gehörte ein Badetrakt, bestehend aus Schwitzbad mit Fußbodenheizung, Warm- und Kaltwasserbad und Umkleideräumen, zudem mehrere Keller für die Vorräte.

Zum Herrenhaus gehörten, davon gehen die Forscher aus, vermutlich Wirtschaftsgebäude wie Ställe, Scheunen und Handwerkerräume. Ein solches Gebäude, etwa 80 Meter vom Haupthaus entfernt, konnte durch Luftbilder lokalisiert werden. Mit dieser Methode sind auch viele andere Villenstellen an den Hängen des Alsenztals wiederentdeckt worden. Rund 200 längst in der Kulturlandschaft verschwundene Grundrisse im Nordpfälzer Bergland und der nördlichen Vorderpfalz wurden so der Vergessenheit entrissen. Darunter sind Höfe, die kaum 150 Quadratmeter umfassten, ebenso wie Villen, bei denen allein die Straßenfront 150 Meter maß.

Im 4. Jahrhundert brannte das Anwesen bei Katzenbach ab. Es scheint schnell gegangen zu sein, denn im Steinkeller fanden die Archäologen Ende der 1960er Jahre Amphoren in Originallage. Ob es ein Unfall war oder ob es sich um Brandstiftung durch marodierende Germanen handelte, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Brunnenbau vor dem Eingang des Heimatmuseums in Rockenhausen.
Brunnenbau vor dem Eingang des Heimatmuseums in Rockenhausen.
Ähnlich im Dunkeln wie die Forscher damals tappt der heutige Besucher. Genauer gesagt, er stapft durchs wuchernde Grün. Holunderbüsche und Kirschbaumschösslinge machen sich breit, kein Weg führt den Fuß, keine Schautafel gibt Orientierung. Eine kleine Rasthütte mit Tisch und Bank immerhin ist da. Offenbar wird sie auch genutzt. Die beiden Müllkörbe sind voll. Nach den Ausgrabungen durch die Archäologische Denkmalpflege Speyer wurden zwar die Keller der Sicherheit wegen zugeschüttet, die sichtbaren Fundamente aber restauriert. Auch heute braucht es wieder Forschergeist, um bei Katzenbach die Spur der Römer in der Nordpfalz aufzunehmen.

Wie schön, dass Rockenhausen nicht weit ist. Die zum Gutshof gehörende Brunnenanlage wurde bereits 1910 im Tal westlich der Villa rustica entdeckt. Der fünf Meter lange Brunnenbau steht heute vor dem Eingang des Nordpfälzischen Heimatmuseums in Rockenhausen. Über 80 Jahre ist das Gebäude am Rand der Altstadt alt, der Nordpfälzer Geschichtsverein sogar schon über 100. Es ist nicht nur das römische Erbe, das die geschichtsbegeisterten Sammler faszinierte. Mineralien, Fossilien, Handwerkskunst und nicht zuletzt die Nordpfälzer Wohnstube aus dem 19. Jahrhundert nehmen den Besucher mit auf die Reise durch die Zeit.

Noch früher als die Bauern kamen offenbar die römischen Bergmänner am Donnersberg an. Die militärische Eroberung Germaniens erhöhte die Nachfrage nach Metall – in Eisenberg, Grünstadt und rund um den Donnersberg standen die Rohstoffe zur Verfügung. Die Geschichte des Bergbaus am Donnersberg erzählt das Pfälzische Bergbaumuseum in Imsbach, wieder nur wenige Kilometer entfernt. Den Schwerpunkt legen die Ausstellungen und Schaubergwerke allerdings weniger auf die Römerzeit. Aber auch was und wie vor 600 Jahren in der Nordpfalz geschürft wurde, ist eine spannende Geschichte. Klaudia Gilcher

 

Pfälzische Berge und rheinhessische Hügel

Überblick über die archäologischen Funde von der Steinzeit bis ins Mittelalter mit Routen und Adressen 

Das Land zwischen dem Donnersberg und Worms ist uraltes Kulturland mit einer dokumentierten Besiedlungsgeschichte. Nun haben Fachleute aus Universitäten, Museen und Denkmalpflege den aktuellen archäologischen Forschungsstand in einem Buch zusammengefasst. Die 282 reich illustrierten Seiten der „Archäologie zwischen Donnersberg und Worms“ sind aber auch für interessierte Laien gut verständlich.

Das Pfälzer Bergland, das rheinhessische Hügelland, der nördliche Oberrheingraben – wie lange diese in dem Archäologieführer behandelten Naturräume schon besiedelt sind, ist ungewiss. Dass Klima und Landschaft die Besiedelung begünstigt haben und dass hier bereits Steinzeitjäger zumindest durchgezogen sind, steht unter Fachleuten außer Frage. So beginnt der erste große Themenblock des Buches mit den einzelnen steinzeitlichen Epochen und den zugehörigen Fundstätten. Einblicke in die Bronze- und Eisenzeit, in die römische Siedlungsgeschichte und in das Mittelalter schließen sich an. Zahlreiche Fotos, Grafiken und Karten ergänzen die Texte, die auch Wegbeschreibungen und Öffnungszeiten enthalten.

Schlaglichter wirft der zweite Themenblock, der besonders wichtige Fundorte und Bauten detaillierter vorstellt. Dazu gehören zum Beispiel der Bergbau in Imsbach, der römische Vicus in Eisenberg oder das keltische Oppidium am Donnersberg. Großen Raum nehmen auch die Sehenswürdigkeiten der Stadt Worms ein.

Das Buch „Archäologie zwischen Donnersberg und Worms“ ist nach fast 40 Jahren die erste Publikation, die einen umfassenden Überblick über die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler der Region zwischen Bergland und Rhein geben will. Anlass war der sechste Deutsche Archäologenkongress im Mai in Mannheim. Zu den Herausgebern gehören der West- und Süddeutsche Verband für Altertumsforschung, die Landesgeneraldirektion „Kulturelles Erbe“, die Direktion Archäologie Speyer und das Museum der Stadt Worms. kgi 

West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung: Archäologie zwischen Donnersberg und Worms. Schnell und Steiner, 2008. 282 Seiten, 19,90 Euro. ISBN 978-3-7954-2042-0

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