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Nr. 31, 1. August 2010

 

 

Leseprobe 2

Lösung für die Umwelt und Ziel für Partnerschaft gesucht

Gedächtniskirchengemeinde Speyer richtet internationale Partnerschaftskonferenz aus – Bewahrung der Schöpfung als Schwerpunktthema 

Start vor der Gedächtniskirche: Eine Stadtrallye steht beim Partnerschaftstreffen für die Jugend auf dem Programm. (Foto: Landry)
Start vor der Gedächtniskirche: Eine Stadtrallye steht beim Partnerschaftstreffen für die Jugend auf dem Programm. (Foto: Landry)
75 Delegierte aus den Partnergemeinden der Gedächtniskirchengemeinde diskutierten am vergangenen Wochenende in Speyer über den Umgang der Kirche mit Natur und Umwelt. Gemeinsam mit den Speyerer Freunden suchten Presbyter und Gemeindeverantwortliche aus Ostrava (Tschechien), Purley (Großbritannien), Hartford (USA), Belfast (Nordirland) und Dessau unter dem Motto „Gottes Schöpfung – Gabe und Aufgabe“ nach nachhaltigen Lösungen zur Wahrung der Schöpfung. Auch überdachten sie zukünftige Ziele der zwischen 1956 und 1974 ins Leben gerufenen Partnerschaften. Die Partner treffen sich im Drei-Jahres-Rhythmus, in Speyer kamen sie zuletzt 1995 zusammen.

Die Möglichkeiten und Chancen von Grenzüberschreitungen hätten maßgeblich zur Gründung der Partnerbewegung beigetragen, bestätigte Felicity Harris (England) im Gespräch mit dem „Kirchenboten“ die gemeinsame Suche nach neuen Zielen in einer Zeit der Reisefreiheit und weltweiter Kommunikation. Bereits bei der letzten internationalen Konferenz 2007 in Purley hätten sich die Mitglieder auf das diesjährige Leitthema geeinigt und damit „ein Zeichen für die Zukunft“ gesetzt.

Als einen Spiegel der allgemeinen Situation in den Kirchengemeinden bezeichnete Udo Stork (Dessau) das trotz stabiler Anmeldezahlen rückläufige Interesse junger Menschen an der Partnerschaftsbewegung. Verbindliche Zusagen junger Gemeindemitglieder an feste Gemeinschaften seien selten geworden, fasste er das Ergebnis der Gespräche zusammen. „Wir brauchen gerade in Zukunft Menschen, die global denken“, betonte Iris Branch (USA) die nachhaltige Bedeutung der Partnerschaft und berichtete von zahlreichen College-Studenten in Hartford, die bereits großes Interesse an der bestehenden Partnerschaft gezeigt hätten.

Der Speyerer Dekan Friedhelm Jakob wies auf vier ehemalige Mitglieder seiner Gemeinde im Alter zwischen 35 und 40 Jahren hin, die den Ablauf der aktuellen Konferenz maßgeblich mitbestimmt hätten. Das sei ein Verdienst, sagte Jakob. Trotz unterschiedlicher Ansichten und Ansätze spürten auch junge Christen seiner Gemeinde die gemeinsame Verantwortung für den Erdball, betonte Jarmila Groll (Tschechien). Jakob fügte hinzu: „In unserer Partnerschaft wächst Toleranz gegenüber jungen Menschen.“

Die Bewahrung der Schöpfung müsse Wesensmerkmal christlicher Arbeit sein, forderte Professor Hans Diefenbacher, Beauftragter des Rates der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) für Umweltfragen, bei seinem Vortrag in der Gedächtniskirche. Der Mensch „als größtes Risiko für das Fortbestehen der Menschheit“ müsse im Angesicht des Glaubens an Gottes Schöpfung „dem Wagen Politik in die Speichen greifen“, appellierte der EKD-Beauftragte an die besondere Verantwortung der Kirche und ihrer Gemeinden. Deshalb sei kirchliche Umweltarbeit aufgefordert, weltweite Auswirkungen eigenen Handelns stets ins Bewusstsein zu rufen und damit die Kultur der Auseinandersetzung zu fördern. Langfristige Perspektiven seien mit einer „Ökologie auf der Höhe der Zeit“ zu erreichen, betonte Diefenbacher seinen Anspruch an umweltorientiertes Handeln mit dem von der EKD ausgerufenen Ziel, Kohlendioxidemissionen bis zum Jahr 2015 deutlich zu reduzieren.

Umwelt- und Energiemanagement-Systeme wie „Grüner Gockel“, das Förderprogramm „Solarenergie auf Kirchendächern“, ökofairer Konsum unter dem Titel „Zukunft einkaufen“, die enge Vernetzung deutscher evangelischer Kirchen mit der European Christian Enviromental Network (ECEN) sowie gemeinsame Projekte mit Tschechien und England zählte er als gute Beispiele aus der Praxis auf. Größte Bedeutung schenkte Diefenbacher angestrebter Nachhaltigkeit und sprach sich für ein paritätisches Verhältnis zwischen Ökologie und Ökonomie aus.

Jeder Einzelne trage Verantwortung für die Situation zukünftiger Generationen. Jedes Handeln müsse geleitet sein von der Ehrfurcht vor dem Leben, einer vorausschauenden Abschätzung der Gefahren und einer nicht allein ökonomisch orientierten Schaden-Nutzen-Abwägung. Diefenbacher warn­te angesichts globaler Rohstoffverknappung vor leichtfertigem Umgang mit Erdöl und vor allem vor Uran, dessen Endlagerung bis heute nicht geklärt sei. Ellen Korelus-Bruder

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