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Nr. 31, 1. August 2010

 

 

Leseprobe 4

Der Pächter hat schon zwei Jahrzehnte im Voraus bezahlt

Kirchengemeinde vermietet Dach des Gemeindehauses ihres Solarstrominvestors – Einnahmen für die Sanierung des Kirchturms bestimmt 

Mit 330 Quadratmeter Solarmodulen bestückt: Das Dach des Albert-Schweitzer-Hauses auf der Ruhbank. (Foto: Buchholz)
Mit 330 Quadratmeter Solarmodulen bestückt: Das Dach des Albert-Schweitzer-Hauses auf der Ruhbank. (Foto: Buchholz)
Pirmasens. Eine glänzende Einnahmequelle hat die Friedenskirchengemeinde im Pirmasenser Ortsteil Ruhbank seit kurzem: eine Fotovoltaikanlage auf dem nach Süden ausgerichteten Dachteil des Gemeindehauses. Das Albert-Schweitzer-Haus trägt Solarmodule mit einer Fläche von 330 Quadratmeter und liefert eine Nennleistung von 42 Kilowatt. Der erzeugte Strom werde über Wechselrichter in das Stromnetz der Stadt Pirmasens eingespeist, so Gemeindepfarrer Joachim von Mitzlaff.

Ihr Dach hat die Kirchengemeinde an zwei private Investoren verpachtet. Günter Karst aus Heltersberg, der das Projekt mit einem weiteren Gesellschafter umsetzte. Die Solarstrominvestoren haben die Pacht für die nächsten 20 Jahre und sieben Monate bereits im Voraus an die Kirchengemeinde gezahlt: 20 500 Euro.

„Wir brauchen das Geld dringend“, begründete Joachim von Mitzlaff von der Friedenskirchengemeinde die besondere Form des Pachtvertrags. Für die Sanierung des Kirchturms auf der Ruhbank werde viel Geld benötigt, so sein Argument. Außerdem leiste die Kirchengemeinde mit dem regenerativen Energieprojekt ihren Beitrag zum Schutz des Klimas und zur Bewahrung der Schöpfung.

Karst begann 1991 mit einer Fotovoltaikanlage auf dem eigenen Hausdach, die eine nach heutigen Maßstäben bescheidene Nennleistung von 1,59 Kilowatt lieferte. Der Anlagewert habe damals bei 20 450 Euro gelegen. 1997 sei die Nennleistung auf rund 2,1 Kilowatt erweitert worden, sodass die elektrische Energie für den eigenen Haushalt ausreichte. Auslöser für sein Engagement in Sachen Solarstrom sei die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl gewesen, so der Mann aus Heltersberg, der seit 1986 einen Betrieb in der Baubiologiebranche führt.

Vor vier Jahren investierte Karst zusammen mit acht weiteren Gesellschaftern in eine 14,8-Kilowattanlage auf dem Dach des protestantischen Kindergartens in Waldfischbach-Burgalben. Es folgte eine 22,5-Kilowattanlage auf dem Dach des Bauhofs in Heltersberg. Der Solarstrominvestor hat weitere Projekte in Planung. Derzeit entwickle sich das Geschäft mit dem Strom aus Sonnenlicht zu einem Rennen um die großen Dachflächen in der Region, so Karst. Um bestimmte lukrative Dächer mieten zu können, müsse schon mehr Pacht als früher üblich gezahlt werden, hat er beobachtet. kka

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