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Nr. 33, 15. August 2010

 

 

Leseprobe 1

Frische Produkte meist reichlich vorhanden

Wachsende Kundenzahlen bei Ludwigshafener Tafel – Aktuell werden 600 bedürftige Familien versorgt 

Fast wie im Supermarkt: Der Verkaufsraum in der Bayreuther Straße ist mehr als eine Ausgabestelle für Nahrungsmittel. (Foto: Konrad)
Fast wie im Supermarkt: Der Verkaufsraum in der Bayreuther Straße ist mehr als eine Ausgabestelle für Nahrungsmittel. (Foto: Konrad)
Seit fünf Jahren gibt es die Ludwigshafener Tafel bereits, und längst ist sie eine Institution geworden, die nicht mehr aus der Stadt wegzudenken ist. Rund 600 Familien versorgt die Tafel im 14-tägigen Rhythmus mit gespendeten Lebensmitteln, die ansonsten weggeworfen werden würden.

„Die Tafel ist ein Gottesgeschenk“, sagt Fatoumata Diouf, an diesem Mittwoch die erste Einkäuferin im Tafelgebäude an der Bayreuther Straße in Ludwigshafen. Mit einem großen grünen Einkaufskorb dreht die junge Mutter ihre Runde durch den Verkaufsraum. Auf den ersten Blick sieht es hier fast wie in jedem Supermarkt aus. Links vom Eingang liegen verschiedene Brotsorten dicht an dicht. Im Regal daneben ordentlich aufgereiht Toastbrot, Brötchen im Zehnerpack und frisches Laugengebäck. Auch einige Kuchen sind dabei. Ein Regal weiter gibt es Eier, Nugatcreme, Marmelade und verschiedene Konserven. An der Stirnwand des Verkaufsraums ist die gut sortierte Kühltheke.

Die ehrenamtlichen Helferinnen hinter der Theke reichen der Einkäuferin das Gewünschte, fragen, ob sie noch etwas Käse wolle oder vielleicht Schupfnudeln. Die letzte Station vor der Kasse ist die reich bestückte Obst- und Gemüsetheke. „Möchten Sie Kartoffeln haben?“, wird die Ludwigshafenerin gefragt. Dankend lehnt sie ab, nimmt aber gerne noch einen Salat mit. Diouf packt den vollen Korb in den mitgebrachten Einkaufs­trolley und den Kinderwagen um. Seit April kommt sie regelmäßig hierher und ist dankbar für die Möglichkeit, kostengünstig den Kühlschrank für sich und ihr Baby aufzufüllen. „Einfach toll“, sagt sie und dankt den Mitarbeitern: „Die sind alle supernett hier …!“ Zum Abschluss der Einkaufsrunde geht es noch zur Kasse. Hier werden ein Euro pro Erwachsenem und 50 Cent pro Kind fällig. Es ist ein symbolischer Betrag, der dennoch wichtig für das Selbstwertgefühl der Kunden ist.

Längst ist die Tafel viel mehr als „nur“ eine Ausgabestelle für Nahrungsmittel, die von den Lebensmittelläden normalerweise wegen des nahenden Verfalldatums entsorgt würden. „Wir sind ein kleines Unternehmen“, sagt Tafelkoordinatorin Stefanie Henning. Und die Zahlen sprechen für sich: Über 100 ehrenamtliche Helfer – die Mehrzahl Frauen im Rentenalter – und 15 Ein-Euro-Jobber sorgen an sechs Tagen in der Woche für einen reibungslosen Ablauf. „Die Mitarbeiter arbeiten in drei Teams“, erläutert die Koordinatorin die Organisationsstruktur. „Ein Abhol-, ein Sortier- und ein Ausgabeteam.“ Der Einzugsbereich erstreckt sich dabei auf Ludwigshafen und den umgebenden Landkreis. Ungefähr 40 Partner unterstützen die Tafel. Von Montag bis Freitag findet von 12 bis 14 Uhr die Ausgabe der Lebensmittel in der Bayreuther Straße statt, samstags öffnet die Filiale in der Apostelkirche im Hemshof.

Brot, Obst und Gemüse sowie Produkte aus der Kühltheke sind meist reichlich vorhanden. Süßwaren hingegen sind eher selten, ebenso lange haltbare Waren wie Konserven, Reis, Nudeln oder auch Kosmetikartikel. Acht Tonnen Waren sammelt die Tafel im Schnitt in der Woche ein, zwei Tonnen werden in den großen Containern vor dem Verkaufsraum entsorgt. Denn es werden nur Waren verteilt, die die Tafelmitarbeiter auch selber essen würden.

„Zum Glück haben wir im Moment ein gutes und großes Angebot“, ist die Tafelkoordinatorin zufrieden. Die Tafel merkt die jahreszeitlichen Schwankungen besonders – sind Ferien, bestellen viele Händler weniger und auch die Tafel bekommt weniger Reste. „Zu Weihnachten und Ostern hingegen verteilen wir manchmal Waren, die wir selber gar nicht kennen, die oft aus dem Feinkostbereich kommen“, erzählt Inge Schulz, eine der ehrenamtlichen Mitarbeiter. Seit der Gründung der Tafel arbeitet die 63-Jährige zweimal die Woche von 9 bis gegen 15 Uhr und ist als Teamleiterin für die Kühltheke zuständig. „Ich bin das Joghurtmädchen“, sagt sie.

Bei ihrer Gründung 2005 versorgte die Tafel 25 Familien, die zweimal wöchentlich einkaufen konnten. Heu­te sind es 600 Familien alle 14 Tage. Und die Zahl der Bedürftigen hat sich in den letzten Monaten immens erhöht. „Bis März konnten wir noch 400 Familien jede Woche einen Einkauf ermöglichen“, erläutert Stefanie Henning. Seit April darf jeder Kunde nur noch jede zweite Woche zu seinem Einkaufstag kommen. Nur so kann die Ludwigshafener Einrichtung der stark gestiegenen Nachfrage der Bedürftigen gerecht werden. Anette Konrad

 

Bei der Versorgung in ländlichen Gebieten gibt es weiße Flecken

Unterschiedlich ausgeprägte Tafellandschaft in Rheinland-Pfalz – Überregionaler Logistikverbund ermöglicht die zielgerichtete Verteilung

Über eine Million Menschen versorgen die Tafeln deutschlandweit mit Nahrung. Seit der Gründung der ersten Tafel 1993 in Berlin ist ihre Zahl auf über 800 mit mehr als 2000 Ausgabestellen angewachsen. Rund 50 davon liegen in Rheinland-Pfalz. „Wir haben hier eine sehr unterschiedlich ausgeprägte Tafellandschaft“, sagt Bernd Neitzert, Ländervertreter der Tafel für Rheinland-Pfalz und das Saarland. Als Beispiel nennt er die Tafel Koblenz, die mit sechs Ausgabestellen 2000 Menschen versorgt.

In Saarbrücken hingegen gibt es nur eine Ausgabestelle, die aber ebenfalls 2000 Menschen erreicht. „Auf alle Fälle sind es viele 1000 Menschen, die die Tafel versorgt“, sagt der Ländervertreter. Generell sieht er die pfälzische Region mit den Einrichtungen gut bestückt. In den Ballungsgebieten sei die Gründung von Tafeln abgeschlossen, während es „auf dem platten Land noch weiße Flecken gibt“.

Damit es keinen Streit um die zu verteilenden Lebensmittel gibt, gilt die Regel, dass sich die einzelnen Tafeln in einem Abstand von circa 25 bis 30 Kilometer voneinander ansiedeln sollen. Hierbei wird jedoch jeder Fall eingehend geprüft. So auch bei der Einrichtung in Edenkoben, die eine Neugründung ist. Bereits im Vorfeld fand eine Einigung mit den Tafeln in Landau und Neustadt statt. „Die sitzen sich quasi auf dem Schoß“, sagt Neitzert. Nur klare Absprachen und Verträge ermöglichen dann ein Nebeneinander auf so engem Raum. Ein Grundsatz gilt für alle: Wer sich Tafel nennen will, muss die Satzung des Bundesverbandes akzeptieren und die Basispfeiler der Tafel – Gemeinnützigkeit, Mildtätigkeit und ehrenamtliche Tätigkeit – anerkennen.

Der Ländervertreter bestätigt die stetige Zunahme der Bedürftigen. Dies habe natürlich auch Auswirkungen auf die Versorgung der Menschen. „Das Angebot an Waren ist endlich“, sagt Bernd Neitzert. Das stellt auch die Tafeln vor neue Herausforderungen: Verstärktes Engagement ist notwendig, um neue Lieferanten zu finden und alle Bedürftigen versorgen zu können.

Um die eingesammelten Waren besser und zielgerichteter verteilen zu können, haben die Tafeln 2009 einen überregionalen Logistikverbund für Rheinland-Pfalz und das Saarland gegründet. „Manchmal erhalten wir größere Mengen an Waren. Das sind nicht nur Lebensmittel, das können auch einmal Glühbirnen oder Küchentücher sein. Das ist ganz unterschiedlich“, sagt Bernd Neitzert. Per Mail werden alle Tafeln informiert, innerhalb von zwei Tagen können sie diese Posten dann abrufen. Zwei Lager im Süden von Rheinland-Pfalz und an der A 61 bei Boppard bieten die benötigte Logistikfläche. Auch kooperieren benachbarte Tafeln oft untereinander und tauschen überzählige Waren aus. „Das klappt sehr gut“, sagt Stefanie Hennig von der Ludwigshafener Tafel. Hat Ludwigshafen zum Beispiel zu viel Gemüse, wird es nach Frankenthal gebracht und umgekehrt. rad

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