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Andachten von früheren Semestern sind auf der Predigtdatenbank
unter Pfr. Rainer Huy einzusehen. 

Morgenandachten

Mittwoch, den 21. Januar 2004
Tageslosung: Richter 6,13 - Lehrtext: Markus 4,38

Mittwoch, den 14. Januar 2004
Tageslosung: 2. Mose 20,13  – Lehrtext: Matthäus, 5,44

Andacht für den „Kirchenboten“ zum 25. Januar (Ausgabe Nr.4)
Predigttext: Röm 1,(14-15)16-17
Was macht glücklich?

„Deutschland sucht den Superstar.“ Die junge Sängerin betritt die Bühne.
Scheinwerfer strahlen sie an und sie strahlt zurück. Ihr Gesicht ist mächtig mit Schminke bedeckt. Sie ist aufgedonnert und herausgeputzt wie die Popstars, ihre großen Vorbilder. Die Musik setzt ein und sie singt ihr Lied. Sie singt und bewegt sich genau so, wie es ihr die Popidole  vorgemacht haben. 

Dann ist ihr Auftritt vorbei. Die Kameras schwenken zum Publikum rüber. Die Zuschauer klatschen, jubeln, pfeifen. Vor ihnen sitzt die Jury. Überlegen grinsend gibt der erste aus der Jury sein Urteil ab: „Tja Daniela“, setzt er in einem breiten, vulgär klingenden Dialekt ein. „Du hast dich ganz doll angestrengt. Aber eins muss ich dir sagen, mit dieser Vorstellung wirst du keinen Blumentopf gewinnen. Du wirst nie ein Star.“  Kameras schwenken zurück zu Daniela. Ihr antrainiertes Lächeln wirkt gequält und unecht. Sie steht geschockt vor einer Jury, die Macht hat über ihr Lebensglück.  „Du wirst nie ein Star!“ Kurz darauf kullern dicke Tränen über ihre Backen, verwischen die Schminke und verschmieren ihr so mühevoll zurechtgemachtes Gesicht. „Deutschland sucht den Superstar.“ Daniela wird nicht dabei sein. Sie hat gekämpft, alles gegeben und doch verloren. Unglücklich und mit einem heftig angekratzten Selbstvertrauen verlässt sie die Bühne.   

Groß rauskommen, so wie Daniela, wollte Kerstin eigentlich nie. Ihr hätte es schon genügt, wenn man sie  mit ihren 30 Jahren endlich einmal ernst genommen hätte. Vor allem von ihren Eltern und von ihrem Ehemann hätte sie das erwartet. Das wäre doch nicht zu viel verlangt, oder? Was hat sie im Laufe ihres Lebens nicht alles unternommen, um endlich die Erfahrung zu machen, dass man ihr etwas zutraut und dass sie nicht immer alles falsch macht. Manchmal kommt sie sich dumm und so fürchterlich überflüssig vor und dann glaubt sie, dass keiner sie wirklich schätzt.  Manchmal denkt sie: „Es ist doch eigentlich ganz egal, ob ich da bin oder nicht, ob ich lebe oder tot bin. Wer merkt das schon und wem ist das wirklich wichtig?“ Kerstin fühlt sich irgendwie klein und minderwertig. Ihr Selbstvertrauen geht gegen null. Kerstin ist sehr unglücklich.  

„Das Evangelium ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben,“ schreibt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Menschen in Rom. Heutzutage würde man vielleicht sagen: „Das Evangelium wirkt. Es macht dich glücklich, wenn du darauf baust!“

Bei Martin Luther hat es funktioniert. Das Evangelium brachte ihm tatsächlich Glück. Aber es hat gedauert, bis es so weit war. Viel ernsthafter als Daniela und noch aufreibender als  Kerstin kämpfte Martin Luther um sein Lebensglück. Auch ihm wurde, weiß Gott, nichts geschenkt. Gerade von Gott wurde ihm nichts geschenkt. „Gott ist streng und er spielt seine Macht gnadenlos aus. Nichts, aber auch gar nichts, kann man ihm recht machen“, dachte Luther. So einen Gott konnte er überhaupt nicht gebrauchen. Was er suchte, war  ein gnädiger, ein liebender Gott. Einer, der ihm Anerkennung schenkt. Einer, der ihm sagt: „Du bist schon in Ordnung, mein Freund. Und ich steh´ auf deiner Seite.“ Ja, so einen Gott hätte Luther gebraucht, um  glücklich zu sein.

Manchmal macht Lesen glücklich. Luther hat oft in der Bibel gelesen. Vor allem diese eine  Stelle aus dem Römerbrief, wo von der Seligkeit und von der Gerechtigkeit Gottes die Rede ist, hatte es ihm angetan. So richtig verstanden hatte er sie nicht. Vor allem Gott konnte er nicht verstehen. Dann endlich beim wiederholten Lesen kommt es über ihn und er begreift, dass Gott gar nicht der übermächtige, strenge Richter ist, für den er ihn immer gehalten hat. Im Gegenteil. Gott ist ganz anders. Gott sieht die Menschen mit freundlichen Augen an. Er ist barmherzig und gnädig. Und seine Zuneigung gibt es nur als Geschenk. Es  wird berichtet, Luther habe sich angesichts dieser wunderbaren Erkenntnis wie neu geboren, wie im Paradies gefühlt.

 Ist es das, was Daniela, Kerstin und mit ihnen so viele  Menschen suchen? Einen freundlichen Blick und Anerkennung. Einfach nur gesehen, geschätzt werden ohne sich abrackern oder verbiegen zu müssen. Sich zufrieden, vielleicht sogar glücklich fühlen dürfen ohne es sich verdienen zu müssen.

Bei Gott ist so etwas möglich.

„Das Evangelium ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben.“

Was Daniela und Kerstin wohl sagen werden, wenn sie davon hören?

RAINER HUY

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Morgenandacht  in der esg am Mittwoch, 21. Januar 2004
Tageslosung: Richter 6,13 - Lehrtext: Markus 4,38

„Was glauben die Deutschen?“ In schöner Regelmäßigkeit wird den Menschen im Lande der Puls des Glaubens gemessen. Schlägt er für oder gegen den Gottesglauben? Oder ist womöglich gar kein Pulsschlag mehr zu spüren, weil die Herzen der Menschen nicht mehr für Gott schlagen?

Nein, so schlimm ist es nun doch nicht mit den Deutschen bestellt. Noch immer hängen deutsche Herzen an Gott. Umfragen bestätigen, dass der Glaube an Gott auch heute noch zu spüren ist.
Ich weiß nicht, ob man auch das einmal untersucht oder erfragt hat? Mich würde es allerdings interessieren. Ich würde gerne einmal wissen, ob viele Menschen im Lande an einen Schönwettergott glauben.

Was ist ein Schönwettergott? Ganz einfach. Ein Schönwettergott ist ein Gott, an den man nur bei schönem Wetter glaubt. Wenn die Sonne in das Leben strahlt. Wenn sich das Leben von der besten, von der Sonnenseite zeigt. Wenn alles klappt. Wenn die Gesundheit mitspielt. Wenn der Erfolg im Studium und im Beruf nicht lange auf sich warten lässt, ja dann, aber leider nur dann, glaub man so gerne an einen Schönwettergott.

Aber was ist, wenn alles anders kommt. Was ist, wenn Wolken aufziehen? Wenn´s dunkel wird am Lebenshimmel? Ist ein Schönwettergott eigentlich unwettertauglich?
Oft geht´s dann so, wie es schon immer zuging in solchen Zeiten. Die Menschen fangen an zu zweifeln und zu hadern und sind nun ganz und gar nicht mehr zufrieden mit ihrem Gott.

In biblischer Zeit war das nicht anders. Als es den Israeliten schlecht ging, als es um Leben und Tod ging, als feindliche Völker wie eine Heuschreckenplage über sie kamen, fragte Gideon: Ist der Herr mit uns, warum ist uns dann das alles widerfahren?“
„Warum ist uns das alles widerfahren?“
Warum muss so etwas sein? Warum werden wir bedrängt? Warum kommt das Leid wie eine Heuschreckenplage über mich? Warum lässt du, lieber Schönwettergott, so etwas zu?
Eine uralte Menschheitsfrage! Gott und das Leiden der Welt – wie krieg´ ich das unter einen Hut?
Eine schwierige Frage? Was hilft weiter?
Ich schlage vor, wir steigen einfach mal mit Jesus ins Boot. Das haben seine Jünger damals auch schon gemacht. Sie stiegen ins Boot und fuhren los. Das Wetter war schön und der See war ruhig. Vielleicht war es das gemütliche, sanfte Schaukeln, was Jesus einschlafen ließ. In der Bibel steht jedenfalls: „Jesus war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen!“

Es wäre doch zu schön gewesen. Zu schön, um wahr zu sein. Mit Jesus, mit einem Schönwettergott, auf ruhiger See. Eine gemütliche Fahrt durch die Zeit.

Aber wie es halt so ist im Leben: Das schöne Wetter verzieht sich hin und wieder. Sturm kommt auf und hohe Wellen schlagen in das Boot. Das Leben ist bedroht.

Die Leute im Boot kriegen Angst. Sie fragen sich: „Wie werden wir das überstehen? Wie sollen wir überleben, bei Wind und Wetter, mit einem schlafenden Jesus an Bord? Das kann doch nicht gut gehen!“

Wie gut, dass Jesus im Boot war und kein Schönwettergott. In der Geschichte wird nämlich erzählt, wie er mitten im Sturm, bei Wind und Wetter aufwacht und aufsteht, den Sturm und die Besatzung des Bootes beruhigt. „Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille“, heißt es an einer Stelle dieser Geschichte.
Ziemlich cool fragt Jesus: „Warum seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?“
Doch geglaubt hatten sie schon. Aber wahrscheinlich an den Schönwettergott.
Wie gut, dass Jesus an Bord war, sonst würden sie immer noch an den Schönwettergott glauben.
Aber das ist nun anders. Jetzt wissen sie, dass der Gott der Bibel bei Wind und Wetter, in guten wie in schlechten Tagen im Einsatz ist.
Hoffentlich steigen noch mehr Menschen mit Jesus ins Boot, um das zu erfahren!

RAINER HUY

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Morgenandacht  in der esg am Mittwoch, 14. Januar 2004
Tageslosung: Jesaja 54,10 - Lehrtext: 2. Korinther 9,8

Schwer zu glauben ist so etwas. In Zeiten, in denen deine kleine Welt zusammen bricht, darauf vertrauen können, dass das Leben, dass Gott es dennoch gut mit dir meint.
„Berge und Hügel können fallen aber Gottes Gnade und Zuwendung nicht.“

Ob er das wohl auch so sieht? Er, der Mann, den das Schicksal oder was auch immer, von einem Tag auf den anderen von gesunden Beinen in den Rollstuhl beförderte. Mir läuft es kalt den Rücken runter, wenn ich daran denke, wie schnell so etwas gehen kann. Heute gesund und arbeitsfähig und schon morgen bist du unselbständig wie ein kleines Kind, ohne Hilfe und Unterstützung kaum lebensfähig. So brutal kann deine gesamte Lebensplanung von jetzt auf gleich zusammenkrachen. „Berge und Hügel können fallen...“ Deine Gesundheit kann dir genommen werden.
Und was bleibt? Gottes Zuwendung?

„Ihr wolltet mir Böses aber Gott meinte es immer gut mit mir. Ihr wolltet mich kalt stellen, ausschalten, vernichten aber Gott stand und steht wie ein Mann hinter mir und hilft mir.“ So ähnlich drückte sich Josef in der biblischen Geschichte aus, als seine Brüder ihm so fies nach dem Leben trachteten. Gott meinte es gut mit mir. Josef hat es immer schon gewusst und daran geglaubt. Berge und Hügel können hinfallen, aber trotzdem werden Gottes Freundlichkeit und Zuwendung nicht darunter verschüttet und begraben. „Gott meint es gut mit mir.“ Josef hat darauf vertraut und er hat Recht behalten.

Schwer zu fassen ist so etwas. Dass Menschen, denen das Leben so übel mitspielt, denen das Dach über dem Kopf zusammenkracht, weiterhin an die Sonnenseite des Lebens und, sofern sie religiös sind, an Gottes Freundlichkeit glauben können.

„Ich hätte das nie und nimmer geschafft. Niemals hätte ich durchgehalten, wenn ich nicht gewusst hätte, dass Gott es gut mit mir meint.“ „Ich hätte es nicht geschafft, wenn....“ Das sagte sie, die Frau, die monatelang im Krankenhaus lag und deren Überlebenschancen nicht gerade die besten waren. „Aufgegeben hätte ich mich“, meinte sie. „Nicht mehr weiterleben wollen, bei all den Schmerzen, die mich fasst wahnsinnig machten. Aber trotzdem, ich spürte, dass ich nicht ganz am Ende und nicht ganz allein bin. Das hat mir geholfen.“

Berge können weichen und Hügel hinfallen, eine kleine Welt kann zusammenbrechen, gute Zeiten von schlechten Zeiten abgelöst werden. „Marmorstein und Eisen bricht, aber Gottes Liebe nicht!“

Kaum zu glauben!

Das muss du dir mal vorstellen, was das heißt! Gott ist bei dir in guten und in schlechten Tagen. Er sucht nach dir zu jeder Zeit und an jedem Ort. Und er findet dich und steht zu dir. Selbst dann, wenn fast keiner mehr auf deiner Seite steht. Selbst dann, wenn alle deine Flaggen auf Halbmast wehen und die Melodie deines Lebens nur noch in Moll erklingt. Selbst dann, wenn so ziemlich alles ins Wanken gerät und manches über dir zusammenstürzt. Selbst dann bleibt eines bestehen: Gottes Gnade und Zuwendung. Sie werden nicht weichen.

„So etwas kann Gott machen!“ Das sagt nicht nur der Prophet Jesaja. Nein auch Paulus, einige hundert Jahre später. „Gott kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei...“ Was Gott nicht alles macht? Damals, heute und hoffentlich auch noch morgen.

„Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber Gottes Gnade soll nicht von dir weichen.“

So was gibt´s tatsächlich! Es ist doch nicht zu fassen!

RAINER HUY

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