“bah…”: Von wegen erinnern!

Reformationstag! Wie wäre -

den Lob auf Luther und die Erinnerung an Zwingli, so wichtig beide waren, lassen wir heute einfach einmal weg. Stattdessen reden wir darüber, was uns Protestanten und Protestantinnen ausmacht und worauf wir wirklich stolz sind in unserer Geschichte. Nein, das ist keine Abgrenzung gegen andere, kein später Konfessionalismus, ich schlage es uns vor einfach als Identitätspflege. Ich bin gern Protestantin, zum Beispiel, weil bei uns Frauen Pfarrerinnen werden können. Darauf bin ich stolz. Andere vermutlich auf anderes. Und wenn wir so zusammen sitzen, dann redet einer vielleicht von Dietrich Bonhoeffer, eine andere von den Frauen der Reformation. Ehrlich gesagt finde ich, erinnern macht am meisten Spass, wenn es persönlich wird, wenn also nicht zuerst Ereignisse erzählt werden heute, sondern Erfahrungen. Weiterlesen

„huch…“: Wie wertvoll Kollegen sind

KollegenVor etwa vier Wochen mache ich mich auf den Weg nach Landau ins Butenschoen-Haus. Nach acht Monaten ist es das erste Mal, dass ich wieder dort zu Gast bin. Die Herberge, in der wir während des Vikariats regelmäßig untergekommen sind, ist nun Treffpunkt für den ersten FEA-Kurs – den ersten Kurs der Fortbildungen in den ersten Amtsjahren. Gespannt fahre ich nach Landau. Ich freue mich die Kolleginnen und Kollegen aus dem Kurs wieder zu sehen. Blicke aber auch ganz erwartungsvoll auf die Dinge, die sie aus ihren Gemeinden zu erzählen haben. Denn seit dem Ende unseres Vikariats haben wir uns nur selten gesehen und gesprochen. An den Ordinationen besuchten wir uns gegenseitig. Aber ansonsten haben wir uns im Alltag des Pfarramtes doch schnell aus den Augen verloren. Umso schöner ist es die Kurskollegen endlich wieder zu treffen.

Und dann dient die Fortbildung auch noch einem ganz anderen Zweck. Denn wir haben in diesen drei Tagen die Möglichkeit mal mit etwas Abstand auf die Gemeinde zu blicken und auf das, was wir da eigentlich tun. Drei Tage, in denen wir Zeit haben Bilanz zu ziehen und zurück zu blicken auf das, was bisher war. Ich erlebe, dass ich mit meinen Erfahrungen in der Gemeinde nicht alleine bin. Es ist Raum, uns auszutauschen über all das, was uns freut an unserem Beruf und all das, was uns belastet. Denn schon die Tatsache im Pfarrhaus zu wohnen und zu leben beeinflusst und verändert unseren Alltag massiv.
Konnten wir als Vikare die Wohnungstür zu machen und Privat- und Berufssphäre eindeutig trennen, ist das als PfarrerInnen nicht mehr so einfach. Wir sind immer in der Gemeinde. Ständig klingelt es an der Tür oder am Telefon. Und das Wohnen am Arbeitsplatz bietet uns auf der einen Seite viele Möglichkeiten Dinge auch mal schnell zwischendurch zu erledigen. Es hält aber auch die Gefahr bereit, sich im Beruf zu verlieren. Und so ist eine Quintessenz aus der Fortbildung, dass es wichtig ist Grenzen zu ziehen.

Doch neben all der inhaltlichen, fachlichen Arbeit ist der Austausch mit Kollegen von ganz besonderer Relevanz für uns. Denn niemand versteht die Situation von PfarrerInnen besser als Pfarrer. Ich erlebe den kollegialen Austausch als unendlich wichtig. Und das nicht nur auf der Fortbildung, sondern auch in meinem Alltag. Sei es auf dem Pfarrkonvent oder beim Treffen im kleinen Kreis mit Kolleginnen. Das hat wenig davon, dass man sich gegenseitig in eine Depression redet. Sondern vielmehr davon, sich gegenseitig Mut zu machen. Natürlich gibt es auch Aufreger. Aber über allem steht doch, dass wir uns gegenseitig bestärken in dem was wir tun. Denn das habe ich auch in den letzten Monaten erfahren: Die Selbstzweifel gehören zum Pfarrerdasein dazu. Mache ich das richtig? Ist es gut, dass ich es so mache und nicht anders? Ich begreife meinen Beruf zunehmend als langen Weg, auf dem ich unterwegs bin und bei dem ich doch nie ankomme. Das erfordert einen langen Atem. Und ich brauche eine hohe Flexibilität im Denken und im Handeln.

Und darum ist es wichtig, mir immer wieder Denkpausen zu gönnen, in denen ich Bilanz ziehen kann und neue Impulse von außen bekomme. Es ist wichtig, dass das auch das Bild der Pfarrpersonen verändert. Ich erlebe mich nicht mehr als Einzelkämpfer, wie noch Generationen von Kolleginnen vor mir. Sondern ich bin hineingestellt in einen Kollegenkreis, in dem es, wie in anderen Berufen auch, wichtig ist zusammen zu arbeiten und füreinander Sorge zu tragen. Sicher, in der Gemeinde bin ich dann doch wieder der einzige Pfarrer. Aber dennoch ist es wichtig Absprachen zu treffen und sich gegenseitig zu helfen, Erlebnisse zu teilen. Diese Zusammenarbeit und Kollegialität fängt an bei Urlaubvertretungen und wird fortgesetzt in gemeinsamen Veranstaltungen und der kollegialen Beratung. Was am Ende steht, kann ich noch gar nicht beschreiben, denn dafür sind wir noch zu sehr am Anfang dieses Weges.
Ich verstehe aber das Anliegen hinter einer Fortbildungspflicht, wie sie im neuen Pfarrdienstrecht vorgesehen ist. Denn dann habe ich – gezwungenermaßen – Zeiten, in denen ich raus bin aus dem Betrieb der Gemeinde. Zeiten in denen ich erkenne, wie wertvoll Kollegen sind.

“aha…” Auf dem Weg zur Sprachfähigkeit III: Psychologie

VierOhrenFür die dritte Perspektive auf die Sprachfähigkeit im Glauben, die kommunikationspsychologische, beziehe ich mich auf einen „Klassiker“: das dreibändige Hauptwerk des Psychologen und Kommunikationswissenschaftlers Friedemann Schulz von Thun, „Miteinander reden“. Schulz von Thun entwirft darin ein Modell der Kommunikation, das gleichermaßen klar verständlich wie ergiebig ist. Mit seinem „Quadrat der Nachricht“ (vgl. zum Folgenden [1], S.19-21) geht er davon aus, dass jede Mitteilung immer vier Seiten hat. Und während der Sender mit „vier Schnäbeln“ spricht, hört der Empfänger auf „vier Ohren“. Kommunikationsstörungen entstehen dadurch, dass oft nur eine Seite der Mitteilung explizit ausgesprochen ist und alle anderen Botschaften „zwischen den Zeilen“ mitschwingen. Weiterlesen

“bäh”… in love with my job

in love with my job 2Ja, es ist ätzend.

Das Telefon kennt keine Ruhezeiten, die Haustür keine Sperrstunde, die Kuchenteller keinen Rand und das Ohr blutet auch hin und wieder, wenn das Gespräch sich zum x-ten Mal wiederholt.

Genauso ist es mit Treffen in Kollegenkreisen, die ja immer wieder mal nach dem Grundsatz strukturiert sind, dass in der versammelten Pfarrerschaft (mmh, bah, die Pfarrerinnenschaft vergessen, sorry *zwincker*) zwar schon alles gesagt wurde, bloß noch nicht von jeder und jedem.

Keine Frage, der Pfarrberuf scheint eine der anspruchsvollsten, aussaugendsten und ungerechtesten Tätigkeiten der Welt zu sein. Verglichen mit anderen Berufen, die eine ähnlich lange Ausbildung voranstellen, auch noch schlecht bezahlt – wie unfair.
Also, wie gemacht für all die jammernden Pfaffinnen und Pfaffen, die sich mit stolz geschwellter, protestantischer Brust herausgefordert fühlen, gegen jede Einschränkung des persönlichen Umfelds tapfer anzuschreiben und anzuschwätzen. Und ja, mir passiert das auch manchmal. Weiterlesen

“bah…” was für ein Ich-Wir-Durcheinander!

Komitee für eine reformierte Kirchgemeinde Zürich - gemeinsame Teilete auf dem Helvetiaplatz

Komitee für eine reformierte Kirchgemeinde gemeinsames Essen auf dem Helvetiaplatz Zürich

Ich glaube, es war meine erste eindrückliche Begegnung in der Schweiz. Bei dem ersten Seminar, das ich gab. Ganz am Ende. Der Gottesdienst des Wochenendes war gerade vorbei. Wir verabschiedeten uns; eine stand noch kurz bei mir, um mir beim Gehen zuzuraunen: “Das hat mir jetzt gar nicht gut getan, das Unser Vater zum Schluss”. Die Wolkenhöhe, aus der ich fiel, war gigantisch. Wie, nicht gut getan, das Gebet Jesu? Beten wir das nicht immer? Ein mir bis dahin vollkommen selbstverständliches Wir zerbrach in dem Moment. Seither bin ich der Ich-Wir-Verwirrung auf der Spur. Weiterlesen