“mmh…” Brustlos glücklich. Und gesund?

Wieder Freitag, mein Gartenschauprojekt lässt mich kaum durchatmen, Großprojektwahnsinn ohne Methode, das ist auch so ein Thema, doch heute, etwas atemlos aufgepickt, Fragen über Fragen zur Schlagzeile dieser Tage: „Angelina Jolie. Brüste amputiert!“

Warum? Weil sie wie ihre Mutter Brustkrebs bekommen könnte. Zu 87 %, weiß die Genuntersuchung. Angeblich. „Heldenhaft“, nennt Ehemann Brad Pitt ihren Schritt. Weshalb? Sind Heldinnen – was für ein Wort – nicht allenfalls Frauen, die mit Brustkrebs zu kämpfen haben? Nun soll heldenhaft sein, nicht nur zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen, sondern nach Gentests, die auch Versuch und Irrtum sein können, vorsorglich Brüste entfernen zu lassen. Allenthalben wenig Kritisches dazu, viele Jubelstimmen.

„Ich brauche keine Brüste für meine Weiblichkeit“, höre ich Pretty Angelina im Radio sagen. Und stöhne. Als wäre Lara Croft ab jetzt flachbrüstig, vernarbt womöglich wie eine Freundin, die vorerst keinen Brustaufbau machen kann und will. Wie so manche „Amazone“… Wie sollte aber ein Hollywoodstar „ohne“ sein, in einem Land, da Girls sich zum Collegeabschluss wünschen, den – wohlgemerkt gesunden – Busen zu „machen.“

Jolie nun also mit Brüsten wie gemacht. Wer könnte es ihr verdenken in diesem Business, wer könnte ihre persönliche Entscheidung kritisieren? Doch ist darin Heldinnen-Vorbildhaftes zu entdecken? Her mit den Kunstbrüsten, die nicht krank werden können. Mal abgesehen von gefährdenden Silikoneinlagen.

Amputation aus Angst vor Krankheit. Miss America hatte es bereits vorgemacht. Wie geht das weiter? Männer lassen Hoden entfernen, Raucherinnen Lungenflügel… oder gleich das Leben nehmen? Das verringert in jedem Falle die Lebensgefahr. Nein, Zynismus ist nicht angemessen. Aber ist es nicht auch zynisch zu meinen, Leben und Tod seien nichts als eine Wahrscheinlichkeitsrechnung der Doppelhelix…

Lehre uns bedenken, dass wir …“ Immer wieder steckt sie dahinter, die Angst vor dem Tod, dem Verfall, dem Leiden. Oh ja, sie ist verständlich, diese Angst. Und ich mache mir auch Sorgen, sorge vor. Doch wie weit will ich gehen, will ich wirklich wissen, was mir alles drohen könnte? Zu 30 % Alzheimer, 55 % Eileiterkrebs, 23 % Hirntumor… Zu 5 % übrigens sei Angelina noch gefährdet. Doch Ärzte sagen, Brustkrebs, frühzeitig entdeckt sei zu 90 % heilbar.

„Auf dass wir klug werden.“ Macht mich dieses Zahlendatengentestwissen gesünder, schlauer, lebensklüger? Lehre uns bedenken, dass wir schwer krank werden können…

Oder was denkt ihr?

Bleibt erst recht frech und fröhlich,
Eure Mechthild Werner

Foto wikipedia

41 Gedanken zu ““mmh…” Brustlos glücklich. Und gesund?

  1. Heldinnen und Helden, sind das nicht die, die sich für andere und natürlich für sich aufopferungsvoll einsetzen, in schweren Momenten den Anforderungen und schlechten Zeiten mutig entgegentreten und so Hoffnung geben? Für mich sind sie es.

    Das Sterben, der Tod, untrennbar mit dem Leben verbunden. Krankheiten werden viele Menschen dem Sterben und dem Tod nahe bringen, ihn in dieses begleiten.

    Demenz, Tumore, Herz-Kreislauferkrankungen und viel mehr fordern ihren Tribut. Muss ich wirklich durch einen Gentest für mich alles wissen was in der Theorie mich bedroht? Wie gehe ich mit dem Wissen um? Wie gehe ich denn mit der Prognose um, wie verändert dieses theoretische Wissen mein Leben? Muß mit dem Wissen eine solch drastische Entscheidung getroffen werden, gäbe es Alternativen? Können wir Menschen nach solch Wissen überhaupt noch frei entscheiden? Wäre nicht bereits ein Umgehen mit der Prognose und eine Veränderung der Lebensgewohnheiten genug der Vorbeugung? In diesem Fall evtl. öfters die Krebsvorsorge über mich ergehen lassen? Ohne die voraussehende Operation?

    Wie gehe ich mit meinem Leben um? Immer erfolgreich, gesund, jung und schön; dies gibt es nicht. Die Einstellung zu unserem Aussehen, zu dem was kommen kann, zu dem was uns als Menschen auszeichnet und uns wertvoll macht, die muß anders werden.

    Wo wird es Enden? Brustkrebsrisiko 80%, OP mit Aufbau des Gewebes? Alzheimerrisiko 80% Was machen wir dann? Beginnt nicht das Überschreiten einer Grenze in der Medizin? Vor allem, was passiert, wenn eine Vorsorgemaßnahme drastisch operiert ist, dann eine weitere Erkrankung die das Leben verkürzt eintritt?

    Wer unter einer solchen Belastung lebt, dass solche Genteste freiwillig gemacht werden, der steht sicher unter einem Druck, unter einem Leidensdruck der für viele für uns nicht vorstellbar ist. Ein Urteil über eine Entscheidung pro oder contra steht mir nicht zu.

    Wir alle sind kurz zu Gast auf der Welt. Auch Leiden und Krankheit könnte Sinn machen, vieles wird von Betroffenen auf einmal im Leben anders bewertet. Sterblichkeit ist uns gegeben. Keiner weiss zum Glück, wann die letzten Stunden kommen und wie sie kommen. Müssen wir alles wissen? Ich meine nein.

    • Da war sie noch, am Ende, die Antwort, Deine, lieber @Jürgen, ein “Nein”, Du willst es nicht wissen. Ich auch nicht. Aber wer weiß, wenn meine Mutter schon früh gestorben wäre…

      Wie gesagt, Du wirfst ja meine Fragen auf und noch mehr. Wie finden wir diese “neue Einstellung” von der Du sprichst, zu unserem endlichen Leben in einer Zeit der unendlichen Möglichkeiten? Nicht leicht.

  2. Irgendwie gelingt es mir nicht, über Jolie und ihre Entscheidung chauvinismusfrei zu sprechen. Ich bin sonst nicht so, aber Lara Croft’s Brüste gehören mir, ich habe sie auf DVD, ich habe dafür bezahlt, dasselbe Geld, von dem diese Behandlung bezahlt wurde. Jolie hat ihr Alleineigentum, ihre Selbstbestimmung aufgegeben, als sie sich für solche Rollen entschied.

    Wäre dies eine andere Frau, könnte ich mehr Empathie aufbringen und über ihr Recht auf Abwägen sprechen und über diese neue amerikanische Angst vor Kontrollverlust, die die berühmte ‘German angst’ längst eingeholt hat, die Freiheit aufgibt, um die Freiheit zu verteidigen, und der Selbstmord aus Angst vor dem Tode wie eine logische Entscheidung vorkommt. Aber Angelina Jolies Brüste? Niemals!

    • Ob Lara Crofts Brüste Dir gehören, lieber @Thomas? Da werden Millionen Männer widersprechen. ;) Einer ihrer Kollegen sagte nach der OP: “Nun ist sie wirklich die schönste Frau der Welt.” Er meinte ihre Offenheit…

      Doch der Doppelsinn zeigt eben, was Du beschreibst, eine Ikone bleibt eine. “Brangelina” ist perfekte Inszenierung. Erst recht das “Menscheln” darin. Das macht diesen Vorgang, diesen angeblich Vorbildhaften Schritt so doppelbödig.

      Ein Recht auf Selbstbestimmung indes hat jeder Mensch, behält jeder Star, oder? Mag die Würde manchmal im Medienrummel schwer versteckt sein, unantastbar ist sie allemal.

      “American Angst”. Tja, das ist ein Phänomen, das allerdings zu beobachten ist…

      Ein angstfreies Wochenende wünscht Mechthild

      • Mir, nicht mir allein. Aber eben auch nicht Jolie allein. Lara Croft gehörte schon mir, als sie noch auf Floppies lebte und Angela Jolie ein Schulmädchen war.

        Indem Jolie als Vorbild diesen Schritt nicht nur geht, sondern öffentlich geht, diktiert sie Normen, nicht mehr nur was schön sei, auch was klug sei, soll ihrer Deutungshoheit unterstehen. Nicht nur dumme Frauen werden den Druck spüren, ihr zu folgen.

        • Und genau deshalb finde ich sie eine Heldin – weil sie über ihren Körper selber bestimmt hat – und dass, wo er ein Körper ist, der anderen zu gehören schien.
          Ich hoffe, in dieser Weise wird sie Vorbild – das weibliche Recht auf den eigenen Körper, das ist bei vielen von uns nach wie vor sehr unterbelichtet. Der Druck der Schönheitsindustrie macht das nicht besser.

          Oder glaubt Ihr Männer wirklich, wir würden uns nun alle massenweise die Brüste abnehmen lassen und mit Silikon ersetzen?! Hallo?! Dass wir Frauen auch ein Gehirn haben, das wißt Ihr schon? Und dass wir wissen, welche Bedeutung Brüste für uns selbst und zB unsere Sexualität haben – unabhängig von Eurem Blick?!

          Nein, Mechthild – diesmal bin ich gar nicht Deiner Meinung.
          Ich meine das hier:
          http://frauauge.blogspot.de/2013/05/fur-uta-und-angelina.html

          Und sage Brava! zu dem:
          http://inmelsho.de/hatte-sie-besser-die-klappe-gehalten-angelina-jolie-und-ihre-brustamputation/

          • Gut, wenn hier nicht jeder meiner Meinung ist, liebe @Frau Auge ;)

            Wobei ich keine einlinige Meinung habe, eher Anfragen denn Antworten. Mein Unbehagen gegenüber der emanzipatorischen Stilisierung einer Ikone menschlicher Perfektion bleibt indes. Den liebevollen Blick auf den eigenen Körper, den Kontrapunkt zum Schönheitswahn, den kann ich gerade bei dieser glänzend polierten Staroberfläche nicht erkennen.

            Fragwürdig eben, was andere Frauen mit diesem Vorbild anfangen sollen, was Betroffene in puncto Vorsorge und “sicherer Vorhersage” erlebt haben – siehe allein die Kommentare hier – und wie die Genpatent-Industrie Geschäfte wittert… siehe Link. Dazu die ach so ungefährlichen Silikonimplantate. Das soll nun besonders Frauenbefreiend wirken? Den Blick vom Busen ablenken und auf die Frau als selbstbewussten, selbstbestimmmten Menschen lenken? Gar die Angst vor dem Krebs nehmen? Nein, ich kann eher das Gegenteil entdecken.

            Lebendige Pfingstgrüße sendet M.

  3. Ich tät’s nicht. Bei einer entsprechenden Vorbelastung würde ich recht engmaschige Vorsorgeuntersuchungen (vermutlich – falls ich nicht gerade anderes zu tun hätte) ernst nehmen.
    Sorget nicht… denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen…
    Natürlich bleibt Angelina Jolie die Freiheit zu dieser Entscheidung unbenommen, aber deswegen muss ich nicht Beifall klatschen (aber habe natürlich auch nichts zu verurteilen).
    Irgendwie ist da aber mal wieder sehr viel Presse-Push-Up dabei…

  4. In meinen Augen muß man hier zwei Ebenen trennen:
    Zum einen die Ebene der Privatperson Angelina Jolie,die mit einer wahrhaft schrecklichen Prognose konfrontiert war.
    Ihre Entscheidung zu beurteilen steht mir nicht zu.Ich habe da mehr Fragen als Antworten.

    Etwas mehr fällt mir zur zweiten Ebene ein,die des prominenten Superstars Angelina Jolie, und wie sie mit ihrer Situation öffentlich umgeht.
    Heldenhaft nennt sie ihr Mann Brad Pitt.
    Wir haben es hier mit einem amerikanischen Archetypus zu tun,ähnlich des Tellerwäscher-Millionärs Karriere.
    Dieser Mythos erzählt von Menschen,die ihrem Schicksal trotzen,einer schweren Krankheit die Stirn bieten und dafür von der amerikanischen Gesellschaft umso mehr geliebt werden.
    Beispiele sind der querschnittsgelähmte “Superman” Christopher Reeves,der Parkinson-Erkrankte Mohammed Ali,der noch die olympische Fackel trug(Clinton:”Ali was great!”) oder auch der Tierdompteur Roy(Siegfried and Roy)der von einem seiner Tiger schwer verletzt wurde.
    Man will sie über ihr Schicksal triumphieren sehen.
    Nichts liebt die amerikanische Öffentlichkeit mehr und nichts inszeniert sie so gerne wie diesen Mythos,meist bei öffentlichen Preisverleihungen,meist endend in “standing ovations”.
    Das alles,glaube ich,muß man bedenken wenn man jetzt Angelina Jolies Umgang mit ihrer Situation betrachtet.
    Ihr bliebe ja theoretisch der Rückzug ins Private,die Konzentration auf möglichst vollständige Erholung,körperlich wie seelisch.

    Aber nein,ich sehe sie schon bei der nächsten Preisverleihung im Blitzlichtgewitter,in Rekordzeit genesen.Mit neuer Oberweite.
    Und:”Schöner denn je!”
    So wird es heißen.Garantiert.
    Eine starke Frau………

    • So wird es sein, lieber @Barney, so ist es ja bereits, der Busen der noch Schöneren und Stärkeren wird sich als Motiv des Mythos anbieten…

      American heroes. Aber die erwähnten sind erkrankt oder verunglückt. Hätte Ali nach einem Gentest der Parkinson-Erkrankung vorbeugen können, wohl noch nicht machbar. Aber wäre der Mythos ebenso groß gewesen? Frage ich mich.

  5. Guten Morgen liebe Mechthild,

    als ich die Meldung über A.Jolie hörte empfand ich Befremdung. Was sie wirklich bewogen hat diesen Schritt zu gehen kann ich vielleicht erahnen, wissen tue ich es nicht. Ihr Ehemann darf diesen Schritt heldenhaft finden, ich nicht! Eine Nummer kleiner hätte es auch getan und damit meine ich auch die Reaktion der Presse und der Öffentlichkeit.
    Memento Mori liebe Mechthild, wie wahr und jeden Tag aufs neue…

    Sei gegrüßt
    Jörg

    • Das ist es wohl, lieber @Jörg, wie lässt sich der Mensch hinter dem Star überhaupt entdecken. Da gerade das Menschliche auch genau inszeniert wird. Doch jenseits des Presserummels bleibt eben die Grundfrage. Ja, jeden Tag aufs Neue… Pfingstliche Grüße, M.

  6. Gestern in Bayern2 radio eine interessante Sendung zum Thema: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/iq-wissenschaft-und-forschung/jolie-brustkrebs-amputation-100.html

    Es ist schwer, etwas dazu zu sagen. Nach dem Erleben der schweren Krebserkrankung meines Vaters und mit dem Wissen oder zumindest der Ahnung um eine erbliche Belastung kann und werde ich meine eigene Gefährdung nicht ignorieren können: Regelmäßige Untersuchungen wird es geben. Allerdings ist es natürlich Irrsinn, der Angst vor dem Tod gesunde Lebensqualität zu opfern. Es erinnert mich an Louis XIV., der sich aus Angst vor künftigen Infektionen sämtliche Zähne ziehen ließ – mit katastrophalen Folgen für das Gesamtsystem des Körpers.
    Ich kann allerdings nicht über die Angst eines Menschen und seine Maßnahmen dagegen urteilen. Das Bewusstsein meiner eigenen Endlichkeit und mein Glaube an die offene Tür des ewigen Lebens hilft mir – jetzt, da ich “gesund” bin. Ob sie es auch noch tun werden, wenn der stille, unerbittliche Gast an mein auf Kontinuität geeichte Lebensgehäuse klopft?
    Nachdenkliche Pfingstgrüße! P.M.

    • Hab Dank für deine offene Nachdenklichkeit, lieber @beer.

      Ja, das ist sie, die Frage, der Du Dich stellst und die ich mir auch stelle – beide Großmütter starben an Krebs – was tun, wenn? Mich sorgen, aber nicht schier zu Tode ängstigen. Das wird schwerer, je leichter die Medizin Abhilfe schaffen kann. Angeblich.

      Frohgemut, frische Pfingstgrüße, M.

  7. Was der Fall Jolie mit dem memento mori zu tun hat, erschließt sich mir beim besten Willen nicht. Der Schritt ist zweifellos drastisch aber ich finde ihn völlig nachvollziehbar. Ich habe mir als Jugendlicher auch drei meiner völlig gesunden Weisheitszähne entfernen lassen, – einzeln und nacheinander- weil mein Zahnarzt mir prophezeite, die würden irgendwann mal Ärger machen und seien dann viel schwerer zu entfernen. Den vierten ließ ich drin – weil mich der Mut verließ und damals umgezogen bin. Vor zwei Jahren habe ich das schmerzlich bereut, als genau das eintrat, was mir mein Zahnarzt damals vorhergesagt hatte!
    Nun war mein eitriger Weisheitszahn schnell gezogen und die Schmerzen vorbei, bei einer Krebserkrankung sieht die Sache anders aus!
    Memento mori kann doch nicht heißen, sehenden Auges auf eine vermeidbare Erkrankung zusteuern zu müssen, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Wer das memento mori so versteht, der sollte es künftig bitte auch unterlassen, sich im Auto anzuschnallen.
    Die Verweise auf all die Diagnosen, bei denen man prophylatisch nichts machen kann können doch kein Argument sein hier nicht zu handeln. Ob jemand mit dem Damoklesschwert leben kann, aller Wahrscheinlichkeit nach zu 85% an Brustkrebs zu erkranken oder nicht, muss doch jedem selbst überlassen bleiben. Und wer für sich über sein eigenes genetisches Risiko im Unklaren bleiben will, wird ja (zumindest bislang) zu keinem Test gezwungen.
    Kritikwürdig ist zweifellos der Umgang der Medien mit dem Fall, aber das ist ja wieder eine ganz andere Geschichte.

    • …..Memento Mori bezieht sich auf die Grundsätzliche Einstellung zum Leben und nicht auf Frau Jolie denn deren Lebenseinstellung kenne ich gar nicht. Im Übrigen werde ich mich weiterhin anschnallen………!
      Schöne Grüße

    • Endlich debattiert hier mal einer, lieber @Dirk ;)

      Aber: Lebensbedrohliches und Memento Mori haben nichts gemein? Aha. Ähm.

      “Nachvollziehbar” ist der drastische Schritt für sie selbst, das mag sein. Das kann und mag niemand verurteilen. Wie ich ja schrieb. Ob sich Weisheitszähne mit Brüsten vergleichen lassen oder Amputation mit dem Anschnallgurt, nu ja. Vorsorge jedenfalls, ja bitte. Wie gesagt.

      Aber die Frage war, wie weit soll oder muss sie gehen? Aufgrund von Zahlen, die irren können, wird eine solche sogenannte Vorsorgepanik recht irre. Wie @JochenRochen eindrücklich schreibt. Zumal, wenn man den Medienhype samt jenem fragwürdigen Gentest-Patent-Geschäfte-Hype bedenkt, worauf @Bettinas Link verweist.

      http://recentr.com/2013/05/angelina-jolie-soll-der-industrie-milliardenprofite-und-brca-genpatente-sichern/

      Das Vorbildhafte, Heldenhafte, angeblich Alternativlose ist es, was mich schaudert. Laut Medizin gibt es ausreichende, lebenserhaltende Alternativen. Vorzusorgen, einzugreifen, wenn es nötig wird. Alles, alles selbstredend ohne Gewähr. Womit wir wieder am Ausgangspunkt wären, oder?

      • Liebe Mechthild,

        Memento mori heißt für mich, mir meiner Sterblichkeit bewusst zu sein, aber das impliziert doch nicht, dass mir der Zeitpunkt dieser Endlichkeit egal ist.
        Wie weit Vorsorge gehen darf hattest du gefragt und mit der Unzuverlässlichkeit von Statistiken argumentiert und wiederholt lese ich hier von Panikmachen und Vorbildfunktion und den vielen Frauen, die nun angeblich zur Nachahmung gedrängt werden. Sorry, aber das halte ich nun für Panikmache.
        Wenn ich die Statistiken und Studien, die nun in mannigfaltigen Publikationen diskutiert werden wichtig verstehe, betrifft die Genvariante, die A.J. hat nur eine von 600 Frauen. Von diesen allerdings erkranken statistisch – je nachdem, welcher Quelle man nun glauben soll – zwischen 56 und 87%. Diese erkranken aber typischerweise nicht erst mit 70, sondern bereits in recht jungen Jahren.
        Für über 99,5 % der Frauen stellt sich diese Frage einer vorauseilenden Brustamputation also eh nicht und diejenigen, die es betrifft haben in der Regel bereits mehrere Fälle von Brustkrebs in der eigenen Familie erlebt und haben demnach sowieso Angst, selbst zu erkranken. Wenn sich von diesen Frauen nun welche zu dem drastischen Schritt durchringen, durch eine Amputation das Brustkrebsrisiko auf das Durchschnittsrisiko der weiblichen Gesamtbevölkerung zu senken, muss man diesen Frauen nicht noch vorhalten, sie würden damit die eigene Endlichkeit leugnen oder einem Jugendwahn huldigen.
        Ich gehe mal davon aus, auch eine A.J. wird sich nach wie vor bewusst sein, dass sie trotz dieser OP morgen einen Autounfall haben kann oder übermorgen an einer ganz anderen Krebsart erkranken kann.
        Ob eine engmaschige Brustkrebsvorsorge wirklich die bessere Alternative ist, kann ich nicht beurteilen, weil mir dazu das medizinische Wissen fehlt. Aus meiner laienhaften Perspektive würde ich aber hier sagen: Vorsorge kann erst dann behandeln, wenn bereits Krebs vorliegt und dann besteht immer auch bereits das Risiko der Streuung und Metastasierung. Sicher: Mit diesem Risiko leben wir alle jeden Tag aufs Neue – aber sicher nicht mit einem so hohen Risiko, bereits in jungen Jahren daran zu erkranken…

        Der öffentliche Umgang im Fall Jolie mag kritikwürdig sein – ich frage mich aber, ob sie wirklich eine andere Wahl hatte. Hätte sie die OP heimlich still und leise machen lassen und versucht es nicht öffentlich werden zu lassen und es wäre dann doch durch irgendeine Indiskretion öffentlich geworden, hätten die gleichen Kritiker gesagt: Aus purem Jugendlichkeitswahn hat sie versucht, den Eingriff geheim zu halten. Sie kann nicht zu ihrer Vergänglichkeit stehen. Also egal, wie sie sich öffentlich verhalten hätte, wäre sie zur Zielscheibe von Kritik geworden. Dass man nun keine Heldin aus ihr machen muss, da stimme ich völlig zu.

        Dass die Patentehalter der Gentests sich nun die Hände reiben und auf den großen Reibach hoffe und versuchen aus der Angst der Frauen Kapital zu schlagen ist ätzend!

        • Ja, da schließe ich mich teilweise an. Niemand sollte Frauen, die für sich entscheiden, etwas vorwerfen. Schwer genug, denn so wie Du und ich, ist zumeist niemand Fachfrau oder Fachmann genug.

          Umso wichtiger, jenseits der Statistiken und Genpatenteure gut beraten zu werden und keine Panikentscheidungen zu treffen.

    • Wichtiger Hintergrundartikel, liebe @Bettina. Das Genpatent-Business ist neben dem Show-Business ein weiterer Faktor… Und Mattusek – wiewohl mir häufig zu (katholisch;)moralisch – bringt in seinem Kommentar manches gut auf den Punkt. Danke für die Links!

  8. Ein Beitrag ins Schwarze, liebe Mechthild!
    Ich versuch’ s mal ganz persönlich:
    Die ganz laute Überschrift einer (großen?) Zeitung mit vier Buchstaben ist ein treffender Ausdruck von all dem.
    Ich habe mir gleich die Frage gestellt, ob es das selbe Echo gefunden hätte, wenn Else Mustermann die gleiche Entscheidung getroffen hat.
    Vermutlich nicht.

    Nun kann Frau J. sicher mit sich tun und lassen, was sie will und mein Interesse daran ist eher gegen Null.

    Doch sich derart zu inszenieren ist auf eine gewisse Art gleichermaßen entlarvend wie dekadent.
    Wären da nicht noch all die anderen Frauen, die sich da durch vermeintliches Heldentum instrumentalisiert und im schlimmsten Fall unter Zugzwang gesetzt fühlen müssen. (Model-Shows & Barbie-Haus lassen grüßen…).
    Wären da nicht all die Männer, die jetzt erst mal kräftig durchatmen müssen (Brat Pitt hin oder her).

    Und ich?
    Natürlich mag ich auch schöne Frauen und natürlich auch schöne Brüste – es wäre verlogen und geheuchelt das nicht zuzugeben! Warum auch nicht?

    Dennoch geht es um etwas ganz anderes.
    Wir haben die Möglichkeiten, unser Leben so derart nutzlos und egozentrisch zu manipulieren, dass sich beinahe alle möglichen Empfindungen ausblenden lassen. Hauptsache cool und politisch korrekt. Unverbindlich und so schmerzfrei, wie es eben geht.
    Damit will ich niemanden diskreditieren, der an Krebs leidet – ich kenne einige und sie haben weder die finanziellen Mittel noch die Arroganz, sich öffentlich derart zu echauffieren, wie Frau J. das medienwissentlich tut.

    Aber ihnen ist mein Respekt und meine Demut. Ihren Männern, ihren Angehörigen, die das alles mit tragen….
    Weil ihnen das leben heilig ist.
    Weil sie lieben…..

    Euch allen gesegnete und ruhige Pfingsten!

    wünscht

    @chris_huebener

    • Wenn schon Heldinnen und Helden, lieber @Chris, dann die Liebenden und Mitleidenden…

      Wer weiß, ob das im Hause Brangelina nicht auch so sein mag? Auch Stars bleiben bei aller Medieninszenierung Menschen. Hoffe ich. Der “Zugzwang”, der ist es, der diese Pseudo-Helden-Inszenierung so fragwürdig macht.

      Dir ein erfrischendes Pfingstfest, M.

  9. Es ist ihre Entscheidung. Und doch:
    Ich bin wütend geworden, als ich die Nachricht diese Woche gehört habe.
    Zum einen, weil es eben doch etwas anderes ist, sich gesundes Drüsengewebe entfernen zu lassen und es im gleichen Schritt mit Silikon oder was auch immer wieder auffüllen zu lassen oder eine kranke Brust amputiert zu bekommen, die nicht direkt wieder aufgebaut werden kann, wenn Chemo und Bestrahlung folgen.
    Zum anderen macht es mich wütend, dass Angst immer stärker zum Motor des Handelns in einer Gesellschaft wird.
    Und zum dritten bin ich wütend geworden, weil ich die Befürchtung habe, dass durch diesen Schritt ein Druck auf Frauen ausgeübt wird, sich diesem Gentest zu unterziehen.
    Ich habe den Gentest nicht machen lassen, obwohl meine Großmutter und meine Mutter an Brustkrebs erkrankt waren. Ich habe mich für eine engmaschige Kontrolle entschieden. Die hat nun nicht verhindert, dass ich selbst an Brustkrebs erkrankt bin und leider musste mir auch eine Brust amputiert werden. Also, hätte ich lieber doch vorher diesen Test machen sollen?
    Nein. Denn das Leben bleibt lebensgefährlich. Das Gen habe ich nämlich gar nicht, das haben sie bei all den Untersuchungen rausgefunden.
    Mein Fazit, weniger Angst, was in der Zukunft mir alles widerfahren kann, weniger Sicherheit, sondern viel mehr Lebensfreude und Genuss an jedem Tag neu.
    Und mit Blick auf das Pfingstfest: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
    Auch ich habe immer wieder Angst, dass der Krebs wiederkommen kann. Aber die Angst und die Furcht jetzt zum Motor meines Handelns und meines Lebens werden zu lassen, das wäre doch jammerschade, dazu ist das Leben viel zu wunderbar.

      • nun gut, dann doch soviel:
        Angelina, Angelina. Schade drum und doch nachvollziehbar. Schwierig, als Mann die richtigen Worte zu finden, die weder sexistisch noch besserwisserisch rüberkommen dürfen. Habe als Kind gegenüber Ärzten und Eltern tapfer um meine Tonsillen gekämpft, obwohl man sie mir als Ursache aller Übel madig machte und mir sonst etwas prophezeite, wenn sie nicht rauskämen. Und habe obsiegt. Lese heute, dass man das damals alles falsch beurteilt hat. Und kann und will daraus doch kein allgemeines Prinzip ableiten, wie auch, denn der med. Fortschritt seitdem steht außerfrage. Ich zolle ihr Respekt und hoffe für sie, dass es die richtige Entscheidung war – und sie wird nicht erfahren, ob dem so war, denn das ‘was wäre wenn’ wird sich nie aufklären lassen. Weder hier noch anderswo. Und hoffe, dass andere Frauen in ihrer Situation eigenständig entscheiden und sich nicht an ihr als Vorbild, Idol, was auch immer orientieren.

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  11. Mich nerven solche Meldungen. Sie läuten ein etwas ein, bei dem ich Bauchschmerzen kriege: Die nächste Stufe des Vorsorgewahns.
    Womit ich nicht die individuelle Entscheidung anprangern will – die sei jedem überlassen. Jede Wirklichkeit ist anders, daraus ergeben sich unzählige Ansichten und Aktionen.
    Ich wehre mich allerdings dagegen, dass es Schule macht, ärztliche (hier: genetische) Prognosen für so maßgeblich zu halten, dass man ihnen knallharte Taten folgen lässt. Wann *müssen* wir das genauso machen? Wann zahlt die Krankenkasse dann die Behandlungen nicht mehr, wenn wir schließlich die Krankheit bekommen, die uns ja schon in jungen Jahren geweissagt wurde? Wann mag es heißen, wir seien ja selbst schuld, hätten vermeiden können, “so etwas” zu kriegen?

    Wird es jemals gelingen, alles im Griff zu haben?
    Manchmal denke ich an “Vorgaukeln”, “Gaukler” – Wahrsagerei, ja. Was einerseits vehement als Aberglaube und Abzocke verdammt wird, erscheint als wissenschaftlich fundierte Variante “von hinten durch die kalte Küche” wieder. Denn einmal kommt – wie wir alle wissen – 1. alles anders 2. als man denkt (nicht immer, aber doch möglicherweise), und dann macht jeder Mensch Fehler. Schusselige Fehler wie bei mir: Ich hätte im Vorsorgewahn fast ein Kind verloren, weil der Arzt sich vertan, verguckt, verrechnet oder sonstwas hat. – Oder komplexere Fehler, für die keiner was kann; egal.

    Irgendwie muss man solchen Prognosen immer *glauben*. Das kann man natürlich tun, aber ich halte es für fatal, wenn ein jeder dazu verpflichtet würde. Glaube sollte befreiend wirken und nicht zu etwas zwingen.

    • “Glauben”, alles “im Griff” zu haben, das ist es, liebe @JochenRochen, das Paradox. Danke für Deine persönliche Geschichte und Einschätzung. Wann welche “Vorsorge” bezahlt werden wird, auch das ist und wird ein Problem…

  12. Liebe Mechthild,

    Anjelina Jolie’s Brüste, vor ‘ner Woche brandaktuell, heute redet (außer uns) keiner mehr drüber: So ist sie die Welt… Das Thema selbst ist mal wieder sehr schwierig; da ich selber nicht betroffen bin, kann ich auch toll argumentieren.

    Vom Gefühl her gehe ich eher mit Marlies (@JochenRochen): Ich wollte mir von Medizin und Statistik nicht so blutig ins Leben reinregieren lassen. Wenn wer genetisch so prädisponiert ist, könnte die Solidargemeinschaft auch eine engmaschige Vorsorge (z.B. alle 3-6 Monate ein MR-Tomogramm) spendieren, oder?

    Die Vermarktung der AJ in den Boulevard-Medien steht auf einem anderen Blatt und ist gewohnt widerwärtig. Wenn dadurch allerdings mehr Frauen zur Vorsorge gehen, hat das Ganze zumindest etwas Gutes…

    Wir lesen uns morgen wieder, bis denne!

    Wilfried

  13. Ja, bis morgen, lieber @Willimeck, zu einem ganz anderen Thema. Aber ich denke und sehe allenthalben, die Krebs-Gentest-Diskussion wird noch anhalten. Auch jenseits der Starbusen… meint M.

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