“mmh…” Küssen verboten?

Wisst ihr, was “Philematologie” ist? Die Wissenschaft des Kusses. Was es alles gibt. Friedenskuss, Osterkuss, Bruderkuss, Schwesterkuss, Judaskuss, Luftkuss, Überraschungskuss, Riechkuss… Und 34 Gesichtsmuskeln agieren beim Küssen. Nu ja, wer wird eigentlich Philematologe? Keine Ahnung.

Ich ahne nur, jetzt, zwischen Mai und Juni wird wieder ausgiebig geheiratet, geherzt und geküsst. Liebesküsse. Hoffentlich. „Oh, jetzt knutschen die schon wieder“, motzt unser Sohn dieser Tage bei einer Trauung. „Ich geh nachher in Deckung.“ Ich grinse und erinnere mich, wie es bei mir war.

Ich war elf, da habe ich zum ersten Mal gedacht: „Bitte nicht umarmen.“ Mein Opa steht vor der Tür. Ich strecke ihm steif die Hand hin. Aber Opa lacht nur, umarmt mich fest – bis heute rieche ich sein „Old Spice“ – und drückt mir einen Schmatzer auf. Und das mit seiner Reibeisenhaut. Doch, ich habe meinen Opa geliebt. Aber als ich halb erwachsen war, ging es mir wie unserem Sohn heute manchmal: „Küssen verboten!“

Was die Prinzen auf den Punkt bringen, ich habe es bei manchen Onkels und Tanten gedacht: „Neiiin, bitte nicht!“. Besonders wenn man mir dazu noch mit einem spuckbefeuchteten Taschentuch… Lassen wir das. Denn Umarmen ist ja was Wunderbares. Und meist tun wir es freiwillig. Knuddeln Babys und Kinder. Küssen den Ehemann. Oder die Freundin. Was sogar Pubertierende hin und wieder gern tun.

Eine aufrichtige Umarmung sagt in jeder Sprache: Ich suche dich, bin dir nah, bin ganz bei dir. „Er lief, umarmte und küsste ihn“, heißt es in einem der schönsten Gleichnisse Jesu. Der VaterGott umarmt den verlorenen Sohn. Was für eine unglaubliche Geschichte, was für ein sprechendes Zeichen: Ich bin für dich da, ganz gleich was war, gleich, was geschieht, gleich, was kommen wird. Wie ließe sich inniger sagen: Ich liebe dich.

Also, ab in den Juni. Bei der Trauung, zum Familienfest oder Anlasslos am Freitag, am Samstag, am Sonntag, am besten täglich. Zu jeder Zeit, an jedem Ort. Tut´s einfach. Umarmt, knuddelt, knutscht alle, die ihr liebt. Außer denen, die zeigen „bitte nicht“!

Der bislang längste Kuss der Welt dauerte übrigens 33 Stunden. Wow. Oder Aua. Vielleicht, pssst, verrät ja jemand sein eindringlichstes Kusserlebnis? Wann ist bei euch…

Küssen verboten oder erlaubt?

Bleibt frech und fröhlich
Eure Mechthild Werner

32 Antworten auf ““mmh…” Küssen verboten?

  1. Die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Ja, es ist eines der schönsten Geichnisse. Zeigt es doch die unfassbar grosse Liebe des Vaters zu dem Sohn der zurückkam und der die Liebe annehmen konnte.

    Eine Umarmung zwischen zwei Menschen, kaum eine andere Handlung kann beiden zeigen und können beide sich geben um sich zu zeigen: Ja, wir sind uns nahe, wir schätzen uns. Ob dabei die Lippen die Wangen berühren sei offengelassen.

    Durch eine Umarmung sich gehalten fühlen, sich gehalten wissen.
    Mit einer Umarmung einen anderen Menschen halten. Gibt es eine wunderbarere Art füreinander da zu sein?

    Mechthild Du hast recht. Umarmt, knuddelt, küsst, knuscht. Bei den Begegnungen, wenn Beiden danach ist.

    Zeigt allen drumherum, ja, wir mögen uns, stehen füreinander ein, geben uns Halt, geben durch unser Handeln Orientierung. Wir wollen Euch zeigen, es gibt Wärme, Herzenswärme die Menschen zeigen und geben.

    Und dem herzallerliebsten Menschen an unserer Lebensseite schenken wir unsere innigsten Küsse, immer öfter.

  2. Im Umgang mit meiner Mutter habe ich gelernt, auf die Zeichen zu achten und vor allem, sie zu respektieren. Bei manchen Menschen ist ein Händedruck mehr wert als bei anderen eine Umarmung samt Küsschen rechts und links. Vielleicht bin ich auch zu preußisch.
    Natürlich umarme ich manche Menschen – und das gern. Und meine Kinder küsse ich (solange sie sich das gefallen lassen – aber wenn keiner zusieht, geht’s noch ganz gut… ;-) )
    Und natürlich sind Küsse und Umarmungen und andere Zeichen der Zärtlichkeit etwas schönes und bereicherndes. Aber eben nur, solange darin und damit keiner erstickt wird.

    • “Solange niemand zusieht”, auch das ist ein feines Zeichen, das es zu achten gilt, liebe @Bettina… Und ich kenne sie auch, die falschen Umarmungen und flachen Rechts-Links-Busseleien (damit jeder zusieht) ebenso wie den Händedruck von Herzen.

      Sei aus der Regenferne herzhaft gegrüßt, auch wenn jeder mitliest. ;) M.

  3. Wie kann man als Erwachsener n i c h t mitbekommen,daß ein Kuß dem Kinde unangenehm ist?
    Das werde ich nie begreifen und es wird mir immer ein Rätsel bleiben.
    Ich selber hatte allerdings einige Tanten,die in dieser Hinsicht absolut schmerzfrei waren.Da gab es kein Entrinnen als Kind.
    Der feuc hte Schmatzer mußte auf die Backe gedrückt werden als wäre es ein Naturgesetz.Da konnte ich mein Gesicht noch so verziehen.
    Kein Lerneffekt.Über Jahre hin.
    Ich habe für mich daraus gelernt:meine beiden hübschen und reizenden Nichten bekommen von mir “vorsichtshalber” keinen Kuß auf die Wange.Obwohl ich nicht einmal “Old Spice” verwende……
    Lieber etwas zuviel als etwas zuwenig Distanz ist meine Devise.
    Daß ich irgendwann als junger Mann die schöneren Seiten des Küssens kennenlernte,verdanke ich einem 17-jährigen Mädchen das den Namen der Göttin der Jagd trug.
    Sie konnte in puncto Küssen sehr überzeugend sein und alte Traumatisierungen in meiner Psyche einfach löschen.
    Mein unsterblicher Dank gilt ihr.
    Tja-so widersprüchlich sind meine Erfahrungen zum Thema Küssen.

  4. Und hier ein schöner Facebook-Kommentar von @Gabriele Herbst:

    “Küssen ist einfach wunderbar, wenn es nicht “gemusst ” ist, wenn ich den anderen wirklich riechen und lieben kann. Es gibt ein paar besondere Küsse in meinem Leben, die ich nie vergessen will und mitnehmen werde “in den Himmel”.

    Und dann gibt es die täglichen kleinen oder großen, ohne die ich mir das Leben einfach nicht vorstellen kann. Manchmal muss ich nach einem (auch kleinen Kuss) weinen, weil sich plötzlich in mir etwas löst…

    So muss es bei dem “verlorenen Sohn” gewesen sein… erst küsste ihn der Vater , dann seine Schuldeinsicht… Wie mögen Gottes Küsse schmecken? Jedenfalls so, dass es uns nicht peinlich ist. Mein kleiner Enkel sagt zu einem Kuss, den er nicht mag “AB, AB” Das ist lustig und klar. So soll es sein.”

    • Genau, kein Musskuss. “AB” – wie direkt und schön. Das konnte unser Sohn auch schon ohne Worte sagen. Widerwillig den blonden Lockenkopf weggedreht. Oder später dann “NEIIIN, du nicht!” Das ist hart, aber herzlich. Die berührenden Küsse, ja, die kenne ich auch. Göttliche, beinahe.

  5. Pingback: “mmh…” Küssen verboten? | theolounge.de

  6. Mit meinen Kindern habe ich immer wieder gerne das Bilderbuch “Schluss mit Kuss” gelesen. Die Geschichte handelt von einem kleinen Affen, der sich darüber aufregt, dass sich ständig alle küssen müssen. Er wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen, bis er eines Tages seinen kleinen, neugeborenen Bruder anblickt und schließlich…
    Das Buch hat für mich zwei Botschaften: Wehr Dich dagegen, wenn Du es nicht möchtest und zweitens: es ist OK, wenn Beide es wollen.

  7. Liebe Mechthild,

    den Pferdekuss haste vergessen… aber “Spaß ohne” wie eine bloggende Best-Agerin gerne sagt: Natürlich finde ich das Bussilinksundrechtsundlinks-Gehabe nervend, und kleine Kinder lasse ich auch in Ruhe, wenn sie nicht gerade kuscheln kommen – im Gegenteil, sogar das Händedrücken (z.B. vor der Sitzung eine Runde machen und 15 Hände schütteln..) find’ ich doof, vielleicht weil ich beruflich schon viel körperliche Nähe hab, wer weiß?

    Wenn ich umarme, dann meine ich das auch so (außer bei manchen gesellschaftlichen Anlässen linksrechtlinks, Du weißt schon, 2 Meter in die Luft und weggucken dabei…)!

    Auf Deine Frage möchte ich eine Geschichte zum Besten geben: Als ich vor sechs Jahren bei einer Band vorspielte, zupfte ich in einer Pause mal das nicht geplante Pinball Wizard von The Who an (http://www.youtube.com/watch?v=7n–XqizDjY), das ja für alle nicht so einfach zu spielen ist und nicht zum Standardrepertoire gehört. Bass und Schlagzeug setzen ein, und wir spielen das ganze so runter, daß es mir ne Gänsehaut verpasste. Sontan nahm ich den Bassisten in den Arm (der plötzlich ganz starr wurde…) und sagte nur “Mensch Greg, das war aber schön, ich muss dich mal drücken!”

    Das hatte er, der schon ein über ein halbes Leben Musik macht, noch nicht erlebt – wir spielen heute noch zusammen und haben uns unsere unschuldige Freude dabei bewahrt…

    Dir und den Lesern ein schönes Wochenende!
    Wilfried

  8. Vieles, was mir auch durch den Kopf ging beim Lesen, haben andere schon kommentiert.
    Ich sag für mich noch:
    Achtsamkeit, das ist es.
    Was passt wo, welche Distanzen sind zu respektieren?
    Ist ein gutes Radargerät, die Achtsamkeit.
    Kann dann trotzdem daneben gehen….-
    So ist es halt, unser wunderbar verrücktes, zwiespältiges und manchmal grenzüberschreitendes Leben…
    Schönes Wochenende,
    Matthias

  9. In der englischen Trauagende, die ich mir von einem Freund, der in Australien Dienst tut, erbat, findet sich an einer Stelle die schöne, handschriftlich nachgetragene Aufforderung:
    ‘You may now kiss the bride.’ Ich hab das, sofern im Vorgespräch kein Widerspruch erfolgt, in meine persönliche Traugottesdienste aufgenommen – und meistens ist es der Punkt, an dem es den meisten Applaus gibt, mehr noch als bei den besonderen Musikbeiträgen. Wenn sich die Spannung aller Beteiligten nach Traufragen und Segen in einem Kuss löst.
    Und was kann es denn auch Schöneres geben.
    Denn: a kiss is a kiss is a kiss….

    • Kam nie auf die Idee, lieber Andreas, dass es einer Agende bedürfe für diese Bedürfnis ;) yes. a kiss..

      Wenn auch ein solch symbolisch öffentlicher Kuss vielleicht nicht der inniglichste ist. Ob man da gelöst sein mag angesichts der versammelten lieben Familie und der gezückten Kameras? could be.

      Gutes (Synoden-)Wochenende noch, M.

      • Na, ich weiß nicht, ich hab da schon so einige reichlich innige Küsse gesehen… ;)
        Ich frage das auch im Gespräch, allerdings sage ich dann schon eher: die Brautleute dürfen sich küssen… Den ganzen patriarchalen Kram gegen den Strich zu bürsten und zumindest im Gespräch drauf hinzuweisen, ist mir hier schon ein Anliegen. Etwa ein Drittel aller Paare lassen dann auch der Frau den Vortritt bei den Fragen(und manche Oma schaut irritiert). :) )

        • Haste recht, ich sagte auch stets: “ihr dürft einander küssen…” Aber von wegen gendern, lieber Matthias, da kommt ja langsam dieser uralte (und amerikanische) Brauch des väterlichen Brautzuführens wieder auf. Na das ist doch mal echt Patriarch, wa?

  10. Irgendwie hat hier aber – ausser den wunderbaren Diana-Erlebnissen – niemand so rechte Kuss-Geheimnisse ausgeplaudert. Aber soll wohl auch so sein.

    Wie hieß es (schon auf Facebook gepostet): “Die besten Küsse sind die ohne Zukunft.” Bodo Kirchhoff in die “Liebe in groben Zügen”.

  11. Spät und nachträglich fühle ich mich jetzt doch zu einer Kussgeschichte inspiriert, liebe Mechthild.

    In meiner Familie (und meiner Generation, glaube ich) wurde aus heutiger Sicht irrsinnig viel fern gesehen. Wir haben uns als Kinder echt eckige Augen geglotzt. Reichlich Liebes- und Kuss-Szenen waren auch dabei.

    Als ich dann als Jugendliche zum ersten Mal einen Jungen geküsst habe, war ich ernsthaft irritiert darüber, dass nicht sofort romantische Hintergrundmusik einsetzte! Stattdessen hörte man eine Lederjacke knarzen und den vorbeifahrenden Straßenverkehr. Wie unromantisch! Da hätte ich mir einen Pop-up-Stehgeiger gewünscht …

    Soviel von meiner Seite zum Thema Küssen und nebenbei auch zu der Frage, wie wir alle durch Medien geprägt werden. Wie das bei heutigen Erstküsserinnen und -küssern wohl ist?

    • Ich kann´ s förmlich riechen und hören, das Leder und das Knarzen statt Kuschelsongs. Hart, liebe @Heike. ;)

      Ja, die Medienbilder werden inzwischen noch viel prägender sein. Was einem allein beim Surfen so alles entgegenspringt… Aber die Knutschromantik-Sehnsucht bleibt, oder?

      Sonniges Wochenende Dir und Euch, wünscht M.

      • Echte Lebenserfahrung ist einfach das beste Mittel gegen medialen Einfluss. Heute bin ich zum Glück in der Lage, alles mögliche zu romantisieren – auch Lederjackengeknarze :)

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