„mmh…“ Mehr Jugend als du glaubst?

„Klar, Kirche gilt bei jungen Leuten als uncool. Und ein Kirchenparlament, gähn, erst recht. Aber wir können mitbestimmen, wenn es auch oft mühsam ist“.
Eine Jungsynodale

Das verriet sie mir, Lisa Rheinheimer, vor einiger Zeit in einem Interview. Mal sehen, wie es heute aussieht, wenn sie und Simon Rummer zur Synode mal im Mittelpunkt stehen. Ja, da staunt ihr, Menschen unter 30 sitzen in unserem Parlament, wir haben “Piraten” in der Synode. Das Pfälzer Modell. Die Kirche versucht, auf ihre Küken zu hören.

“Hast Du auch Tauben im Kirchturm?”, klagt die Pfarrerin dem Kollegen, “die nerven und nichts hilft.” “Ja, hatte ich auch mal das Problem.” “Und, wie hast du sie rausgekriegt?” “Ach, ich hab sie konfirmiert.”
Ein Witz

Tja, alt der Witz. Aber angeblich wahr. “Die kummen nimmi in die Kärch”, war die Klage der guten, alten Kerngemeinde in meinem Pfälzer Dorf. Dabei – ebenso wahr – im Gottesdienst nerven sie ja oft nur, die leidlich heimlich gähnen oder offen gelangweilt facebooken.

“Die Kirche will sich für die Jugendlichen verstärkt interessant machen… Doch im Gegensatz etwa zu den Sportvereinen vermittelt sie den Jugendlichen nicht, dass sie gebraucht werden, eher, dass es ohne sie besser ginge.”
Gymnasiasten in einer Untersuchung zu Jugend und Kirche

“Jugendliche fänden ihre Werte eher bei Gruppierungen wie Greenpeace oder Amnesty International verwirklicht – sie seien einfach überzeugender als die real existierende Kirche”
Ein Blogger zur Sinus-Milieu-Studie

Dennoch – wahr zum dritten – es gibt sie ja, die „Kärch“ voller Jugendlicher.

“Immer heißt es, wir sind die Zukunft, dabei sind wir die Gegenwart.”
Eine Jugendleiterin

Jugend ist bereits Kirche. Wenn auch anders als wir allzu Erwachsenen das kennen. Junge Leute auf Kirchentagen, in Jugendkirchen, Seminaren, Schultreffs, auf Freizeiten. Allein 4.500 junge Leute engagieren sich freiwillig in der Evangelischen Jugend Pfalz.

Mehr drin als du glaubst, heißt denn das Motto, unter dem auch die Synode an diesem Freitag steht. Was alles drin ist, wird zu hören sein im Gespräch mit Ministerin Irene Alt, mit Mike Corsa, dem Generalsekretär der Evangelischen Jugend in Deutschland und mit vielen in Ehren ergrauten SynodalInnen.

Lest mal rein. Wir berichten und twittern, so mittelalterjung, wie Bruder Ebel und ich das eben hinbekommen.

Ich meine jedenfalls: Der alte Witz stimmt. Jugendliche sind wie Tauben. Wie der heilige, frische Geist, der auch manchmal nervt, weil er uns aufstört…

Und was meint ihr?

Bleibt frech und fröhlich,
Eure Mechthild Werner

8 Antworten auf “„mmh…“ Mehr Jugend als du glaubst?

  1. Guten Morgen, Ihr Berufsjugendlichen,

    nee, warn Scherz, berufsjugendlich wie die ModeratorInnen “Eures” SWR3 kommt Ihr (gottlob) nicht daher! Jugend und Kirche, ein strittiges Thema: Fast jeder, der sich für Presbyteramt bewirbt “will was für die Jugend tun” – es kommt aber oft nix. Es wird eben zuviel FÜR die Jugend gemacht, und noch lassen wir die Jugend zuwenig machen.

    Es ist eine grausame Wahrheit, daß wir mit dem Erwachsenwerden den Draht zur Jugend zuerst verlieren, und vermeintlich coole Sprüche nur noch wie gewollt und nicht gekonnt wirken; ein Problem für alle Mitarbeidenden in der Jugendarbeit.

    Trotzdem läuft schon Einiges bei uns, was sich eben nicht durch den Besuch des Sonntagsgottesdienstes belegen lässt, aber wir wissen ja: Wenn zwei oder drei… Wir sollten Freiräume für die Aktivitäten der “Nach-Konfi-Generation” schaffen, uns nicht anbiedern und dabei echt bleiben – dann klappts schon mit der Jugend.

    Mit meinen 53 Lenzen gehöre ich schon zu den Jüngeren im Presbyterium, das finde ich ein Unding. Wie stellen wir uns dar, daß da kaum U30-Spieler mitmachen wollen. K1 meinte bei meiner Erstkandidatur: “Da sind doch nur alte Säcke, die keine Ahnung haben, was los ist” (meine Antwort war “Dann ist höchste Zeit, daß da dein Alter hinkommt!”). Was tun wir dagegn, so rüberzukommen. Die Jugend muss auch entscheiden können, nicht nur mit beratender Stimme im Jugendausschuss!

    Eine schöne Synode und etwas Wochenende wünscht

    Wilfried

    • Wir sind keine Berufsjugendlichen, lieber @Willimeck, wir sind beruflich Best-Ager. Oder wie Dein Sohn sagt “alte Säcke” ;)

      Und das bereits eine ganze Weile. Ja, Angebote nach der Konfirmation. Die gibt’s stellenweise noch. Aber nach 30 ist Schluss. Bis über 50. Das wurde selbst auf dem Kirchentag von manchen bedauert. Da gibts was zu tun.

      Was ich aber auf unserer Jugendsynode vom EKD-Generalsekretär Mike Corsa gelernt habe: Alt werden im Jugendauftrag ist nicht immer ein Schaden. Die besten Streetworker sind mitunter die Sechzigjährigen. Mit Erfahrung und Ruhe und Geduld genug, um auf die Kids einzugehen.

      Was indes die “Jugendarbeit” angeht ist glaube ich das Wichtigste, die jungen Leute selbst agieren und bestimmen zu lassen. Denn da ist viel mehr drin als Du glaubst.

      Mittelalterliche Grüße, M.

  2. Für Euch eine gelungene Synode. Viele gute Gespräche, gute Begegnungen. Dabei werdet ihr spüren, die Überschrift “Mehr drin als du glaubst” wirklich passt.

    Wie können Menschen nach der Konfirmation eingebunden werden, wie hält Gemeinde den Kontakt. Diese Fragen bestimmen Gespräche seit Jahrzehnten. Kommt es drauf an, wie wir als Gemeinde den Menschen begegnen? Den Eltern im Kindergarten? Neugierig machen auf die Kinder- und Jugendarbeit? Jugendlichen Verantwortung an die Hand geben. Damit es Jugendarbeit mit Jugendlichen gibt und nicht für sie.

    Wen wir hinsehen, es passiert viel. An dem einen Ort weniger, am anderen mehr. Menschen in jungen Jahren können sich für Glauben und Kirche begeistern lassen. Frischer und junger Wind wird allen Gremien gut tun. Neue, andere, zusätzliche Formen und Angebote des Gottesdienstes werden Menschen anlocken. Wir müssen sie für das, was Kirche, was Gemeinde zu sagen hat empfindsam machen.

    Auch damit Menschen wie unser Wilfried das Durchschnittsalter im Presbyterium nicht auf 70 runterbrechen.

    Euch allen ein gutes Wochenende. Viele inspirierende Begegnungen.

    • Das genau ist und war es immer wieder, lieber @Jürgen: Die jungen Leute sind Kirche und machen ihre Kirche selbst. Wenn wir ihnen Raum und Freiräume bieten.

      Das zeigte die Synode ohne Zweifel. Doch warum heißt eigentlich immer alles “Arbeit” bei uns? Auch das ist symptomatisch. Herzlich, M.

  3. Dickes “like” für den Satz der Jugendleiterin “immer heißt es, wir sind die Zukunft – dabei sind wir die Gegenwart”.
    Und wie sieht die Gegenwart aus? Es gibt in der Pfalz Kirchengemeinden mit richtiger guter, lebendiger, stark besuchter Jugendarbeit. Aber wen interessierts? Die Jugendzentrale? Das Landesjugendpfarramt? :-) ))

    Seit Jahren sind unsere Dorf-Jugend-Sommerfreizeiten mit 40 bis 70 Jugendlichen ausgebucht. Jung-Mitarbeiter haben sich durch ein geniales Programm einen guten Ruf erarbeitet – und das zieht! Und wen interessierts? :-) ))
    Unsere Jugendgottesdienste finden 1 x im Monat statt – ohne Pfarrerbeteiligung! Das JuGo-Team besteht aus 14 Mitarbeitern. Durchschnittlich kommen 80 Jugendliche. Und wen interessierts?

    Aber Schluss jetzt mit der Angeberei – ist doch egal, wen´s interessiert – die Jugend 2013 profitiert davon – zwei ehemalige Mitarbeiter studieren inzwischen Theologie….
    Ich will nicht meckern, nur erklären, warum meine Hoffnung nicht auf Ämtern oder Deligiertenversammlungen ruht, sondern auf der lebendigen Jugendarbeit im Ort. Und hier kann man am Besten das weitergeben, was man selbst erlebt hat – begeistern mit dem, was einen selbst begeistert.
    Mich begeistert unsere Jugend! Lasst euch nicht stoppen! Ihr seid die Gegenwart – und was für eine gute!!!!

    • Höre ich durch das “keinen-interessiert´s-Stakkato” so etwas wie Frust?

      Ansonsten ein begeistertes und begeisterndes Votum, lieber @Stefan und Fröhlich dazu ;) (Der musste sein) Zweifelsohne geht es in Deiner singenden und swingenden Gemeinde jugendlich zu. Wie an manch anderen Orten der Pfalz.

      Und genau das interessiert. Auch bei der Synode. Wunderbar lebendig, was die Jugendlichen präsentieren konnten, als man sie nach dem “erwachsenen Vorlauf’” denn ließ. Soviel gemeindenaher Praxiseinblick war nie. Auch wenn die Synode sicher nicht gleich tanzte. Aber fast.

      Selbst die Jugendgremien – ich bin in einem Forum gewesen – gehen mit erstaunlichem Elan durch die Mühen der Demokratie, um etwas zu bewegen. Für mich gehört auch das zur Hoffnung. Auf die Gegenwart…

      Herzlich, M.

  4. Interessant, bei uns im Norden kennt man den Kalauer der Kirchen-Austreibung mit Fledermäusen statt mit Tauben…
    Wobei mir überhaupt nicht klar ist, warum. – Denn die Fledermäuse als schützenswerte und irgendwie geheimnisvolle Wesen, warum soll man die eigentlich vertreiben? Versuchen wir nicht sogar, die wieder anzusiedeln in unseren Kirchtürmen? Gleichwie, es geht ja um die Jugend. Und darum, wie Kirche heute für sie einen Beitrag leisten kann. Wir Babyboomer, wir stürmten einst die kirchlichen Teestuben, weil sie uns Heimat boten in einer Zeit, als Freiräume irgendwie Mangelware waren in diesem Land. Es brauchte keine Werbung und keine Einladungsschreiben, wir machten ‘unsere’ Orte ausfindig und nahmen sie unter Beschlag. Das funktioniert heute so nicht mehr, weil die Welt ringsum eine andere geworden ist. Anti-Atom-, Umwelt- und Friedensbewegung, sie sind längst gesellschaftlich etabliert und aus den räucherstäbchen-schwangeren Kellerräumen in die oberen Etagen umgezogen. Kaum anzunehmen, dass sie sich auf den umgekehrten Weg machen werden, und wenn, würde es kaum einen Teenie begeistern.
    Wie auch, Geschichte wiederholt sich nicht, und wenn doch, dann nur als Farce (Tabori). Andererseits brauchen wir sie, die Jugend, den Nachwuchs, die neuen Ideen und Aufbrüche, die wir Middle-Ager wohl kaum zu leisten imstande sind. Also: kommet herbei und engagiert euch. Fragt uns an und aus. Nervt uns. Fordert uns heraus. Aber kommt weg vom heimischen PC, der eure knappe Freizeit, die verlängerte Schulnachmittage verursacht haben, nur unnötig auffrißt. Sagt einer, der selbst viel zu viel bei Facebook rumhängt…. :v

    • Deine Teestuben-Schilderung, lieber @Andreas, erinnert mich an unseren Kollegen Markutzik, der auf der Jugendsynode einen wunderbar kabarettistischen Überblick über die Jugendarbeit der letzten 20 Jahre gab.

      Die Zeiten ändern sich und dich. “Fragt uns aus und nervt uns… ” Jepp, das galt und gilt immer noch. So wir etwas anbieten, zu hinterfragen. Wer gar nicht mehr sieht und weiß, was Kirche bedeuten kann, wie könnte er oder sie nachfragen? Und deswegen weniger bei Facebook rumhängen? Wobei dort ja im übrigen auch Kirche stattfinden kann. ;) Herzlich, M.

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