“bäh”…Lang lebe die Leitkultur, oder…

Ob Bruder Martin wortgewaltig genug ist, um Pegida Einhalt zu gebieten?

Ob Bruder Martin wortgewaltig genug ist, um Pegida Einhalt zu gebieten?

…warum wir uns eigentlich abschaffen müssten.

Es weht ein seltsamer Wind in unserem Land. Vielleicht durch die Medien ein bisschen zu sehr aufgeblasen, aber doch so gegenwärtig, dass 10.000 Menschen in Dresden auf die Straße gehen und europäisch-patriotisch sein wollen. Es geht – wie seit Jahren – gegen muslimische Mitmenschen, die, alle über einen Kamm gezogen, im Keller mindestens einen Sprengstoffgürtel haben müssen. Das ist einfach so. Man schaue sich die Leute doch nur mal an! Und wenn sie keine Islamisten sind, dann doch wenigstens Sozialschmarotzer.

Um hier mal Flagge zu zeigen – obwohl man ja nicht Rechts ist, aber man wird ja nochmal was sagen dürfen – sammelt sich diese Gruppe von Menschen nun und wird zu einem Gemisch, dass die Parolen der friedlichen Wende missbraucht und in Begleitung von eben jenen Gewaltbereiten marschiert, die so gar nicht mit ihrer rechten Gesinnung hinterm Berg halten. Und nichts Heilsames steht dagegen. Nur der klägliche Versuch der CSU, mit einer Stammtischparole wenigstens die wieder einzufangen, die sonst ganz über den rechten Rand zu rutschen beginnen.

Eine bedenkliche, eine schwierige Entwicklung. Doch warum sollten wir uns als Kirche deswegen abschaffen?

Zum einen, ganz klar, weil wir zwar eine kleine Säule der angedachten europäischen Kultur Abendlandes sind (denn von wo, wenn nicht aus den Kirchen des Mittelalters kommt „unsere“ Kultur?). Blöd nur, dass wir selbst, wenn wir es genau betrachten, unsere Wurzel in einer Familie haben, die selbst Zuwanderer in Galiläa gewesen sein müssen (Josephs Vorväter stammen ausdem südlichen Juda) und die zudem alles andere als ein abendländisches Wertesystem hat, wie es bspw. die AfD zu pflegen scheint. Denn das Kind ist unehelich, die Altersunterschied zwischen Joseph und Maria zumindest zu hinterfragen und auch finanziell muss es ein bisschen geknistert haben, denn sonst hätte man sich sicher in Bethlehem doch eine Herberge leisten können. Außerdem – wer geht schon mit seiner hochschwangeren Verlobten auf so eine Reise?

Ergo: die abendländisch-christlichen Werte, die so schwungvoll gegen Muslime geschleudert werden, haben einen so zweifelhaften Ursprung, dass wir uns da mal schnell abschaffen sollten, bevor es Pegida und AfD merken, auf welchem falschen Kamel wir reiten.

Zum anderen fehlt uns so oder so die gesellschaftliche Durchschlagskraft. Mal ehrlich, ich finde es richtig gut, wenn sich der Kirchenpräsident und auch einige seiner Amtsschwestern und –brüder um die Rolle der Kirche in der Öffentlichkeit bemühen, doch mir deucht, dies interessiert die Öffentlichkeit zur Zeit in etwa so sehr, wie das umfallen eines Sack Reis in China. Da lob ich mir doch die katholischen Geschwister. Die sind zwar manchmal für so einen Evangelischen nicht ganz so leicht zu begreifen, doch das machen sie wenigstens mit so einer Präsenz, dass es die Menge – oft empört – mitbekommt. Da hilft auch die evangelische Allzweckwaffe Margot K. aus Hannover nur noch wenig. Evangelisches geht unter im bundesweiten Medienzirkus.

In der Binnenstruktur sind wir dabei – glaube ich – gar nicht mal schlecht. Öffentlichkeitsarbeit, Rundfunkandachten, Internetpräsenz, Facebook, Twitter – dass klappt so gut in der Pfalz, dass selbst die EKD davon Wind bekommen hat. Wenngleich hier viel auf ehrenamtlichen Schultern läuft, gerade was Social Media angeht.

Doch bei aller Qualität, so mal richtig das Salz in die Wunden zu streuen, dass es auch jemand außerhalb der kirchlichen Strukturen mitbekommt, das kriegen wir kaum mehr hin.

Vielleicht liegt es ja daran – und da nehme ich mich nicht aus – dass wir insgesamt ein bisschen duckmäuserisch ist. Konflikte angehen, mal klar Stellung beziehen, den Kamm gegen den Strich bürsten, das gelingt uns inzwischen zu selten. Für mich selbst gesprochen: Ich mach das auch nicht, aus Angst, hier etwas an Kirchenkritik aufzuscheuchen, was gerade so mal nicht da ist.

Da kümmere ich mich auch mal lieber um den Inner Circle. Bevor mir anderswo noch etwas passiert. Da helfen selbst die 30% Wahlbeteiligung bei den Kirchenwahlen nicht drüber. Denn ich denke, dass dies viel weniger ein Ausdruck von gesellschaftlichen Relevanz ist, als ich es glauben möchte – oder?

Deshalb – so mal meine Bestandsaufnahme – können wir vielleicht wirklich schon mal den Gedanken denken, wie es sein wird, auch noch den Rest an Daseinsberechtigung als Institution verloren zu haben. Doch was tun? Gute Frage und keine Antwort parat. Schließlich gehöre ich ja auch zum System und neige dazu, meine Relevanz aus dem Zuspruch Einzelner zu ziehen.

Aber wenn es schon so läuft, wieso machen wir dann nicht aus der Not eine Tugend? Will heißen, wenn der Karren schon an die Wand fährt, wieso nicht mit Schwung? Was gibt es zu verlieren? Ich fürchte nichts!

Drum wünsche ich mir in diesem Jahr von meiner Kirche zu Weihnachten erstmal Weihnachtsgeld. Nein, Spaß! Ich wünsche mir, dass sie den Hintern hoch hebt und sich nicht Gedanken darum macht, wie man den Mangel verwaltet, sondern dass sie den Mut hat, Gesellschaft zu prägen! Denn ganz im Sinne Adenauers, wer kann denn das Gewissen dieser Gesellschaft sein, wenn nicht wir? Wir sollen Leitkultur sein – dann lasst uns Leitkultur sein! Aber die richtige! Mit dem Herzen bei den Menschen und für die Menschen. Und wenn es losgeht – bin ich mit dabei!

Ein Letztes noch; wer weiß, wann ich wieder blogge. Es ist etwas konfus, was jetzt da oben steht, doch so sind Blogs manchmal. Weil etwas ätzend ist und dann die Gedanken einfach so durcheinander fliegen. Drum findet Ihr es nicht zu ätzend.

Bis bald, der beffman

“bäh…”: Und am Ende ist doch alles irgendwie Fußball

und der Ball rollt auf dem Trainingsgelände des ProTuS Mühlbach am Glan

Der beffman meldet sich heute aus dem Stadion des 1. EV Pfalz und berichtet von den Ereignissen, die schon jetzt ihre Schatten auf die übernächste Woche werfen. Denn es geht rund im Verein.

Vom 20. bis 22. November tagt die Mitgliederversammlung des Dachverbandes, um die zu Ende gehende Legislaturperiode der Delegiertenversammlung Revue passieren zu lassen. Dazu kommt, dass der Verbandschef gewählt werden soll, um auch in Zukunft mit den Amtsbrüdern Sepp Blatter, Michel Platini und Franziskus aus Rom auf Augenhöhe sprechen zu können.

Der inzwischen erfahrene Christian Schad, in Spielkreisen auch „der Lange“ genannt, stellt sich erneut dieser Herausforderung.  Dass er das Zeug dazu hat, bewies er ja schon in seiner aktiven Zeit als Spieler und Spielertrainer, in der er – mit Hilfe seines Köpfchens – sowohl in der Abwehr als auch im Sturmzentrum immer dem Spielgerät die Stirn geboten hat. Weiterlesen

“bah…”: Von wegen erinnern!

IMG_0407Reformationstag! Wie wäre das:

Das Lob auf Luther und die Erinnerung an Zwingli, so wichtig beide waren, lassen wir heute einfach einmal weg. Stattdessen reden wir darüber, was uns Protestanten und Protestantinnen ausmacht und worauf wir wirklich stolz sind in unserer Geschichte. Nein, das ist keine Abgrenzung gegen andere, kein später Konfessionalismus, ich schlage es uns vor einfach als Identitätspflege. Ich bin gern Protestantin, zum Beispiel, weil bei uns Frauen Pfarrerinnen werden können. Darauf bin ich stolz. Andere vermutlich auf anderes. Und wenn wir so zusammen sitzen, dann redet einer vielleicht von Dietrich Bonhoeffer, eine andere von den Frauen der Reformation. Ehrlich gesagt finde ich, erinnern macht am meisten Spass, wenn es persönlich wird, wenn also nicht zuerst Ereignisse erzählt werden heute, sondern Erfahrungen. Weiterlesen

„huch…“: Wie wertvoll Kollegen sind

KollegenVor etwa vier Wochen mache ich mich auf den Weg nach Landau ins Butenschoen-Haus. Nach acht Monaten ist es das erste Mal, dass ich wieder dort zu Gast bin. Die Herberge, in der wir während des Vikariats regelmäßig untergekommen sind, ist nun Treffpunkt für den ersten FEA-Kurs – den ersten Kurs der Fortbildungen in den ersten Amtsjahren. Gespannt fahre ich nach Landau. Ich freue mich die Kolleginnen und Kollegen aus dem Kurs wieder zu sehen. Blicke aber auch ganz erwartungsvoll auf die Dinge, die sie aus ihren Gemeinden zu erzählen haben. Denn seit dem Ende unseres Vikariats haben wir uns nur selten gesehen und gesprochen. An den Ordinationen besuchten wir uns gegenseitig. Aber ansonsten haben wir uns im Alltag des Pfarramtes doch schnell aus den Augen verloren. Umso schöner ist es die Kurskollegen endlich wieder zu treffen. Weiterlesen

“aha…” Auf dem Weg zur Sprachfähigkeit III: Psychologie

VierOhrenFür die dritte Perspektive auf die Sprachfähigkeit im Glauben, die kommunikationspsychologische, beziehe ich mich auf einen „Klassiker“: das dreibändige Hauptwerk des Psychologen und Kommunikationswissenschaftlers Friedemann Schulz von Thun, „Miteinander reden“. Schulz von Thun entwirft darin ein Modell der Kommunikation, das gleichermaßen klar verständlich wie ergiebig ist. Mit seinem „Quadrat der Nachricht“ (vgl. zum Folgenden [1], S.19-21) geht er davon aus, dass jede Mitteilung immer vier Seiten hat. Und während der Sender mit „vier Schnäbeln“ spricht, hört der Empfänger auf „vier Ohren“. Kommunikationsstörungen entstehen dadurch, dass oft nur eine Seite der Mitteilung explizit ausgesprochen ist und alle anderen Botschaften „zwischen den Zeilen“ mitschwingen. Weiterlesen